NOISEART RECORDS - Rock The Nation goes Record Company

Text: Reini
Veröffentlicht am 23.02.2010

Stefan - Hast Du mit dem Gedanken schon länger gespielt, oder gab es einen definitiven Auslöser für diesen Schritt?

Die Gründung eines Labels war nie oberstes Ziel – Auslöser war, dass Nuclear Blast meinten sie wollen das Thema VARG nicht angreifen, weil es eine zu heiße Kartoffel sei, wenn man so will. Das war wiederum etwas, was ich so nicht akzeptieren wollte, weil ich sowohl die Band als auch ihre Einstellung kannte. Natürlich ging es da um Philipp "Freki" Seiler, und ich war und bin überzeugt, dass das was Nuclear Blast als Grund anführte kein Grund ist. Das war für mich der Impuls um zu sagen: OK dann machen wir es selber, auch weil wir natürlich über die notwendigen Kontakte verfügen! Auch wurde mir bewusst, dass man Bands live aufbauen muss, unsere Musik funktioniert nur über die Liveschiene. Das hat sich ja auch gewandelt, in den letzten sagen wir 20 Jahren ist das Label immer über der Livegeschichte gestanden, was aber meiner Meinung nach völlig falsch war – es muss doch so sein, dass die Livegeschichte über dem Label stehen muss. Es ist doch so, dass ein Künstler live performt und dazu dann auch ein Produkt anbietet, welches sich der Fan nachdem er bei einem Konzert war auch zu Hause anhorchen kann. Irgendwann wurde das mal verdreht, natürlich weil die Industrie daran eine verlockende Einnahmequelle gesehen hat, mittlerweile sind wir aber eh wieder dort, dass die Live Geschichten weit mehr Prioritäten genießen.

Man könnte das auch so erklären: Wir bauen immer wieder Bands auf durch unsere Arbeit im Bereich der Konzertagentur und die Labels profitieren davon. Weil ein Produkt auf den Markt zu bringen, einen Vertrieb dazu zu suchen, das auch zu bewerben, das hängt alles nur davon ab, wie viel Geld Du hineinsteckst.

War es rein das, oder spiele da vielleicht auch der Hintergedanke mit, dass VARG ja auf Eurer Paganfest Tour ohne Album und ohne Label dagestanden wären…

Das spielte überhaupt keine Rolle, weil VARG wir ohne weiteres und auch ganz schnell wieder runternehmen können. War aber dann ja kein Thema: Wir stehen auf diese Band und ich mag auch diese Doppelmoral nicht! Ich geb schon zu, dass ich ein wirtschaftlich denkender Mensch bin, aber ein von Grund auf ehrlicher. Wenn ich mich einmal entschlossen habe etwas zu machen, dann mach ich das auch und da können die involvierten Leute auf mich/auf uns zählen. Und VARG haben auf uns gezählt! Was ich dann auch als Verpflichtung ansehe!

Du hast die Doppelmoral angesprochen. Ihr und die Band geht ja werbetechnisch sehr offensiv gegen die rechten Vorwürfe, die VARG gerne unterstellt werden, vor! War dies im Vorfeld ein Thema, welches von Dir/Euch mehr als gründlich durchleuchtet wurde nehm ich an, wobei ich dieses Anprangern jetzt nicht wirklich nachvollziehen kann, zumindest unterstelle ich VARG in keinster Weise, dass sie im braunen Eck zu Hause seien.

