Poison Sun - Virtual Sin

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VÖ: 19.11.2010
Bandinfo: Poison Sun
Genre: Heavy Metal
Label: Metal Heaven
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Lineup  |  Trackliste

Ich sag es jetzt mal ganz ehrlich heraus. Wenn ich beginne mich mit einer Promo CD zu befassen, sie meiner kritischen Haltung unterziehe, sie musikalisch wieder und wieder durch die Gehörgänge sausen lasse, um ein möglichst objektives Ergebnis vorlegen zu können, dann will ich keinen Scheiß-Promozettel vor mir haben, der mir das Album des Jahrtausends weismachen will. In diesem Fall werden mir Passagen wie „Man kann also nur in den höchsten Tönen schwärmen, wenn die Songs mit Urgewalt aus den Boxen donnern“ oder „Man muss kein Prophet sein (…) um dieser Formation einen fulminanten Einstieg ins globale Geschäft vorauszusagen“ kredenzt. Kotz. Speib. Würg.

Zurück zum Thema. POISON SUN kommen aus Hannover und legen via Metal Heaven mit „Virtual Sin“ ihr Debütalbum vor. Mastermind hinter dem Projekt ist Gitarrist Hermann Frank, der neben den deutschen Heavy Metal Underground Helden VICTORY vor allem aus der „Balls To The Wall“-Phase von ACCEPT bekannt sein müsste. Deren grandioses Comeback-Album „Blood Of The Nations“ dürfte dem Saitenhexer anscheinend nicht gereicht haben, an seiner Seite agieren Sängerin Martina Frank, sowie die beiden ehemaligen SILENT DECAY Mucker Stefan Hammer (bass) und Florian Schönweitz (dr). Die so hoch gepriesene Rockröhre legt auf dem AEROSMITH-artigen „Voodoo“ auch gleich amtlich los und mischt in ihrer eher tief gehaltenen Stimme eine kräftige Portion TINA TURNER zum DORO-Hauptteil. Die Grundausrichtung ist aber keinesfalls amerikanischer Blues-Rock, sondern das wesentlich härtere Teutonen-Stahl. Fetzige Riffsalven und melodische Hooklines im 80ies Stil gibt’s en masse. Die Fans der traditionellen Kost werden mit unzähligen Pommesgabel-in-die-Höhe-streck-Songs verwöhnt, die schon mal an AC/DC („Hitman“), WHITESNAKE („Princess“) und vor allem ACCEPT („Killer“, „Phobia“) erinnern. POISON SUN klauen schamlos von sämtlichen Heavy Rock Combos der Disco-Dekade, da passt das – übrigens fetzig geratene – POINTER SISTERS Cover „Excited“ wie die berühmte Faust aufs Auge.

So stark ich mich eingangs auch über die PR-Abteilung der Giftsonne ausgelassen habe, so überrascht bin ich vom sehenswerten Endergebnis. Ich bin kein großer Verfechter der „besser gut kopiert, als schlecht kreiert“ Einstellung, aber was Martina Frank mit ihren rockenden Gockeln hier auf Compact Disk gepresst hat, kann sich wirklich sehen bzw. hören lassen. Bis auf die abschließende Halbballade „Forever“ wird auch gänzlich auf tränendrückende Schmonzetten verzichtet, was dem Ganzen noch mehr Drive gibt. Meine Damen und Herren Rocker – ihr dürft hier bedenkenlos zugreifen. Promowisch hin oder her.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (02.12.2010)