HELLSINGLAND UNDERGROUND - Madness & Grace

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VÖ: 16.04.2010
Bandinfo: HELLSINGLAND UNDERGROUND
Genre: Southern Rock
Label: Killed By Records
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Lineup  |  Trackliste

Der Teufel steckt im Detail. Und als das vielleicht einmal nicht der Fall war, hat der Gehörnte mit seinem diabolischen Dreizack auf sechs rustikale Schweden-Rocker eingestochen. HELLSINGLAND UNDERGROUND nennen sich die Jungs, die sich hauptsächlich aus der Kriminellen-Hochburg Ljusdal rekrutieren und seit gut vier Jahren mit ehrlichem und solidem Southern Rock über die Fjorde marschieren. Wobei sich Sänger Charlie Granberg und Konsorten mit stolz geschwellter Brust „Northern Rocker“ nennen, da man ja aus Nordschweden und nicht dem südlichen Teil der USA kommt. Weitere interessante Anekdoten sollte man unbedingt in der kultverdächtigen Biografie anchecken.

Mit dem selbstbetitelten Debütalbum hat das nordische Sextett vor allem in der Heimat für gewaltige Aufbruchsstimmung gesorgt. Selbst im skandinavischen MTV-Bereich wurden HELLSINGLAND UNDERGROUND gehypt. Mit „Madness & Grace“ biegt der längst fällige Nachfolger um die Ecke, der die sympathischen Puristen auch im restlichen Europa zu gesteigerter Bekanntheit führen sollte. Vermischt haben die bodenständigen Elche alles, was man sich im guten alten Rock so vorstellen kann. Hie und da blitzen die ALLMAN BROTHERS durch („The Spark That Never Dies“), zwischendurch schläft man mit LYNYRD SKYNYRD („Shuffle Day To Day“) oder gebärt einen Hybriden aus PETE DROGE und BRUCE SPRINGSTEEN („Forever Damned“). Beim lagerfeuertauglichen Akustikgitarrenstück „Vera“ oder dem vieldimensionalen, pianolastigen Instrumental „Diabolic Greetings From The Woods“ lassen sich auch Fingerfertigkeit und skandinavische Bedächtigkeit herausfiltern.

„Stickin‘ With You“ erweist sich gar als flotter Western-Saloon Schunkler, der als perfekte Hintergrundbeschallung für jede Sporenstiefel-Schlägereien herangezogen werden könnte. In die typische Southern Rock Nische lassen sich HELLSINGLAND UNDERGROUND nur ungern stecken. Mit der NEIL YOUNG Blaupause „Full Buck Moon“ oder dem psychedelischen 60ies Rocker „Debauchery“, versucht man sich mit Händen und Füßen aus den Genre-Ketten zu befreien. Am Ende geht den Vollblutrockern dann doch die Luft aus. Die BOB DYLAN ähnliche Piano-Ballade „A Short Time In The Sun“ plätschert gar zu weinerlich aus den Speakern, das schwungvolle „Poor Boy“ zieht – trotz herrlichen Twin-Gitarrenläufen, die glücklicherweise oft eingesetzt werden – zu sehr Richtung Hitparade. Erst ganz am Ende wird der anfangsübliche Titeltrack ausgepackt, der sich in völliger Gelassenheit, ungestört vom Stress des mühsamen Alltags, aus seinem sanften Instrumentalkokon schält. Granbergs rockig-rauchige Stimme und die schönen Gitarrenläufe von Olsson und Henriksson mahnen an goldene Van-Zant-Alabama-Zeiten.

HELLSINGLAND UNDERGROUND kommen angenehm unaufgeregt und das Leben genießend durch die Boxen, entfachen die richtige Stimmung zu den richtigen Momenten und wissen mit ihrer tempovariierten Songauswahl auf allen Linien zu überzeugen. Stimmlich und instrumental on top, erzählen die lebensgeplagten Nordlichter in authentischer und glaubhafter Manier vom Teufel, Alltagsproblemen und Frauengeschichten. Der perfekte Soundtrack zur abendlichen Entspannung oder dem Whiskeygenuss mit kubanischer Zigarre. Der Kreuzzug durch Europa dürfte ein erfolgreicher werden.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (07.04.2010)

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