Was bei der ganzen Geschichte passierte ist, dass der Philipp sich in seiner Vergangenheit irgendwo angelehnt hat und dabei ein wenig braune Farbe abbekommen hat. Dazu muss er stehen, dazu muss er ehrlich Stellung nehmen und das passiert ja auch – es kommt im April Heft eine große Story im RockHard darüber usw… Das Ganze hat Wogen geschlagen, die mich schockiert haben. Die Rechten haben getan als ob sie Linke wären und haben über Homepages Berichte verfasst, auf die sie sich immer und überall berufen haben. Dadurch wurden natürlich unglaubliche viele Leute aufgescheucht, Veranstalter, Festivalbetreiber und natürlich letztendlich auch die Fans. Das Paradoxe an dieser Geschichte: Nach Recherchen sind wir dann draufgekommen, dass die Rechten das Ganze lanciert haben um der Band zu schaden um letztlich auch dem Philipp zu schaden, den Teile dieser Szene gekannt haben, weil er hat mal ein Absurd Shirt angehabt, er war auf einem Absurd Konzert (wenn auch nur für ein paar Songs), diese Sachen wurden alle erklärt, warum, wieso, weshalb, was Philipp auch als Fehlverhalten einsieht, damals war er sich der Gefahr dahinter noch nicht bewusst…. Darum glaube ich auch, nein ich weiß, dass diese Menschen, diese Band definitiv keine Rechten sind! Dadurch kann es auch nicht sein, dass Ich oder irgendwer anderer bei RockTheNation diese Band fallen lässt nur weil braune Deppen meinen sie müssten dieser Band jetzt eines auswischen! Die Band hat unseren Rückhalt, außer es stellt sich tatsächlich heraus, dass da mehr war, was ich aber einfach nicht glauben kann.

Was eher verwundert, wohl nicht nur in meinen Augen: Gerade in einer Zeit, wo alle über rückläufige Verkaufszahlen jammern, ist es doch ja mutig ein Label zu gründen. Noch dazu hat ja RTN auch einen Ruf zu verlieren. Ich behaupte jetzt einmal salopp – das große Geld werdet ihr damit nicht machen und ich glaub auch, dass ist Dir/Euch bewusst. Kommt bei dem Ganzen Deine schon angesprochene These „bau die Band live auf, dann wirst Du auch CDs verkaufen“ zum Tragen?

Zum Einem geb ich Dir Recht – der CD Markt schwindet dahin, dass weiß jedes Kind mittlerweile. Die Geschichte zum Label war eine Impuls Sache, wir wollten das Produkt am Markt haben und dann der Entschluss es selber zu machen. In weiterer Folge hab ich aber auch ein wenig nachgedacht – Labels müssen sich in den 90iger Jahren ja eine goldene Nase verdient haben. Das ist jetzt nicht mehr so, sieht man auch wie alle Leiden, aber trotzdem versuchen ihren Wasserkopf hinüber zu retten – den Apparat, den man irgendwann mal gebraucht hat, den man sich heute aber im Endeffekt gar nicht mehr leisten kann. Auch meine ich erkannt zu haben, dass viele Labels starr sind, nur mehr das was sie haben erhalten möchten, aber dadurch, dass Geldnot herrscht nichts mehr in neue Künstler investieren: Es gibt keinen oder nur sehr wenig Tour Support, nur mehr wenige Labels die Unterstützung geben in dem sie Anzeigen schalten – schau Dir mal die Magazine durch, wer da noch Anzeigen schaltet. Viele Labels sind heute nur mehr zum Selbsterhalt da. Der eigentliche Sinn eines Labels ist aber der, einen Künstler zu pushen, sicher profitiert man dann als Label auch davon, aber genau diese Vorgehensweise ist aus den Augen verloren worden. Da haben ich/wir bei NoiseArt Records gesehen, dass wir schlank und rank bleiben müssen und alle Kräfte und auch alles Kapital, welches wir zur Verfügung haben in den Künstler reinstecken müssen und das auch werden. Ich meine, dass die ganzen alteingesessenen Plattenfirmen mit ihrem Dilemma in dem sie drinnen stecken, das können wir als neues Label alles auslassen. Wir wollen schlank bleiben, unseren Künstlern Support geben und mit den Künstlern wachsen. Es ist auch definitiv Labelpolitik, dass wir mit Newcomern wachsen wollen, ich möchte mir keine großen Namen einkaufen bei denen ich mich ausblute nur damit irgendwer sich eine goldene Nase verdient, ich möchte Newcomer finden, in die harte Arbeit und Geld reinstecken – in den einen mehr in den anderen weniger, einfach schauen, dass wir ein ernsthaftes Label auf die Füße stellen….

Ihr kooperiert ja in gewisser Weise mit Napalm Records, zumindest macht ihr Euch deren IPool Software zu Nutze. Wird da mehr zusammengearbeitet, oder beschränkt sich das lediglich auf das Ipool sharing?

