LORDI Tourreport 2015 - How To Slice A Tour Part 3

Veröffentlicht am 04.03.2015

Bis jetzt war die Scare Force One-Tour von LORDI ein stetes auf und ab (zumindest besuchertechnisch) und gespickt mit kleinen Stolpersteinchen die der Touralltag nun einmal so mit sich bringt. Seien das nun ein Tourbus der beschließt den Geist aufzugeben, frostige Hallentemperaturen, störrische Mischpulte - oder auch einfach nur ein extrem straffer Zeitplan. All das gehört irgendwie zum Tourleben dazu, das ist der Alltag den Musiker und Crew täglich meistern, um die abendliche Show immer wieder zu einem Erlebnis für die Besucher zu machen.

Bei LORDI wird der Aufwand durch Kostüme, Bühnenaufbauten und Effekte gleich noch einmal potenziert - wenn auch kaum ein Vergleich zu den Mega-Produktionen der alteingesessenen Szene-Stars gezogen werden kann. Für ihr vergleichsweise bescheidenes Umfeld fahren die Finnen aber enorm viel auf - selbst wenn viele dieser Teile, in denen oft wochenlange Arbeit steckt, für die Besucher gerade einmal einige Augenblicke zu sehen sind. Ob man es nun mag oder nicht, die Monster haben bewiesen dass sie nicht ganz zu Unrecht schon seht mehr als einem Dutzend Jahren immer wieder ihre augenzwinkernde, abgedrehte Show präsentieren dürfen.

Vor allem in Deutschland und den Britischen Inseln erfreuen sich LORDI ungebrochener Beliebtheit, sodass sie selbst ohne Werbung und großes Trara ihr Kernpublikum finden. Egal was so mancher selbsternannte metallische Sittenwächter schreibt - es kommen ja doch Leute zu den Konzerten! Deshalb nun weiter im Text, mit den letzten 3 Konzerten der Tourteils auf dem ich LORDI hautnah erlebe - und der leider nicht so verläuft wie geplant...

15-02-2015

Für mich geht es für ein paar Tage nach Hause, während die Monster zeitgleich im Z7 von Pratteln aufschlagen, und dort den Geburtstag des Obermonsters Mr. Lordi gebührend feiern. Zu diesem Zwecke wird sogar die Setlist umgestaltet, und LORDI spielen ausnahmsweise einen Coversong - der Klassiker "God Of Thunder" von KISS, der normalerweise den Beginn jeder Lordishow ankündigt, wird zum zweiten Mal in ihrer Karriere von den Monstern selbst dargeboten. Schade dass ich nicht dort bin!


Auch die Shows in Köln (18.02.) und Bochum (19.02.) fallen für mich aus, da die Monster einen ziemlich potenten Grippevirus im Gepäck haben der mich als nächstes Opfer auserkoren hat. So werde ich die Monstertruppe erst wieder bei ihrem einzigen Österreich-Auftritt in Dornbirn wiedersehen. Erneut schade, denn die verstörten Gesichter der LORDI-Crew die sich Berichten zufolge am Rosenmontag den Kölner Dom ansehen wollten, und sich in einer unüberschaubaren Masse an fantasievoll kostümierten Personen zum ersten Mal in ihrem Leben underdressed fühlten, hätte ich auch zu gerne gesehen...

Köln und Karneval sind ja so eine Sache, so läuft rund um den Auftritt der Monster am Aschermittwoch wohl auch einiges nicht so ganz rund, und die Besucherzahlen halten sich aufgrund der vorhergehenden Tollhaustage auch in Grenzen. Ein übriges dazu tut die fehlende Promotion - aber das hatten wir ja schon...

Während dieser Tage bestätigt auch Keyboarderin Hella die Gerüchte um ihre Schwangerschaft, indem sich mit einem Statement auf Facebook an die Monsterfans wendet. Im gleichen Zuge stellt sie auch klar, dass dies nicht das Ende ihrer Tätigkeit für LORDI ist - sie plant den Monstern auch nach dem Kindersegen erhalten zu bleiben, und wird aller Voraussicht nach schon im Sommer wieder mit der Band auf der Bühne stehen.

