EINDHOVEN METAL MEETING 2015 - Metalparty Of The Year

Veröffentlicht am 29.12.2015

Da haben sich die Herren Fröwein und Baumgartner im Zuge ihrer Vorberichterstattung ja ordentlich einlullen lassen: Roman Hödl, Initiator des Eindhoven Metal Meetings, schwärmte – verständlich! – dermaßen von seinem quengelnden Dezibel-Baby, dass selbst den beiden durchaus konzertgeprüften Herren schmetterlingshaft im Bierbauch wurde – nicht nur ob des Billings wegen. Auch in punkto Rundumbetreuung (Alkohol, Shopping, Nahrung – in der Reihenfolge) für den geneigten Festivalbesucher, ebenso wie hinsichtlich Sound, Licht und Rauchwaren hieß es nur das Beste. Aber: Auch wenn man fürs Erste das Papier geduldig, und die Worte mal eben Worte sein ließ – man wäre kein investigativer Journalist, würde man sich nicht auch leibhaftig anschauen, was vom Marketingsprech auch der tatsächlichen Wahrheit entspricht. Nicht, dass da Mensdorff-Pouilly lediglich ein marktschreierisches Beratungshonorar dafür stellt, dass schließlich einfach nur Karl-Heinz Grasser „zu schön“ auf der Bühne herumsteht und „Warten auf Godot“ mit Geldkoffer als Absurdes Theater vor bröckelnder Backsteinmauer neu inszeniert (sowas könnten wir uns für das Rape The Escape auch gut vorstellen!).

Also flog eine kleine Delegation ins beschauliche Holland, um nach dem Rechten zu sehen – und gerade für die verkehrsverwöhnten (im Volksmund „bequemen“) Wiener (und Beutewiener) war bereits die Anreise tatsächlich ein Kinderspiel: Am Flughafen Amsterdam gelandet, waren es nur wenige Schritte ins Tiefgeschoß zur kurzweiligen Zug-Direktverbindung in den Süden des Landes, nach Eindhoven. Dort angekommen, musste man wahlweise zwei- oder drei Mal umfallen, um das Hotel seiner Wahl zu erreichen, oder nicht minder oft, um direkt zur Location zu gelangen. So bequem, so gut. Die erste Hürde wurde somit meisterhaft… gemeistert – und die Bahn war frei, um sich bereits auf der Pre-Party von den gerühmten Qualitäten in allen Belangen zu überzeugen. Aber, lassen wir doch die Herren Baumgartner, Fröwein und Seidinger (in alphabetischer, nicht alkoholisierter Reihenfolge … oder doch?) für sich selbst sprechen und vorab sei nur so viel verraten: Selbst unsere penible Kamerafrau Elizabeth T. Seidlinger war dermaßen angetan, dass sie beinahe liebestoll kurz nach Mitternacht bei Chef Alexander „ADL“ Wrabetz durchklingelte und verkündete, künftig keine Alltagsgeschichten mehr für Stormbringer zu filmen. Ihr nächstes Prestigeprojekt solle eine Weltpremiere, ein Opus Magnum Artium werden: der erste Heavy-Metal-Festival-Stummfilm in der Geschichte ebenjener Kunstform, basierend auf den Arbeiten von Wiene, Murnau, Leni, Lang und Buñuel. Nur blöd, dass Grosch mit seiner „Silent Rockumentary“ über die Mardi Gras.BB hier bereits Pionierarbeit leistete – aber immerhin hat Stormbringer nun „Silent Eindhoven Nights“, Weltpremiere am Sankt-Nimmerleinstag. Aber nun, lasst uns tatsächlich in medias res stoßen … [-STEFAN BAUMGARTNER-]

 

PRE-PARTY / TAG 1:

APOPHYS:
„We are APOPHYS ... from space!“ – mit diesen klaren Worten stellt Sänger Kevin Quilligan die 2013 gegründete Combo APOPHYS vor, die den heurigen Eindhoven-Reigen eröffnet, wenngleich auch nur als Support-Act bei der Pre-Show. Der bunt zusammengewürfelte Haufen besteht unter anderem aus dem GOD DETHRONED-Fellverdrescher Michiel van der Plicht und dem HEIDEVOLK-Livegitarristen Koen Romeijn, sowie Leuten aus dem EREBUS-Dunstkreis.

Der hyperaktive, groovige Death-Thrash des Quintetts erinnert ob seiner oft abstrakten Rhythmik ein wenig an MESHUGGAH und Sänger Kevin ist hier eindeutig der Blickfang: Der an Silent Bob erinnernde Brüllwürfel fuchtelt, deutet und gestikuliert in einer Art und Weise, die wohl nur er selbst versteht und auch sein Gesang ist eher der eines ADHS-Kindes mit Bronchialkatarrh. Das kommt schön. Passt auch recht gut als Opener des Abends, auch wenn der Bass teilweise den Gesamtsound erschlägt. Das kleine Effenaar (fasst gut 300 Leute und ist somit in etwa so groß wie die Wiener Szene) ist gut gefüllt, aber noch nicht ganz so proppevoll, was das verschüttungsfreie Biertrinken (noch) zu einer harmlosen Betätigung macht. Die Band bringt derweil sechs Songs aus ihrem ersten und einzigen Album „Prime Incursion“, also eh ein wenig mehr als die Hälfte ihres Gesamtwerks. APOPHYS sollte man zumindest mal auf dem Schirm behalten, der technisch anspruchsvolle Todesmetall macht Lust auf mehr und spieltechnisch macht's auch allen sichtlich Spaß. Ein perfekter Kickstart ins lange Wochenende! [-MIKE SEIDINGER-]

Setlist APOPHYS:
Requiem For The Absurd
Miscreant
The Antidote
The Sentient
Humanity's Epilogue
The Red Planet

 

MALEVOLENT CREATION:
Während sich Kollege Seidinger noch immer über die gestenreiche Darbietung seiner holländischen Philosophenmeute freut, stehen bei mir bereits die Fühler auf „Habt Acht“. MALEVOLENT CREATION gehören nämlich zu der Handvoll „Fluchbands“, die zwar schon unzählige Male meinen Weg oder zumindest meine Heimatstadt kreuzten, die ich aber aus diversen Gründen immer verpasst habe. Bitter, aber wahr.

