THE HELLBOYS - Save Your Souls 4 Us

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VÖ: 04.10.2019
Bandinfo: THE HELLBOYS
Genre: Hard Rock
Label: ftwctp Records
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Lineup  |  Trackliste

Lange ist es her, das VIOLENT FORCE und LIVING DEATH Velbert auf die Metal-Landkarte setzten, aber „Dead City“ ist sie nun keine mehr. THE HELLBOYS wurden dort 1998 gegründet. Zehn Jahre sind mittlerweile seit dem Debut „FireFireFire“ vergangen (weitere Veröffentlichungen sind die EPs „To Hell and Back“ aus 1999, „Velberado's Finest“ aus 2000 und „Evil & Horny“ aus 2001).

Im Herbst 2019 erschien nun das zweite Album „Save Your Souls 4 Us.“ Titel und Coverart sind jetzt nicht herausragend, aber auch nicht schlecht. Doch zum wichtigsten Teil des neuen Langspielers der „Trittarsch-Rock'n'Roller“ - eine recht treffende Beschreibung.

Das erste Hören fand im Rahmen einer gemütlichen kleinen Listening Session in Essen statt, oder genauer, das erste bewusste Anhören. Die Band spielte das Album schon im Juli im Rahmen des Turock Sommerfests, inklusive einer Coverversion von MÖTLEY CRÜEs „Live Wire“ als Draufgabe. Da präsentierten sie sich als sehr dynamische, solide und unterhaltsame Liveband, die auch mit gutem Sound punktete.

„Fattest Cowboy“ und „Electro Baby“ blieben wohl schon bei der Liveperformance im Gedächtnis und sorgten für „Den kenn' ich!“-Momente bei der Listening Session. Ersterer ging live schon voll ab und wird wohl vielen gefallen, denn der Song handelt von niemand geringerem als Donald Trump, hier „the fattest cowboy of the USA“ tituliert. Wäre vielleicht auch eine gute Single, kontrovers und würde auch Leute außerhalb Deutschlands ansprechen. „Electro Baby“ schließt das Album ab. Ein Kracher mit Ohrwurmgarantie.  Doch die anderen Songs sind auch nicht von schlechten Eltern. Eigentlich haben sie keine wirklichen Schwächen, mitreißender Rhythmus, Melodien zum Mitsingen, handfeste Soli und Sänger Smai-Lees Gesang ist auch tadellos. Eigentlich sind alle Kästchen abgehakt, die gute Songs ausmachen. 

Ein weiterer Eindruck war jedoch, dass die Songs zu vertraut klingen, ohne dass man wie bei anderen Bands mit dem Finger auf einen einzelnen Einfluss zeigen kann. 
Aber die grundlegende „Formel“, die sicher aus gutem Grund so bewährt ist, macht es schwer einen eigenständigen THE HELLBOYS Stil herauszuhören. Es erinnert zu sehr an all die anderen, wirklich soliden und guten, aber zu einem gewissen Grad beliebigen Alben diverser anderer Bands vergangener Jahre. Etwa die Bridge von „The Beast Is Calling“, man hat das Gefühl die schon hunderte Male gehört zu haben. Man ist sich auch bewusst, dass man „den großen Vorbildern huldigt“, betont aber die Eigenständigkeit. Vieles ist auch mit Augenzwinkern (besonders die Lyrics), was zumindest schon mal ein Faktor ist, der sie von manchen „paint-by-numbers“ Bands abhebt.

Nach vermehrtem Hören nehmen die Songs mehr Eigenständigkeit an. Opener „Save Your Souls 4 Us“ startet schon mit viel Elan. „You Got It“, obwohl auch mit ordentlicher Power, wirkt zwischen dem Titeltrack und „Ghouls Eat Girl“ etwas schwächer. Ganz zu Beginn startet „Ghouls Eat Girl“ etwas „gruselig“, aber die Atmosphäre wird zugunsten des typischen THE HELLBOYS Tempos schnell wieder aufgegeben. 

Mit dem Video zu „Hey Hey Hate“ hatten sie sich zurückgemeldet. Persönlich eher einer der schwächeren Songs auf dem Album (aber lyrisch aktuell und einer der ernsthafteren Songs auf „Save Your Souls 4 Us“). Vielleicht liegt es auch daran, dass direkt darauf das mitreißende „Hell'O A Boy“ und der bereits erwähnte „Fattest Cowboy“ folgen.

„Frank Drebin“ - wer nicht schon bei dem Titel schmunzelt, sollte sich schämen! Die Hommage an Leslie Nielsens Kultfigur aus der „Die Nackte Kanone“-Reihe, inkl. Filmzitat („Bitte gehen Sie weiter“) ist im Jar 2019 völlig unerwartet, aber wie Sänger Smile-Lee anmerkte, wird sich die Zielgruppe da „diebisch freuen“. „In The Fast Lane“ hätte auch der Titel des Albums sein können (eine etwas langsamere Nummer wie "Morphine" vom Debüt "FireFireFire" ist diesmal nicht drauf). Bei dem Song handelt es sich allerdings um keine Hymne darauf, Vollgas geben THE HELLBOYS lieber bei ihren Songs. „We Will Survive“ ist zum Glück kein Gloria Gaynor Cover, sondern eine eigenständige Komposition, allerdings mit Hommage an ACCEPT im Finale.

Auch nach mehrfachem Hören klingt das Album „Save Your Souls 4 Us“ immer noch vertraut. „Das Album vermischt 50 Jahre Rock-, Punk- und Metalgeschichte zu einen unwiderstehlichen Kickass-Gebräu – wobei sich Hit an Hit reiht.“ 
Damit hat man nicht ganz unrecht, von RAMONES, AC/DC, klassischen Heavy Metal- und Hair-Metal-Einflüssen geprägt, hat man elf mitreißende Songs kreiert. Jeder Song für sich genommen ist nicht schlecht, als Album, das im Wesentlichen im selben Tempo an einem vorbeirauscht, hat es auf einem eine ähnliche Wirkung wie ein AIRBOURNE Album. Zum Hinsetzen und bewussten Zuhören etwas zu monoton, einzelne Songs zwischendurch auf einer Party oder Playlist machen aber sicher Stimmung (was wie manche vielleicht argumentieren würden auch eher den heutigen Zeitgeist und Hörgewohnheiten entspricht). Ja, AC/DC Alben sind angeblich auch alle monoton und trotzdem genial, aber da wird gerne vergessen, dass da auch immer wieder mal Songs wie „Squealer“ oder „The Razor's Edge“ drauf waren, die das Tempo doch brechen, ganz zu schweigen von nicht nur sehr guten, sondern richtigen Hammersongs, die sich vom Rest abheben. Den Fuß ständig am Gaspedal hatte man auch beim Mix, wodurch etwas weniger Dynamik vorhanden ist als sein könnte.

Unterm Strich elf gute Uptempo Songs zur Wahl für Playlists, ein solides, auch auf Vinyl erhältliches, Album von THE HELLBOYS, die auch live eine gute Show liefern. Kann man nur hoffen, dass es nicht wieder zehn Jahre bis zum nächsten Album dauert.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Brigitte Simon (10.11.2019)

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