ROCK IM REVIER 2015

Text: inhonorus
Veröffentlicht am 01.07.2015

Mensch, was war das für ne abgefuckte Sause. Und das dann auch noch mitten im Pott.
Ganz nach dem Motto, lass die Leute nicht zu der Musik kommen, sondern bring die Musik zu den Leuten. Und das hat im wahrsten Sinne funktioniert, obwohl der Weg hin zum Festival für die Veranstalter kein leichter war. Auch die Metalheads Around The World wurden anfangs ziemlich verwirrt. Zuerst sollte Rock im Revier am Nürburgring stattfinden und wurde unter den Namen „Grüne Hölle – Rockfestival am Nürburgring“ getauft, doch das zog einige Probleme mit sich, woraufhin der Veranstalter den Namen in „Der Ring – Grüne Hölle“ umbenannte. Doch da die Schwierigkeiten nicht nachließen musste man nach einen neuen Veranstaltungsort schauen und der war acht Wochen vor Beginn in der Gelsenkirchener Veltins Arena unter dach und Fach gebracht. Natürlich folgte eine weitere Namensänderung und so war „Rock im Revier“ geboren.
Doch auch diese Entscheidung zog viel Nörgelei und Unmut mit sich. Vorab wurde der angebliche Scheiß-Sound in der Arena bemängelt und bezweifelt das überhaupt ein Festivalfeeling zwischen den Betonwänden aufkommen könne. Doch jetzt wo Rock im Revier auch schon wieder Festivalgeschichte ist schreiben die Fakten ein eindeutiges Zeichen. In den drei Tagen waren insgesamt 43.500 Besucher teil der Sause, traten 62 nationale und internationale Top-Acts auf, gab es beeindruckende Bühnenshows von METALLICA, MUSE und KISS, Campten 4000 Fans auf der Trabrennbahn und es wurden Sageumschreibende 90.000 Liter Bier geschluckt!
Es gab zwar auch Probleme, besonders mit den Ein- und Ausgängen zu den Bühnen, da man nur an gewissen Stellen den Bühnenbereich betreten und verlassen konnte, was teilweise zu weiten Laufwegen führte, des Weiteren waren auch die weiten Laufwegen zwischen den einzelnen Bühnen nicht Optimal. So war es Schwierig in der kurzen Bühnenumbauphase zwischen den einzelnen Acts hin und her zu Wandern, ohne einige Minuten zu verpassen. Trotz der wenigen Probleme fuhr der Veranstalter ein Line-Up auf das dem Konkurrenzfestival „Rock am Ring“ sprichwörtlich den Ring vom Finger zog.

ROCK IM REVIER - Tag 1:
EXODUS
Das Festival wurde eigentlich von den Gelsenkirchener-Jungs von ANY GIVEN DAY um 13:15 Uhr auf der Bang Stage eröffnet, doch schon um 13:30 Uhr stand der erste große Auftritt an der Big Stage an. EXODUS, die Thrash-Urgesteine, wenn nicht sogar die älteste Thrash-Metal-Band der Welt, aus der Bay Area (der Wiege des amerikanischen Thrash-Metals) gaben sich die Ehre. Und obwohl einen bei den Bandnamen und bei den Gedanken an Alben wie „Bonded By Blood“, „Fabulous Disaster“, „Tempo Of The Damned“ oder das vor einiger Zeit erschienende „Blood In, Blood Out“ schon so richtig einer abgeht, war nicht gerade viel in der Veltins Arena los, als die Jungs die Bühne betraten. Nur einige hartgesottene Metalheads hatten sich schon so früh auf dem Weg gemacht um mit EXODUS das Festival zu eröffnen. Was eindeutig auf den zeitlich zu früh angesetzten Auftritt zurück zuführen ist, da viele sich gerade noch auf dem Weg befanden, oder noch einige Zeit arbeiten mussten.
EXODUS, leider ohne Bandkopf Gary Holt in Gelsenkirchen, der gerade mit SLAYER das neue Album einhämmert, betraten unter dem Song „Black 13“ vom „Blood In, Blood Out“-Album die Halle und wurden so lautstark es die kleine Masse vermochte, empfangen, umso fort musikalisch die Arena in Schutt und Asche zu legen. Hier und dort gingen sogar einige Metalheads mit und teilweise wurde sogar schon die Mähne geschüttelt. Der Sound knallte ordentlich und dürfte schon ziemlich früh einige Skeptiker überzeugt haben.
Nach einem kräftigen „Rock im Revier Willkommen“, welches lautstark seitens des Publikums beantwortet wurde, verlor man nicht viel Zeit und schüttelte mit „Blacklist“ von „Tempo Of The Damned“ gleich den nächsten Nackenbrecher in die Masse. Doch so recht wollte das Publikum auf die Aufforderungen des Energiegeladenen Steve Souza nicht eingehen, ganz im Gegenteil, heute hatte es der Sänger sogar ersichtlich schwer die Zuschauer mit zu ziehen.
Nach „Body Harvest“ griffen die Jungs ganz tief in die Bandgeschichte zurück und spielen mit „Bonded By Blood“ einen Song vom gleichnamigen Über-Debütalbum und legten mit „The Toxic Waltz“ eine Nummer vom 1988er „Fabulous Disaster“ nach. Doch die Zuschauer im Vorraum, ganz geschweige von den wenigen vereinzelten auf der Tribüne fanden einfach nicht den zündenden Übergang und so sollte es für EXODUS doch eher ein Verhaltener Auftritt bei Rock im Revier bleiben. Nach „Strike Of The Beast“ verließ ein Sichtlich enttäuschter Steve Souza vorzeitig die Bühne und während die Zuschauer noch auf Nachschlag warteten regte sich auf der Bühne nicht mehr viel. Als dann die Umbauarbeiten für die nächste Band begannen verließen viele Enttäuscht den Vorraum um das zuvor vernichtete Bier wieder loszuwerden.

