NECROPHOBIC Part III - Der qualitative Abstieg

Veröffentlicht am 30.03.2011

Vorschnelle Produktion

Die Erwartungshaltung für das dritte Album stieg natürlich ins Unermessliche. Sidegård und seine Mannen erreichten zwar nicht den immensen Kult, der um DISSECTION veranstaltet wurde, aber NECROPHOBIC entwickelten sich zu einer gern gesehenen Tour- und Festivalband, die sich im Underground einer großen Fanbase erfreute. NECROPHOBIC wollten den Hype zweifellos nützen und begaben sich bereits Dezember 1998 ins Sunlight Studio, um innerhalb eines halben Jahres ihr drittes Album namens „The Third Antichrist“ einzutrümmern. Ungewöhnlich für die filigranen Feinmotoriker, die sich auch eindeutig zu wenig Zeit ließen, um den grandiosen Vorgänger toppen zu können. „The Third Antichrist“ legte mit knapp 45 Minuten Spielzeit zwar wieder an Länge zu, kam aber nicht mehr an die Einzigartigkeit von „Darkside“ heran.

Das fiel schon beim lieblos zusammengestoppelten Covermotiv auf, das die Band in einer Feuersbrunst zeigte und von Michael Semprevivo und NAGLFAR-Sänger Jens Ryden entwickelt wurde. Im Nachhinein betrachtet ist „The Third Antichrist“ ein weitläufig unterschätztes Album, das den langjährigen Fans zu abwechslungsreich und Mid Tempo-lastig war. Das Quartett wollte sich keinesfalls wiederholen, wollte neue Aspekte in den Sound bringen und tat im Endeffekt nichts anderes als zwischen den ersten beiden Alben – sie veränderten ihren Sound. Die übertriebene Schwärze, das fast schon norwegisch anmutende Grundkonstrukt von „Darkside“ geriet ins Hintertreffen. Auf „The Third Antichrist“ waren wirklich alle Bandmitglieder am Songwriting beteiligt, was man dem Material auch anhört. Am augenscheinlichsten war das – bereits angesprochene – verminderte Tempo des Albums. NECROPHOBIC waren zur Jahrtausendwende dazu bereit, wieder etwas vom Gas zu gehen und noch mehr Atmosphäre in die Songs zu bauen. Den so dringlich gewünschten perfekten Sound erreichten die Schweden damit aber nicht.

„The Third Antichrist“ schien vielleicht doch etwas zu schnell komponiert worden zu sein. Soloeinlagen und Blastbeats wurden vermehrt, die Songs verlängert und die Instrumentalanteile erhöht. Dass NECROPHOBIC nichtsdestotrotz qualitativ noch immer weit über den vielen Durchschnittsband lagen, braucht nicht extra erwähnt zu werden. Die gewohnt morbide Stimmung klang auf Songs wie dem frostigen „Isaz“ oder dem Quasi-Titeltrack „The Third Of Arrivals“ zwar deutlich durch, doch erstmals schienen sich die Ideen der Band zu wiederholen. Auf Tracks wie dem eindringlichen „Frozen Empire“ oder dem sanft einleitenden „Eye Of The Storm“ wurde die Bremse gezogen. Zudem ließ man die Interludes bleiben und stattete das Album dafür mit Intro und Outro aus. Ein zweifellos großes Album, das von der leichten Stiländerung NECROPHOBICs lebte und rückblickend von wahrlich hoher Qualität war.

Tracklist CD "The Third Antichrist" (1999):

1. Rise Of The Infernal
2. The Third Of Arrivals
3. Frozen Empire
4. Into Armageddon
5. Eye Of The Storm
6. The Unhallowed
7. Izas
8. The Throne Of Souls Possessed
9. He Who Rideth In Rage
10. Demonic
11. One Last Step Into The Great Mist

Auf dem Weg nach unten

Mit Beginn des neuen Jahrtausends standen NECROPHOBIC wieder zahlreiche Veränderungen ins Haus. Als die Truppe im Sommer 2000 diverse deutsche Festivals beackerte, entschloss sich Gitarrist Martin Halfdan die Band nach über sieben Jahren zu verlassen, weil er sich im Soundkosmos von NECROPHOBIC nicht mehr wohl fühlte. Als Ersatz wurde für ein knappes Jahr wieder Altgitarrist David Parland in die Band geholt, der „seine“ Band bis zu einer Fixrekrutierung eines neuen Gitarristen als Live-Member verstärkte. Im Laufe des Jahres 2001 kamen die Schweden schlussendlich auch mit den Holländern von Hammerheart Records in Kontakt, bei denen sie schließlich im April 2001 unterzeichneten, um bessere Vertriebsmöglichkeiten zu bekommen. Fast zur gleichen Zeit konnte man mit Johan Bergebäck auch den lang gesuchten fixen Zweitmann an der Klampfe begrüßen. David Parland verließ die Band vereinbarungsgemäß und konzentriert sich seither wieder auf INFERNAL.

