A Personal Tribute To Ian Fraser "Lemmy" Kilmister 24.12.1945 - 28.12.2015

Einleitung

Das übliche geboren am, aufgewachsen in, gespielt bei usw. usf. werdet ihr derzeit tausendfach zu lesen bekommen. Wir dachten uns eher, dass diejenigen in der Redaktion, denen es ein Bedürfnis war und ist persönlich von Lemmy Abschied nehmen zu können, völlig ungezwungen und ohne jedwede Vorgabe, einfach ihre persönlichen Gedanken/Erlebnisse etc. niederschreiben.

Aufgeteilt auf insgesamt sechs Seiten, könnt ihr auch direkt zu den jeweiligen Redakteuren springen

Reini Reither - Seite 1
Stefan Baumgartner - Seite 2
Robert Fröwein - Seite 3
Thomas Patsch - Seite 4
Mike Seidinger - Seite 5
Daniel Laich - Seite 6
Christian Wilsberg - Seite 7


Thank You Mr. Kilmister, For Keeping Your Promise!

Ich möchte mich auf drei sehr prägende Momente konzentrieren. Der erste war am 26. November 2011, ich bekam Audienz beim Meister, die Backstage-Räume des Münchner Zeniths, Punkt 18 Uhr. Ich kann mich noch gut erinnern: Mein enger Freund, Nick Kolar, Gitarrist/Sänger der Münchner Death-Metal-Institution COMMANDER, und meine Wenigkeit warteten doch einigermaßen nervös mit MOTÖRHEAD-Promoterin Ute Kromrey vor Lemmys Backstage-Raum. Ute meinte zu uns, pausenlos auf die Uhr schauend, sogar diverse Leute fragend wie spät es jetzt exakt sei, „Lemmy hasst es, wenn man zu früh kommt!“ Dann durften wir eintreten, gemäß dem Protokoll sollten wir uns vorstellen und erläutern für wen das Interview gemacht wird etc. Irgendwie stimmte die Chemie von der ersten Sekunde, nach meiner Erklärung, das Interview sei für Volume „Lautstärke zum Lesen“, welches mit einer Auflage von 100.000 Stück als Give-Away erscheint, meinte Lemmy „You Won’t Sell Any Hundreds When You Put Me In This“ und sein berühmtes „Har Har Har“ schoss gleich darauf aus seinem Munde.

Nichts war zu spüren von einem unter Kontrolle stehenden Interview, wir waren mit Lemmy alleine, er erzählte seine Anekdoten, teilte hie und da ein wenig aus und die uns zur Verfügung stehenden zehn Minuten vergingen wie im Flug. Zu unser aller Überraschung wurden wir aber nicht sofort aus dem Backstage hinauskomplimentiert, Lemmy unterschrieb unsere LPs, CDs usw., wir führten mit der mittlerweile wieder in den Raum zurückgekehrten Ute und Lemmy ein wenig Small-Talk, der beschwerte sich, dass er in Österreich seit Ewigkeiten immer auf ein und demselben Festival spiele („I Always Have To Play There Somewhere Out Of Nowhere“) und sich keiner drüber traue, MOTÖRHEAD für eine Hallenshow zu buchen und zum Abschluss verriet ich Lemmy noch meinen damaligen, wirklich sehnsüchtigen Wunsch: Ich möchte, dass unser zu der Zeit gerade mal 18 Monate alter Sohn, der passend Aron Lemmy heißt (wofür sich Lemmy übrigens aufrichtig mit Handschlag bedankte!) einmal Lemmy samt MOTÖRHEAD live sehen kann.

„I Will Do My Best“ waren seine Worte, als wir den Backstage-Raum im Zenith verließen…


Lemmy Kilmister & Reini Reither (München, Zenith 26.11.2011)