Setlist:

Black 13
Blood In, Blood Out
Blacklist
Body Harvest
Bonded By Blood
The Toxic Waltz
Strike Of The Beast

HATEBREED
Nachdem eher, seitens des Publikums, verhaltenden Start an der Big Stage, waren nun die Jungs von HATEBREED gefragt, um den Festivalpublikum endlich den zähen Wurm aus den Hintern zu pusten. Zu HATEBREED selbst muss man eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren. Schon seit über zwanzig Jahren versorgen uns die Amis rund um Jamy Jasta mit ihren Sound und gerade durch ihr exzessives Tourverhalten sind sie eigentlich ständig auf den Bildschirm. Als die klassischen Klänge der „Rocky Theme“ durch die Arena pusteten und dies Lautstark vom Publikum gefeiert wurde, immerhin wissen die meisten Die-Hard Fans, dass es sich bei der „Rocky Theme“ um die Auftrittsmusik der Band handelt, merkte man, dass für viele Metalheads in der Arena gerade mit HATEBREED der erste richtige Hochkaräter auftrat. Und so verwunderte es nicht, dass der erste Song des Tages „To The Threshold“ richtig gut beim Publikum ankam und mehr oder weniger fanatisch gefeiert wurde. „Dead Man Breathing“ und „Honour Never Dies“ beide vom 2013er „The Divinity Of Purpose” hielten die euphorische Stimmung und so waren EXODUS bei vielen ziemlich schnell in Vergessenheit geraten. Gerade der Energiegeladene Jamy Jasta, der ständig in Bewegung war und Kilometer auf der Bühne runter ackerte, zog das Publikum mehr als ordentlich mit. Dann verkündete Jamy, das viele wohl auf TESTAMENT und METALLICA warten, aber nun die Zeit gekommen wäre, wo keiner mehr Still sein sollte. Mit einen dicken „Bleed Now“ wurde „Everybody Bleeds Now“ eingeleitet und im Publikum war mehr Bewegung als bei EXODUS. Zwischen den vielen Headbangern und den Hüpfenden-Metalheads bildeten sich schon ganz kleine Mosh-Pits. Der angestaute Knoten platzte dann bei „In Ashes They Shall Reap“ welches anfangs lautstark mitgesungen wurde und dann in einen immer größeren Mosh-Pit überging. Rock Im Revier schien nun endlich angefangen zu sein.
HATEBREED lieferten eine mehr als saugeile Show ab, welches nicht nur an die Fülle an großartigen Songs, quer durch die gesamte HATEBREED-Discografie, lag. Gerade auch die älteren Songs wie „Smash Your Enemies“ und „Not One Truth“ von der 1996er EP „Under The Knife“ kamen gut beim Publikum an. Doch gerade die Rausschmeißer-Nummern „I Will Be Heard“ und „Destroy Everything“ die zum Schluss gezockt wurden, ließen die Halle mehr oder weniger platzen und so ließen die Jungs nach einer dreiviertel Stunde Spielzeit ein teilweise Nassgeschwitztes, doch überglückliches Publikum zurück, welches nun getrost auf TESTAMENT warten konnte.

Setlist:
To The Threshold
Dead Man Breathing
Honour Never Dies
Everybody Bleeds Now
In Ashes They Shall Reap
Indivisible
Tear It Down
Last Breath
Empty Promises
Defeatist
As Die Hard As They Come
Smash Your Enemies
Not One Truth
Boundless
The Language
This Is Now
Driven By Suffering
I Will Be Heard
Destroy Everything

TESTAMENT
Mit der 1983 als LEGACY gegründeten und später zu TESTAMENT umbenannten Band stand nun ein weiteres Highlight der Bay-Area Thrash Szene bevor. Für viele gehören EXODUS und TESTAMENT eh mehr zu den Big Four als ANTHRAX und MEGADETH, doch das ist Geschmackssache über die sich streiten lässt. Jedenfalls ist das All-Star-Line-Up der Band mittlerweile sehr beeindruckend und die Namen die da miteinander Jammen lesen sich eher wie das Who-Is-Who der amerikanischen Thrash-Szene. Zu den Gründungsmitgliedern Alex Skolnick, Eric Peterson und Chuck Billy (der übrigens die Stelle von Steve Souza (bekannt als Stimme von EXODUS) übernahm und sogar von ihm selbst empfohlen wurde), gesellen sich mittlerweile der ehemalige DARK ANGEL-, DEATH- und FEAR FACTORY-Schlagzeuger Gene Hoglan und der ehemalige DEATH-, SADUS-, und AUTOPSY-Bassist Steve DiGiorgio dazu.
Die krasse Show, die der Bandname schon an sich und dazu dann noch mit solch einem Line-Up vermuten ließ, wurde auch schnell erfüllt. Als der fünfer um 15:45 Uhr, was für so einen Kaliber von Band eigentlich immer noch viel zu früh ist, die Bühne betrat war das Publikum schon ordentlich aufgeheizt und bereit die Arena weiter in Grund und Boden zu Moshen. Und dann kam so ein Opener wie „Over The Wall“ von der Über-Debütplatte „The Legacy“ mehr als recht und die Moshfreudigen unter den Festivalbesuchern, moshten genau dort weiter wo sie zuvor bei HATEBREED aufgehört hatten. Die Stimmung war durchweg aufgeheizt, das nun immer zahlreicher gewordene Publikum ging von Anfang an mit und TESTAMENT hatten es nicht sonderlich schwer eine coole Show abzuliefern. Songs wie „Rise Up“ und „Native Blood“ von der aktuellen und oft gelobten Langrille „Dark Roots Of Earth“ kamen sehr gut an und selbstverständlich durften auch Kultsongs der Marke „Practice What You Preach“ und „The New Order“ nicht fehlen. Bei „Into The Pit“ konnte Alex Skolnick sein unmenschliches Talent an dem Zupfkasten bei einem saugeilen Solo im Rampenlicht unter Beweis stellen. Mit „Disciples Of The Watch“ endete dann der Auftritt der Thrash-Heroen für viele auch schon wieder viel zu früh und machte unglaublich Hunger auf METALLICA.

Setlist:

Over The Wall
Rise Up
More Than Meets The Eye
Native Blood
Practice What You Preach
The New Order
Into The Pit
3 Days In Darkness
Disciples Of The Watch


FAITH NO MORE
Die Bühne in weißen Farben gesetzt und in einen Blumenmeer verwandelt, stand nun der Auftritt der Gründungsväter des Crossovers, FAITH NO MORE, auf dem Plan. Wenn man nach ganzen sechs Jahren deutscher Bühnenabstinenz wieder eine deutsche Bühne betritt, gibt es eigentlich nur zwei Wege. Entweder die Show verläuft im Sand und das Publikum nimmt ein nur wieder schwer auf, oder aber das lange warten, seitens des Publikums, löst einen dicken Knoten und die Band wird fanatisch abgefeiert – zweites war an diesem Freitagabend der Fall.
Und auch wenn Mike Patton sich anfangs einen kleinen Schnitzer leistete und „Hallo Düsseldorf“ der Menge entgegen brüllte, kamen die Amis mehr als gut an.
Neben den Kulthits wie „Epic“ vom „The Real Thing“-Album, welches 1990 für den Grammy Award for the Best Metal Performance nominiert war und „Midlife Crisis“, gab es mit „Motherfucker“, „Sunny Side Up“, „Seperation Anxiety“ und „Superhero“ auch einiges vom kürzlich erschienen „Sol Invictus“ zu hören. Und bei dem COMMODORES-Cover „Easy“ sang das gesamte Stadion fast wie von selbst mit. Nach fünfundsiebzig Minuten Spielzeit verließen FAITH NO MORE die Bühne und viele Nutzen die angegebene dreiviertel Stunde Bühnenumbau und Wartezeit um sich ein weiteres Mal mit einer kühlen Weizenkaltschale auf den Headliner des Abends vorzubereiten.

