PANDEMONIUM - Nihilist

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VÖ: 15.02.2017
Bandinfo: PANDEMONIUM
Genre: Black / Death Metal
Label: Old Temple Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

"46 minutes of characteristic oldschool, underground, Pandemonium styled death/black metal soaked with disquieting 
influence of misanthropy, death, darkness, insanity and nihilism"...

...so der Promozettel, diesmal direkt vom Label, Old Temple Records.

Fünf lange Jahre hat es gedauert, bis die Urgesteine von PANDEMONIUM auf "Misanthrophy" das neue "Nihilist" folgen lassen. Und allzu viel hat sich nicht getan bei den fünf Tannenschonungsflüsterern aus Łódź. Nach wie vor gibt es äußerst dichten, mal treibendend midtempolastigen, mal doomig dichten Death/Black-Metal. Und was einst noch neu und frisch klang, ist diesmal wie damals. 

Ganz ehrlich gesagt, klingt das Album beinahe durchgehend wie der Titelsong des letzten Albums einer eher großen polnischen Death/Black-Metal Band. Man könnte natürlich sagen, dass es umgekehrt der Fall ist, ist doch "Misanthropy" schon vor dem Satanisten erschienen und überhaupt gibt es PANDEMONIUM schon deutlich

länger als die andere Band rund um Polens Next Topmodel.

Aber es gibt eben auch OOMPH! schon länger als RAMMSTEIN und trotzdem interessiert das keinen der Heerscharen von Fans der zweiten Band. Und genau so ist es auch hier.

BEHEMOTH sind mächtiger, abwechslungsreicher und eben breitenwirksamer als es PANDEMONIUM je sein werden. Das sagt natürlich nichts über die Qualität der Musik aus. Die ist, wie schon erwähnt, eher getragen, elegisch, beschwörend. Aber auch etwas ziellos. Phasenweise wird man durch mächtige Riffs in einen Mahlstrom lässigsten Metals gezogen, dann aber wieder wünscht man sich einfach, dass die Band etwas geradliniger agieren würde. Ein knackiger Refrain vielleicht, oder eine Verlängerung der BOLT THROWER Riffs die ab und an durchscheinen.

Bevor hier das große Gezeter beginnt: Das fidele Quintett weiß sehr wohl was es macht, ist ihrer Instrumente mächtig und hat einen ordentlich derben Sound aufgefahren. Nur kommt man selten auf den Punkt. Ich wünschte mir mehr Verve, mehr Energie, mehr Gas geben auf der Langstrecke, mehr zweite als erste Hälfte von "Quantum Funeral". Und bitte mehr Einigkeit beim Gesang. Es ist zwar der Idee keine schlechte, zwei Sänger duellierend Seite an Seite zu stellen, aber wenn dabei wenig bis nichts zwingendes heraus kommt, ist es der Müh´ zuviel.

Auf dem letzten Output der Polen klang das alles noch frischer. Origineller. Neuer. Diesmal verharrt man wirklich zu oft im Mid- oder gar Doomtempo. Das tut den Songs nicht gut. Das können andere, ASPHYX zum Beispiel, viel besser.

Ich denke, ich habe den Vorgänger etwas überbewertet, aber selbst bei einer etwas niedrigerne Note für "Misanthropy" fiele " Nihilist" noch ein wenig mehr ab. Wenn ich ultralangsam und fies haben will, hör ich TRIPTYKON, wenn ich ultragemeinen Doom/Death haben will hör ich ASPHYX und wenn ich knackigen Death/Black mag, tun es eben die Landsleute von BEHEMOTH.

Man kann das Album so sehen wie im eingangs erwähnten Absatz und das Album zu einer satanischen Messe verklären, aber im Endeffekt bleiben hier 46 Minuten an gutklassigem Death-Metal mit ein paar Black-Einschüben übrig, an die man sich trotz all der Klasse der Musiker, die hier zweifellos vorhanden ist (die wunderbare Sologitarre auf "Przydiz Krolestwo Twoje"), kaum erinnern kann wenn man sie gehört hat.

PANDEMONIUM sind eine zweifellos gute Band mit guten Ideen und guten Musikern, aber gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut gemacht und hier hapert es leider beim Songwriting, bei den oft unmotivierten schrägen Einschüben und den bisweilen wirklich beliebigen Vocals. 

Ewig schade, das Talent ist noch immer da, aber mit dem Album werden sich die Polen keine weiteren Freunde machen.

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (16.02.2017)

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