Juvaliant - Inhuman Nature

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VÖ: 00.00.2009
Bandinfo: Juvaliant
Genre: Progressive Power Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

"Da ist was ganz Großes am Brodeln!" wurde mir verheißungsvoll bereits vor gut einem Jahr verkündet - und zwar von niemand Geringerem als den heimischen Melodic Metal-Durchstartern von DIGNITY; und gemeint waren JUVALIANT aus Salzburg. Und genau diese Herren schicken sich nun an, mit ihrem Erstling "Inhuman Nature" in den Olymp des progressiven und symphonischen Metals vorzustoßen. Ob ihnen das gelingt? Nun, soviel sei vorab gesagt - die Vorschusslorbeeren waren nicht unbegründet!

Denn JUVALIANT, die ursprünglich immerhin bereits 2003 gegründet wurden, konnten zwar erst im Jahre 2006 ihre finale Besetzung finden, in der sie auch das vorliegende Debütalbum einzimmerten, doch man weiß ja: "Gut Ding will Weile haben!"

Und tja, eine Weile hat's zwar wirklich gedauert, bis der Erstling fertig war, aber das Warten hat sich gelohnt. Und dass es JUVALIANT ernst meinen, wird ebenfalls auf den ersten Blick klar: In einer formschönen Promo-Mappe im A4-Format, geziert vom superben Coverartwork von Felipe Machado Franco (ICED EARTH, AYREON, POWER QUEST u.a.), kommt das Scheibchen ins Haus geflattert, und wartet nur darauf, genüßlich konsumiert zu werden. Der erste Eindruck ist also schon mal sehr gut, und wird auch sofort von den ersten Takten des instrumentalen Intros "Into The Abyss" bestätigt. Hier wird erstmal ein dickes Orchestralarrangement von Mikko Mustonen (u.a. NORTHERN KINGS) aufgefahren, das den Hörer sofort in die richtige Stimmung für das wohl anstehende, hoffentlich starke symphonische Metal-Album bringt; und wenn JUVALIANT dann mit "Heroes (We Will Be)" mehr als amtlich loslegen, ist die Sache auch schon sofort in trockenen Tüchern.

Denn gleich von Anfang an ist klar, dass hier einerseits absolute Könner an den Instrumenten am Werk sind, andererseits aber auch Gespür für starkes Songwriting besteht und letztlich, dass sich JUVALIANT ihr Debüt auch einiges kosten haben lassen - denn der erstklassige Sound, der ihnen von Jan Vacik in den Dreamscape Studios (in denen ja einige der heimischen Melodic Metal-Truppen wie SERENITY und VISIONS OF ATLANTIS schon zu Gast waren) gezimmert wurde, lässt keine Wünsche übrig. Ausreichend druckvoll dort wo es nötig ist, ausreichend transparent um die filigranen Arrangements erkennen zu lassen, und rundum homogen - genau so muss man den progressiven Metal von JUVALIANT produzieren; und bereits ab den ersten Takten fühlt man sich sofort insbesondere an ANGRA erinnert - sowohl von Songwriting, als auch von Sound und auch von Gesang - denn Fronter Thomas Strübler erinnert in der Tat ein wenig an den Sänger der Südamerikaner, Edu Falaschi. Soviel also mal zum Namedropping; hinter "Inhuman Nature" stehen also schon mal klingende Namen und große Inspiratoren.

Wie aber hält sich das Songmaterial im internationalen Vergleich?