Setlist:

Motherfucker
Land of Sunshine
Caffeine
Evidence
Epic
Sunny Side Up
Surprise! You´re Dead!
Midlife Crisis
The Gentle Art of Making Enemies
Easy (Commodores Cover)
Seperation Anxiety
King for a Day
Ashes to Ashes
Superhero


METALLICA
Und dann hatte das warten endlich ein Ende! Der Großteil der Festivalbesucher, besonders die Besitzer eines Ein-Tages-Festivalbändchens, waren vorüberwiegend wegen den Bay-Area-Thrash-Heroen angereist. Siebzig Eier für die Tageskarte sind, wenn man das Line-Up betrachtet, echt schon ne klasse Sache. Bezahlt man die Summe eigentlich schon Standardmäßig für METALLICA und zwei Vorbands allein. Und so wundert es auch nicht, dass der Freitag der meist Besuchte Festivaltag war.
Und während das Stadiondach, Regen bedingt, geschlossen war, war die Stimmung im sehr gut gefüllten Stadion mehr als am brodeln, als um 20:30 Uhr METALLICA anfingen auf sich warten zu lassen. Nach fast zwanzig Minuten Verspätung erklungen, unter dem fanatischen Jubel von tausenden, die Klänge von „The Ecstasy Of Gold“ und ein sehr resignierter James Hetfield betrat die Bühne und Erklärte eine wichtige Ankündigung machen zu müssen und während einigen Garantiert schon das Herz in die Hose rutschte, sprang die Aussage in ein „Gimme Fuel, Gimme Fire, Gimme that which I desire“ um und „Fuel“ von der gehassten „Load/ReLoad“-Phase lies den Wahnsinn sprichwörtlich beginnen. Es war der Startschuss zur einer abgefahrenen METALLICA-Sause und viele im Publikum hielt es jetzt nicht mehr ruhig auf den Beinen.
Während die Amis mit „Fuel“ erst zum zweiten Mal überhaupt eines ihrer Sets begonnen, so war mit „For Whom The Bell Tolls“ ein alter Hase vertreten, der stets sehr gut beim Publikum ankommt und so konnten viele im Publikum auch zugleich ihre Textsicherheit unter beweis stellen.
Ganz nah dabei waren zirka fünfzig Fanclubmitglieder, die sich für zweihundert Euro einen ganz speziellen Platz, direkt auf der Bühne hinter ihren Idolen, gesichert hatten und das Konzert in voller Länge aus nächster Nähe verfolgen konnten.
Mit „Metal Militia“ vom „Kill ´Em All“-Debüt wurde dann eine Old-School-Nummer nachgelegt, die eigentlich nur selten den Weg ins METALLICA-Set findet, vielleicht auch gerade wegen den hohen Gesangslagen mit dem James Hetfield etwas zu kämpfen hat. Doch auch bei den ein oder anderen kleineren Schwierigkeiten bei den hohen Gesangslagen kam die Nummer überwiegend gut bei den jungen – sowie bei den in die Jahre gekommenen Thrashern an.
Etwas verhaltener wurde es dann mit „King Nothing“ vom „Load“-Album, zwar geht das Publikum gut mit, die Nummer wird auch bestens runter gejammt, doch viele haben bei der Nummer schon textlich ihre Schwierigkeiten und kommen nicht so recht mit dem rockigen Sound klar. Ganz anders dann wieder bei „Disposable Heroes“, die Nummer zündet, das Publikum lässt sich mitreißen und auch auf den Rängen ist Bewegung.
Dann kommt es zu einer echten Premiere. Die Jungs spielen mit „The Unforgiven II“ einen Song, den sie noch nie Live gespielt haben. Die Uraufführung der „ReLoad“-Nummer ist zwar nicht so zündend, wie der erste Teil der Unforgiven-Triologie, doch gerade wegen der Premiere, kam auch der Song richtig gut beim Publikum an und es sah so aus, als ob die Jungs heute eigentlich spielen könnten was sie wollten und das Publikum würde ihnen aus den Händen fressen.
Bei einem Set, welches quer durch die Bandgeschichte geht, darf natürlich auch etwas aktuelles nicht fehlen und so steht mit „Cyanide“ eine Nummer vom noch aktuellen „Death Magnetic“ an, geht in „Lords Of Summer“ über, bis wieder ein richtiger hochkaräter mit „Sad But True“ vom Stapel gelassen wurde. Gerade „Sad But True“ ist ein Song, welcher sich so hartnäckig in die Setlist der Thrasher festgebissen hat, dass auch wirklich jeder textlich mitgehen konnte und so zog die Nummer nochmals alle Energie aus den Publikum.
In gleichen Fahrwassern bewegte sich auch „Master Of Puppets“ der in einem METALLICA-Set nun wirklich nicht fehlen darf.
Mit „Seek & Destroy“ und „Creeping Death“ wurde es dann wieder zunehmend Old-School-lastig. Die Songs wurden lautstark vom Publikum erwidert und so wurden, seitens des Publikums, noch mal alle Energiereserven freigesetzt und gethrasht, was das Zeug hielt.
Nach einhunderfünfunddreißig Minuten ging die METALLICA-Sause mit „Nothing Else Matter“ und „Enter Sandman“ dann ihren Ende entgegen und zum Finale vielen dann auch noch METALLICA-Bälle von der Decke. Eins war klar nachdem der letzte Akkord gefallen war. METALLICA haben wieder mal eine saugeile Show abgeliefert und schickten ein glückliches, teils nassgeschwitzes, Publikum nach Hause, oder aber in die Zelte.

Setlist:

Fuel
For Whom The Bell Tolls
Metal Militia
King Nothing
Disposable Heroes
The Unforgiven II
Cyanide
Lords of Summer
Sad But True
The Frayed Ends of Sanity
One
Master of Puppets
Damage Inc
Fade to Black
Seek & Destroy
Creeping Death
Nothing Else Matters
Enter Sandman


Lauschlappen-Orgasmusfaktor-Des-Tages: eindeutig METALLICA.

ROCK IM REVIER – Tag 2
Am zweiten Tag zeigte sich der Festivalgott gnädig in dem er immer mal wieder die Wolken davon blies und wärmende Sonnenstrahlen auf die Festivalbesucher niedergehen ließ. Wurde am Vortag mehr oder weniger die Big Stage mit einen großen Thrashgewitter auseinander genommen, so stand der heutige Tag, gerade auf der kleinen Bang Stage, eher im Zeichen des Back-To-The-Roots Undergrounds: 70s Klänge, Psychedelic Rock, Desert-Stoner Rock, ein bisschen Blues bis hin zum Doom-Metal.

