Anastassakis, Ioannis - Suspension of Disbelief

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VÖ: 15.05.2007
Bandinfo: Anastassakis, Ioannis
Genre: Instrumental / Shred / Fusion
Label: Wild Rose Productions
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Griechenland ist reich an Gitarrenvirtuosen: Welcher Metalhead kennt z.B. Gus G. nicht, bzw. hat nicht mindestens fünf Veröffentlichungen mit seiner Beteiligung im CD-Regal stehen?
Doch auch abseits des metallischen Tellerrands findet man unglaublich starke Musiker, die ihre Gitarrenkünste von der hellenischen Pieke auf gelernt haben. Kann man Musiker wie z.B. Theodore Ziras noch durchaus zum Metal Genre zählen, agieren andere nicht unbedingt innerhalb der Genregrenzen.
IOANNIS ANASTASSAKIS ist einer der ganz, ganz großen Gitarristen aus dieser Riege. Mit "Suspension of Disbelief" liegt mir nun das Werk dieses noch jungen, aber dennoch mit einer beachtlichen Reputation versehenen Gitarristen vor. Als studierter Musiker und Gitarrenlehrer verdient der Herr seine Brötchen, und hat bei diversen Größen des Rock Genres Gitarrenstunden genommen, um sich selbst weiter zu bilden. So stehts zumindest auf den mitgelieferten Promozetteln.

Beim Titeltrack und Opener merkt man dies auch sogleich: Der rockige, gitarrenorientierte (nona) Opener inklusive jazzigem Mittelteil enthält eine kleine Kostprobe der Fähigkeiten des Meisters. Leider wirken hier die Keyboards etwas überstrapaziert. Schade eigentlich, da mit Bob Katsionis ein mehr als fähiger Mann eben jene bedient.
Richtig schön wirds dann beim über 11 Minuten langen Epos, der "Caravan of Despair Suite": Orientalisch angehaucht, inklusive kraftvoller Riffs und einprägsamer Leadparts, erwischt man sich selbst beim staunen inklusive offenem Mund und dementsprechend entgeistertem Blick: IOANNIS ANASTASSAKIS schafft es als Instrumentalkünstler doch tatsächlich einen so langen Song zu schreiben, ohne langweilige Teile als "Füller" einzusetzen.
Das nachfolgende "Altered State of Consciousness" ist etwas fusion-lastiger und weniger geradlinig als die Rocktracks des Albums. Wer nun aber an ein typisches "Gitarrengott profiliert sich selbst, und spielt eigentlich eh nur 1-2 verschiedene Stile"-Album denkt, könnte falscher gar nicht liegen. IOANNIS ANASTASSAKIS ist nämlich keineswegs nur ein Rock Gitarrist, der sich auch in z.B. jazzige Bereiche vorwagt: Seine Liebe gilt zudem auch dem Flamenco! Und die dieser Richtung entsprechenden Tracks "Variations On Malaguena" und v.a. "Dos Hermanos (Bulerias)" wissen mehr als nur zu überzeugen: Auch für nicht-Gitarristen oder Flamenco Laien ist dieser Lauschprozess ein wahrer Ohrenschmaus!
Natürlich ist ein reines Instrumental Werk nicht unbedingt leicht zu konsumieren: Titel wie der mit zahlreichen Gastakteuren versehene "Final Jam" sind prunkvoll und sehr interessant, aber eben auch nicht sofort zu verstehen. Zum Glück herrschen auch manche etwas leichter zu konsumierende Tracks wie z.B. "Forgotten Quest" vor, so dass eine Überbeanspruchung zumindest für halbwegs erfahrene Hörer nicht auftritt.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass "Suspension of Disbelief" definitiv Zeit braucht um sich zu entfalten. Hier gibt es eben keine Fahrstuhlmusik zu genießen, sondern große Instrumentalkunst eines überragenden Gitarristen!
Der Großteil der Tracks kann auch komplett überzeugen. Die drei Bonus Tracks sind eher als Beigabe zu verstehen, und somit großteils von der Wertung zu befreien. Komponisten werden sicherlich auch an "The Final Jam - Backing Track" ihre Freude haben. IOANNIS ANASTASSAKIS sollte zu einem der großen Stars unter den Gitarrenhelden werden: Wahnsinnige Fähigkeiten haben sie alle, doch der Herr aus dem Süden Griechenlands kann auch wirklich gute Songs schreiben!
Durch die nicht immer prägnant eingesetzten Keybordpassagen gibt es von meiner Seite "nur" 4 Punkte. Diese Wertung ist allerdings eher für den durchschnittlichen Hörer ohne besondere musiktheoretische Kenntnisse gedacht. Aktive Gitarristen oder jene, die versuchen zu solchen zu werden, dürfen gerne noch einen Punkt addieren. Hört, und lernt was man alles machen kann mit diesem wunderschönen Instrument! Anstatt meinen Hut zu ziehen, trinke ich jedenfalls einen Ouzo auf IOANNIS ANASTASSAKIS bzw. auf diese starke Platte und hoffe auf eine baldige Fortsetzung inklusive eines hoffentlich ähnlich ambitioniert gestalteten Booklets+Notes des Meisters! Bravo, Ioannis!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: El Greco (23.12.2007)

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