SAKRILEG - Sakrileg

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VÖ: 00.00.2012
Bandinfo: SAKRILEG
Genre: Black Metal
Label: Cursed Records
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Lineup  |  Trackliste

Der österreichische Black Metal ist ja so eine eigene Geschichte.
Man versucht(e) mit aller Gewalt auf "Elite" zu machen und vergaß sehr oft auf das Schreiben ansprechender Songs.
Das andauernde Schielen in Richtung alte Norweger und das obligatorische ABSURD-Cover (man muss ja provozieren, nöm) allein reicht dann halt doch nicht aus, um Veröffentlichungen abzuliefern, die man sich auch gerne öfter anhört.
Viel Schrott, sehr viel Ausschuss dem einfach das Banner des trven Black Metals umgehängt wurde, dann wird sich das Zeug schon verkaufen.

Ausnahmen gibt es zum Glück, und eine solche liegt mir hier vor. Das Debüt der Kärntner SAKRILEG über das rührige Cursed Records-Label veröffentlicht.
Als erstes möchte ich gleich einmal etwas erwähnen, was mich mehr als positiv gestimmt hat. Die Kommunikation mit der Band war dermaßen entspannt, es war eine Freude, mit den Herren zu kommunizieren.
Da die Thematik "Stalingrad" auch bei SAKRILEG verwendet wird, mailte ich den Jungs kurz, um herauszufinden, warum eben auch sie sich damit beschäftigen. Kurz darauf schon erhielt ich eine mehr als ausführliche Mail mit allen Beweggründen, Hintergründen und was weiß ich noch. Schon klar, dass nicht jede Band jedem dahergelaufenen Internetschreiberling ihre Seele ausschüttet, aber es gibt halt auch schöne Ausnahmen. Vielen Dank dafür!

Die Band spielt schön atmosphärischen Black Metal, man schreckt auch nicht davor zurück, instrumentale Passagen mal etwas länger wirken zu lassen. Und glücklicherweise können die Jungs Songs schreiben, in denen das auch funktioniert.
Anfangs war ich ob der Vocals ein wenig skeptisch. Funktioniert das Gekeife über die Distanz? Sollte man nicht ein wenig Abwechslung einfließen lassen? Klar, könnte man, aber es geht auch so. Und es geht gut.
Hört euch den zweiten Song "In jener Nacht" an, der steht synonym für das, was SAKRILEG wirklich gut können: Songs schreiben und spannend arrangieren. Kein unnötiges Geblaste wenn einem die Ideen ausgehen, man zeigt Mut zum Mid-Tempo. Manchmal gar noch etwas langsamer.
Die Atmosphäre wird aufgebaut und gehalten. Sehr lässig.
Und genau so geht es auch gleich wieder bei "Ein Feldpostbrief" weiter. Die können das, die Jungs. Stimmung, Atmosphäre und die Fähigkeit sich in einem Song zu entwickeln.
Klar, ab und an rumpelt es etwas, aber es gibt da im Black Metal Untergrund noch ganz andere Dilettanten die sich nicht entblöden, ihre nicht mal halbgaren Ergüsse unter dem Banner "Tonkunst" zu veröffentlichen.

"Ignoranz" ist im eher zügigen Bereich anzusiedeln, aber auch hier gerät der Blastbeat nicht zum Selbstzweck. Auch hier spielt man mit verschiedenen Tempi und Stimmungen. Und einer geschickt eingefädelten Death-Metal Stimme mitten drinnen. Abwechslung eben.
Spannend auch die Geschichte zu "Abschiedsbrief (meiner toten russischen Freundin)", hier handelt es sich um eine Legierung aus NARGAROTHs "Abschiedsbrief des Prometheus" seitens der Musik und EISREGENs "Meine tote russische Freundin" im textlichen Bereich. Die Zusammenführung gelang, so wird gemunkelt, dem Schlagzeuger der Band im Rahmen eines eher mäandernden Heimgehens. So sagt man halt...

Die Produktion ist noch etwas sehr untergrund-lastig. Ich denke, nein, ich bin der Überzeugung, dass der Band ein druckvolleres, saubereres Gesamtbild deutlich besser zu Gesicht stehen würde.

Alles in allem kann man hier nicht meckern, das Debüt (es gab 2010 eine mit "Demonen" betitelte Veröffentlichung von der aber beinahe alle Songs auf "Sakrileg" zu finden sind) ist für ein solches wirklich stark.

Es gibt sie doch noch, die Perlen in der Tiefe der Musik.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (24.10.2012)

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