Underground von Unten - österreichische Musik gehört gehört! Vol 4

Veröffentlicht am 02.12.2015

Immer am Beginn des Monats taucht Stormbringer ab in den musikalischen Underground Österreichs und wühlt sich durch eine Vielzahl an mal mehr, mal weniger vielversprechenden Bands. Eines haben dabei alle gemeinsam - und das ist es auch was die Stormbringer-Redaktion eint (von diversen Scharmützeln und liebevoll gehegten Grabenkämpfen einmal abgesehen) - die Liebe zur Musik! Gut, es wäre auch verwunderlich wenn es anders wäre, denn als junge bzw wenig bekannte Band hat man es nicht leicht sich im Haifischbecken des Musikbusiness zu behaupten - selbst in einer nicht so sehr im Rampenlicht stehenden Sparte wie unserem geliebten Hartwurstsektor.

Dass sich Rock und Metal in den letzten Jahren vermehrt auf hohen Chartpositionen wieder finden ist fast schon zur Normalität geworden und auch der szenespezifische Höhenflug knarzigen Stonerrocks und psychedelischer Retroklänge ist für den sich eingehender mit der Materie beschäftigenden Musikkonsumenten nichts Neues mehr. Und doch gibt es noch so viel mehr, so viel Neues zu entdecken - in den verschiedensten metallischen Sparten fördert man immer wieder Interessantes zu Tage! Mal taufrisch, mal gut abgehangen, gibt es akustisches Futter für jeden Geschmack zu entdecken - so darf euch Stormbringer auch jetzt wieder fünf zufällig gewählte Happen zur Kostprobe zuwerfen!

 



UNHALLOWED (Melodic Black/Death Metal, Kärnten)

Als ersten Gang gibt es gleich einmal kernigere Kost aus dem schönen Kärnten - benannt nach einem DISSECTION-Song und glasklar von skandinavischem Black und Death Metal beeinflusst, tauchen UNHALLOWED das südliche Bundesland in Grim And Frostbitten Coldness. Musste sich das 2011 veröffentlichte Demo "Blackend Skies" noch etwas Kritik hinsichtlich Eigenständigkeit anhören, gelingt den Kärntnern mit ihrem Album "Enter Damnation" dann doch ein Schritt weiter Richtung Wiedererkennungswert, aber natürlich ohne die frostigen skandinavischen Wurzeln außer Acht zu lassen. Bereits 2012 im Soundtempel Studio aufgenommen, fand die Mischung aus epischen Melodien und rüpelhaften Vocals aber erst 2015 ihren Weg an die Öffentlichkeit. Sehr schade, denn bei tiefschwarz-melodischen Titeln wie "Dawnbringer" oder "Chalice Of Blood" dürfte sich nicht nur die geneigte Schwarzwurzel mit Hang zu epischen Kompositionen wohlfühlen, sondern auch so mancher Freund sanfterer Klänge der auch mit harschen Vocals zurecht kommt sollte hier einmal ein Ohr riskieren. Träumerische instrumentale Intro und Outro machen aus "Enter Damnation" ein rundes Album - UNHALLOWED erfinden somit zwar das Rad nicht neu, aber kredenzen einen erfreulich unkitschigen Bastard aus Melodie und Härte.

Interesse? Dann schaut einmal bei Facebook vorbei, und probiert nebenbei einen Youtube-Appetithappen:

 


 

UZZIEL (Thrash/Death Metal, Oberösterreich)

Nach Kärntner Delikatessen geht es weiter nach Oberösterreich, wo sich mit UZZIEL ein biblischer Charakter dem ganz und gar nicht christlichen Sound hingibt. Thrash Metal mit einer gehörigen Portion Wucht in Form von Todesmetallischen Einlagen gibt es bei dem Vierer zu hören - eine durchaus amtliche Schlachtplatte die UZZIEL da dem Hörer anrichten. Zwischen rollenden Thrash-Riffs und derbem Death-Gegrunze lassen sich die Oberösterreicher schwer einkategorisieren, denn sie spielen kurzerhand was ihnen gefällt und was "Dampf macht". Ordentliche Wucht entwickelt der Sound auch tatsächlich - auch live, wo sich die Vier schon als Support von SIX FEET UNDER oder THE SORROW austoben duften - und es besteht kein Zweifel daran dass UZZIEL es verstehen eine ordentliche Duftmarke auf österreichischen Bühnen zu hinterlassen. Einzige Schwäche der vier Oberösterreicher sind die etwas schiefen Clean Vocals, die sich nicht immer mit der pfeffrigen Soundwand zusammenfinden möchten, die sie auf ihrem aktuellen, 2014 veröffentlichten Album "Torn Apart" kredenzen. Aber dafür fährt die kernige Mischung auf musikalischer Ebene umso besser ein! Überdies arbeiten UZZIEL auch bereits an neuem Material - ein neues Album soll schon 2016 erscheinen!

Mehr zu UZZIEL gibts bei Facebook und MySpace - und zum Reinhören empfiehlt sich das Musikvideo von "Captured By Emptiness" bei Youtube!

