Krisiun - The Great Execution

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VÖ: 28.10.2011
Bandinfo: Krisiun
Genre: Death Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Todmetallen in der zweiten Liga. Das ist das bittere Schicksal, das seit Urzeiten so manch hervorragende Knüppelcombo trifft. Mittendrin in diesem Pulk an hervorragenden, aber sträflich unterbewerteten Bands sind die Brasilianer KRISIUN, die bis auf das wackelige (in Fankreisen aber trotzdem heißgeliebte) Debütalbum „Black Force Domain“ seit über einer Dekade großartige Death Metal Alben publizieren, aber nie so richtig den Breakthrough geschafft haben. Ob das mit dem achten Werk „The Great Execution“ gelingen wird, ist fraglich, obwohl das zottelige Brüder-Trio Alex Camargo (bass, voc), Max (dr) und Moyses Kolesne (git) den eingeschlagenen Weg der letzten Jahre weitergeht: Weg vom beinharten Gebolze, hin zu feiner nuancierten, technischeren und ohrwurmdienlicheren Spielereien.

Bereits der Opener „The Will To Potency“ wird so manchen Maniac vergrämen, setzt man doch auf druckvolle, impulsive Klangqualität, die sich nicht mehr zwingend im Highspeed-Bereich aufhält, sondern gekonnte Mid-Tempo Akustiksalven abfeuert. Diesen Weg führen KRISIUN auch gekonnt weiter und erinnern nebenbei an Genregrößen wie DEICIDE („Blood Of Lions“) oder HATE ETERNAL als Lightversion („The Extremist“). Die Vermischung aus Skalenschieberei, schädelspaltenden Headbang-Parts und partiell eingesetzter, hymnischer Akzentuierung bietet beiderseits atemlos machenden Technik- und stumpf-freudigen Urgewalt-Freaks die Möglichkeit, sich mit den Südamerikanern warmzulaufen.

Zudem beschreiten KRISIUN interessante neue Wege, singen im Song „Extinção em Massa“ portugiesisch (mit Gastsänger João Gordo von der brasilianischen Hardcore-Combo RATOS DER PORAO), lassen auf „Violentia Gladiatore“ sogar Progressive-Ansätze durchklingen und verwenden in „The Sword Of Orion“ bislang völlig tabuisierte Flamenco-Akustik-Gitarren, die dem kernigen Treiben die nötige Individualität verpassen. Summa summarum wirkt das neue, erneut unheimlich fett von Andy Classen produzierte, Album somit nicht nur erwachsener und abwechslungsreicher, sondern auch deutlich durchdachter und mutiger. Breaks, Gitarrensoli, rasante Abfahrten und die (etwas zurückgezogenere) Doublebass-Benützung werden auf „The Great Execution“ songdienlich und eindringlich exerziert und sorgen damit für ein in dieser Form nicht erwartetes KRISIUN-Werk.

Wirklich gelungen ist auch das von Toshihiro Egawa gemalte Coverartwork, nur die Gesamtspielzeit von über einer Stunde ist fast etwas übertrieben, denn auch wohlüberlegte Gewaltästhetik beginnt nach einer gewissen Zeit zu langweilen. Trotz des opulenten Pakets hat man erstmals seit zehn Jahren auf eine Coverversion verzichtet und dass die Jungs ihr 20-jähriges Jubiläum im Vorjahr einfach umgangen sind, macht die ganze Sache noch sympathischer. Für „The Great Execution“ wird eine dringende Empfehlung ausgesprochen, denn neben dem hausgemachten KRISIUN-Fans, sollten auch DEICIDE-, INCANTATION- oder gut gehärtete Thrash-Lunatics ein Ohr auf das Teil werfen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (27.10.2011)

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