DARKFALL - The Early Years im CD/DVD Format

Text: Reini
Veröffentlicht am 20.03.2008

Wie es zu diesem ungewöhnlichen und wahrscheinlich sogar kostenintensiven Release kam, weiß DARKFALL Sänger Thomas „Spiwi“ Spiwak wohl am Besten:

Der Hintergedanke war ganz einfach die alten Scheiben in einem würdigen Rahmen wieder zu veröffentlichen und als zusätzlichen Anreiz noch eine DVD mit einem brauchbaren Live Konzert mit anzubieten. Ebenso wollten wir mit dieser „Bandkompilation“ etwas völlig neues im österreichischen Underground abliefern, deswegen wählten wir auch ein Boxset als Format dieser Veröffentlichung

Wie der Sänger von DARKFALL ja bereits erwähnte, ist eine DVD Veröffentlichung einer Underground Band ja nicht unbedingt etwas alltägliches, Otto Normal Banger kann sich da sicher schwerlich in den Aufnahmeprozess hineinversetzen, liegt da tagelanges sichten und schneiden des Materials hinter der Band, oder gab man solch eine sicher nervenaufreibende Tätigkeit gar außer Haus?

Der Konzertmitschnitt und die Endbearbeitung des Bildmaterials wurde natürlich von einer Fremdfirma übernommen, wir waren hauptsächlich mit der Materialsichtung und dem Feinschliff des Endproduktes beschäftigt. Aufgrund des Budgets darf man unsere DVD jetzt nicht mit Veröffentlichungen von Bands wie METALLICA oder IRON MAIDEN vergleichen, wo alles von 25 Kameras mitgeschnitten wird, bei uns waren es schlussendlich drei.

Für den manchmal etwas indifferenten Sound gibt es auch eine mehr als plausible Erklärung:

Ja, aufgrund technischer Probleme ist der Original PA Sound leider nicht verfügbar gewesen, und daraufhin mussten wir eben auf den Kamerasound zurückgreifen. Naturgemäß gibt es nun einige Schwankungen im Soundgewand, aber nichts desto trotz ist das Endergebnis recht gut geworden.

Naheliegend ist allerdings, dass das Kaltenbach Open Air 2007, bei der fünfjährigen Jubiläumsveranstaltung als Ort der DVD Aufzeichnung gewählt wurde, wissen wir doch alle, dass Spiwak auch beim KV Kaltenbach eine tragende Rolle innehat, natürlich war es da sehr verlockend, quasi beim Heimfestival einen Live Mitschnitt zu erstellen:

Eigentlich ergab sich dies eher zufällig, da für die Wiederveröffentlichung ursprünglich nur einige alte Videosequenzen als Zusatzmaterial geplant waren. Die Idee mit dem Gesamtmitschnitt einer Show kam letztendlich von einem Bekannten der Band, der sich auch gleich um Umsetzung des Projektes kümmerte. Im Endeffekt war dann eben das Kaltenbach Open Air die für uns beste Variante, da ich natürlich als Mitveranstalter auch etwas mehr Übersicht über das ganze Projekt haben konnte. Natürlich war es auch eine Herausforderung vor heimischem Publikum und auf einem Open Air zu filmen, und bis auf die Kleinigkeit mit dem Sound hat die ganze Sache auch problemlos funktioniert.

Ich hinterfrage manche Dinge ja gerne: Wäre es vielleicht, auch wegen der Anfangs doch etwas schütteren Kulisse, nicht besser gewesen, dass Ganze Vorhaben bei einer Clubshow aufzunehmen, wäre vielleicht auch intimer gewesen, oder kam das von vornhinein nicht in Frage?

Es stand mal im Raum eine Clubshow aufgenommen in Braunschweig als Zusatzmaterial zu verwenden, aber wir entschieden uns dann doch für die spektakulärere Open Air Variante. Dass bei einem Open Air aufgrund von diversen Einflüssen zu Beginn des Konzertes etwas weniger Leute vor der Bühne stehen können, war uns mitunter klar, aber dies ist nun mal Fakt, und auch nicht weiter schlimm. Es war ja nun auch nicht so, dass nur 5 Leute rumgestanden sind, und im Gegenzug kann man dadurch auch gut beobachten wie über den gesamten Auftritt immer mehr Leute vor die Bühne kommen und uns ordentlich unterstützen. Die Eindrücke der Show sind eben zu 100% identisch und wir haben bewusst nichts kaschiert oder verändert.