 


 

I TÜPFE RIDER (Hard Rock, Oberösterreich)

Weil es in Oberösterreich Gutes zu Essen gibt, bleiben wir doch gleich in diesem Bundesland und nehmen eine äußerst seltene Spezies unter die Lupe die unter dem Artennamen I TÜPFE RIDER gelistet ist. Wie die Kegelrobbe und der Borneo-Zwergelefant zählt auch der Hardrock zu einer vom Aussterben bedrohten Spezies - letzterer konnte jedoch zuletzt einen kleinen Erfolg hinsichtlich seines Fortbestandes verbuchen. Offenbar entwickelte sich in den vergangenen Jahren in den Tiefen des Kobernaußerwaldes eine völlig neue Spezies, welche von den dort ansässigen Eingeborenen als „Pfundiger Kobernaußer Wald (kurz: PKW) Hardrock“ bezeichnet wird. Stark dann auch der Tobak den die Vier abliefern - von Festivalgrausligkeiten über Aufklärungsunterricht und haarige Probleme bis hin zur allgemein bekannten Deutsch-österreichischen Freundschaft wird unter der Devise "Mia Spuin Kane Cover" vor wirklich gar nichts halt gemacht. "Schrott für dauerbesoffene Mindestsicherungsempfänger" sagt der Eine, "Starker Ohrwurm-Hardrock mit Mundart-Witz" der Andere. Im Endeffekt ist es ein Bißchen von beidem, wohl kalkuliert zwischen Peinlichkeit und Entertainment, und in seiner Gesamtheit am ehesten mit den etablierten Ober-Proleten von ALKBOTTLE vergleichbar. Die oftmals schüttelgereimten Texte von I TÜPFE RIDER entlocken dem Hörer dann doch das ein oder andere Grinsen - ob man will oder nicht. Leichte Spaßmusik für den Nachmittag!

Wer ur-oberösterreichisches schmecken möchte kann sich zwecks Geschmackstest auf der Homepage der Vier umsehen, oder auch bei Facebook vorkosten. Das Einschulungsvideo mit Bienen und Blüten gibt es gleich einmal vorweg - wohl bekommts!

 


 

BEYOND INFINITY (Modern Metal, Oberösterreich)

Oberösterreich, vier Musiker... kommen euch die Zutaten bekannt vor? Für das Deja Vu sorgen BEYOND INFINITY aus Traun, die laut Eigendefinition nicht so genau wissen was für eine Art von Metal sie machen. Fest steht jedoch, dass die Vier deutlich in den modernen Strömungen zu verorten sind, wie man schon auf ihrer 2014 veröffentlichten EP "Fragments" erkennen konnte. Mit Spaß an der Freude schmiedeten die vier Oberösterreicher so lange an neuen Songs bis sie allen Bandmitgliedern zusagten und sie nun mit "Shards" mit einer brandneuen EP am Start sind. Im Vergleich zum Vorgänger gehen BEYOND INFINITY inzwischen einen Zacken härter zu Werke ("Summoners Of Doom" geht fast ein wenig in den schwarzmetallischen Bereich!) und werfen ein ordentlich fettes Brett mit deutlich besserer Produktion in die Waagschale. Vom Songwriting her kommen die Oberösterreicher nun deutlich schneller auf den Punkt und den leicht nasalen Cleangesang hat man auch besser eingebunden als auf dem Vorgänger. Auf "Shards" wird der Hörer abwechselnd mit flotter Melodie umschmeichelt und mit harschem Geprügel zurecht gebürstet. Soweit so gut - doch was bei dem musikalisch sehr guten "Smile Of Sadness" passiert ist mag sich dem Hörer nicht wirklich erschließen. Bis auf dieses entbehrliche Experiment mit einer schmerzhaft hohen Sopranstimme ein kräftiges Lebenszeichen von BEYOND INFINITY!

Wer sich von BEYOND INFINITY zu Tode blastbeaten lassen möchte (Scherz beiseite, so schlimm ists natürlich nicht!) der kann sich bei YouTube durch die komplette EP hören, für alles weitere empfiehlt sich Nachschau auf Facebook. Und für die klickfaulen gibts gleich eine Kostprobe direkt ins Mäulchen:

 


 

RIVAL CULT (Heavy Rock/Punk, Steiermark)

Zu guter Letzt geht es noch in die Steiermark, wo RIVAL CULT ihren Restl-Eintopf kochen. Knarzig und Schrammelig, in bester Punkrock-Tradition, donnert die sechs Songs starke EP aus den Boxen. Die vier Steirer - neuesten Informationen zufolge derzeit zu einem Duo zusammengeschrumpft - machen es kurz und bündig und rüpeln sich ohne Rücksicht auf Verluste durch durchschnittlich eineinhalb bis zwei Minuten lange Songs. Schnelles, dissonantes Riffing und ein ziemlich angepisst klingender Schreihals sind die Zutaten für knappe zehn Minuten in denen RIVAL CULT das Rad nicht wirklich neu erfinden - aber im versifften Club nebenan, nach einer annehmbaren Anzahl alkoholischer Getränke versteht sich, durchaus für launige Partyatmosphäre sorgen können. Dass vier so brav aussehende Herren solch einen Krawall liefern können ist ja fast nicht zu glauben! Punkrocker hier die gerne einmal vorkosten möchten...?

Aktuelle Infos zu RIVAL CULT gibt es bei Facebook, und den musikalischen Arschtritt kann man sich bei Bandcamp abholen.

 


 

Und damit wären wir schon wieder am Ende des diesmonatigen Fünf-Gänge-Menüs! Beim fröhlichen Durchprobieren durch das Hartwurstregal österreichischer Herkunft fördert man doch so einiges zu Tage - hoffentlich hat euch das abwechslungsreiche Menü gemundet und ihr seid hie oder da auf den Geschmack gekommen! Und selbst wenn gerade nichts dabei war das euren Geschmacksnerv kitzeln konnte, wird es auch im neuen Jahr wieder die Möglichkeit geben sich ganz unverbindlich von Stormbringer durch das kulinarische Angebot der heimischen Musikszene führen zu lassen!

In diesem Sinne - wir hoffen dieses Undergroundjahr hat euch gemundet, und ihr seid auch im neuen Jahr wieder mit dabei! Bis dahin garstigen Advent, grässliche Weihnachten und ein fürchterliches neues Jahr - *rülps*!

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