Psychomantum - Genius Loci

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VÖ: 00.00.2009
Bandinfo: Psychomantum
Genre: Melodic Black Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Anachronismus; und das durchaus im positiven Sinn! Die CD erscheint in liebevoller Vinyl-Optik und das Cover als Schwarz Weiß-Kopie, fast schon wirken die abgedruckten Verweise auf „MySpace" und andere Internetseiten etwas deplatziert.
PSYCHOMANTUM binden die Sagen und Mythen der Gegend um die Stadt Heidelberg in eine kunstvolle Klangwelt ein. Musikalisch wandelt man noch auf den Pfaden von SUMMONING, wobei schon vermehrt eigene Seitenwege beschritten werden.

Der Titel „Genius Loci“ hat römische Wurzeln und lässt sich mit Gründungs- oder Schutzgeist eines Ortes übersetzen. Mit diesem Werk kann man tief in Geist und Geschichte der Stadt Heidelberg eintauchen. Man merkt, dass hier tatsächlich jemand mit persönlicher Begeisterung für diese Thematik am Werk war.

Der Text des einleitenden Titels „Die Sage“ wurde dem Kurpfälzer Sagenborn von Bernhard Jakob (1933) entnommen. Interessierten sei gesagt, dass dieser, neben vielen anderen Schriften von der Uni Heidelberg im Rahmen des Projektes „Schrifttum zur Stadt Heidelberg und zur Region“ digital aufbereitet und frei zugänglich gemacht wurde!

„Genius Loci“ will die Vergangenheit nicht verklären. Mit den selbst verfassten Zeilen des letzten Titels fordert Sargath, die vergessenen Erzählungen, die ein breites Spektrum an Themen behandeln, zu bewahren und wieder ins Gedächtnis zu rufen. Ein sehr löblicher Appell.

Die Erzählungen werden durch den Wechsel zwischen Flüstern, klar gesprochenem Text und teilweise herrlich kratzigen Growls vermittelt. Die Texte stammen hauptsächlich aus den Sagensammlungen und wurden von Sargath in Gedichtform umformuliert. Ausladende Keyboardteppiche, Gitarrenmelodien und Geige sorgen in interessanten Arrangements für die gewisse Atmosphäre. „Ein Fluch und seine Erfüllung“ wird auch musikalisch dem dunklen Inhalt gerecht. Melancholische und anmutige Keyboards in simpler Moll-Stimmung, sowie getragene, fast sphärische Klänge erzählen vom Tod eines Adeligen. Ab der Hälfte des Songs wird aber leider die Grundstimmung ohne ersichtliche dramaturgische Veranlassung gewechselt. Die harmonische Veränderung in „Der Schatz im alten Berg“ ist weitaus flüssiger und schlüssiger gestaltet. „Die Jetta“ ist besonders stimmungsvoll und kann die unterschiedlichten Facetten der Sage gut transportieren. Trotz der ausladenden Spielzeit schaffen es die klanglichen Bilder zu fesseln.

Sicher ist das Album ein wenig sperrig und es mag schwer sein, zu den experimentellen Aspekten einen Zugang zu finden. Durch die Heimarbeit gibt es auch noch einige Makel, es wäre aber höchst interessant zu hören, was Sargath mit entsprechendem Equipment produzieren könnte. Allerdings merkt man die Begeisterung, mit der an „Genius Loci“ herangegangen wurde! Die herrlich verschrobenen Klänge wurden mit Liebe zum Detail ausgefeilt. Deutlich wird dies auch bei der aufwendigen Gestaltung des „Beiwerks“. Es wird sogar eine Gebrauchsanweisung geliefert: Wie ein Buch, sei diese CD zu behandeln. „Beispielweise vor einem Kamin“ solle man die „geheimnisvollen Geschichten“ auf sich wirken lassen. Gleich den Sagensammlungen könne man die Erzählungen von der ersten bis zur letzten Seite „lesen“ oder, je nach Stimmung nur einzelne Kapitel „aufschlagen“ und „durchblättern“. Es empfehlen sich mehrere Hördurchgänge, um der durchwegs gelungenen Atmosphäre Zeit zu geben sich zu entfalten und auch, um stets neue Kleinigkeiten zu entdecken.

„Genius Loci“ ist klar ein ungewöhnliches Werk mit Potential, das den Wunsch weckt, durch die Landschaften und Wälder um Heidelberg zu wandeln und die Ruinen und Burgen als Zeugen einer vergangenen Zeit zu erkunden.

Ende Mai wird die CD über "Karge Welten Kunstverlag" in einer 500er Auflage in nachkomprimierter Version (von AOD gemastert) erscheinen.



Ohne Bewertung
Autor: Vár (06.04.2010)

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