BLOODLINE SEVERED - Visions Revealed

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VÖ: 28.04.2009
Bandinfo: BLOODLINE SEVERED
Genre: Progressive Death Metal
Label: BombWorks Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Bombworks Records sind gemeinhin dafür bekannt, Metalbands der ausgenormten Schiene unter Vertrag zu nehmen, um auch diesen Mainstream abtrünnigen Combos Möglichkeiten zur Werkspublizierung zu gewähren. Ein gutes Beispiel dafür ist der North Carolina Sechser BLOODLINE SEVERED, der auf unterschiedlichsten Internetseiten als tausendster Aufguss der ausgeleierten Metalcore-Schiene verheizt wird, dabei aber vielmehr mit kruden und unerwarteten Ideen punkten kann. Rechtzeitig zum fünfjährigen Bundjubiläum spielten die fünf Jungs plus Keyboard und Female Voice-Mädel das mir vorliegende, eigenproduzierte „Visions Revealed“ ein, das nun eben unter dem Banner von Bombworks Records auch einem breiteren Publikum zugänglich wird.

„Into The Beginning“ läutet die atypische Hartwurstreise mit engelsgleichen Sopranstimmen ein und erweckt gleich mal einen völlig falschen Eindruck. „Reborn“ gibt die Marschrichtung der Amis gnadenlos vor: wild blastende Drums, von hoch über tief bis clean klingende Vocals, progressiv anmutende (teils zweistimmige) Gitarrenläufe und gut hineingemischte Bassläufe. Den Track als Metalcore zu titulieren würde nur Stilblindheit hervorheben. Melodischer Schwedentod schielt kurz vorbei, Progressivpassagen sind den Übersee-Zockern auch nicht fremd. Dass der oft bemitleidenswerte Klargesang durchaus fähig und gekonnt vertont werden kann, beweist „A Vision Revealed“, dessen Clean-Passagen den Song noch um Einiges aufwerten. Die Mischung aus Metal der Marke MAROON oder NEAERA mit Auflockerungsteilen im Stile von KILLSWITCH ENGAGE überzeugt auf allen Linien. Absolutes Albumhighlight!

Bei „Silhouette Of Doubt“ schielt man gar gen Amerikas Lieblings Thrashcoreler LAMB OF GOD, macht aus deren Sound aber keine triviale Kopie sondern bereichert das Soundgebräu mit MESHUGGAH oder BECOMING THE ARCHETYPE-artigen Hooklines. Die Kompositionen sind überraschend ausladend und übertreten die fünf Minuten Grenze des Öfteren. Textlich geht man übrigens in die unvermeidliche Richtung der Gottesanbetung, was den Einen oder Anderen Metalliebhaber eventuell verschrecken könnte. Fakt ist aber: Nicht verschrecken lassen! BLOODLINE SEVERED bleiben auch in der zweiten Albumhälfte am Gaspedal und lassen mit ungewöhnlichen und teils gewagten Stilvermischungen keine Langeweile aufkommen. „Coalition“ stellt sich als besondere Schlachtplatte heraus, die an THROUGH THE EYES OF THE DEAD angelehnte Drumarbeit präsentiert und wohl dosierte Bremsmanöver einlegt. Zwischenzeitlich finden die beiden Saitenschwinger Macemore und Corzine Zeit zu solieren und den traditionellen Metal aufrecht zu erhalten.

Gegen Ende hin geht BLOODLINE SEVERED die Puste dann doch aus. „Solemn Goodbye“ oder das alternativ anmutende Abschlussteil „Once Empty“ können fraglos als Filler bezeichnet werden. Die im Promoschreiben angeführte Info „11 brand new songs“ erweist sich auch als Schwindel, da man das großartige „Fear Of Reality“ schon auf der Debüt-EP erklingen ließ. Nichtsdestotrotz – BLOODLINE SEVERED liefern erfrischende und solide Metalkost, die sich vom Gros der übersättigten Szene locker abheben kann. An neuem Songmaterial für ein weiteres Album wird übrigens auch schon wieder gefeilt. Insgesamt vielleicht weniger Clean-Vocals und die üppige Gesamtspielzeit etwas straffen – dann können die Jungens mit Sicherheit das nächste Level erklimmen. Wunderschön anzusehen ist übrigens auch das gelungene Cover von Darkwaveart, welches vom ursprünglichen Originalmotiv dennoch übertrumpft wird.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (20.07.2009)

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