Zeitsprung zum 12. November 2014, wieder das Münchner Zenith. Zu dritt warten wir vor der Halle auf MOTÖRHEAD-Promoterin Ute Kromrey, mit dabei unser nun schon viereinhalb Jahre alter Aron Lemmy, der seit seinem dritten Geburtstag Schlagzeug spielt und ein großes Idol hat: Mikkey Dee. Heute darf Aron Lemmy den Mikkey Dee treffen, beim MOTÖRHEAD-Soundcheck dabei sein - faszinierend, wie beim Warten vor der Halle die Augen dieses jungen Menschen zu leuchten begannen. Dann durften wir eintreten, eine riesige Halle fast menschenleer. Mikkey Dee war gerade mit seinem Schlagzeug-Soundcheck beschäftigt, dann war Stille, er ging bei uns vorbei, begrüßte uns, deutete auf das MOTÖRHEAD-Shirt unseres Jungen und verschwand Richtung FOH. Kurze Zeit später war Ute an unserer Seite und meinte, Mikkey hätte jetzt rund 15 Minuten Zeit für uns. Es wurden Handy-Videos ausgetauscht – legendär Mikkeys Sohn zusammen mit Phil Campbell und Lemmy im Proberaum „Ace Of Spades“ spielend, Smalltalk geführt, bevor Mikkey Dee meinte „Come On Let’s Go On Stage, I Show You My Drumkit!“.

Kaum waren wir auf der Bühne, Sohnemann das Schlagzeug seines Idols ehrfürchtig betrachtend, zwickte er mich in den Fuß und meinte „Reini, da steht der Lemmy!“ Tatsächlich, Lemmy im kompletten Bühnen-Outfit, den Bass umgehängt bellte ein kaum verständliches „Hey Mikkey, I Wanna Do The Soundcheck Now!“ ins Rondeau. Mikkey Dee sichtlich überrascht meinte nur kurz und knapp zu uns „OK, Wait Here“.

So standen wir rund 30 Minuten lang auf der Bühne und durften MOTÖRHEAD beim Soundcheck zusehen, auch für den Verfasser dieser Zeilen ein bewegender Moment. Getrübt wurde diese Hochstimmung dann jedoch, dass Klein Aron Lemmy nicht dem Konzert beiwohnen durfte, weil in Bayern Kinder unter sechs Jahren auf derartige Veranstaltungen keinen Zutritt haben. Sohnemann quittierte das Nicht-Einlassen mit einem angefressenen „Die Arschlöcher lassen mich nicht rein“, selbst MOTÖRHEAD-Promoterin Ute konnte hier nicht vermitteln, Gesetz ist Gesetz. Allein das Versprechen an unseren Little Aron, bei der nächsten Gelegenheit in Österreich MOTÖRHEAD anzusehen, sorgte für etwas Positives an diesem Abend.

Dann die Meldung: MOTÖRHEAD spielen 2015 am Nova Rock-Festival. Muss nicht sein, mit einem Fünfjährigen, gibt es keine Alternativen? Doch die gab es, das feine Volt-Festival in Sopron, rund 75 Minuten von unserem Wohnort entfernt, MOTÖRHEAD mit einer Beginnzeit um 19:30 Uhr, wir hatten den idealen Event gefunden. Und trotz knappen 35 Grad im Schatten war dies ein echt cooler Gig, der kleine Lemmy thronte während des gesamten Gigs auf unseren Schultern und wart im siebenten Rockerhimmel angekommen. Danach noch eine kurze Backstage-Session mit Mikkey Dee samt Interview über das kommende „Bad Magic“-Album und noch während der Heimfahrt sauste ein „Thank You Mr. Kilmister, For Keeping Your Promise“ durch meine Gehirngänge.


MOTÖRHEAD "Ace Of Spades" live Volt-Festival 02.07.2015

Lemmy Kilmister wird in seiner Musik und in seinen Fans weiterleben, ich bin heute dermaßen dankbar, dass ich am 20. und 21. November 2015, fünf Wochen vor Lemmys Tod, noch die Chance hatte, ihn im Münchner Zenith zweimal live zu sehen. Sichtlich gezeichnet von seinem angeschlagenen Gesundheitszustand biss sich Lemmy durch einen Set, der natürlich nicht mit jenen von vor zehn, 15 oder gar 20 Jahren zu vergleichen war, aber er spielte, weil ihn die Leute verdammt noch mal immer noch sehen wollten.

Enden möchte ich mit einem Textzitat von Lemmy, der für seine bissigen, ironischen, ja, oft gar sarkastischen Lyrics ebenso berühmt war wie für das exzessive Ausleben des Rock’n’Roll-Lifestyles:

We are worse than animals, we hunger for the kill
We put our faith in maniacs the triumph of the will
We kill for money, wealth and lust, for this we should be damned
We are disease upon the world, Brotherhood of Man

(“Brotherhood Of Man” from “The World Is Yours” 2010)

Thank You For Everything Mister Ian Fraser “Lemmy” Kilmister 24.12.1945-28.12.2015

[-REINI-]


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