ORCHID
Und so richtig Vintage-Rock lastig begann der zweite Festivaltag auf der Big Stage mit dem Auftritt des BLACK SABBATH-Klons ORCHID. Und obwohl einige Metalheads wahrscheinlich anfangs darüber verwundert waren, dass dieser Underground Schmankerl auf der Big Stage, statt auf der mehr für Underground Bands ausgerichteten Bang Stage, stattfand, so konnten die Amis um Ozzy Osbourne Look-A-Like Theo Mindell viele überzeugen.
Wildlederjacke mit Fransen, Vintage Hemden und Hosen mit fetten Schlag ließen jedenfalls, für diejenigen unter den Festivalbesuchern, die mit der Band noch nicht soviel anzufangen wussten, sofort klar werden, das die nächsten Minuten eine Zeitreise in die frühen 70s bevor stand. Und an diesem frühen Samstagmittag waren definitiv schon mehr Leute im Stadion, als am Vortag zur selben Zeit bei EXODUS. Das jedenfalls konnten sich ORCHID schon, bevor der erste Akkord gefallen war, auf ihre Totenkopf zierende Bandflagge schreiben.
Das Set wurde mit dem eher etwas unbekannten „Eastern Woman“ von der „Through The Devil´s Doorway“-EP begonnen und ging in das saumäßig geile „Eyes Behind The Wall“ vom viel gelobten, großartigen Debüt „Capricorn“ über, der den Vergleich mit BLACK SABBATH gekonnt unterstreicht. Allgemein viel der fette BLACK SABBATH ähnliche Sound sehr gut aus und der gewisse Groove im Sound riss einige Festivalbesucher mit, ihre Nakenmuskeln vom Vortag zugrunde gerichtet, wieder in Bewegung zu bringen.
Mit „John The Tiger“ wurde ein Song von der bald erscheinenden EP „Sign Of The Witch“, welches wie schon die Langrille zuvor, über kein geringeres Label als Nuclear Blast vertrieben wird, vorgestellt. Und obwohl die aktuelle Tour, sowie der Gig in Gelsenkirchen vielmehr als Support-Show für ihre neue Kurzrille zu verstehen ist, so verlor Theo Mindell kaum ein Wort darüber. Die neue Nummer wurde allerdings verhältnismäßig zurückhaltend aufgenommen. Zwar haut das Solo voll rein und riss einige mit, doch man merkte, dass viele durch das neue Material eher verunsichert waren und die frischen Klänge erst einmal auf sich wirken lassen mussten.
Anders sah es dann wieder bei „Capricorn“ aus, welches anscheint viele Festivalbesucher kannten und so wurde vereinzelt auch mehr oder weniger textsicher Mitgegangen. Bassist Keith Nickel jedenfalls voll in seinen Milieu swingte ordentlich mit und hielt Bewegung in der sonst eher zähen Bühnenpräsenz, da die anderen Protagonisten um Theo Mitchell doch eher wie angewurzelt erschienen. Zwar brach der gute Mister Mitchell gelegentlich aus und legt eine aggressive Headbangereinlage aufs Pakett, doch waren solche Gefühlsausbrüche eher Mangelware. Aber Bewegung ist ja auch sehr Sound abhängig und würde manch Bühnenbild sogar eher Schaden.
„Mouths Of Madness“ von der immer noch aktuellen Langrille „The Mouths Of Madness“ wurde als nächstes gezockt und kam auch gut beim Publikum an, obwohl solch eine Tempo angezogene Nummer wie „Wizard Of War“ wohl angemessener gewesen wäre um die Metalheads mal ein bisschen Pfeffer in den Arsch zu pusten. Mit dem grandiosen „He Who Walks Alone“, welches sich noch immer zäh im Set der Amis festbeißt, endet das Set und die Band verließ die Bühne um sich anschließend unter das Festivalvolk zu mischen und das ein oder andere Plauschen zu halten.

Setlist:

Eastern Woman
Eyes Behind The Wall
Helicopters
John The Tiger
Capricorn
Mouths Of Madness
He Who Walks Alone

PURSON
Nach dem sehr gelungenen Start in den zweiten Rock im Revier Festivaltag mit dem großartigen Auftritt von ORCHID, ging die Zeitreise zu den Rock-Roots gleich weiter. Verweilte man zuvor in den 70s, so bewegte man sich sprichwörtlich auf den Weg rüber zur Bang Stage, gleich ein weiteres Jahrzehnt zurück und befand sich in den von Blumen übersäten, farbenfrohen 60s. Während ORCHID sehr stark an BLACK SABBATH erinnerte, so ungefähr erinnerten die Engländer von PURSON, sehr stark an JEFFERSON AIRPLANE, obwohl die Sängerin Rosalie Cunningham nicht gerade viele Ähnlichkeiten mit Grace Slick teilt. Auch hier sah man der Band die musikalischen Wurzeln gleich von Beginn aus an. Atemberaubende Blumenkleider, Vintage Hemden und Schlaghosen, dazu die Bühne in einen leichten Rot getaucht, doch wirklich nur wenige verfolgen den Auftritt der Engländer. Anscheint ist PURSON für viele noch nicht so der Begriff, und man hatte auch nicht den Besten Auftrittszeitpunkt erwischt. Stand doch wenige Minuten später der Auftritt eines der so genannten Big Three des Doom-Metals mit PARADISE LOST (die anderen beiden sind übrigens MY DYING BRIDE und ANATHEMA) an.
Und wenn es einmal dick kommt, dann kommt es bekanntlich ganz dick und so brauchten PURSON auch noch relativ lange zum Stimmen und abgleichen der Instrumente. Etwas verspätet startet man dann mit „Danse Macabre“ von der 2014er EP
„In The Meantime“.
Was ein bei dem Psychedlic Rock der Engländer sofort auffällt ist, das sie so ziemlich in der gerade boomenden Retro-Vintage-Occult-Rock spalte schlagen. So sind sehr viele Ähnlichkeiten mit BLOOD CEREMONY, JEX THOATH, JESS AND THE ANCIENT ONES oder LUCIFER auszumachen. Die Bühnenpräsenz war eher genau so minimal gehalten, wie es zuvor bei ORCHID der Fall war und so war auch kaum Bewegung unter den wenigen Mithören zu vernehmen. Eher trieb man auf der musikalischen Welle, die sehr stark vom Organ der Sängerin beeinflusst und getragen wird. Nach dem zweiten Song „Electric Landcady“ verschwanden dann schon die ersten Festivalbesucher zur Boom Stage, um den Auftritt von PARADISE LOST beizuwohnen und auch nach der dritten Nummer „Spiderwood Farm“ vom Debütalbum „The Circle And The Blue Door“, welche übrigens gut Live umgesetzt wurde, verschwanden immer mehr. Für eine junge Band gibt es wohl nichts Erschreckendes als wenn während des Gigs gleich Scharen von Zuschauern flüchten. Und obwohl dies auch bei PURSON nicht gänzlich untergegangen sein dürfte, zog man doch tapfer sein Programm für die paar hinter beliebenden durch. Doch auch für mich war nach „Well Spoiled Machine“ Schluss und ich schloss mich der PARADISE LOST-Scharr an.
Für all diejenigen die PURSON nicht kennen, sei hier mittels bandinterner Schleichwerbung, auf den Lauschlappen-Orgasmusfaktor „Death´s Kiss“ hinzuweisen. Ein guter Startpunkt um sich mit dem Sound der Band vertraut zu machen.