Nun, diesen muss man keineswegs scheuen - ganz im Gegenteil! Denn nach dem schon erwähnten Opener "Heroes" legt man mit "Doomsday Machine" gleich mal einen ordentlichen Kracher nach, der mit heftigen Gitarrenriffs (etwa die sehr THRESHOLD-lastigen Riffings im Mittelteil) und dennoch melodischen Harmonien punkten kann; und generell sind damit gleich zwei der absoluten Trademarks von JUVALIANT aufgegriffen - nämlich die sehr gelungene Symbiose von harten Gitarren, die im Vergleich zu vielen anderen Genrebands hier definitiv um Einiges mehr drücken, und die wunderbar harmonischen Parts, die stets gekonnt kitschtriefende Happy-Metal-Gefilde umschiffen, dabei aber dennoch immer eingänging und mitreißend bleiben. Ironischerweise ist aber gerade dieser Track für mich noch der "schwächste" des Albums, (was bei JUVALIANT natürlich höchst relativ ist - andere Bands würden dafür natürlich töten) weil mir der Song für seine Struktur etwas zu lang ausgefallen is; wobei dies aber nur die Qualität des restlichen Songmaterials in seiner Gesamtheit unterstreicht.

Dabei werden die Keyboards stets sehr passend eingesetzt; man verzichtet bewusst auf käsige Sounds, sondern setzt über lange Strecken eher auf dezente, atmosphärische Keys, zu denen dann die opulenten Orchesterpassagen einen durchschlagenden Konterakzent setzen, und so stets den Hörer zur Aufmerksamkeit berufen.

Die Highlights des Albums stellen für mich aber zweifelsfrei gerade die längeren Songs da: "Hell's Roundabout" mit seinem symphonischen Beginn und einem erstklassigen Refrain, gepaart mit leicht progressiver Struktur, oder auch das phänomenale "Killing Child" mit absoluter Gänsehaut-Garantie haben definitiv das Zeug zum Genreklassiker. Doch auch das mich persönlich an RHAPSODY erinnernde "Silent Agony" bleibt augenblicklich im Gehörgang hängen.

Den krönenden Abschluss des Albums stellt dann natürlich der Elfminüter "Cold Distance Of The Universe" dar - hier findet sich nochmal ein großartiges Resümee des gesamten Albums, alle Markenzeichen werden noch einmal ausgereizt und zelebriert; man feuert musikalische Reminiszenzen an QUEEN genauso wie an RHAPSODY OF FIRE, THRESHOLD oder auch KAMELOT durch die Boxen, und letztlich zeigt man insbesondere bei diesem überlagen Track, der zu keinem Zeitpunkt langweilig oder uninspiriert wirkt, dass man genau weiß, was man will, und es auch versteht, die eigenen Visionen umzusetzen. Hut ab vor dieser Band!

Was bleibt also am Ende des Tages zu sagen? Nun, nicht viel mehr als dass es mir absolut schleierhaft ist, warum JUVALIANT immer noch ohne vernünftigen Plattenvertrag dastehen - denn es gibt da draußen viele, viele Bands, die nicht mal annähernd die Klasse dieser Truppe erreichen - und das man österreichische Bands aus dem melodischen Sektor schon längst nicht mehr per se auf Grund ihrer alpenrepublikanischen Herkunft stiefmütterlich behandeln kann, dass haben Truppen wie SERENITY, DIGNITY oder ECLIPTICA mittlerweile doch mehr als deutlich klar gemacht. Und JUVALIANT reihen sich qualitativ mehr als beeindruckend in diese illustre Runde ein - beziehungsweise legen sie gerade im kompositorischen Department und in Punkto "Härte" sogar noch einen drauf. Kurzum - ein absolut gelungenes Debüt, nach dem sich zahlreiche Bands wohl alle zehn Finger (und vielleicht auch noch ein paar Zehen) abschlecken würden, und das nur noch danach lechzt, endlich internationale Veröffentlichung zu finden. Bis das aber soweit ist (was nur noch eine Frage des "Wann" und keinesfalls mehr eine des "Ob" sein sollte), darf man zumindest auf ein paar Liveauftritte der Salzburger hoffen. Unfassbar eigentlich, dass dieses Album bei Stormbringer in der "Demo"-Sektion aufscheint - denn wenn "Inhuman Nature" schon regulär erhältlich wäre, könnte man wohl getrost von einem der stärksten Genrereleases des Jahres sprechen.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Dragonslayer (16.10.2009)

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