Anastassakis, Ioannis - Orbital Attempt

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VÖ: 21.05.2009
Bandinfo: Anastassakis, Ioannis
Genre: Instrumental / Shred / Fusion
Label: Wild Rose Productions
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Lineup  |  Trackliste

Für gewöhnlich sind über 70-minütige Instrumental CDs ja genau das, was der geneigte Metalhead liebt: Zielloses Gefrickel und Selbstbeweihräucherung von pseudo-Gitarrenhelden, die es einfach nicht schaffen, einen Sänger in ihre egomanischen Auswüchse zu inkludieren. Das Endergebnis ist dann zwar meist technisch anspruchsvoll, aber eben auch furchtbar langweilig und vorhersehbar. Doch es geht auch anders: Wie bei IOANNIS ANASTASSAKIS’ Werk “Suspension of Disbelief“ zu erkennen war, gibt es auch noch Gitarrenhelden, die Songs schreiben können ohne sich nur selbst auf ein Podest zu stellen.

Nun ist der drahtige Athener mal wieder fleißig gewesen und beehrt uns mit einer abermals überlangen Instrumentalscheibe namens “Orbital Attempt“. Seiner Ausrichtung blieb der gute Ioannis dabei treu: Viel Rock, einiges an Flamenco, Fusion und Metal werden hier dargeboten und wahrlich schmackhaft kredenzt!

Während der Opener “Promised Land“ mit seinem straighten Rockriffs und den Keys zunächst eher nach AOR als nach instrumentalem Gitarrenrock klingt, entwickelt sich dieser Song in eine typisch jazzig-progressive Richtung, die Anastassakis natürlich mühelos meistert. Beim darauf folgenden “Astrochicken’s Victorious Attack“ setzt er wiederum auf eine überraschend simple Melodie, die sich auf einen Backgroundgroove stützt, der nicht unbedingt zu erwarten war. Tatsächlich steigert sich dieser solide Rocker und wird zu einem kurzweiligen Instrumentalstück. “Weird Thing“ wiederum ist wirrer und chaotischer, lässt aber den berühmten roten Faden nicht vermissen. Nach eigenen Angaben wurden Teile des Tracks durch die Legende Al Di Meola inspiriert.
Dem Flamenco wird zudem auch noch explizit gehuldigt: Zwei Stücke beweisen die für IOANNIS ANASTASSAKIS typische Hingabe zum Flamenco. Dies mag nun nicht jedem Metalfan gefallen, doch sind die Songs „A Mi Madre“ und „Veridiana“ einfach nur wundervoll gespielt und dargeboten. Auch diese künstlerische Seite sollte man dem Herren zugestehen. Das wahre Highlight stellt aber der Titeltrack “Orbital Attempt“ dar: Anastassakis beherrscht dieses Stück souverän und schafft es trotz der exorbitanten Länge des Songs (8:39) voll und ganz zu überzeugen. Der Gitarrengott aus Hellas schafft es doch tatsächlich, Emotionen aus seiner Gitarre hervorzuquetschen, an denen sehr gute Gitarristen bis an ihr Lebensende werken. Dabei richtet er den Fokus eben nicht nur auf wildes Gefrickel, sondern setzt auf für den „normalen Hörer“ zu bewundernden Songs. Danach kommen die Fans des Prog mit “Progressive Minds Suite“ auf ihre Rechnung, während auf “Abort Horizon“ der Metal regiert. Der abschließende “Greek Guitar Power Jam“ ist als Ansammlung von Leads verschiedener Schüler des Großmeisters zu verstehen. Während die „gesammelten Soli“ Anastasskis’ die als Bonus enthalten sind, wohl nicht unbedingt ein „muss“ darstellen, so bleibt dieses Werk in seiner Gesamtheit genau dies: Ein Pflichtkauf!

Und damit lässt sich das Fazit vorwegnehmen: IOANNIS ANASSTASAKIS sollte endlich der Respekt gezollt werden, den er sich verdient. Es gibt keinen Gitarrenhelden vor dem sich dieser Musiker verstecken muss. Songwriting, Gefühl, Technik und der Facettenreichtum seiner musikalischen Darbietung führen dazu, dass er an der Höchstnote kratzt. Fans von Instrumentalalben müssen hier sowieso zugreifen. Doch auch der geneigte Metalhead sollte ein Ohr riskieren. Ich ziehe meinen imaginären Hut vor diesem grandiosen Musiker!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: El Greco (10.08.2009)

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