Setlist:

Danse Macabre
Electric Landcady
Spiderwood Farm
Well Spoiled Machine
Rocking Horse
Wanted Man
Twos & Ones
Tragic Catastrophe


PARADISE LOST
Lange war es still um einen der Big Three des Doom-Metals geworden. Nach dem das dreizehnten Studioalbum „Tragic Idol“ Anno 2012 wie eine Bombe einschlug und von vielen als ihr bestes Werk seit „Draconian Times“ gehandelt wurde und eine Tour folgte, hörte man nicht mehr viel. Doch in der Stille liegt anscheint auch in der Musik die Kraft. So trat Sänger Nick Holmes überraschend als neue Fronter der schwedischen Death-Metal-All-Star-Combo von BLOODBATH in Erscheinung und haute letztes Jahr mit den Jungs mit „Grand Morbid Funeral“ ein weiteren starken BLOODBATH-Silberling raus. So Abartig, bitterböse und morbid, wie auf den BLOODBATH-Neuling, grunzte Mister Holmes, wenn überhaupt, dass letzte Mal auf „Lost Paradise“. Doch auch PARADISE LOST wurde neues Leben eingehaucht und man nahm mit „The Plague Within“ eine Platte auf, die stark von ihrer eigenen Vergangenheit beeinflusst ist. Und vielleicht färbte sich auch die Zusammenarbeit mit BLOODBATH, an den einen oder anderen Enden, auf das neue Material ab.
Jedenfalls wohnten viele Freiluftfanatiker den Auftritt der Doom-Metal-Heroen auf der einzigen Freiluftbühne des Festivals bei. Und so war die Stimmung auch relativ Euphorisch vor der überfüllten Boom Stage.
Mit der Singleauskopplung der 2007er „In Requiem“-Platte „The Enemy“ starteten die Mannen in ein sehr „The Plague Within“ lastiges Set. Gleich eindrittel des gesamten Sets bestand aus Songs der kürzlich erschienenden neuen Langrille, welches im Zuge der Support-Tour, auch nicht sonderlich verwunderte. So legte man gleich mit dem zweiten Song „No Hope In Sight“ neues Material vor.
„Gothic“ für viele immer noch der Ausnahmesong der Band, so böse, verloren und Melancholisch, wurde sehr gut vom Publikum aufgenommen. Eigentlich, mehr oder weniger eine Nummer, die in einen PARADISE LOST-Set nicht fehlen darf und so erfreuten sich viele Festivalbesucher über die „Gothic“-Klänge am frühen Nachmittag. Auch wenn die Tageszeit nicht gerade die gelungenste für ein PARADISE LOST-Set war.
Es folgten „Erased“ und „Hallowed Land“, letzteres vom besagten „Draconian Times“-Album, zu der Nick Holmes sagte, dass er glaube, dass es der zweite Song von der 1995er Platte sei, aber er den Stuff schon lange nicht mehr gehört habe und sich nicht wirklich erinnern könne.
Nach einen weiteren Nummer vom aktuellen Output „Victim Of The Past“ untermalte der Fronter seine Publikumsnähe, in dem er eine Becks-Flasche zu Hand nahm, den Publikum die Geste des Anstoßens entgegenbrachte, einen großen Schluck zu sich nahm und ein lockeres „Oh man is that good“ von sich gab. Allgemein verstand der Sänger es das Publikum sich nicht sich selbst zu überlassen, sondern immer wieder anzusprechen, mitzuziehen und Aufzufordern, welches seitens der Festivalbesucher auch auf Anklang stieß.
Nach einer guten dreiviertel Stunde Spielzeit endete das Set mit einer dritten Nummer vom aktuellen Output „Teminal“, „Say Just Words“, einen fetten „Dankeschön“ und der Ankündigung der nächsten Band „Now its time for BABYMETAL“.

Setlist:

The Enemy
No Hope In Sight
Gothic
Erased
Hallowed Land
Victim Of The Past
Faith Divides Us
Terminal
Say Just Words

THE PICTUREBOOKS
Dann ging es wiederum auf der Bang Stage mit einem sehr energiegeladenen Auftritt der PICTUREBOOKS weiter. Ende letzten Jahres noch als Vorgruppe von den großartigen KADAVAR durch Europa unterwegs, dann eine Support-Tour für ihr neues heißes Eisen „Imaginary Horse“ durch den Vereinigten Staaten von Amerika, an diesem Samstagnachmittag bei Rock im Revier und nun schon wieder im Amiland.
Das dass Duo aus Gütersloh unermüdlich auf Tour ist, wird mittlerweile aufgefallen sein, beeindruckend ist aus dieser Sicht, das trotz der vielen Touren, ständig sehr hoch gehaltene Emotionspotenzial und die energiegeladenen Auftritte der Jungs. Es kommt einen Teilweise so vor als verliert das Duo, während ihres Auftritts, jegliches Raum-Zeit-Gefühl und versackt komplett in ihren Songs. Mal ruhig. Träumend. Versunken. Dann ein krasser Energieschub und Sänger Fynn Claus Grabke lässt sich von seinen Emotionen mitreißen, schleudert die E-Klampfe, wirft sich hin und her um dann irgendwann wieder tief Versunken dazustehen. Von den sehr anstrengenden, schweißtreibenden Drummeinlagen von Philipp Mirtschink erst gar nicht zu reden.
Natürlich bestand das Set der PICTUREBOOKS an jenem Tag vorwiegend aus Songs aus dem teilweise sehr Blues lastigen aktuellen Album „Imaginary Horse“. Genauer gesagt war das gesamte Set bis auf „I´m Drawing Hearts On Your Jeans“ aus dem aktuellen Album aufgebaut.
Da der PICTUREBOOKS-Sound anscheint sehr viele Fans mit sich zieht, teilweise erinnern die beiden an einen deutschen Ableger von THE BLACK KEYS, verwundert es auch nicht, dass den Auftritt eine ganze Menge Festivalbesucher beiwohnten. Sehr viel mehr als noch früher am Tag bei PURSON.
Songs wie „Learn It The Hard Way“,„PCD Diamond”, das eher ruhige „E.L.I.Z.A.B.E.T.H.” oder das sehr viel schnellere, groovende, nach vorne stampfende „The Rabbit and the Wolf“ kamen sehr gut beim Publikum an. Gerade die erwähnten Gefühlsausbrüche des Sängers beim letztgenannten Song, erinnern an einen jungen Jim Morrison und reißen das Publikum mit.
Kurz bevor mit „Your Kisses Burn Like Fire“ der letzte Song angestimmt wird, bittet Fynn Claus Grabke um einen großen Applaus für den Drummer, der das heutige Set sogar gleich ohne richtigen Stuhl gespielt hat. Die letzte Nummer, die zugleich auch die Lieblingsnummer der Band ist und eigentlich immer als Rausschmeißer gespielt wird, kommt wieder sehr gut beim Publikum an. Nach einer guten dreiviertel Stunde endet das Set und die Festivalmannen sind sich durchaus einig, dass THE PICTUREBOOKS wieder einmal ordentlich abgeliefert haben.

