WORDS OF FAREWELL - A Quiet World

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VÖ: 18.11.2016
Bandinfo: WORDS OF FAREWELL
Genre: Melodic Death Metal
Label: AFM Records
Lineup  |  Trackliste

Nach WORDS OF FAREWELL kann man fast schon die Uhr stellen. Zuerst traten die Melodic Death Metaller mit ihrem Debut „Immersion“ auf den Plan, das auf hohe Qualität und debütantische Schönheitsfehlerchen aufbauen konnte. „The Black Wild Yonder“ krachte dann mit unglaublicher Qualität in einer fulminanten Melodic Death Metal-Welle auf die Hörer ein, die alles mitbrachte, was eine tolle Scheibe dieses Genres brauchte. Pünktlich melden sie sich 2016 wieder zu Wort und haben die dritte Scheibe am Start. „A Quiet World“ sollte eine neuerliche Weiterentwicklung mit sich bringen. Und das wollte sich meinereiner genauer anhören. 

Wie gewohnt sind WORDS OF FAREWELL mit allen genreinternen Wassern gewaschen. Aggressive Ansätze, gestützt von tragenden, atmosphärischen Keyboards und verspielten Intermezzi an der Gitarre, während eine starke Stimme fast schon beruhigend wenig Spitzen mit sich bringt. Gespickt wird das alles mit einer angenehmen, nicht überschäumenden Dosis an Progressivität. Nach wie vor hängt ihnen eine eindeutig nordische Richtung nach, doch das ist weder schlecht, noch verboten. Vor allem nicht, wenn es eine Band schafft, diese Marke auf solchem Niveau umzusetzen, wie es eben hier passiert ist. Darüber hinaus gehen WORDS OF FAREWELL trotzdem ihren eigenen Weg, entwickeln sich weiter und verändern sich – und zwar ohne sich auf Vorlagen zu stützen oder auf die schräge Idee zu kommen, abzukupfern. 

Ja, ein wenig ruhiger sind sie geworden, die Herren aus dem Ruhrgebiet. Sie haben einen Teil ihrer Death-Aggressivität durch mehr Atmosphäre und Keyboard-Soundteppich eingetauscht, bringen bei „Limit Cycle“ auch einen tiefen Sprechgesang mit ins Spiel und warten sogar mit einer kurzen Passage an Clean Vocals auf. Generell lassen sie Songs wie dem eben genannten oder wie „Oversoul“ mehr Zeit, sich zu entwickeln und geben der manchmal etwas düster-melancholischen Stimmung mehr Raum. Nach wie vor wissen WORDS OF FACEWELL, einen Song so aufzubauen, dass er seine volle Wirkung entfalten kann. So startet die Scheibe mit „My Share of Loneliness“ mit beschwingter und progressiv angehauchter Aggressivität, die sich mal mit stampfenden Parts, mal mit beruhigten, melodischen Einspielungen abwechselt. „Gaia Demise“ nimmt dann Fahrt auf und treibt ordentlich an, ohne dabei aber brachial zu werden. Dieser Anspruch wird allgemein gesagt auf dem gesamten Album nicht erhoben. Die sphärischen Einschübe mehren sich, dominieren die Songs mehr und mehr und treiben in ruhigeres, melodischeres Fahrwasser, das in schon genanntem „Limit Cycle“ gipfelt, aber im weiteren Verlauf keineswegs vollständig verblasst und ständiger Begleiter des Sounds bleibt. „Zero Temperance“ besinnt sich dann wieder zurück auf gewohnte Härte, treibende Riffs und ordentlichen Druck. Diese Mischung aus beruhigtem Sound und harter Gangart stellt den Grundkonsens des Albums dar und vereint im Rausschmeißer-Song „This Shadow My Likeness“ in über zehn Minuten noch einmal alles, was WORDS OF FAREWELL könnerisch in die Waagschale legen können.
 
„A Quiet World“ hat eine melancholisch-sphärischere Grundstimmung als der Vorgänger und es wird mehr um diese Passagen herum aufgebaut, anstelle diese nur als kleine Einschübe oder Wechsel zu sehen. Dies macht das dritte Werk von WORDS OF FAREWELL ruhiger als „The Black Wild Yonder“. Dies hat nichts mit Güte und Qualität zu tun, denn ob ein Album besser oder schlechter als der Vorgänger ist, liegt in jedermanns eigenem Ermessen. Aber WORDS OF FAREWELL haben sich weiter entwickelt, sind weiter gegangen und sprechen mit dem neuen Album alle an, die auf kraftvollen, etwas melancholischen Death Metal stehen, der facettenreich und dennoch nicht überschwänglich daherkommt. „A Quiet World“ ist ein angenehm zu konsumierendes Gesamtkonzept auf hohem Niveau, das trotz vieler schöner Spielereien keineswegs überfordert. 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (11.01.2017)

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