AMON AMARTH - Der "Jomsviking"-Gangbang

Mit "First Kill" und dem dazugehörigen Video durften sich eh schon alle Fans auf das nahende Opus einstimmen. Gleich vorweg für alle AMON AMARTH-Anhänger und Hobbywikinger: Alles wurde mit an Bord genommen, was die Nordmänner ausmacht: wuchtig nach vorne treibendes Rhythmusfundament, melodiöse Gitarren und Johan Hegg growlt wie der Donnergott höchstpersönlich. Hat wirklich irgendjemand ernsthaft angenommen, die erfolgreichen Wikinger hätten ihrem stolz in den hochgehenden Wogen des Musikbusiness segelnden Langschiffs eine Kurskorrektur verpaßt? Nicht in diesem Leben! Schon mit dieser Video-Nummer wurde eine neue Live-Hymne in der heißen Glut der Nordfeuer geschmiedet, der noch weitere folgen werden. Mächtige Galeerenschläge leiten das stampfende "Wanderer" ein, während dem man sich gewahrt wird, wieder einem hochqualitativ und professionellen Album (erstmals ein Konzept angelegt) lauschen zu dürfen, das den Erwartungen vollends entspricht. Und munter wuchten uns die Skandinavier ihre Erfolgsmixtur mitten in die Visage, wenn etwa aus dem treibenden Riffing liebgewonnene Melodien und Gitarrenläufe ausbrechen und auch Johan "On A Sea Of Blood" zum Höhepunkt treibt, röhrende Gitarren und Death-Groove-Teile auf dem Fuß folgend.

"One Against All" läßt mit Viking-Gangshouts aufhorchen, folgt ansonsten aber der über die Jahre verinnerlichten Bandlinie, während die elegische Sauf- und Partyhymne "Raise Your Horns" von krachig-geilem Heavy Metal-Riffing getragen wird, dürfte bei den nächsten Festivalauftritten wohl lauthals mitgegrölt werden. Mit dem grollenden "The Way Of Vikings" ziehen weitere dunkle Wolken auf, der Refrain der melodiösen Nummer dürfte ein prädestinierter Livebrüller sein. Trommelwirbel (Drummer Frederik Andersson ist übrigens nicht mehr in der Mannschaftsaufstellung zu finden) leitet "At Dawns First Light" ein, Sprechgesang und klassischen Metal-Harmonien (MAIDEN anyone?) fügen sich wohltuend in bekannte Songstrukturen ein. "One Thousand Burning Arrows" kommt getragen und eher konventionell, während das an UNLEASHED erinnernde "Vengeance Is My Name" wie Hölle rockt. Von dem gepresst klingenden Gastauftritt von DORO auf "A Dream That Cannot Be" darf man dann halten, was man will, ich finde dieses Gimmick komplett daneben. Mit "Back On Northern Shores" beendet ein getragener, epischer AMON AMARTH-Track ein weiters solides Werk, fett produziert und mit den üblichen heroischen Lyrics.

Man täte AMON AMARTH Unrecht, sich ob des Erfolgs beim vornehmlich jüngeren Publikum von ihnen abzuwenden, überzeugen sie doch mit mächtiger Präsenz ein ums andere Mal sowohl live wie auch auf Konserve. Die Wikinger stehen auch 2016 breitbeinig vor ihrer Heerschar aus Fans und donnern und rocken mit ihren klischeehaft-heroischen Dramoletten um große Tugenden und ergreifenden Heldengeschichten unbeirrt in Richtung Metal-Olymp. Eine der wenigen neuen Bands, die den Weg auf die Headliner-Positionen geschafft hat und deren Stern wohl noch steigen wird. Der Rest darf gern "Sorrow Throughout The Nine Worlds"-Zeiten nachweinen, die halt heuer auch schon zwei Dekaden zurückliegen oder in hipper Manier die poliert-austauschbare Andy Sneap-Produktion bejammern. Alles unter 4 Punkten wäre Majestätsbeleidigung, wo genau sich das zehnte Studioalbum in der Discographie der Melodic Deather einreihen wird, wird die Zeit weisen, eines dürfte allerdings klar sein, den wohl folgenden Triumphzug auf den Bühnen dieser Welt werden die Nordmänner sicherlich mit einem längst überfälligen Livedreher für den Einzug nach Valhalla festhalten.

4 von 5 von Thomas Patsch

 


 

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