Setlist:

Learn It The Hard way
Hail These Words
I´m Drawing Hearts On Your Jeans
All Of My Life
Tears Of Gold
Make It last
These Bridges I Must Burn
E.L.I.Z.A.B.E.T.H.
The Rabbit and The Wolf
PCH Diamond
Your Kisses Burn Like Fire

TRUCKFIGHTERS
Energiegeladen ging es gleich mit den TRUCKFIGHTERS weiter. Immerhin war die erste Handlung von Gitarrist Niklas „Dango“ Källgren keine geringere als sich sprichwörtlich sein Shirt vom Leib zu reißen und es in die Menge zu schmeißen. Anschließend, während des Gigs, flitzte er immer mal wieder, wie von der Tarantel gestochen, über die kleine Bühne und sprang hin und her wie ein Punchingball. Und so verwunderte es nicht, dass die Schweden den ersten Moshpit des Tages vor der Bang Stage ins Leben riefen.
Ins Set startet man mit „Mind Control“ vom aktuellen Album „Universe“. Gerade auch bei den TRUCKFIGHTERS, wie auch schon bei vielen Bands zuvor, war das Hauptaugenmerk des Sets auf die aktuelle Veröffentlichung ausgerichtet. Mit „Traffic“ vom „Phi“-Album und dem klasse „Desert Cruiser“ vom 2005er Debüt, zockt das Trio auch ältere Nummern. Gerade „Desert Cruiser“ wurde sehr gut aufgenommen. Neben einer kurzfristigen kleinen Schwedisch-Learn-Session, bei dem fast die gesamte Festivalschar mitspielte, endete für viele der Auftritt nach der Standard-Dreiviertel-Stunde auch schon wieder viel zu früh. Schnell wurde sich, von Seiten der Besucher, mit einem weiteren kühlen, prozenthaltigen Kribbelwasser versorgt, bevor mit ORANGE GOBLIN ein weiteres Highlight anstand.

Setlist:

Mind Control
Traffic
Mastodont
Prophet
Chairman
Desert Cruiser


ORANGE GOBLIN
Obwohl zur selben Zeit auf der Big Stage INCUBUS ihr Set runterjammten, waren sehr viele Festivalbesucher an der Bang Stage anwesend, als um kurz nach Sieben Ben Ward - in einem abgespacten RAINBOW-Shirt – und Co die Bühne betraten. Für viele war der Auftritt der Stoner-Rock-Heroen von ORANGE GOBLIN, die mittlerweile auch schon seit zwanzig Jahren die Bühnen dieser Welt abackern, anscheint sehr viel interessanter, als es der große alternativ Rock Name INCUBUS versprach. Gerade auch für diejenigen die die Engländer letztes Jahr auf ihrer Europa-Tour mit SANIT VITUS nicht gesehen haben.
Auch ORANGE GOBLIN sind mit einer neuen Langrille am Start, doch statt eines Openers vom „Back From The Abyss“ startete man wie gewohnt mit dem groovigen „Scorpionica“ in seinem Großteil aller Alben umfassenden Set. „Scorpionica“ kitzelte jedenfalls bei vielen gleich zu Beginn die Füße und so gingen schon ab der ersten Nummer sehr viele mit. Wurden sprichwörtlich von dem gewaltigen Stoner-Rock-Fluss mitgerissen. Es folgte das MOTÖRHEAD-lastige, flotte „The Devils Whip“, bei welchen dann wirklich keiner mehr ruhig im Vorraum stand. Moshpit selbstverständlich inklusive.
Mit „Saruman´s Whish“ vom ORANGE GOBLIN-Debüt wurde es dann wieder sehr viel ruhiger, psychedelischer und das Publikum konnte, von der sehr flotten Nummer zuvor, etwas verschnaufen. Insgesamt betrachtet war die Setlist der Briten sehr gut abgestimmt und so folgt auf den etwas ruhigeren „Saruman´s Wish“ mit „Some You Win, Some You Loose“ wieder etwas Fetziges.
Es folgen mit „Into The Arms Of Morpheus“ und der Single-Auskopplung „Sabbath Hex“ zwei Songs aus dem aktuellen Album. Zwar zünden die nicht ganz so gut wie die ORANGE GOBLIN-Klassiker a la „Some You Win, Some You Loose“, „Quincy The Pig Boy“ oder „Red Tide Rising“, doch kamen trotzdem gut beim Publikum an. Doch die erwähnten letzten beiden Songs des Tages, das abgefuckte, lawinenartige „Quincy The Pig Boy“ und „Red Tide Rising“ ließen dann jedenfalls nochmals alle Dämme brechen.
Als die letzten Akkorde verklungen wurde es dann schnell übersichtlich vor der Bühne. Viele zog es jetzt zur Boom Stage zurück um den Auftritt von LIMP BIZKIT beizuwohnen, nur ein Paar hartgesottene Doomer freuten sich auf den Auftritt der Urväter-des-Dooms.

Setlist:

Scorpionica
Devils Whip
Saruman´s Wish
Some You Win, Some You Loose
Into The Arms Of Morpheus
Sabbath Hex
Blue Snow
They Come Back
Quincy The Pig Boy
Red Tide Rising


SAINT VITUS
Wie auch schon PURSON am frühen Samstagnachmittag hatten die Urväter des Doom-Metals, um Gitarrenschänder Dave Chandler, nicht den besten Auftrittszeitpunkt erwischt, zockten doch zur selben Zeit die Jungs von LIMP BIZKIT auf der Boom Stage. Und so verwunderte es nicht, dass SAINT VITUS ihr mehr oder weniger Scott Reagers lastiges Set, vor nicht mehr als vierzig Leuten zockten. Was für solch eine Doom-Metal-Größe doch schon arg enttäuschend ist.
Da die eigentliche SAINT VITUS-Stimme Scott „Wino“ Weinrich noch immer mit einen Auftrittverbot zu kämpfen hat, wegen einer Verhaftung wegen Drogenbesitzes während der letzt jährigen Tour mit ORANGE GOBLIN, so holte man sich für die aktuelle Tour niemanden geringeres als Ur-Fronter Scott Reagers zurück ins Boot.
Da ich jedoch selbst Interview bedingt nur noch den grandiosen Rausschmeißer „Born Too Late“ gesehen/gehört habe, so entfällt leider an dieser Stelle der ausführliche Bericht zu SAINT VITUS.

