Inzest Studio Report @ Stage One Studio

Text: deimon
Veröffentlicht am 01.06.2007

Ja, Ihr lest richtig, für Mix und Mastering wurde kein Geringerer als Andy Classen (Ex-Holy Moses, Richthofen etc.) verpflichtet, dessen Studio man für 6 Tage buchte. Wenn man bedenkt, welch Göttergaben der Herr schon klangtechnisch veredelt hat... BELPHEGOR, KRISIUN, DISBELIEF, DEW-SCENTED, TANKARD... die Liste ist schier endlos! Was uns natürlich besonders freute, war die Tatsache, daß Herr Classen schon vor unserem Besuch Gefallen an unserer Musik fand und sich auf unseren Besuch auch sehr freute. Zitat: "Geile Mucke habt ihr da am Start, Junx!" Das Stage One Studio selber ist zwar eher klein (der Aufnahmeraum misst gerade mal 4x5m und der Control Room (also da wo das Mischpult und die ganze Technik stehen) ist doch eher eng, aber, wegen all der Geräte, auch angenehm warm. Von Vorteil erwies sich auch, dass Bands direkt im Studio wohnen können, was die Arbeit definitiv erleichterte und natürlich auch für Mordsspaß auf beiden Seiten – bei Band und Mix/Mastering-Gott – sorgte. Aber alles der Reihe nach:

Tag 1

An und für sich wollte die komplette Band mit nach Deutschland, nach Rücksprache mit Herrn Classen wurde daraus allerdings nichts, da er meinte, dass maximal 3 Leute beim Mix/Mastering anwesend sein können. So entschieden wir uns, dass Maggu (Vokills), Marco (Drums) und ich (Produzent, Synths, FX + Backing Vokills) die lange Reise nach Borgentreich/Bühne (so heißt der Ort, in dem sich das Studio befindet) antreten würden. Am Dienstag, den 15. Mai, trafen wir uns also in meinem Volcano Studio, um nach lecker Kaffee und Verstauung sämtlicher wichtigen und weniger relevanten Dinge abzubrausen. Dabei standen die Vorzeichen denkbar schlecht: es schüttete in Strömen... Da wir mit einem Navigationssystem ausgerüstet waren (Danke an unseren Ömpf dafür!), war nerviges Kartenlesen somit passe – ja, man geht halt mit der Zeit! Dafür fiel während der Fahrt auf deutschen Autobahnen auf, dass 1. etliche Fahrer komplett irre sind und 2. wohl erst bei 2mm Sicht das Licht einzuschalten gedenken. Auch das Navi machte (zwar mit sexy weiblicher Stimme, aber dennoch...) bedenkliche Ansagen: „Bleiben Sie rechts!“ Ähm... Naja! Das konnte allerdings unsere Laune und Vorfreude nicht schmälern, zumal Maggu erlesene Musik im Player hatte – u.a. die Grubertaler, diverse Reggae – CDs und solch Göttergaben wie Karel Gott („Faaaaaaaaang das Lichhhhht, chalt es feeeeest!“), Titelmelodien von „Puschel, das Eichhorn“ oder „Niklaas, der Junge aus Flandern“, Nicole etc. ...und natürlich Geböller! Ja, so macht Reisen Spass! Die Fahrt ging dann auch gut voran, trotz diverser Baustellen und einem Stau in der Nähe von Nürnberg – was nervte war eigentlich nur der massive Regen und der Fahrstil etlicher Germanen, das nunmehr weltberühmte „Vaschwiiiiind!“ oder „Is der deppat?“ bzw. „Scheiß Lasterfahrer, Krippö!“ hörte man recht oft! Je weiter wir nach Norden kamen, desto besser wurde allerdings das Wetter, und nach diversen Pinkel-, Rauch- und Essenspausen kamen wir nach circa 7 Stunden Fahrt am Zielort an – im Vorfeld amüsierten wir uns wegen der Wegbeschreibung auf der Studio-Website, heißt es da doch: „Achtung bei der Ortseinfahrt, es könnten Kühe die Strasse kreuzen!“ Tatsächlich war es in unserem Falle aber ein Herde von Schafen, die uns den Weg versperrte! Nachdem auch dieses Hindernis umschifft wurde, geleitete uns „Ivana“, die Navigationsdame, exakt bis zum Eingang des Studios – Respekt, Madame!

