Rotting Christ - AEALO

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VÖ: 15.02.2010
Bandinfo: ROTTING CHRIST
Genre: Folk Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

Hoch über dem Olymp wildern eine Handvoll wackere Griechen seit mittlerweile 23 Jahren in verschiedensten Genres des heiß geliebten Extreme Metals. Als – vorerst wenig ernst genommenes – Grindcore Paket startend, mauserten sich ROTTING CHRIST recht schnell zum international beachteten Black Metal Act, dem der große Durchbruch trotz Auftritten mit Größen wie IMMORTAL, SAMAEL, OLD MAN’S CHILD oder DEICIDE verwehrt bliebt. Erst im neuen Jahrtausend hat das Quartett mit „Sanctus Diavolos“ die ersten verdienten Lorbeeren eingeheimst. Der 2007er Brecher „Theogonia“ brachte die Athener nicht nur auf die vorderen Plätze in den verschiedensten Fanzines, sondern vermengte auch erstmals heimische Folklore mit dem schwarzmetallischen Grundgerüst der Band.

Das neue Werk „AEALO“ (ein altgriechisches Wort, das ins lateinische Alphabet übersetzt wurde und so viel wie Katastrophen oder Zerstörung bedeutet) legt dabei gleich noch ein heftiges Schäuferl nach und zeigt die Hauptstädter von einer bislang völlig unbekannten, weil überraschend traditionsverbundenen Seite. Der Opener ist gleichzeitig Titeltrack und lässt die tribalartigen Naturstimmen in Sekundenschnelle wieder verschwinden. Dann regieren die zwei Urmitglieder mit ihrer umwerfenden Instrumentalkunst. Das tighte und punktgenau gespielte Drumming von Themis Tolis zeichnet den Sound der Griechen schon seit Jahren aus, Bruder und Bandchef Sakis lässt ein prägnant-drückendes Riffgewitter auf die Häupter der hörenden Masse herein prasseln, sodass man vor lauter Black-, Thrash- und Death Metal Referenzen zur genretechnischen Orientierungslosigkeit verleitet wird. „Eon Aenaos“ zielt dann schon eher auf die Schwarzwurzelbevorzuger im Hörersektor und drückt sich in neumoderner, aber stets melodischer Art und Weise durch die Gehörgänge.

Die Qualität der beiden makellosen Eröffnungstracks und dem eingängigen „Demonon Vrosis“ können ROTTING CHRIST natürlich nicht über die ganze Spielzeit halten. „Noctis Era“ spielt eindeutig in der Death Metal Liga – obschon es immer schwer war die Griechen zu kategorisieren, mit „AEALO“ stranden sämtliche Bemühungen dahingehend in Ergebnislosigkeit. Die heimische Folklore stellen die Tolis-Brüder an die oberste Front. Kein Song des spritzigen Elf-Trackers kommt über die volle Spieldauer ohne Huldigungen an die große Vergangenheit der eigenen Heimat aus. Der Kurze Jodel-Zwischenbreaker „Nekron Iahes…“ leitet das rollende und immens berstende „…Pir Therontai“ ein, das gerade durch die zweite Gitarre vom recht jungen Giorgos Bakos und dem pumpenden Bassspiel Andreas Lagios‘ seine Energien bezieht. Auf „Thou Art Lord“ traut sich das Quartett aus dem Staat der endlosen Schulden auch auf gefährliches Gothic-Terrain, ohne peinlich auszurutschen. „Santa Muerte“ ist gegen Ende hin, der schnellste und norwegischste Schwarzheimer, den die Sonnenstaatler aus dem Köcher packen. Hier wird geblastet, gekeift und geshreddert – ROTTING CHRIST in alter Verfassung zu hören, tut wieder einmal gut. Der Closer ist das eigenwillige DIAMANDA GALAS-Cover „Orders From The Dead“, dass von der griechisch-amerikanischen Sängern selbst eingesungen und hintergründig „metallisiert“ wird. Mutiges Experiment – starke Ausführung.

Die zehnte Full-Length liefern uns ROTTING CHRIST mit „AEALO“ mittlerweile. Und dieses Teil ist – und darauf liegt die Betonung! – nur etwas, für offene, schubladenferne und vorurteilsfreie Hartwurster. Folkloristischer Black Metal mit Death/Thrash Referenzen ist noch die realistischste Beschreibung, wirklich kategorisieren lassen sich die Griechen auf ihrem neuen Silberling aber nie. Wer von herkömmlichen Black Metal gelangweilt ist, sich für altgriechische Mythologie interessiert oder einfach nur wieder mal was gänzlich Anderes hören will, der ist bei ROTTING CHRIST – mit Garantie – perfekt aufgehoben. Alle anderen sollten sich lieber noch einmal auf der MySpace Seite der Athener erkundigen. „AEALO“ ist ganz großes Kino, das ROTTING CHRIST endlich den längst verdienten Ruhm garantieren sollte. Auch ohne PRIMORDIAL Frontmann Alan Nemtheanga’s Guestvocal-Auftritt breit zu treten!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (18.02.2010)

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