CNOC AN TURSA - The Forty Five

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VÖ: 17.02.2017
Bandinfo: CNOC AN TURSA
Genre: Pagan Metal
Label: Apocalyptic Witchcraft
Lineup  |  Trackliste

PRIMORDIAL, FOREFATHER, WODENSTHRONE, WINTERFYLLETH, FEN, SAOR, FALLOCH - die britische Pagan-Black-Metal-Szene mag zwar keine nennenswerte quantitative Breite besitzen, ist dafür aber in der Spitze exzellent ausgestattet und damit qualitativ eine Instanz in diesem Genre. Jede dieser Bands besitzt eigene Markenzeichen, heiter bis folkig wird es nahezu nie, was vielleicht auch dem oftmals bemühten Wettermythos um die Insel gerecht wird. Und mit CNOC AN TURSA (übersetzt: Hill of sorrow) schickt sich bereits seit dem fabelhaften Debüt "The Giants Of Auld" anno 2013 die nächste Formation aus Schottland an, diesen Sektor mit atmosphärischen Zauberstücken zu bereichern. Vier Jahre später und nun bei Apocalyptic Witchcraft Productions unter Vertrag erscheint Mitte Februar der Zweitling "The Forty Five", der sich thematisch mit dem Jakobitenaufstand 1745 auseinandersetzt und musikalisch eine Weiterentwicklung feststellen lässt, die die großen Ambitionen der zum Quintett angewachsenen Band unterstreicht.

Das ist in Anbetracht von "The Giants Of Auld" insofern mutig, weil es schon seine Gründe hat, dass man seinerzeit direkt bei Season Of Mist gelandet ist und damit in weiten Medienkreisen fast ausschließlich äußerst positive Kritiken einheimsen konnte. Obwohl man häufig Gebrauch von großflächigen Keyboardteppichen machte, eine recht moderne Produktion installierte und einen für dieses Genre eher ungewöhnlichen Typus Sänger unterhielt, schafften es CNOC AN TURSA auf ihrem Erstling, Magie geschehen zu lassen. Der Schlüssel dafür war nicht zuletzt die düstere Stimmung, die man, bedingt durch das erstklassige Songwriting, mithilfe des Zusammenspiels der stets melodischen Gitarrenarbeit und der epischen Keyboardtexturen aufziehen und damit eine einzigartige Geschichte in zehn Akten zum Leben erwecken konnte.

Für "The Forty Five" und sein lyrisches Thema haben die Schotten im Vorfeld noch mehr Aufwand versprochen und gehen dadurch einen logisch erscheinenden Schritt nach vorne, gleichzeitig aber auch ein Risiko ein. Will heißen: Die Spielzeit beider Werke unterscheidet zwar sich gerade mal um knapp fünf Minuten, dafür hat man dieses Mal lediglich acht Songs, die, abgesehen vom stimmigen Intro "Will Ye No Come Back Againund dem eher überflüssigen Zwischenspiel "Flora MacDonald", deutlich länger ausgefallen. Zudem wurde die Sangespflicht auf einen anderen Herren (an wen genau wurde nicht überliefert) übertragen, der stimmlich deutlich näher an einem Andy Marshall von SAOR als an Kollege und Vorgänger Alan Buchan orientiert. Dieser hingegen kümmert sich seit 2015 ausschließlich um die Gitarrenarrangements, die er gemeinsam mit Rene McDonald Hill austüftelt. Eine Verbesserung? Das müssen womöglich diejenigen beurteilen, die Herrn Douches als "zu Core-lastig" einstuften. So oder so fühlt man sich in "The Yellow Locks Of Charlie" direkt heimisch, entnimmt dem groß aufgezogenen Einstieg sowie den Schlussakkorden eine subtile melancholische Note (leichte SAOR-Einflüsse inklusive), die sich zusammen mit der Orchestrierung zu einem imposanten Melodic-Black-Metal-Stück steigert, dessen Anthem-artiges Kriegsgebrüll im Mittelteil gleichermaßen Themenbezug und Livequalitäten erkennen lässt. 

Das enorme Potenzial von CNOC AN TURSA wird in diesen Momenten greifbar, weil man sich unweigerlich klarmachen muss, dass andere Bands bei solch vielschichtigen Songkonzepten aufgrund von Überfrachtung schnell zerschellen würden. Und obwohl das anschließende, dynamisch-temporeiche "The Standard On The Braes o'Mar" in ähnlicher Form auch auf "The Giants Of Auld" hätte vertreten sein können, merkt man dem Quintett an, dass sich in den letzten vier Jahren einiges an Entwicklung bei ihnen getan hat, ohne dass man sich dabei der prägenden Trademarks entledigt hat. Im Gegenteil: Ein "Wha Wadna Fecht For Charlie" oder "Fuigheall" beispielsweise wäre in keinem Paralleluniversum so erhaben und eindringlich, in dem das Gitarrenduo um Rene McDonald Hill auf solche 1A-Melodiebögen und er selbst, auch für das Keyboard und die Orchestrierung zuständig, auf die sphärischen Tastenbausteine verzichten würde. 

Stattdessen hat man das ohnehin schon imposante Repertoire ausgebaut und den eigenen Vorstellungen angepasst, sodass sich zwar die symphonischen Elemente auf "The Forty Five" und insbesondere im druckvollen "Sound The Pibroch" gerne mal kurzzeitig in den Vordergrund drängen (dürfen), aber nie das Szepter komplett in die Hand nehmen. Dadurch bewahren sich CNOC AN TURSA ihren Charakter und driften zu keiner Zeit in die Belanglosigkeit des großen Brimboriums ab, sondern platzieren damit lediglich neue Reizpunkte, die für noch mehr Abwechslung sorgen. Zusammen mit dem roten Faden, den man durch die komplette Spieldauer von "The Forty Five" genäht hat, ergibt das eine Kombination, die ihresgleichen sucht und CNOC AN TURSA auf das nächste Level hievt.

Und mit den letzten verstreichenden Tönen von "The Last Of The Stuarts" endet dann auch diese Reise durch eine abermals nachhaltige Geschichte. Was zurück bleibt, ist ein zunächst steiniger Weg, auf dem CNOC AN TURSA mehr Varianz anbieten und einen mit diesem Vorhaben fast erschlagen. Wenn man "The Forty Five" allerdings Zeit einräumt, wird man sich fast schon gezwungenermaßen verlieben und eine Perle des Pagan Black Metal für sich entdecken, die zahlreiche Gänsehautmomente heraufbeschwört. Eine Perle, deren einzige Kritikpunkte sind, dass man sich das Interlude hätte sparen und vielleicht auf mehr Abwechslung in Sachen Gesang hätte setzen können. Ihr seht schon, die fünf Jungs aus Falkirk haben in Zukunft echte Luxusprobleme zu bewältigen.

Diejenigen, denen diese Überzeugungsarbeit noch nicht ausgereicht hat, sollten sich einfach den kompletten Albumstream bei den Kollegen von Noisey anhören und selbst entscheiden.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (17.02.2017)

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