IN GRIEF - Deserted Soul

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VÖ: 07.04.2009
Bandinfo: IN GRIEF
Genre: Progressive Death Metal
Label: BombWorks Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Bombworks Records haben mich erst vor kurzem mit dem tollen Erstling von BLOODLINE SEVERED überrascht, schon liegt mir die nächste Eigenständigkeit namens „Deserted Soul“ vor, die von fünf jungen Norwegern – namentlich IN GRIEF – eingespielt wurde. Die Gebrüder Sandvik samt Konsorten beweisen in wohltuender Weise, dass aus dem hohen Norden nicht immer clownesker Schminktopf-Schwarzmetall kommen muss. Erst Anfang 2008 haben sich die Progressivtalente zu einer Combo geformt und sind gen Jahresende von Bombworks gesignt worden. Dass man nach einem guten Jahr des Bestehens bereits ein solches Album auf den Markt wirft, verdient höchsten Respekt.

Der krude Stilmix der Nordländer ist anfänglich wirklich schwierig einzuordnen. Das Infoblatt spricht von Querverweisen zu OPETH, SOILWORK oder SCAR SYMMETRY. Klar – OPETH kann immer als Vergleich herangezogen werden, wenn Progressivität im Spiel ist. IN GRIEF surfen aber in den unterschiedlichsten Genres, was als willkommene Abwechslung zum vielerlei erhältlichen Durchschnittsmetal gesehen werden kann. „Darkening Horizon“ eröffnet das nur sieben Song kurze, aber fast 50 Minuten Spielzeit lange Debütwerk mit atmosphärischen Synth-Einsätzen, die in ihrer epischen Verarbeitung als Soundtrack für heroische Mittelalter-Dramen durchgehen könnten. „I Am“ leitet den metallenen Teil des Albums ein und braucht fast zwei Minuten, um die wilde Fahrt aufzunehmen. Der Hörer bekommt dafür eine interessante und listige Mixtur aus melodischem Schwedentod und flächendeckenden Keyboard-Masturbationen geboten.

„Invited War“ schwenkt sofort um und lässt erstmals Erinnerungen an AMON AMARTH aufkommen – die Mid-Tempo-lastigen, treibenden Drumparts verquicken sich mit schönen Gitarrenläufen. Vokalist Sandvik erinnert stimmlich an Johan Hegg, ohne als bloße Kopie dessen zu verkommen. Erste Schwachpunkte sind die grauenvoll intonierten Clean-Vocals, die Sandvik für das nächste Album lieber weitergeben sollte. Die Überraschungsmomente gehen nach den ersten paar Tracks aber verloren, man erkennt die Schiene von IN GRIEF und die ersten Spuren von Langweile scheinen aufzuziehen. Liegt auch vorwiegend daran, dass man in der zweiten Albumhälfte den Schweden-Wikingern AMON AMARTH schon zu offensichtlich huldigt. Bis auf den Eröffnungstrack bleiben IN GRIEF niemals unter der sechs Minuten Grenze, was zwar für instrumentale Qualität spricht, langfristig aber durchaus ermüdend wirkt. Die Zusammenlegung von Black-, Death- und Progressive-Metal ist aber zweifellos interessant und beachtenswert.

Mit den abschließenden Tracks „In The End“ und „Weak“ finden IN GRIEF dann wieder in ihre anfängliche, originelle Spur zurück und lassen auch mal Industrial-Zitate einfließen. Für ein Debütalbum ist der krude Stilmix wirklich hervorragend gelungen – IN GRIEF haben ganze Arbeit geleistet. Clean-Vocals und zu eindeutige Imitationen von diversen berühmten Vorbildern können natürlich als Schwäche ausgelegt werden, die jungen Herren haben ihre Karriere aber noch vor sich und werden auch diese Kinderkrankheiten ablegen. „Deserted Soul“ wird vor allem durch den großartigen Synth-Einsatz zu einer episch anmutenden Langrille. Keinesfalls vom Metalcore artigen Cover abschrecken lassen! Bei dieser Kurzhaarfraktion steckt viel mehr drin als nachgespielte Stumpfsinnigkeit!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (29.07.2009)

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