21-02-2015 - Dornbirn, Conrad Sohm

Tagesmotto: Klaustrophobie

Schneller als gedacht ist der Tag gekommen, an dem ich noch einmal bei den Monstern von LORDI vorbei schaue. Ganz fit bin ich noch nicht, aber ich lasse es mir nicht nehmen LORDI bei ihrem einzigen Stopp auf österreichischem Boden zu besuchen.

Die Monster sind auch nicht zum ersten Mal im Conrad Sohm zu Gast, und wissen darum schon um die Besonderheiten dieser etwas abgelegen wirkenden Location. Unweit von Dornbirn, an einem kleinen Fluss mitten in einem bewaldeten Tal gelegen ist das Sohm ein ziemlich idyllisches Plätzchen - der einzige Schönheitsfehler ist lediglich die Tatsache dass die großen Tourbusse nicht über die schmale Brücke die die kleine Halle von der Straße trennt fahren können. Was heißt dass der Anhänger mit einem kleinen Van über die Brücke gezogen werden muss, und der Rest des Equipments aus dem Bus händisch geschleppt werden muss. Zum Glück verfügt der Anhänger über eine PKW-Kupplung - bei ihrem letzten Besuch im Conrad Sohm besaß der Anhänger eine LKW-Kupplung, und das komplette Equipment musste händisch über die Brücke geschafft werden...

Klein wie die Brücke ist auch die Bühne in der bekannten Konzerthalle - und auch das sonstige Platzangebot ziemlich überschaubar. Gut dass die Background-Sängerinnen Riitta und Katja bereits im Ruhrpott Abschied vom Tourtreck genommen haben, denn hier in Dornbirn hätten sie auf der Bühne beim besten Willen keinen Platz mehr gehabt. Bereits mit dem Equipment von Lordi ist die Bühne überfüllt, und es muss ein Plan B her um die Vorbands überhaupt unterbringen zu können.

Nach kurzem Brainstorming beschließt die Crew eine Auswahl an etwa gleich hohen, großen Flight-Cases vor der Bühne aufzubauen, und die Monitorboxen auf diese auszulagern. Dadurch haben dann auch die Fake-Flammensäulen von Amen's Solo und sogar der Autopsietisch noch Platz auf der Bühne, und die beiden Vorbands können ihr Drumset aufstellen, an dem sie sich gerade noch so eben gefahrlos vorbeiquetschen können. An Extravaganzen wie Hella's Baby oder Ox' Effektpedal ist natürlich heute klarerweise gar kein Denken. Auf dem Backdrop von LORDI ist nicht einmal das komplette Bandlogo erkennbar, und auch SINHERESY verzichten auf ihre Rollups da ohnehin nirgends Platz dafür ist.

Backstage ist der Platz ebenfalls Mangelware, so verlegen Tourmanager Mark sowie Ralph ihre Büros kurzerhand in die Halle, und nisten sich bis zum Einlass mit ihren Laptops eben an der Bar ein. Ein Hoch auf die Erfindung des WLAN!

Bis auf das reichlich beengte Feeling auf der Bühne funktioniert beim Soundcheck alles reibungslos, und Johan klöppelt den Monstern einen, für die kleine Halle, richtig geilen Sound. Für die Vorfreude aufs Fotografieren sorgt die Rückkehr der Standard-Lichttechnikerin von LORDI, Hanneke. Sie ist aufgrund anderweitiger Verpflichtungen erst in Köln wieder zur Monstertruppe gestoßen, und versteht es wie keine Andere die schaurigen Gestalten in Szene zu setzen.

Für den Stunt des Tages sorgt Jay, die beim anbringen ihrer Merch-Ausstellungsstücke beinahe von einem der fahrbaren Tresenteile stürzt die heute als Merchandisestand dienen. Dem Plastik-Dummie mit dem Lordi-Hoodie macht der lautstarke Einschlag auf dem Hallenboden zum Glück nichts aus. Puh.

Das Konzert selbst ist dann, trotz bevorstehenden Funkensonntags gut besucht, und der Veranstalter zeigt sich darüber sehr zufrieden. Weniger zufriedenstellend nach dem äußerst guten Auftakt von PALACE, die heute richtig gut Stimmung machen, dann der Auftritt von SINHERESY. Von hängengebliebenen Backingtracks über Timingprobleme bis hin zu herzhaften Fehlgriffen lassen die Italiener heute irgendwie gar nichts aus. Dazu passt auch, dass beide Sänger heute einen ziemlich schlechten Tag haben, und ebenfalls bisweilen arg neben der Tonspur agieren.