Mit dem kompletterten Line-Up und neuem Label im Rücken machten sich NECROPHOBIC wieder frisch ans Werk, um 2002 das vierte Album zu veröffentlichen. Ein derartiger „Schnellschuss“ wie zwischen den letzten beiden Werken konnte ohnehin nicht mehr passieren, das Axt-Duo Ramstedt und Bergebäck war sehr schnell und sehr gut aufeinander eingespielt und die Bandchemie war hervorragend. „Bloodhymns“ nannte sich das gute Werk, kam Ende März 2002 auf den Markt und erinnerte schon vom etwas einfallslosen Artwork her frappant an „The Nocturnal Silence“. Musikalisch bekamen die Fans aber genau das Gegenteil zu hören. Ein deftiger Brocken Black/Death wurde zelebriert, die Zutaten stammten gleichermaßen aus „Darkside“ wie aus „The Third Antichrist“. Das Tempo wurde wieder erheblich gesteigert, die epische Erhabenheit deutlich in den Hintergrund gestellt. Bergebäck und Ramstedt harmonierten perfekt. Wer hier die Leadgitarre umgeschnallt hatte, geht nicht deutlich hervor. Gesanglich wurde einmal mehr Sidegårds unverständlichem Gekeife vertraut, größtes Problem der hier zehn vorgetragenen Bluthymnen war aber die lasche Produktion.

Obwohl erneut in den Sunlight Studios tätig, klang vor allem das Schlagzeug nach billigem Plastik, Sidegårds Bassspuren wurden zu stark in den Hintergrund gemixt. Problem Nummer Zwei war die eklatante Gleichheit der einzelnen Songs. Wurde Abwechslung im Hause NECROPHOBIC bisher sehr hoch geschrieben, wirkten einzelne Hooks und Songkonstrukte zu gleichförmig und ließen bei mehrmaligem Durchlauf leichte Langeweile aufkommen. Mit dem programmatischen Livekracher „Dreams‘ Shall Flesh“ oder dem flott treibenden „Shadowseeds“ hatten NECROPHOBIC zwar unzählige Asse im Ärmel, austauschbare Ware der Marke „Helfire“ oder „Cult Of Blood“ ließen „Bloodhymns“ – sofern man das sagen kann – zum schlechtesten Album der Diskographie gedeihen. Neues gab es wenig zu vernehmen, die Produktion war ziemlich grottig, die Fans nicht vollends zufrieden. Selbst das aussagekräftige Instrumental-Schlussstück „Among The Storms“ konnte NECROPHOBICs erstes Album im neuen Jahrtausend nicht retten.

Tracklist CD "Bloodhymns" (2002):

1. Taste Of Black
2. Dreams' Shall Flesh
3. Act Of Rebellion
4. Shadowseeds
5. Mourningsoul
6. Helfire
7. Cult Of Blood
8. Roots Of Heldrasill
9. Blood Anthem
10. Among The Storms

Zumindest die Besetzung war (und ist) so sicher wie nie zuvor, NECROPHOBIC tourten trotz schwächerem Album konstant durch die Weltgeschichte und veröffentlichten im Jahr 2003 schlussendlich ein spezielles Schmankerl für ihre Fans. Die „Tour EP 2003“ war zwar nichts anderes als ein Versatzstück aus diversen Coversongs und einzelnen Tracks der bisherigen Alben, wurde aber auf 1000 Stück limitiert und dementsprechend schnell vom Markt bzw. den Merchandiseständen gegrapscht. Im selben Jahr bekamen die Holländer von Hammerheart Records aber schwere Geldprobleme. Unter dem Namen Karmageddon Media konnte man zwar weitermachen, für NECROPHOBIC war die Situation aber untragbar, somit löste man den Vertrag nach nur einem Album und einer limitierten EP.

Tracklist MCD "Tour EP" (2003):

1. Before The Dawn
2. Spawned By Evil
3. Into Armageddon
4. Dreams' Shall Flesh
5. Die By The Sword (SLAYER Cover)
6. Nightmare (VENOM Cover)
7. Enter The Eternal Fire (BATHORY Cover)
8. Ridden With Disease (AUTOPSY Cover)
9. Moonchild (IRON MAIDEN Cover)

HIER geht es zu "NECROPHOBIC - Part I"
HIER geht es zu "NECROPHOBIC - Part II"
HIER geht es zu "NECROPHOBIC - Part IV"


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