Mely - Portrait Of A Porcelain Doll

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VÖ: 03.04.2009
Bandinfo: Mely
Genre: Rock
Label: Silverwolf Productions
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Jetzt wollens die Kärnter Hopeful´s (darf man das nach rund 10 Jahren eigentlich noch sagen ?) aber wissen: neues Label, neuer Drummer, neues Material – und das nicht mal eineinhalb Jahre nach dem (im Endeffekt leicht überbewerteten) letzten Lebenszeichen „…leave and Enter empty Rooms…“. Konnte man beim grünstichigen Cover des letzten Melancholiereigens noch auf die Zeichenkünste eines Viertklässlers zurückgreifen, so passt das aktuelle Frontbild um Längen besser zur Musik – kompakter, progressiver, weniger greifbar sind die neu(e)n Stücke geworden; den typischen Hauch von Tristesse hat man sich im Mely-Lager aber bewahrt.

Mit einem Acapella-Einstieg ausgerüstet becircen Akustikgitarre, getragenes Tempo und der leicht an das verlorene Paradies angelehnte Refrain auf „Of Doubts and Fears“ – was sofort ins Auge bzw. Ohr sticht ist der deutlich verbesserte Sound: hier gibt’s Dynamik, satte Gitarrenpower und die nötige Transparenz um auch International bestehen zu können . Schwirren hier die luftig-berauschenden Arrangements noch etwas verlegen im Hintergrund herum, so gibt’s bereits in den ersten Sekunden ein deutliches Zeichen in Richtung Verspieltheit meets Ohrwurmqualität(en). Noch zäher stolziert „Grown for Doom“ über die neu bestellten Felder - hier passen das schwermütige Soli, die schwebenden Tastentöne und der ausdrucksstarke Cleangesang von Fronter Andi stimmig zum Gesamtbild. Ein gutes, leider ein wenig kurzes Stück zwischen den Polen Doom / MyDyingBride und Nightingale !
„Bricks against Porcelain Dolls“ markiert einen ersten Höhepunkt - hier erschaffen Mely eine völlig anderen Zugang zu ihrer Musik, wirken reifer, progressiver und probieren auch so manch ungewöhnlich Idee im Songkontext aus: vom etwas verfremdeten Gesang über den leicht psychedelischen Auftakt bishin zum sehr gut passenden AliceInCHains-DüsterTouch hilft einem der magische Refrain auf die Sprünge.
„Dont´t wake the Sleeping Dog“ baut die AIC-Anteile noch weiter aus, durch den grossteils akustischen Aufbau - inkl. PianoOutro - und dem etwas anders gelagerten Gesang kann man ohne weiteres von einem gelungenen Übergang zum Power/Progrocker „Hell Low“ sprechen: nachdem man die ersten zwei Minuten fast allein mit Andy und seiner Wandergitarre verbringt gibt’s danach die ersten griffigen Härteeinlagen und ein leicht gesteigertes Tempo. Natürlich nicht ohne auf den wunderbar sitzenden Refrain verzichten zu müssen bzw. den variablen Song/Spannungsaufbau zu beklatschen.

Die beiden Nachfolger „It is Cold without Shoes“ (klar, ist ja noch Winter ;)) und das verträumte „Maybe Yesterday“ atmen etwas mittelalte ParadiseLost, können aber auch prima auf ihren eigenen Beinen (Schuhen?) stehen: eingängig, groovig, ideenreich und gesanglich wunderbar austariert entschwebt man hier der eigenen, oft etwas zu sehr ausgedehnten und daher leicht monotonen Vergangenheit.
„Sweet Six Feet“ ist mein persönlicher Favorit - ohne Umschweife rocken Mely hier auf den Punkt los, bevor das Tempo merklich einbricht und Gevatter Prog auf ein Tässchen SiebzigerSpace-Rock und ein sehr geil in den Vordergrund platziertes Weirdo-Soli vorbeischaut. Ungewöhnlich, aber nach zwei Anläufen süchtig machend! Das romantisch-folkig floydsche Wandergitarrenendstück „My Addiction“ markiert mithilfe sehr zurückhaltendem Gesang und dem wehmütigen Pianomotiv einen gutklassigen, linear strukturierten Ausstieg aus einer sehr fokussierten und dennoch alles anderen als eindimensionalen Platte; durch die zögerlichen 70er-Einflüsse und der etwas schaumgebremsten Dramatik sind aber hier mehrere Anläufe vonnöten um sich nach und nach der bereits wohltemperierten Repeattaste vollends hinzugeben.

Mely erfinden sich 2009 zwar nicht ganz neu, sind aber durchaus bereit einige (notwendige) Veränderungen in ihrem Grundsound einzubringen - das berüchtigte „Make it or Break it“-Gefühl schleicht sich beim Hören von POAPD auf leisen Sohlen an: Wenn nicht jetzt, wann dann?!?



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: PMH (27.03.2009)

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