Doch was in Wien nicht klappt, das funktioniert eben 1.045 Kilometer weiter nordwestlich. Vor der doch eher mäßig gefüllten kleinen Halle im Effenaar gehen die Jungs nach dem mediokren Opener „Manic Demise“ gleich richtig in die Vollen – an die kultige Mid-Tempo-Walze „Coronation Of Our Domain“ reiht sich das niegelnagelneue Brett „Corporate Weapony“, die Uralt-Schlachtplatte „Multiple Stab Wounds“ und – als ob das für das beleidigte und am Warm-Up-Tag noch ungeübte Genick nicht reichen würde – die Doublebass-Stafette „Blood Brothers“. Während mein Torpedo-Twin Baumgartner Bart und Haar noch für die darauffolgenden GRAVE schont, knoten sich meine Federn beim Bangen schon zum einem Wollknäuel-Wulst. Die Besetzung stellt dabei einen angenehmen US-Asselauftrieb dar. Fronter Brett Hoffman erinnert an einen ungesunden Van-Zandt-Cousin der seligen LYNYRD SKYNYRD, Gitarrist Phil Fasciana markiert den Sauprolet mit großer Vorliebe und der meist nur sehr kurz denkende Bassist Jason Blachowicz trägt keine Bierwampe vor sich – nein, das kann und muss eine angehende Geburt sein, so stramm knarzt die Plautze über den Gürtel. Musikalisch und auch soundtechnisch ist das Dargebotene hier wirklich über alle Zweifel erhaben und was dem Redneck-Geschwader auf den Bühnenbrettern wohl besonders gefallen wird – die Moshpits im Zuseherbereich werden auch bei Songs der brandneuen Platte „Dead Man’s Path“ angerissen. Das ist bei derartigen Kultbands ja alles andere als selbstverständlich – der siffige Boden für GRAVE ist also aufbereitet, die Kuttengemeine wachgerüttelt. [-ROBERT FRÖWEIN-]

Setlist MALEVOLENT CREATION:
Manic Demise
Coronation Of Our Domain
Corporate Weaponry
Multiple Stab Wounds
Blood Brothers
Dominated Resurgency
Blood Of The Fallen
Homicidal Rant
Imperium (Kill Force Rising)
Infernal Desire
Living In Fear
Eve of the Apocalypse (mit Intro)
Malevolent Creation

 

GRAVE:
Mit den schwedischen Leichenfledderanten gelang wohl die omnipotenteste Festivaleröffnung – vielleicht, aber nur vielleicht hätte ein Panzer der Marke BOLT THROWER oder ASPHYX noch zermürbender malmen können, aber das wäre gar zu unbarmherzig die Faust ins Gesicht gewesen – beim ersten Date fragt man ja auch nicht gleich: „Anal, oral – egal?“, sondern spendiert zumindest mal ein Getränk oder zwei.

Wie bereits kurz zuvor im Wiener Viper Room dokumentierte Ola samt seiner Schergen, dass Death Metal kein Hochgeschwindigkeitsriffing, keine technische Onanie oder sonst unnötigen Ballast-Klimbim benötigt, um einzufahren wie ein Cola-Mentos-Klistier. Bisschen Fuzz, bisschen Schlabber, Rotz und Grummelgranz – und gut ist, insbesondere, wenn man (endlich!) mit einem Sound gesegnet ist, der Eier wie ein Südkaper hat. Gerade der Schwerpunkt auf ihre Hoch-, sprich: Frühphase tat dem Set überaus gut, Jahrhundertnummern wie das Titelstück des Zweitlings, sowie dem ebenfalls hierauf vertretenen „Christi(ns)anity“, das hauseigene Höllenfahrtskommando „Into The Grave“, das überaus punkig-trashige (ja, diesmal ohne H, Kollege Frö(h)bert!) „Soulless“ oder auch „Here I Die“ schreibt man auch kaum erneut. Ja, selbst den geifernden Groll eines Jörgen Sandström, der ja immerhin die ersten drei Alben veredelte, wissen Ola (Stimme) und Tobias (Bass) mehr als gekonnt auf eine beinah noch degoutantere Ebene zu heben – da haperte es nach der Wiederkehr gerade in der Rhythmusfraktion noch saftig. GRAVE bewiesen somit bei ihrer Derniere sowohl ihrem Tourmotto – „Death Raid Over Europe“ – alle Ehre, als sie auch wahrlich „Respect For The Dead“ zollten. In der mentalen Revue des ersten Abends bleib somit vor allem eine Frage offen: Wenn im kleinen District 19 schon ein Druck von mindestens 20 MN auf das Fleisch-Knochen-Knorpel-Gemisch namens Mensch einwirkt, welchen Thorshammer fährt man dann erst in der großen Halle aus? „Soon to be dead“, wohl – um einen anderen Schwedenleichnam zu persiflieren. [-STEFAN BAUMGARTNER-]

Setlist GRAVE:
Christi(ns)anity
Passion Of The Weak
Hating Life
Mass Grave Mass
Plain Pine Box
Winds Of Chains
Turning Black
You'll Never See
Out Of Respect For The Dead
And Here I Die
Into The Grave
Soulless


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