Smohalla - Resilience

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VÖ: 00.00.2011
Bandinfo: Smohalla
Genre: Avantgarde
Label: Arx Productions
Lineup  |  Trackliste

Avantgarde, ein sehr gerne, sehr häufig und in unserer Zeit sehr oft völlig unreflektiert gebrauchter Terminus.
Ein Blick in die Bedeutung des Wortes spricht von "Personen, die neue, wegweisende Entwicklungen anstoßen, von grundsätzlicherer und längerfristiger Wirkung".

Deshalb tu ich mir bei einem solchen Ausdruck im Zusammenhang mit dieser, unserer, zeitgenössischen Musik sehr schwer. Wie es auch keinen Prog-Rock oder Prog-Metal gibt. Steht doch progressiv für das Erschaffen von etwas völlig Neuem, noch nicht da gewesenen. Und das passiert in der Rockmusik seit den 70ern nicht mehr.

Warum das alles? Die Franzosen SMOHALLA werden gerne in die Aventgarde-Ecke gedrängt, zumindest von ratlosen Rezensenten die grad gar nix mit dem Dargebotenen anfangen können. Nun möchte der geneigte Leser meinen, dass ich ein arroganter Wedel wäre, der sich über den Rest der Reviewerschar stellt und meint, sämtliche Weisheit mit dem sprichwörtlichen güldenen Löffel gegessen zu haben.

Mitnichten.

Es gibt aber eben immer wieder Releases, die einen fordern, zwingen, sich diese Musik wieder und wieder anzuhören. Versuchen zu verstehen, wo die Krux ist, wo ist der Punkt von dem aus die Künstler einen Song erschaffen haben, wo der Punkt ist zu dem sie hin wollen.

Schon das erste Stück/Intro transportiert ein Gefühl, welches ohne Gitarren eine sehr eigene Atmosphäre hat. Ein Intro, welches schon als vollwertiger Song durchgeht, so etwas hört man selten. Schön mit Plastik angereichert, das wird natürlich jedem Puristen gegen den Strich gehen, aber wenn man ehrlich ist, wenns hinhaut soll es auch so sein. Und solangs nicht wie Nightwish klingt....

Dann wirds metallisch, und noch viel eigenartiger. Die Stimme wechselt vom Klargesang zum entfernten Keifen. Die Grenze hin zur Dissonanz ist oft in Sichtweite wird aber nicht ganz überschritten. Ganz eigen hier auch das verschleppte Schlagzeug anfangs. Und dann mitten drinnen ein schöner, klarer, mehrstimmiger Chorus. Da muss etwas im Wasser sein, in Frankreich.
Manche mögen das als "jeder gegen jeden" bezeichnen. Ist es aber beim besten Willen nicht. Es ist ganz klar gesagt unheimlich fordernde Musik die lange braucht um zu zünden. Dann aber, ja dann bleibt sie hängen.
Bizarrste Soundlandschaften entstehen aus dem Nichts, Gitarren verweben sich mit den Keys und lösen sich auf in etwas das schon beinahe mit Beliebigkeit bezeichnet werden könnte, wäre es nicht integraler Teil der Komposition.

Es passiert immer etwas, die gewohnten Songwriting-Schemen existieren überhaupt nicht. Strophe-Chorus, Strophe - Chorus - Solo? Nicht hier.
Die Herren spielen, so scheint es einfach drauflos, und erzeugen dabei etwas für mich in dieser Güte völlig Neuartiges.

Grob gesagt, eine Mischung aus BLUT AUS NORD, SOSTAFIR, WOLVES IN THE THRONE ROOM, irgendwelchen Jazz-Fragmenten und dem völligen Unwillen, Songs zu schreiben. Zumindest Songs, wie wir sie bisher kannten.

Für viele mag das wie Proberaumlärm klingen, beim ersten Anhören. Lasst euch aber auf dieses Juwel ein und ihr werdet lange Freude daran haben.

Diese Schallplatte (was war das doch für einen schönes Wort) verdient es, gehört zu werden!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (02.12.2011)

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