Setlist:

Dark World
One Mind
Zombie Hunger
War Is Our Destiny
White Magic/Black Magic
White Stallions
Burial At Sea
Look Behind You
Saint Vitus
Born Too Late


Lauschlappen-Orgasmusfaktor-Des-Tages: ORCHID und THE PICTUREBOOKS


ROCK IM REVIER – Tag 3
Der letzte Rock im Revier Festivaltag startete mit der Nachricht, dass der Auftritt der Thrasher von DR.LIVING DEAD leider abgesagt werden musste, da sich Sänger Dr.Mania, während des Auftritts beim Rockavaria in München, seine Achillessehne gerissen hatte. Für einige Metalheads wird diese Nachricht sehr bitter gewesen sein, doch wenn man das Line-Up des letzten Festivaltages mit u.a. ACCEPT, JUDAS PRIEST und KISS betrachtete, wird es für viele doch zu verkraften gewesen sein.

ACCEPT
Für den alten Genrehasen ACCEPT bedarf es eigentlich nicht viele Worte. In den 80ern galten die Jungs aus Solingen, damals noch mit Ur-Fronter Udo Dirkschneider unterwegs, neben den SCORPIONS zu den international bekanntesten Gruppen der deutschen Rock-Szene. In den 90ern wurde das ACCEPT-Feuer dann von Jahr zu Jahr kühler, bevor man sich 1997 das zweite Mal auflöste. 2005 dann ein kurzes Lebenszeichen in Form einiger Festivalauftritte in Europa und eine Tour durch Japan, bevor es dann zu einer weiteren Auflösung kam. Doch nachdem sich die Heavy-Metaler 2009 mit neuem Sänger (Mark Tornillo) wiedervereinigten, ist auch das ACCEPT-Feuer wieder ganz ordentlich am Brodeln. Letztes Jahr warf man das dritte Langeisen mit dem neuen Sänger in die Massen und ist wieder unermüdlich am Touren.
Auch an diesem Sonntagnachmittag ist das Stadion vor der Big Stage super gefüllt. Unter den vielen alten Metal-Hasen, reihte sich auch eine ganze Menge junges Blut, um die deutschen Urgesteine zu sehen. Und so ist die Begeisterung deutlich spürbar als ACCEPT die Bühne betraten.
Ins Set starteten die Jungs mit dem Opener „Stampede“ des aktuellen Outputs „Blind Rage“. Der Sound knallte ordentlich nach vorne und im Stadion war sofort kein halten mehr. So als hätte die hungrige Meute schon eine unerträglich, arschlange Zeit auf die Jungs gewartet und nun konnte man seinen angestauten Emotionen freien Lauf lassen. Neben dem Standardbild von Headbangern, gab es auch Luftgitarrenvirtuosen die sich voll ins Songbild warfen und es wurde textlich sicher mitgegangen.
Der zweite Track des Tages „Stalingrad“ verschaffte der Festivalschar keine Verschnaufpause. Mark Tornillo forderte das Publikum mehrfach dazu auf mitzugehen und so zogen immer wieder Sprachchöre durch das gesamte Stadion.
Mit dem Titeltrack des 1982er „Restless And Wild“-Albums, welches für viele immer noch als eine der genialsten Scheiben der Teutonen-Metal-Szene gilt, griffen die Jungs sehr weit in die Bandgeschichte zurück. Gedankt wurde es ihnen mit einer textsicheren Gesangseinlage seitens des Publikums. Auch der nächste Track „ Princess Of The Dawn“ wird lautstark mitgesungen. Mark Tornillo forderte das Publikum dann mehrmals auf „Louder“, „Come On“, worauf das Publikum auch reagierte.
Mit den Titeltracks „Metal Heart“ und „Balls To The Wall“ endete dann nach einer guten Stunde auch schon wieder die sehr geile, energiegeladene ACCEPT-Show. Und für viele Zuschauer ist eindeutig klar, dass es die in die Jahre gekommenen ACCEPT-Herrschaften immer noch saumäßig gut drauf haben. Richtig geiler Auftritt!

Setlist:

Stampede
Stalingrad
London
Restless
Princess
Pandemic
Fast As A Shark
Metal Heart
Teutonic Terror
Balls

FIVE FINGER DEATH PUNCH
Nach der ACCEPT-Sause mischte sich dann doch deutlich mehr junges Blut unter den Zuschauern, denn nun Stand der Auftritt der amerikanischen Groove Metaler FIVE FINGER DEATH PUNCH auf den Plan.
Nachdem es Anfang Mai, während eines Auftritts in den Vereinigten Staaten, einen heftigen Streit unter den Jungs auf der Bühne gab, weil Sänger Ivan Moody sich über Schlagzeuger Jeremy Spencer lustig gemacht hatte, was zum frühzeitigen Konzertabbruch und zu Trennungsgerüchten führte, betrachteten viele Fans den Auftritt in Gelsenkirchen doch eher mit einen angespannten Auge. Viele Die-Hard-5FDP-Fans sorgten sich darüber, das es vielleicht zum nächsten Desaster kommen und ob die Band überhaupt noch ordentlich untereinander angieren könne. Doch die Sorgen wurden schnell zerstreut und man legte seitens der Five Finger ein saugeiles Konzert hin.
Den Auftakt dazu machte gleich die Singleauskopplung „Under & Over It“ die es Anno 2011 in den US Rock Charts auf Platz fünf schaffte und von da an geriet sogar die zehnminütige Verspätung der Band in Vergessenheit.
Da bei einem Auftritt der Amis mehr oder weniger das Ausflippen der Zuschauer zum Programm gehört, so erstaunte es nicht, dass schon recht früh an einigen Ecken des Stadions gemosht wurde als gäbe es kein morgen.
Mit „Burn It Down“ und „Hard To See“ trieben die Jungs weiter den Schweiß der Zuschauer aus den Poren. Gerade letztere Nummer vom „War ist he Answer“-Album, welches in den Vereinigten Staaten mit über 773.00 verkauften Platten, Goldstatus erreichte und zugleich die bestverkauften Platte der Band darstellt, wurden sehr gut aufgenommen.
Dann wurden mit der Darbietung des BAD COMPANY-Covers „Bad Company“ aus dem Jahre 1974 etwas gemächlichere Klänge aufgefahren, die eine erholsame Abwechslung, darstellten.
Als „Burn Mother Fucker“ gezockt wurde, forderte Ivan Moody wechselweise einzelne Bereiche des Stadions dazu auf mit einen kräftigen „Burn Mother Fucker, Burn Mother Fucker, Burn“ mitzugehen, woraufhin die angesprochenen Bereiche lautstark reagierten. Nach der Nummer sagte Ivan, dass das Publikum selbst schauen soll, wie groß es, nach dem ersten Tag an denen sie in Deutschland spielten, geworden ist, und gebt euch dafür selbst einen großen Applaus. Weiter ging es mit der Publikumsinteraktion beim Song „Never Enough“, bei dem die gesamte Halle dazu aufgefordert wurde mit dem Sänger zu springen. Gerade diese Publikumsnähe und Interaktion wird seitens der Zuschauer sehr gut aufgenommen.
Mit der nächsten Nummer „Here To Die“ erzeugte man zugleich sogar den größten Mosh-Pit bis dato an diesem dritten Festivaltag.
Der letzte Song des Tages war das großartige „The Bleeding“ vom 2007er Debütalbum. Auch bei dieser Nummer wurde es anfangs wieder sehr interaktive, nachdem Ivan ein Feuerzeug in den Händen hielt und die Zuschauer dazu aufforderte, ihre Feuerzeuge und wenn nicht vorhanden das Smartphone mit Taschenlampen-Funktion, zur Hand zu nehmen.
Trotz aller Trennungsgerüchte haben FIVE FINGER DEATH PUNCH ein mehr als großartiges Konzert abgeliefert und konnte somit ihre Kritiker mehr als nur verstummen lassen.

