No Resistance To Our Muse(s)

Veröffentlicht am 31.10.2015

Kein Widerstand gegen unsere Musen: Um ein wahrer Rock-Star zu sein, und zwar im Sinne des Hollywood-Films „Almost Famous“, muss man zuvorderst „Manns genug sein“, um zu einer tagelangen, ekstatischen Party zu laden. Eine Elegie an die Musen, an die Groupies.

 

Die Chancen auf Erfolg sind, wie AC/DC in „It’s A Long Way To The Top“ schön beschrieben, im Musik-Zirkus erschreckend gering, das Business ist ein hartes. Denjenigen, denen der Durchbruch jedoch gelingt, erwartet Ruhm und mit selbigem kommt (siehe auch: Werner Brix „Die Erotik der Macht“) das Aphrodisiakum der Macht, wohlfeil den euphorischen Pulk vor der Bühne mit Endorphinen zu überschütten. Dass dieses Vermögen zittrige Knie bereitet, ist schlüssig. Die Frage ist nur, wie weit der Fan bei der Chance auf ein (unikales) Tête-à-Tête gehen würde. Backstage mag es zwar heute weniger dionysisch zugehen als in jener Epoche, in der „Almost Famous“ spielt und die aufkeimende Rockszene zu „way down inside“ lud, oder auch später, als der Hollywood Strip seine verlorenen Söhne ausspuckte, um die Welt in eine „Paradise City“ zu verwandeln – eine amüsante Zeitgeschichte stellt groupiedirt.tumblr.com mit Verweisen auf METALLICA, KORN, MOBY, PEARL JAM und den RED HOT CHILI PEPPERS jedoch dennoch dar.

 

Starfuckers, Inc

Die ersten Groupies werden Frank Sinatra „zugeschrieben“, zu einem kulturellen Phänomen wurden sie dann in den 60er-Jahren mit dem Aufkommen der auch sexuell revolutionierenden Pop(p)kultur. Nicht selten schlief man sich über die Roadcrew zum Star hoch, ein Prozess, den FRANK ZAPPA in „Joe’s Garage“ bissig durchleuchtete und Material für Songs von „Star Star (Starfucker)“ (THE ROLLING STONES) und „Starf*ckers Inc.“ (NINE INCH NAILS) bis hin zu „One Night Stand“ (MOTÖRHEAD) und „Charmer“ (KINGS OF LEON) bot. Die Symbiose zwischen Star und Fan kann natürlich ein diverser sein: Von rein körperlicher Befriedigung bis hin zu ertragreichen Romanzen, die schließlich den schmalen Grat zwischen „Groupie“ und „Muse“ zogen:

Die Bibel aller Groupies verfasste wohl Pamela Des Barres mit „I’m With The Band“, die auf enge Kontakte mit Mick Jagger, Jim Morrison, Keith Moon und Jimmy Page verweisen kann. Das 74er-Playmate Bebe Buell, die ebenfalls „etwas“ mit Jagger und Page hatte, ist Mutter von Steven Tylers Tochter Liv und weiß auch einiges über David Bowie und Rod Stewart zu berichten. Devon Wilson galt als schwarzes Groupie von Jimi Hendrix über Jagger bis hin zu Eric Clapton und Morrison als „Rarität“, Cynthia Albritton kennt man heute vor allem ob einer ihrer Leidenschaften: Während diverse Stars ihre Gliedmaßen in den Beton des Hollywood Boulevard pressten, pressten selbige Legenden zudem ihre erigierten Glieder für sie in Alginat. Daraus entstand eine stattliche Sammlung diverser Penisbüsten. Das Kölner Model Nico finden wir gar im Titel des Debüts von Lou Reeds THE VELVET UNDERGROUND wieder, Anita Pallenberg war Stilberaterin der STONES – und nicht selten auch treibende Kraft hinter dem überbordenden Drogenkonsum. Für ihren Kontakt zu den STONES ist aber eine andere Frau bestens bekannt: Marianne Faithfull. Sie gab zu, ihre Romanze mit Mick Jagger geplant zu haben, um ihre eigene Karriere zu fördern: Keith und Mick schreiben ihren ersten Erfolg „As Tears Go By“ – der Rest ist, wie es so schön heißt, Geschichte. Die BEATLES sind gleich für zwei große Musen bekannt: Yoko Ono einerseits, die dafür verantwortlich gemacht wurde, dass sich die Pilzköpfe schließlich auflösten, andererseits die Szene-Fotografin Linda Eastman, die schließlich Pauls Frau wurde.
Aber auch in neuerer Zeit finden sich neben anhimmelnden Groupies noch wahre Musen: Der Einfluss von Courtney Love auf die Grunge-Szene im Allgemeinen, auf NIRVANA (Kurt Cobain) und die SMASHING PUMPKINS (Billy Corgan) im Besonderen, ist nicht zu leugnen.

Bis heute ist die Macht jener Musiker nicht gebrochen, welche eine der großen Bühnen im Scheinwerferlicht betreten, zu ihren Füßen abertausende kreischende Fans, deren Unterleibs-Vibrato schließlich von einem durchs Mikrofon geheultem „Hello [Stadtname]!“ nur noch angefacht wird…

 

MUSE spielen übrigens am 9. Mai in der Wiener Stadthalle.


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