Bei LORDI anschließend funktioniert alles auf der Bühne so wie es soll, lediglich die Blutfontäne aus dem Autopsietisch bleibt heute aus. In Ermangelung eines Fotograbens (da die Cases vor der Bühne einiges an Platz wegnehmen wurde darauf verzichtet) sichere ich mir einen Platz in der ersten Reihe um eine ordentliche Fotoausbeute zu bekommen. Das Publikum geht vor allem in den ersten Reihen sehr gut mit, aber so wirklich euphorische Stimmung will nicht aufkommen - zumal der Anteil an, sagen wir mal, leicht angeheiterten Personen relativ hoch ist. Es wird auch mehrmals versucht einen Moshpit anzuzetteln, was aber glücklicherweise nicht gelingt.

Nach dem Konzert folgt eine Überraschung - der Abbau der Bühne geht im wahren Turbotempo über die Bühne, und schon nach kurzer Zeit beginnt seltsames Geplucker aus den Boxen des Sohm zu dröhnen. Noch während Jay beim Zählen und wieder Verpacken des Merchandise ist, beginnen gestylte, kaum dem Teeniealter entwachsene Leute das Sohm zu überschwemmen, und zu den lauter werdenden Geräuschen seltsame Verrenkungen zu vollführen. Was zur Hölle, ist das eine Disco?

Jay kann einem in dem durch Mark und Bein gehenden Gedröhne wirklich leid tun, muss sie doch, unter den schiefen Blicken der modischen Kids, gänzlich alleine zusammenpacken. Nachdem der Weg in den Backstagebereich nun auch nicht mehr frei ist, kann ich mich auch nicht mehr von den Monstern verabschieden - zu allem Überfluss hat es draußen begonnen heftig zu schneien, so beschließe ich, Kopfschmerzgeschädigt durch die akustische Folter, den Rückzug anzutreten.

Ich verabschiede mich vom einzig noch in der Halle verbliebenen Crewmitglied, und wünsche LORDI das Beste für die restlichen, fast zwei Monate ihrer Tour. Auf dass wir uns vielleicht auf der nächsten Tour wiedersehen...

Bilder aus Dornbirn

Setlist LORDI:

Lordi spielten das volle Set in Leipzig, Stuttgart und München, Zeitplan- oder krankheitsbedingt gekürzte Sets in Nürnberg, Burglengenfeld, Memmingen und Dornbirn wie vermerkt.

ETA (Intro)
- Nailed By The Hammer Of Frankenstein
- This Is Heavy Metal
- Hard Rock Hallelujah
- Deadache
Hella 's Kitchen (Solo)
- Hell Sent In The Clowns
- Blood Red Sandman
Mana Solo
- Give Your Life For Rock And Roll (nicht im Set: Memmingen)
- Horrifiction (nur in Memmingen gespielt!)
- Don't Let My Mother Know (nicht im Set: Nürnberg)
Ox Solo
- How To Slice A Whore
- It Snows In Hell
- The Riff
- Sincerely With Love (nicht im Set: Nürnberg, Burglengenfeld, Memmingen)
- Man Skin Boots (nicht im Set: Burglengenfeld, Memmingen, Dornbirn)
Amen's Lament To Ra II (Solo)
- Not The Nicest Guy
- Sir, Mr. Presideath, Sir!
- Devil Is A Loser
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SCG 7
- Scare Force One
- Who's Your Daddy
- Would You Love A Monsterman


Und hier noch ein paar Impressionen der Tour...

Was sich während einer LORDI-Show so hinter der Bühne stapelt - im richtigen Licht doch ein wenig verstörend...

Die Kreissäge des Obermonsters wartet auf ihren Einsatz - auf der Bühne wird sie rauchen und Blut ins Publikum verspritzen.

Die Insider sind den Fans längst bekannt...

... und wenn die Monstershow vorüber ist, bleibt meistens auch noch etwas auf dem Hallenboden zurück - der Putztrupp wird sich wundern!

Would you love a Monsterman? Could you understand beauty of the beast?

Das war es mit dem LORDI-Tourreport 2015!


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