Setlist:

Under & Over It
Burn It Down
Hard To See
Left Me Up
Bad Company
No One Gets Left Behind
Burn Mother Fucker
Remember Everything
Coming Down
Never Enough
Here To Die
The Bleeding


JUDAS PRIEST
Einer der großen Götter des Heavy Metal sind unbestreitbar JUDAS PRIEST, doch nach über vierzig Jahren Musikbusiness merkt man den Musikern deutlich an, dass sie in die Jahre gekommen sind. Stimmlich ist Rob Halford an diesem Sonntag zwar in Topform, auch zu den Entertainer-Qualitäten lässt sich nichts sagen, immerhin wissen die Mannen ganz genau, was das Publikum will, doch die Bühnenpräsenz eines Rob Halford ist nach all den Jahren, doch verständlicherweise sehr zurückgegangen. Zwar fährt Mister Halford bei „Hell Bent For Leather“ noch immer mit einem Motorrad auf die Bühne, doch im großen Ganzen mangelte es etwas an der Bühnenpräsenz.
Überraschend ist jedoch, dass die sehr große Anzahl an KISS-Anhängern anscheint nicht so recht mit den Sound der Engländer vertraut sind. Selbstverständlich geht das Publikum gerade bei Klassikern wie „Breaking The Law“ oder „Turbolover“ textlich sehr sicher mit und an jedem Ende des Stadions sind die Pommesgabeln in die Höhe gerissen, doch gerade die Songs vom nicht mehr erwarteten neunen Album „Reedemer Of Souls“ gehen gänzlich unter.
Gerade bei „Halls Of Valhalla“ und „Reedemer Of Souls“ ist kaum Bewegung im Stadion und auch auf den Rängen wird sich mehr ruhig von den Klängen berieseln lassen, als die Band zu feiern.
Das heutige Set zieht sich, wie zu erwarten war, quer durch die Bandgeschichte der Engländer. So sind Songs wie „Metal Gods“, „Jawbreaker“ und „Painkiller“ schon zu erwarten, wenn Rob Halford und Co die Bühne betreten. Und genau so sicher wie diese Songs in der Setlist erscheinen mussten, kommt auch der ganze Auftritt der Band rüber. Hier wird sich deutlich an den Jahrzehnten alten Tugenden gehalten, ganz nach dem Motto: „Was damals funktionierte, funktioniert auch heute“ und so ist der JUDAS PRIEST-Spirit in all den Jahren etwas verblasst.
Doch trotz der ein oder anderen Einschnitte legen JUDAS PRIEST ein super Konzert hin. Zwar nicht mehr so voller Elan wie in den 70ern, jedoch immer noch ein unvergessliches Event.

Setlist:

Battle Cry Intro
Dragonaut
Metal Gods
Devils Child
Victim Of Changes
Halls Of Valhalla
Turbolover
Redeemer Of Souls
Jawbreaker
Breaking The Law
Hell Bent For Leather
Hellion/Electric Eye
Painkiller
Midnight

KISS
Das große Highlight am Sonntag war zweifelsohne der Auftritt von KISS. Gleich der Großteil der Besitzer eines Ein-Tages-Festivalbändchens, waren angereist um die Amerikaner zusehen. Und was sie zu sehen bekamen war ein, wie zu erwarten war, mehr als professioneller Auftritt und eine zwar schon mehr als bekannte, doch dadurch nicht weniger Unterhaltsame Bühnenshow. Zwar kennt jeder die Feuerspuckaktion von Gene Simons bei „War Machine“, das Basssolo und Blutspucken bei „God Of Thunder“, das an die Decke fliegen, doch weniger Unterhaltsam ist es dadurch nicht im geringsten. Auch dass das gesamte Schlagzeug inklusive Eric Singer bei „Black Diamond“ bis unter das Stadiondach gefahren wird, oder das Gene Simons und Tommy Thayer bei „R´N´R All Night“ mittels meterlangen Bühnenfahrwerk über die Köpfe der ersten Reihen hinweg gleiten, kommt mehr als gut an und wird lautstark vom Publikum gefeiert.
Und neben all den Entertainment zog sich die Hitlastige-Setlist quer durch die Schaffensperiode von KISS, was genau wie zuvor bei JUDAS PRIEST, jedoch schon mehr als abzusehen war. So beginnt der Auftritt mit einem „You want the best? You got the best“ und einen großen Knall und zu Beginn gibt es mit „Detroit Rock City“ und „Deuce“ zwei Songs, die zwar sehr gut beim Publikum ankommen, jedoch auch zu erwarten war. Gleiches gilt für den Großteil der Setlist inklusive „I Was Made For Lovin You“ bei dem gefühlt, das gesamte Stadion textlich mitging.
Und obwohl der Auftritt von KISS bis ins kleinste Detail einstudiert und durchgeplant ist und so nach über vierzig Jahren Bandgeschichte nichts wirklich neues das Publikum erwartet, können die Amerikaner eine saugeile Show abliefern und schicken das Publikum überglücklich auf die Heimreise.

Setlist:

Detroit Rock City
Deuce
Psycho Circus
Creatures Of The Night
I Love It Loud
War Machine
Do You Love It Loud
Hell Or Hallelujah
Dr Love
Lick It Up
God Of Thunder
Parasite
Love Gun
Black Diamond
Shout It Out Loud
I Was Made For Loving You
R´N´R All Night

Lauschlappen-Orgasmusfaktor-Des-Tages: No one else as KISS.


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