Wir nutzen das Napalm Vertriebsnetz. Da gibt es eine Vereinbarung zwischen Napalm und uns, was auch wieder ein Grund ist warum wir schlank bleiben können. Wir nutzen da und dort schon bestehende Systeme haben dadurch auch nicht den Kostenfaktor, welchen wir durchfüttern müssen, uns entstehen nur dann Kosten, wenn wir was machen. Das ist bei vielen anderen Labels einfach nicht der Fall, darum müssen die auch permanent Produkte auf den Markt bringen um ihr System am Leben zu erhalten. Unsere Chance liegt darin, schlank zu bleiben und gut funktionierende Strukturen zu nutzen. Was auch bedeutet, dass NoiseArt keinen Angestellten hat. Geld wird in die Künstler gesteckt und NoiseArt hat derzeit auch nicht den Anspruch, dass es Gewinn machen muss, im Moment kurz- bzw. mittelfristig nicht, langfristig dann natürlich schon. Profitieren werden wir aber wohl schon früher, weil wir mit unseren Bands Bookingmäßig zusammenarbeiten werden und auch vom Merchandise her kooperieren werden. Das heißt auch wir können den Bands sowas wie die Rundum Wohl fühl Pakete bieten, der Künstler kümmert sich um das für das er da ist und von uns bekommt er das dazugehörige Service, an dem wir natürlich verdienen wollen!

Gibt es jetzt stilistische Limitierungen, oder würdest Du sagen NoiseArt signed wenn die Qualität und die Einstellung der Band zu uns passt ohne Scheuklappendenken… natürlich muss die Integrität der jeweiligen Band gegeben sein…

Ja, wobei ich mich ausschließlich auf Metal konzentrieren möchte!

Innerhalb der Metalschiene gibt es aber für Dich keine Limitierung!

Es muss mir gefallen, ich bin nach wie vor ein Musikbesessener. Wenn mir etwas nicht gefällt, dann kann ich das natürlich auch nicht signen, denn wie sollte ich dann hinter diesem Singing stehen können?

OK, das bedeutet für mich: NoiseArt Records werden nie eine Band unter Vertrag nehmen, die dem Stefan Hattinger nicht gefällt?

Solange ich in der A&R Position bei NoiseArt bin definitiv Nein!
Sollte irgendwann einmal ein anderer A&R auf dieser Position sitzen, dann wir der entscheiden und nicht ich.

Gibt es derzeit schon nennenswerte Bands, die man zukünftig auf NoiseArt unter Vertrag haben wird, oder ist da noch nichts spruchreif?

Also STEELWING, die ja auch den RockTheNation Award gewonnen haben, die werden wir am 30. April 2010 veröffentlichen. Ein sehr gutes Thema wie ich meine, aber wir haben auch noch ein paar andere Ideen. Wir stehen da und dort mit diversen Künstlern in Verhandlung, ich denke, dass wir 2010 vier, vielleicht sogar fünf Produkte über NoiseArt rausbringen werden.
Von VARG werden wir im Herbst die „Wolfszeit“ CD mitsamt einer DVD neu rausbringen, schön aufgearbeitet und für eine Tournee im Herbst zur Veröffentlichung bereit. Auch wird da der Gesang mit dem neuen Sänger neu aufgenommen.

Wie würdest Du die aktuelle Lage der Rock/Metalszene in Österreich beurteilen? Und zwar nicht von der Publikumsseite oder der Business Seite von Dir, sondern von den Bands betrachtet?

BELPHEGOR finde ich eine supertechnische Band; eine der wenigen heimischen Bands die es wirklich drauf haben. Ich muss aber auch zugeben, dass ich nicht wirklich viele heimische Bands kenne, OUTRAGE, IN SLUMBER sagen mir natürlich was, aber da fehlt mir immer ein bisschen was… Wir sind halt inzwischen von allem europäisiert, darum ist es mir eigentlich wurscht von wo ein Künstler ist, die Kunst muss ein wenig raus stechen aus der Masse, je weiter je besser, je spannender – dann ist es mir egal ob das aus Österreich oder aus Timbutku ist. Was aber nicht heißt, dass ich nicht gern Österreicher bin, das bin ich nämlich gerne, sehr gerne sogar!

Perfektes Schlusswort Stefan, Danke für Deine Zeit und die ausführlichen Antworten!

Bitte gerne!


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