PESTILENCE - Obsideo

Artikel-Bild
VÖ: 15.11.2013
Bandinfo: PESTILENCE
Genre: Death Metal
Label: Candlelight Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

PESTILENCE waren mal eine echt große Nummer im Genre. Die ersten Alben („Malleus Maleficarum“ und „Consuming Impulse“) gelten zu Recht als Thrash und Death Metal-Perlen. Speziell „Testimony Of The Ancients“ ist ein echter KIassiker und wird für mich immer eines der besten und auch prägendsten Death Metal-Alben aller Zeiten sein. In allem technischen Übermut und mit zu viel Ambition schossen sich die Holländer mit „Spheres“ aber selbst in genau jene unendlichen Weiten des Weltraums, die auf dem Albumcover abgebildet waren. Nur wenige Fans wollten den eingeschlagenen progressiv-technischen-jazzigen Weg mitgehen. Die Folge war die Auflösung der Band, die jedoch 2009 mit „Resurrection Macabre“ – nomen est omen – eine vielbeachtete Wiederauferstehung feierte. Nach dem durchwachsenen „Doctrine“ lässt nun das siebte Album „Obsideo“ die Fans die Ohren spitzen. Passend der Labelwechsel von Mascot Rec. zu Candlelight, wo das Tech-Death-Quartett zumindest soundtechnisch tendenziell besser aufgehoben zu sein scheint.

Das Quartett dürfte zwar im nicht zu unterschätzenden Teich der ambitionierten Musiker fischen, klarerweise Tech-Death- und auch Deathcore-Fans werden sich, gleich wie die Djent-Fraktion, die Finger ob der gezeigten technischen Finessen lecken. (Death) Metal-„Normalhörer“ werden allerdings ihre Mühen mit der Scheibe haben. Die Oranjes kombinieren in sehr gekonnter Manier wieder kalte, technische Härte mit verspielt-anspruchsvollem Songwriting, das einen völlig überfrachtet und das Aufmerksamkeits-Zentrum heiß laufen läßt. Die beiden Ur-PESTILENCE-Patricks an den Gitarren zaubern zwar wieder, jedoch sind die Stücke viel zu vertrackt und ungriffig greaten, dazu gesellt sich noch das recht gleichförmige Gegurgel von Patrick Mameli. Die zweifellos gezeigte große musikalische Klasse könnte auch in anderer Form gezeigt werden, als Musterbeispiel sei etwa „Horror Detox“ vom Comebackalbum genannt. Am meisten ärgert mich, dass es PESTILENCE drauf hätten (bewiesen haben sie es ja schließlich schon), diese Klasse mit einer gewissen Eingängigkeit zu verbinden, dies aber wohl ihr eigener musikalischer Anspruch (der zweifellos zu respektieren ist) nicht mehr zulässt. Eher Musik von Spezialisten für Spezialitsten, man muß nicht jeden eingeschlagenen Pfad mitgehen, „Obsideo“ könnte das „Spheres“ des Band-Comebacks werden. Bitte umgehend das Shuttle neu kalibrieren!



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (15.11.2013)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Escape
ANZEIGE