Gestützt auf die 2006er Mini EP „Phoenix Rising“ (die komplett gespielt wurde) wandern DARKFALL durch ihre insgesamt vier Releases und decken somit jegliche Schaffensperioden ihres Daseins ab. Lag da die letztendlich dargebotene Setlist quasi auf der Hand, oder wird so was bandintern im Rahmen der Vorbereitungen massiv diskutiert?

DARKFALL versuchen seit jeher Songs von allen Veröffentlichung bei ihren Auftritten zu spielen, wobei der Schwerpunkt natürlich immer beim letzten Werk liegt. Darum wurden eben bei diesem Konzert alle drei Nummern von „Phoenix Rising“ gespielt, und dazu kamen noch zwei Nummern vom Vorgängerwerk „Firebreed“ und jeweils ein Song von den ersten beiden Demos. Auf den anstehenden Release Shows im April in Graz und Kapfenberg werden wir auch wieder alte Songs in den Set einbauen, und überhaupt eine spezielle einstündige Old-School Show spielen, wo auch Songs dabei sein werden, die wir sicher schon acht oder mehr Jahre nicht mehr live gespielt haben

Ein paar Sachen, die dem geschulten Rezensenten während der DVD Analyse aufgefallen sind, müssen natürlich näher besprochen werden.

Einerseits die absolut ture Bekleidung von Fronter Thomas „Spiwi“ Spiwak (MANOWAR Shirt!), der ja absolut kein Hehl daraus macht, treuer und bekennender Fan dieser – und das schreib ich jetzt bewusst – einstigen Metal Götter zu sein.

Jedem das Seine, jedem das was er verdient. Wenn jemand damit ein Problem hat, dass ich MANOWAR Fan bin, geht mir dies sprichwörtlich am Arsch vorbei. Genauso tangiert es mich auch überhaupt nicht, wenn jemand kein MANOWAR Fan ist, mehr gibt es darüber auch nicht zu sagen.

Die Untertitel zum DVD Release, da stellt sich wahrscheinlich nicht nur mir die Frage, wie schwierig es einerseits war den steirischen Dialekt von Spiwak ins Englische zu transferieren und andererseits ob sich das Thema englische Untertitel überhaupt aufwandtechnisch rentiert.

Die Übersetzung war nicht weiter tragisch, und hat auch nicht lange gedauert. Bis auf wenige Ausnahmen, die wir aus Platz- bzw. Speichergründen nicht drauf packen konnten, wurde alles 1:1 übersetzt. Sinnvoll waren die englischen Untertitel allemal, da wir in Zukunft auch vermehrt Shows in nicht deutschsprachigen Ländern wie Tschechien, Slowakei, Ungarn oder auch Griechenland spielen werden, und somit war es sogar zwingend englische Untertitel zu verwenden.

Der kurze Mikroaussetzer, als Spiwak all jenen dankte, die das K.O.A. zu dem gemacht haben, was es heutzutage einfach ist, das am längsten existierende Metal Festival in Österreich, wird man da als Fronter nervös, oder haben die Tontechniker etwa, ob der Länge der Dankesrede, einfach den Saft abgedreht?

Nein, der Saft wurde mir nicht abgedreht, nur leider hatte das Mikrofon auch schon während des Auftrittes ein paar Aussetzer und wurde dann, wie auf der DVD zu sehen ist, eben einfach ausgetauscht. Nervös werde ich in solchen Situationen eigentlich nicht mehr, nach mittlerweile 13 Jahren Bühnenerfahrung sollte man es gewohnt sein, dass es immer wieder technische Probleme geben kann. Hilfreich war natürlich, dass das Mikro relativ schnell ausgetauscht wurde und die Fans vor der Bühne die unfreiwillige Pause dazu genützt haben einige DARKFALL Sprechchöre zu intonieren, und sich auch so relativ gut unterhalten haben.

Bei „Land of No Return“ entdeckte ich neben dem Buchi vom Heavy Metal Breakdown auch den Max von OUTRAGE im Publikum. Ist das zumindest ein kleiner Beweis, dass so etwas wie Zusammenhalt in der Metal Szene unseres Landes vorhanden ist?

