Tsjuder - Legion Helvete

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VÖ: 13.12.2011
Bandinfo: Tsjuder
Genre: Black Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste

Dürfen Black Metaller und deren Fans eigentlich lachen? Letztes Jahr war es für die meisten wohl unmöglich, die Pandabären-Tarnung im Kampf gegen die kullernden Freudentränen makellos zu halten, denn das norwegische Brachial-Kommando TSJUDER hatte hochoffiziell sein Comeback verkündet. Insider wissen es ohnehin, trotzdem sei auf die drei Alben „Kill For Satan“ (2000), „Demonic Possession“ (2002) und „Desert Northern Hell“ (2004) hingewiesen, die allesamt schwarzes Erstliganiveau besitzen und leider stark unter Wert geschlagen wurden. 2006 war dann leider Schicht im Schacht, Sänger und Bassist Nag hat zwei Jahre später mit seinem Neuprojekt KRYPT ein ähnlich kultiges Album veröffentlicht, die Truppe aber zugunsten TSJUDERs wieder an den Waldrand geparkt.

Das große Comebackalbum nach den sieben verflixten Jahren kann vielleicht in punkto Cover-Artwork nicht mehr ganz an die „Trve- And Evilness“ der alten Tage anknüpfen, lässt den Liebhaber überrasanter Geschwindigkeitsabfahren samt diabolisch-morbidem Gekeife einmal mehr offenmündig zurück. Was die drei überzeugten Antichristen hier nämlich an Sperrfeuer auslassen, hab ich seit seligen „Panzer Division Marduk“-Zeiten nicht mehr vernommen. Während sich so manche Landesgenossen aus dem bitterbösen Norwegen Richtung einschläfernden Ambient bewegen oder einen auf semiintellektuelle Avantgardisten machen, kotzen TSJUDER genau die Sorte Schwarzmetall auf den Gehsteig, für die man dieses schöne Land früher höllisch liebte: viehisch rasant, kompromisslos brutal und vor allem ohne einen Kompromiss.

Das wirklich Schöne an den kurz und knackig gehaltenen Nostalgie-Songs sind die partiell eingestreuten Soloeinlagen („Dauðir“) und die obergeile Black’n’Roll-Attitüde. Kaum ein Hassbrocken kommt ohne frostcoole MOTÖRHEAD-Riffs oder Dicke-Eier-Hooks aus. Wer gerne Nieten trägt und beim bissigen „Voldsherskeren“ keinen Ohrgasmus bekommt, wird ab sofort zum Beischlaf mit BOYZONE gezwungen! „Slakt“ ist ein weiteres Musterbeispiel für hochklassiges Highspeed-Geschrote im besten Early-DARKTHRONE und Mittel-GORGOROTH Stil. Bei den beiden Wadlbeißern „Black Shadows Of Hell“ und „Blod Og Aske“ friert dann endgültig die Hölle zu – das ist polterndes Deibelsgeballer in seiner feinsten Reinkultur.

„Legion Helvete“ ist exakt das Album, das man im Black Metal-Segment seit mindestens einer halben Dekade sträflich vermisst hat. Harsch, radikal, den Lauf der Schrotflinte zielgerade auf den Mainstream gerichtet. Eben die Sorte Schwarzmetall, die 15-jährigen Möchtegernfans und H.I.M.-Hörern das Großhirn zerknallt. Oder es mit den Worten des leicht verwirrten Kanwulf aka NARGAROTH zu sagen: „Black Fucking Metal“.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (13.12.2011)

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