A Personal Tribute To Ian Fraser "Lemmy" Kilmister 24.12.1945 - 28.12.2015

Reini Reither - Seite 1
Stefan Baumgartner - Seite 2
Robert Fröwein - Seite 3
Thomas Patsch - Seite 4
Mike Seidinger - Seite 5
Daniel Laich - Seite 6
Christian Wilsberg - Seite 7


We're Motörhead ... and we play Rock'n'Roll!

ALPHA

Musik ist ja eine tiefemotionale Sache. In meinem Fall zumeist begleitet von Live-Erlebnissen. Und hier stellt der verblichene Lemmy und seine MOTÖRHEAD das Alpha wie (vorläufige) Omega meiner Konzerthistorie dar. Groß war die Aufregung, als bekannt wurde, dass Lemmy & Co. im Juni 1989 in Innsbruck gastieren sollten. Gut, als lauteste Band der Welt galten zwar MANOWAR, aber Lemmy und Konsorten waren bekannt dafür, phonstark Metallermatten in Form zu bringen. Und so sollte das Konzert in einer normalerweise Bällen und sonstigen seriösen Veranstaltungen vorbehaltenen Location (mit lokalen Supportacts und den famosen THUNDERHEAD als Vorband - die eigentlich angekündigten DESPERADOS von Dee Snider waren abgesprungen) über die Bühne gehen. Viel hatte man im Vorfeld schon aus der Glotze oder Erzählungen verdienter Metaller gehört bzw. gelesen, doch es ist immer das gehörte, gesehene und vor allem gefühlte Live-Erlebnis, das sich unauslöschlich ins Metallerherz brennt. Laut war's, gut war's, intensiv war's... und denkwürdig. An Einzelheiten (etwa die Setlist) kann ich mich natürlich kaum mehr erinnern, gröbere Ausfälle in der Setlist wären mir aber sicher im Gedächtnis geblieben. Lemmy war schon damals eine Rock-Ikone und dem Auftritt einer solchen beiwohnen zu können, ein echter Meilenstein in der persönlichen Konzerthistorie. Wie die Nacht herumgebracht wurde, kann ich heute nicht mehr beschwören, umso mehr kann ich mich an die Müdigkeit bei der Heimreise mit den Öffis (unsägliche Zeiten vor dem Besitz eines Führerscheins) am nächsten Tag erinnern.

NO REMORSE

Lemmy begleitete in veränderlicher Intensität meine gesamte Musik-"Karriere". Meine erste Schallplatte stammte ebenfalls von MOTÖRHEAD – der auf dem Cover von „No Remorse“ prangende Snaggletooth war in jener Zeit als Backpatch oder Shirtmotiv omnipräsent. Andere grandiose Cover ("Iron Fist", "Orgasmatron") lieferten ebenso optische Highlights wie ein auf dem Motorrad aus dem Grab herausrasender Lemmy ("Killed By Death"-Video). Tolle und weniger tolle Songs, Studio- und Live-Sternstunden (samt ikonischer Dokumente - "No Sleep Til Hammersmith") brachten so manche Fete in Schwung ("Please Don't Touch") und man bewunderte den alten Herrn ob seines (trotz des ungesunden Lifestyles) blendenden Gesundheitszustands und seiner ihn umgebenden heißen Bräute (GIRLSCHOOL, Nina C. Alice von SKEW SISKIN, DORO etc.). Ewig könnte man über diese in knapp drei Dekaden über Lemmy und Konsorten aufgesogenen Informationen und Eindrücke schwadronieren, eines steht immer über allem: Lemmy war eine coole Socke, der schon zu Lebzeiten eine Legende und ein absolutes Unikum war.

AMERIKA

Lemmy zog in den Sündenpfuhl Amerikas und man darf es ruhig sagen, bei meinem Besuch in den Staaten erhoffte ich in meinen kühnsten Träumen, beim Betreten von Lemmy's Stammkneipe, dem Rainbow in L.A., den Meister am Spielautomaten anzutreffen. Dem war natürlich nicht so, schlussendlich musste ich mich mit Jerry Cantrell (ALICE IN CHAINS) und Pornostar Ron Jeremy zufriedengeben, dennoch war es zumindest cool, einen Eindruck von seinem Stammbeisl bekommen zu haben. Ich hätte aber wahrscheinlich eh Muffensausen gehabt, die lebende Legende um ein gemeinsames Foto zu bitten.

OMEGA

Was nach DEF LEPPARD und IRON MAIDEN als drittes Konzert einer großen Band als Alpha anfing, stellte sich (als eines der letzten Konzerte 2015) auch als vorläufiges Omega dar. Zufall war es nicht, dass ich den Meister auf seinen letzten Live-Wegen noch erleben durfte. Schon recht lange schlummerte das Ticket für die November-Show in München in der Schublade. Ich hatte MOTÖRHEAD schon längere Zeit nicht mehr gesehen, gefühltermaßen war es aber höchst an der Zeit, sich das Trio (noch einmal) reinzupfeifen, mit dabei die bewährten ("Bombers & Eagles"-Tour!) Haudegen von SAXON und ihre Uraltfreundinnen GIRLSCHOOL. Der Bomber kreiste ein letztes Mal über der stattlichen, in die bayrische Landeshauptstadt angereisten Stormbringer-Abordnung, das "Overkill"-Finale schien nicht enden zu wollen. Dass Lemmy in der gezeigten Verfassung nicht mehr ewig auf der Bühne stehen würde, war klar. Dass es mit ihm aber so schnell final zu Ende gehen würde, war nicht abzusehen, eine ruhigere Pension abseits des Tourens wäre ihm wohl allseits vergönnt gewesen. Angekündigte Katastrophen finden meist nicht statt... im Falle von Lemmy ereilte die Realität leider viel zu früh jeden schnöden Spruch. Der Tod ereilte die Ikone viel zu schnell, Lemmy folgte dem 2011 verstorbenen Gitarristen Würzel und dem heuer verblichenen Drumtier Philthy Animal in den Rock-Himmel nach, von der 1989er Besetzung ist nunmehr nur mehr Phil Campbell am Leben. R.I.P. Lemmy! Du hast Legionen von Fans und Bands beeinflusst und dein Vermächtnis lebt nicht zuletzt in diesen Combos weiter! Deine finale Ansage beim Konzert wird mir immer im Gedächtnis beiben: "We´re MOTÖRHEAD...And We Play Rock n´ Roll!"

[-THOMAS PATSCH-]


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Escape
ANZEIGE