Ja, die österreichische Szene und ihr Zusammenhalt. Zwar nicht immer vorhanden, aber natürlich gibt es diesen auch. Jede Band hat logischerweise zu anderen Bands Kontakt, und bei uns ist es eben naheliegend, dass wir als steirische Band eben auch zu unseren Landsmännern engeren Kontakt pflegen, und weil Du eben auch OUTRAGE angesprochen hast, diese spielen zum Beispiel auch auf unserer DVD Release Show im April in Graz. Unter anderem sieht man auch noch diverse EREBOS Mitglieder im Publikum, zu denen wir in sehr engem Kontakt stehen, und deren Schlagzeuger sogar auch einmal kurz auf der Bühne zu sehen ist. Unser alter Saufkumpan Buchi, welcher auch bei STAND ABLAZE geigt, ist wie von Dir angesprochen auch an vorderster Front zu sehen, sowie noch diverse andere Mitglieder Österreichischer Bands. Es gibt ihn also doch, den Zusammenhalt in unserer Szene! Aber auf der anderen Seite muss ich auch einräumen, dass man nicht alles durch die rosa rote Brille sehen, und man das Ganze vielleicht auch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten sollte. Es gibt Missstände in unserer Szene, welche durchaus einmal aufgezeigt und auch aufgeräumt gehören. Das Ganze hat nun aber nicht wirklich direkt etwas mit DARKFALL und unserer Box Veröffentlichung zu tun

Hinweis: Wer ein sehr aussagekräftiges Statement von DARKFALL Sänger Thomas Spiwak die österr. Metalszene betreffend lesen will, schaue einmal bei unseren Freunden von metalfanatics.net vorbei (klickst Du hier…), dort hat der Fronter doch engagiert und auch wahrheitsgemäß seinen Standpunkt dargebracht!

Das einzig negative an dieser DVD ist für mich eigentlich nur die „Arschloch“ Rede vor „Chapter of Denial“ – hätte man das nicht etwas stilechter rüber bringen können, oder waren in diesem Moment einfach zu viele Emotionen im Spiel??

Sicher waren hier Emotionen im Spiel, und ich bin grundsätzlich nicht der Typ, der sich in solchen emotionalen Momenten Gedanken über seine Wortwahl macht. In solchen Situationen nehme ich auch keine Rücksicht darauf, ob ich eventuell irgendwo anecken könnte oder nicht. Ich sage einfach gerade heraus, was ich mir denke! Das ich mir damit nicht überall Freunde mache ist mir durchaus klar, aber ich muss eingestehen, dass mir dies auch herzlich egal ist. Dass es in der Vergangenheit vermehrt Anfeindungen gegenüber der Band DARKFALL gab ist Fakt, und wie ich dazu stehe oder darüber denke, kann man ganz einfach auf unserer DVD nachhören. Ich habe absolut kein Problem damit, meine Meinung so darzubringen und auch so klar und deutlich zu formulieren! Fakt ist Fakt, dies lässt sich nun mal nicht verdrehen!

Einmal in die Vergangenheit und wieder zurück bitte, der Audio Teil von "Through fiery times and beyond" (The Early Years)

Der Audio-Teil dieser Box versammelt alle bis dato erhältlichen DARKFALL CDs auf einem Rundling. Eine Komplettaufarbeitung der Bandhistorie quasi. Angefangen bei der 98er Veräffentlichung „Winter Leaves“ über „Dimensions Beyond“ (1999) über „Firebreed“ (2001) und der 2006er EP „Phoenix Rising“, dessen Review man hier nachlesen kann.

Apropos Bandhistorie, auffallend, dass die Liste der ex-Members von DARKFALL doch um einiges länger ausfällt als jene der aktiven Mannschaft, ein Vergangenheitsproblem, welches mittlerweile gelöst ist, oder ist man vor Line Up Wechseln sowieso nie gefeit?

