Belenos - Errances Oniriques

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VÖ: 15.05.2009
Bandinfo: Belenos
Genre: Black Metal
Label: Northern Silence Productions
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Lineup  |  Trackliste

Loïc Cellier aus dem bretonischen Teil Frankreichs muss wahrlich ein großer Individualist sein: Seine „Band“ BELENOS – die inzwischen wieder als 1-Mann-Projekt zu verstehen ist – gilt seit Jahren als Geheimtipp im Black Metal Sektor und erweist sich als produktive Konstante, der lange künstlerische Pausen fremd zu sein scheinen. Und was macht ein solcher Mann, wenn er für einen Moment Zeit hat? Richtig, er nimmt das längst vergriffene Debütalbum noch mal neu auf und fügt bislang unbekannte Songs hinzu!

Voila, die „traumhafte Irrfahrt“ („Errances Oniriques“) gibt es also wieder zu erstehen. Ein direkter Vergleich mit dem Original ist mir leider an dieser Stelle nicht möglich, da ich eben jenes nie hören durfte. Was nun unter dem Begriff „Celtic Black Metal“ zu verstehen ist, wurde bereits in der Einleitung angedeutet: Hierbei handelt es sich um Black Metal, der einen etwas weiteren musikalischen Horizont zulässt, d.h. dem eben auch akustische Zwischenspiele und keltisch angehauchte Gitarrenleads nicht fremd sind. Mit dem paganen Sektor haben BELENOS allerdings rein gar nichts zu tun!

Loïc Cellier scheint bereits zu Zeiten der ursprünglichen Veröffentlichung von „Errances Oniriques“ eine deutliche musikalische Linie verfolgt zu haben: Das Album klingt auch 2009 zeitgemäß und unterscheidet sich nur partiell von aktuelleren Werken des Franzosen. Dabei muss man ihm eine Menge Respekt zollen: Schließlich spielt der Herr sämtliche (!) Instrumente selbst und versteht auch sein Handwerk als schwarz krächzendes ehm, Goldkehlchen! Dabei erweist er sich als unglaublich geschickter Musiker: Das versierte und songdienlich eingesetzte Gitarrenspiel überzeugt ebenso wie alle anderen von Monsieur Cellier malträtierten Instrumente.
Besonders gut sind BELENOS immer dann, wenn der ureigene Stil pompös zelebriert wird, wenn also akustische Intros und Zwischenspiele zum Zug kommen, die jene Balance aus Aggression und Melodie erst herzustellen vermögen. Ein Beispiel für einen solchen Track ist z.B. „Le Dernier Pas“, der nach einem melodiösen Akustikintro in eine schwarzmetallische Eruption mündet, die aus diesem Song (durch ein wüstes Drumming und rasante Gitarrenläufe) ein räudiges Biest macht. Weitere, repräsentative Klassiker der Band sind z.B. die Songs „En Quête D'Immortalité“ oder „Morfondu“, das beinahe neoklassische Gitarrenarbeit beinhaltet. Besonders außergewöhnlich und interessant ist zudem mit „Seigneur De L'Obscurité“ einer der Bonustracks, der sogar partiellen Klargesang und pathetische Chöre beinhaltet. Was nun nach einem Schunkelsong klingt, ist in der Praxis ein hochinteressanter Song, der keineswegs im Meer der Platitüden untergeht.

BELENOS sind definitiv die Band eines großen Künstlers: Die Kreativität und das musikalische Können dieses Herren sprechen für sich und verdienen sich Respekt. Selbiges gilt für den Willen, eine eigene musikalische Welt zu erschaffen, die viele der dort vorkommenden Nuancen erst nach einer gewissen Zeit zu offenbaren gedenkt. Auch wenn auf “Errances Oniriques“ noch nicht jeder Schuß ein Treffer ist, so stellt es den Rezensenten vor die moralische Pflicht, diesen positiven Aspekten auch eine gute Wertung folgen zu lassen! Wenn sich jemand von Black Metal nicht ausschließlich nordische Raserei erwartet, stellt “Errances Oniriques“ eine Versuchung dar: BELENOS sind und waren die beste Black Metal Band Frankreichs und diese These wird mit diesem Re-Release definitiv bewiesen!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: El Greco (15.06.2009)

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