LelKem - All Four Seasons In One Day

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VÖ: 15.02.2013
Bandinfo: LelKem
Genre: Alternative Rock
Label: Penelope Muzak
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Modern Lament nennt das Wiener Trio mit ungarischen Wurzeln, LELKEM (ungar.: Seele), das mit „All Four Seasons In One Day“ bereits sein zweites in Eigenregie produziertes Album veröffentlicht, seine Mixtur aus Alternative- und Art-Rock. Schon alleine diese Genrebezeichnung, sowie die wohlwollenden Reviews, die man in den unendlichen Weiten des Internets entdecken kann, machen recht neugierig. Es sei jedoch vorweggenommen, dass sich dieser Text nicht in die besagte Gruppe der äußerst positiven CD-Besprechungen einreihen wird. Aber alles von Anfang an!

Die guten Nachrichten zuerst: „All Four Seasons In One Day“ hält durchaus die ein oder andere Perle versteckt: Die düstere Garage-Rock-Hommage „Lovers And Foemen“ beispielsweise, oder das balladeske „Heads In The Sand“ sowie den psychedelischen Erguss „And Then There Was An Asshole“. LELKEM scheuen keine fremden Einflüsse, und so kommt man im Laufe des Albums auch in den Genuss von elektronischen Spielereien und sogar Beatbox-Anleihen („On The Wrong Side Of The Tracks“).

Bedauerlicherweise - und hier kommen wir zu den schlechten Nachrichten – ist die instrumentale Arbeit jedoch nicht immer hundertprozentig präzise (womöglich live eingespielt?) und der Gesang streckenweise unsicher, sowie unfähig, große Emotionen zu transportieren. Ist dieser Störfaktor mal nicht existent, verlieren sich LELKEM leider in einem von zwei Extremen: Entweder sind die Songs zu vorhersehbar oder man wechselt wild zwischen einzelnen Teilen hin und her, was den Kompositionen die Struktur und mir persönlich den Spaß an der Musik raubt. Was noch negativ aufstößt, ist der ständige Zwiespalt zwischen Euphorie und Enttäuschung in dem sich der Hörer befindet: Beispiele hierfür sind der gesanglich stärkste Track „Dream Proof Fence“, der schon nach mageren eineinhalb Minuten in das stimmlich schräge „Where Have You Been“ mündet, das ansprechende, prog-inspirierte Main-Riff von „The Charming Seasons“ , welches aber vom halbgaren Arrangement der Nummer überschattet wird, oder auch das Gitarrensolo auf „Goodbye, Lemon Hill“, das unheimlich mitreißend startet, sich aber kurz darauf in Verlegenheits-Phrasen verstrickt. Diese Liste könnte man noch fortsetzen, denn mit nahezu jedem Pluspunkt geht hier ein Gegenargument einher. Schade drum! Insgesamt wartet man einfach zu oft auf einen Höhepunkt (und sei es nur der dicke Powerchord-Chorus, nach dem „On The Wrong Side Of The Tracks“ so verzweifelt schreit), nur um dann im Endeffekt doch auf diesen verzichten zu müssen.

Fazit: „All Four Seasons In One Day“ ist ein sehr durchwachsenes Album. Es zeigt zwar durchaus gute Ansätze auf, bevor man hier aber von solidem Material sprechen kann, gilt es noch einige Mängel, wie gesangliche Unsauberkeiten oder kompositorische Orientierungslosigkeit, auszumerzen. Ein gesundes Mittelmaß zwischen experimentellem und traditionellem Songaufbau sowie ein dezidierteres Herausarbeiten und Weiterführen der bereits vorhandenen Geistesblitze hätten hier gut getan. Dass der Sound einer Eigenproduktion natürlich nicht mit der Produktion von Major-Label-Platten vergleichbar ist, sollte jedem klar sein. Dennoch sei hier angemerkt, dass man mittlerweile auch in diesem Bereich einen etwas höheren Standard gewohnt ist.




Bewertung: 2.0 / 5.0
Autor: Mario Mitzka (24.03.2013)

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