Das erste Wort, das aus Marco´s Mund kam, als wir austiegen, war ein lauthals gebrülltes „CLAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAASSN!!!!!“, gefolgt von einem noch lauteren Rülpser, sodaß Simone, Andy´s Lebensgefährtin, binnen 2 Sekunden die Türe öffnete und uns freundlichst begrüßte (was sie sich bei den tiroler Urlauten gedacht hat, sei mal dahingestellt...). Sie teilte uns mit, dass der Hausherr mit Freunden unterwegs sei und erst später kommen würde. Maggu: „Super, mir kemmen extra aus Tirol, und der Zipfö isch nit do!“ Egal, wir verstauten erst mal unser Hab und Gut in der Musikerwohnung, schauten Spongebob (Maggu war aus dem Häuschen und hatte gleichzeitig auch noch die passende Bettwäsche mit!), kippten zu späterer Stunde noch unsere letzten österreichischen Biere und lauschten mehr oder weniger gebannt dem 3-stündigen Vortrag von Simone über ihre Urlaube in Thailand, Vietnam und Sri Lanka. Vom Meister selber ward an dem Tag nichts mehr zu sehen... Nach der langen Reise waren wir dann alle heilfroh, endlich in den wohlverdienten Schlaf zu fallen, schließlich galt es am folgenden Tag fit zu sei, da der Mix pünktlich um 1000 Uhr zu beginnen hatte...

Tag 2

Nachdem wir die Nacht ohne weitere Vorkommnisse hinter uns brachten, hieß es für uns um circa 0800 Uhr aufzustehen, da wir einerseits gewisse Sachen einkaufen mussten (hauptsächlich mal etwas um ordentlich frühzustücken...), andererseits hieß es ja, dass um exakt 1000 Uhr mit der Arbeit begonnen wird. Also alle raus aus den Federn, frisch machen und zum Laden „umme Ecke“, um dem Konsumrausch freien Lauf zu lassen. So wurden diverse Fressalien, Milch, Kaffee (JAAAA!) und Tabakwaren eingekauft – dreimal dürft ihr raten, wer als Kaffeekocher auserwählt wurde... richtig, der gute Deimon! Nachdem wir das Frühstück also hinter uns brachten, klopfte es plötzlich an der Türe, und der Meister persönlich machte sich vorstellig. Marco hatte wieder mal die passenden Worte parat: „Ah, alder Schissrr!“ (das ist übrigens der Dialekt, der in „Sinnlos im Weltraum“, eine Art Star Trek – Neusynchronisation, verwendet wird und den wir fortan verwendeten, um uns etwas den deutschen Gegebenheiten anzupassen...) Bei der Begrüßungszigarette wurde dann das Prozedere besprochen und meine größte Sorge, dass der Datentransfer fehlschlug, konnte gottlob entkräftet werden – wir hatten etliche DVDs, CDs und sogar eine USB-Festplatte mit sämtlichen Backups dabei, denn es wäre wahrlich schlecht gewesen, hätte irgendetwas nicht funktioniert. Wie auch immer, der Transfer hat geklappt, und somit durften wir erst mal eine Führung durch die heiligen Stage One Hallen genießen, ehe es ans Eingemachte ging. Während Andy und ich die Spuren sondierten, ordneten und diverse Einstellungen vornahmen, fuhren Maggu und Marco in den 5 km entfernten Ort Borgentreich, um mal ordentlich einzukaufen (Bier und andere wichtige Sachen), sodaß wir für die nächsten Tage versorgt waren mit allem was das Herz begehrte. Der erste Song, den wir abmischten, war „Grotesque New World“, und nachdem wir die Arbeit beendeten, brannte uns Herr Classen eine CD, um uns den Track nochmals in aller Ruhe in der Wohnung anzuhören und etwaige Änderungen am nächsten Tag kundzutun – als das Teil durch die örtliche PA schoss, waren wir so dermaßen aus dem Häuschen, dass wir wussten: der Meister ist der einzig wahre Mann, um INZEST einen Mördersound zu verpassen! Marco wurde dann zweistimmig (hehe!) auserkoren, am Abend für uns zu kochen – es gab lecker Spaghetti, von denen wir soviel hatten, dass jeder zwei gehäufte Teller davon abbekam. Zu guter Letzt, als wir alle schon im Bett lagen, gabs noch einige witzige Synchronisationen von diversen Filmen, die gerade im TV liefen (d.h., wir schalteten den Ton ab und redeten lippensynchron irgend einen Scheiß dazu) – wir kamen teilweise fast nicht mehr aus dem Lachen heraus, vor allem Maggu, der vor lauter Lachen irgendwann wie von der Tarantel gebissen aufsprang und sich seine Spaghetti nochmals durch den Kopf gehen ließ, allerdings leider in der falschen Richtung! Man sah seinen Kopf nur mehr über der Kloschüssel, womit komische Würggeräusche einher gingen... Zitat: „Olter, i hun no nia vom Lochn gspiebn!!!“ Wäre ich nicht dabei gewesen, würde ich es nicht glauben, aber es ist wirklich passiert! Trotz allem konnten wir dann doch noch alle gut schlafen – allerdings musste sich Maggu nach der Aktion noch etliche Witzchen von Marco und mir anhören, haha!