Line Up Wechsel waren in unserer Geschichte aus den verschiedensten Gründen leider immer wieder zu gegen, ob dies nun an musikalische oder auch persönliche Probleme innerhalb der Band lag oder nicht. Solche Sachen kommen bei jahrelangen Zusammenarbeiten einfach vor, aber vorbereitet ist man auf so etwas eigentlich nie. Auch muss man durch diese unangenehmen Wechsel fast immer wieder von vorne anfangen, aber wir haben uns bemüht, das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen und so schnell wie möglich wieder zum Alltag zurückzukehren. Zum Glück haben wir es immer wieder geschafft in relativ kurzer Zeit Ersatz zu finden und waren daher auch jedes Mal in der Lage wieder recht schnell präsent zu sein.

Auffallend, dass lediglich auf der ersten CD („Winter Leaves“, 1998) auch deutsche Texte vorkommen, ein Experiment das rasch wieder eingestellt wurde - warum?

Stimmt, auf der ersten Scheibe waren noch zwei deutsche Texte vorhanden, aber dass dies in weiterer Folge nicht mehr der Fall war, hat jetzt keinen bestimmten Grund und ist einfach so passiert. Gut möglich, dass auf der nächsten CD wieder ein oder sogar mehrere deutsche Texte vorkommen werden, aber so genau kann ich dies noch nicht sagen.

Liest man sich die Credits der Veröffentlichungen bis einschließlich 2001, als inklusive der „Firebreed“ CD so durch, muss man feststellen, dass diese Jahre eindeutig im Zeichen von Gitarrist Wolfgang Koch standen, eine Behauptung, die man wohl auch heute ohne Groll und Donner so stehen lassen kann.

Ja natürlich, absolut. Er war ohne Frage der Hauptsongwriter, die Lieder waren hörbar von seinem Stil geprägt und aufgrund musikalischer und auch persönlicher Differenzen kam es dann Anfang 2005 leider zum Split. Vieles wurde damals, als sich Wops und Daniel dazu entschieden haben DARKFALL zu verlassen, weit gehässiger dargestellt als es tatsächlich war. Sicher war es ein ungünstiger Zeitpunkt und ein schlimmes Ereignis, steckten wir damals auch mitten in den Vorbereitungen zu einem neuen Album, und beiderseits sind die Emotionen ein wenig hochgegangen. Aber ich bin mit Wops nach wie vor in regelmäßigem Kontakt, und es gibt da keinerlei Probleme zwischen uns. Wir waren sogar des Öfteren mal gemeinsam ein Bier trinken und die Zeit von knapp 10 Jahren die wir gemeinsam bei DARKFALL verbracht haben, hat uns sicher auch geprägt. Er war auch aufgrund der Hauptsongrechte in die Planung der Box Veröffentlichung involviert, und ohne seine Zustimmung wäre auch nichts von dem möglich gewesen!

Aber nicht nur die Vergangenheit von DARKFALL interessiert, auch ein Blick in die Zukunft muss erlaubt sein, liegt die letzt Veröffentlichung, der 3-Tracker „Phoenix Rising“ ja auch schon wieder zwei Jahre zurück.

Der Zeitplan sieht derzeit so aus, dass wir von März bis Ende Mai rund 20 Konzerte in Ländern wie Österreich, Deutschland, Tschechien, Slowakei, Ungarn und auch Griechenland absolvieren werden. Im Juni, Juli und August wollen wir uns dann wieder komplett zurückziehen, und neues Material für das geplante Album schreiben. Im Herbst werden wir dann wieder vereinzelte Shows spielen, unter anderem auch auf dem STP METAL WEEKEND, wo Du ja auch in irgendeiner Weise involviert bist und für Oktober 2008 planen wir dann eine 10-tägige Europa Tournee, welche uns durch Österreich und die angrenzenden Länder führen soll. Parallel werden wir natürlich weiterhin an neuem Material arbeiten und nach heutigem Stand der Dinge sollten wir Ende 2008 endlich ins Studio gehen können und je nachdem wie sich die Sache entwickelt, sollte spätestens Mitte 2009 eine neue Scheibe von uns erhältlich sein.

Bis dahin kann man sich ja mit dem um unglaubliche 10,00 Euro zu erwerbenden Box-Set "Through fiery times and beyond" (The Early Years)“ die Zeit vertreiben, eine für österreichische Verhältnisse einzigartige Retrospektive einer Band, die so schnell nicht totzukriegen sein wird. Wie sagte ich da so schön zum Mr. Spiwi: "Ein Stück heimisches Metal Kulturgut"!


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