Tag 3

Nach lecker Frühstück gings wieder weiter mit dem Mix und Mastering, diesmal hatten wir nicht sonderlich viel zu tun und ließen Andy seine Arbeit machen, während wir uns an „Super Mario Kart“ versuchten, was sich allerdings bald als eher langweilig herausstellte, sodaß Marco und ich beschlossen, mal an die frische Luft zu gehen und den Ort erkundeten. Ich sage es gleich: Bühne ist eine Geisterstadt! In den 6 Tagen, die wir vor Ort waren, sah ich exakt 7 Menschen (exkl. Simone und Andy!)... Wir kamen uns vor wie im Burgenland – endlose Weiten, null Berge und gezählte 1 mio Windräder zur Stromerzeugung... Nicht wirklich aufregend... bis wir dann in der Wohnung das Wrestlinggame entdeckten! Eigentlich ist das Spiel ja wirklich keine Offenbarung, weder grafisch noch vom Sound her, aber es macht zu Zweit (ob mit- oder gegeneinander) durchaus Laune... und aus Freunden schnell Feinde, haha! Nach kurzer Eingewöhnungszeit stellte sich Maggu als absoluter virtueller Oberwrestler heraus, der sogar Meister Classen besiegte. Dieses Spiel war fortan nicht mehr aus dem Schacht zu bringen, immer wieder hörte man schnelles Getippse auf dem Joypad, gefolgt von Worten wie „Du Oosch!“, „Hilf ma!“, „Jetz moch i di fertig!“ oder „Vadommp!“ Eines muß gesagt werden: ohne das altehrwürdige Super Nintendo wären wir vor Langeweile gestorben, da es für uns ja nicht wirklich viel zu tun gab außer hie und da mal in den Control Room zu gehen und dem Meister bei der Arbeit zuzusehen oder ihm diverse Wünsche und Anregungen vorzutragen... Am Abend wurden dann noch einige Bierchen gebechert, in die Glotze geschaut, synchronisiert und dann ins Bett gefallen...

Tag 4

The same procedure as every day! Frühstück, lecker Kaffee, Wrestling, Bier und, ja, unter anderem, Mix und Mastering! Soweit ich mich erinnern kann waren zu diesem Zeitpunkt 6 Songs fertig, sodaß wir am Abend auf Geheiß von Simone und Andy mit beiden nach Warburg fuhren, um ein Musikbistro zu besuchen und mal unter die Leute zu kommen. Was als erstes auffiel war die Tatsache, dass die keine Rechnung im herkömmlichen Sinne hatten, sondern sämtliche georderten Sachen auf die Bierdeckel, von denen jeder einen persönlichen hatte, aufschrieben. Marco versuchte dann, diverse Zahlen wegzurubbeln, was Simone allerdings nicht empfehlen konnte, da man dann scheinbar Strafe zahlen musste. Legendär war der Dreifach-Headbang von Marco, Andy und mir, während irgendein beknacktes Technolied durch die PA donnerte. Auch nicht von schlechten Eltern war der von mir bestellte Burger, den man ob seiner Größe nur mit Messer und Gabel verzehren konnte – Marco bestellte sich ganz old school ein Wiener Schnitzel, während Maggu, der als Erster bestellte und als Letzter bedient wurde, auch einen solchen Megaburger verdrückte. Sehr lustig wurde es dann, als eine etwas betrunkene Dame mich zum Tanzen aufforderte und ich, Gentleman, der ich nun mal bin (haha!), natürlich sofort einwilligte. Schallendes Gelächter in allen Reihen unseres Tisches! Zu sehr später (bzw. früher) Stunde gings dann, nach einigem Smalltalk mit diversen Leuten und etlichen Bieren (nur Maggu trank alkoholfrei, brav, wie er ist!) wieder Richtung Studio und ins Bett...

Tag 5

Wieder das gleiche Prozedere wie die Tage zuvor... Maggu´s Stimmung war allerdings ordentlich im Keller, da er absolut keine Zigaretten auftreiben konnte. „I BRAUUUUUCH TSCHIGG!!!“ konnte man alle 2 Minuten hören! Deshalb fuhren Marco und er am Abend, nachdem wir 2 weitere Songs abgemischt und gemastert hatten, wieder nach Warburg, während ich diesmal einen gemütlichen Fernsehabend einlegte. Wir nahmen übrigens noch ein paar Gesangsspuren auf (in „Lay Down Broken“), da die Parts ohne Gegurgel uns irgendwie leer vorkamen. Auch Andy meinte: „Ja, det passt, det macht Sinn!“ Ansonsten machten wir das übliche Wrestling, TV glotzen, sinnlos-auf-der-Studio-Couch-Herumsitzen, essen, trinken und als neuerlicher Zeitvertreib: Fliegen im Flug fangen! Außerdem gingen Marco und ich ein weiteres Mal durch die menschenleeren Gassen, in der Hoffnung, doch noch Leute zu erspähen... Fehlanzeige!

Tag 6

Da wir nunmehr den letzten Song fix und fertig hatten, gings an die finale Trackliste und diverse Effekte zwischen den Liedern. Um exakt 1700 Uhr war alles beendet und wir hielten voller Stolz das endgültige Master in Händen, das dann im CD-Player auf Dauerrotation geschalten wurde. Eigentlich wollten wir ja an diesem Tag schon Richtung Heimat fahren, allerdings hatten wir noch die leeren Bierkisten abzugeben, was an einem Sonntag ein eher schwieriges Unterfangen ist. So beschlossen wir, am darauffolgenden Tag abzudüsen und den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. So gabs noch netten Smalltalk mit dem Meister, Wrestling, TV und Mördersound aus der Anlage. Außerdem begutachteten wir sämtliche Fotos und Videos, die wir bis dahin geschossen bzw. gefilmt hatten – größtenteils unter schallendem Gelächter bis spät in die Nacht hinein, eher Andy von seiner Wohnung herunterkam und uns auf den Lärmpegel hinwies. Die letzte Nacht war dann ohne weitere Vorkommnisse.

Tag 7

Alles, was wir noch zu tun hatten, war, die Wohnung zu reinigen, uns zu bedanken und zu verabschieden und die leeren Bierkisten beim örtlichen Supermarkt abzugeben, ehe wir dann endlich wieder ins schöne Tirol fahren konnten – mit Hilfe unserer guten IVANA, die uns wieder sicher an unser Ziel brachte. Die Fahrt war diesmal sehr angenehm, da auch das Wetter herrlich war, nur einige deutsche Lenker waren wieder mal – im wahrsten Sinne des Wortes – auf der Autobahn nicht zu bremsen... Die üblichen „VAAASCHWIIND!“, „OOSCHKROMMP!“, „IS DER DEPPAT???“ usw. waren mal wieder zu hören... Trotzdem konnten wir mit Fug und Recht behaupten, dass es die Reise mehr als wert war und wir mit Andy Classen einen der besten Leute an den Reglern hatten.

Mein Dank gilt an meine (nunmehr) Bandkollegen und an Simone und Andy für die großartige Zeit in Büüüüüüüühne! You rule!


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