25 Jahre MASSACRE Records - Interview mit Thomas Hertler

Veröffentlicht am 08.04.2016

Mitten in der Baden-Württembergischen Pampa, irgendwo zwischen Heilbronn und Stuttgart, befindet sich der sagenumwobene Ort, wo ein gewisser Bartl den Most her holt. Dort, im beschaulichen Abstatt, liegt nämlich die Firmenzentrale von MASSACRE RECORDS, einem nicht ganz unbedeutenden Platten-Label wenn's ums Hartwurst-Business geht. Das seit Beginn an familiär geführte Unternehmen hat sich im Laufe der Jahre einen feinen Band-Roster aufgebaut, der neben Beständigkeit vor allem Stilvielfalt in die Landschaft bringt und zeigt: hier hat jemand ein Händchen sowohl für aktuelle Trends als auch für Tradition.

Neben alten Haudegen wie ANVIL, CREMATORY, SINISTER, DAS ICH oder KING DIAMOND bietet das Label auch vielen Nachwuchs-Acts eine Plattform. So haben etwa die Finnischen Hippies von EGOKILLS, die Schweizer Hardrocker HEADLESS CROWN oder die oberösterreichischen Newcomer CROSSING EDGE in Abstatt eine zweite Heimat gefunden. Thomas Hertler und Torsten Hartmann feiern heuer bereits das 25-jährige Bestehen ihres Independent Labels, Grund genug für uns, mal in der Pampa durchzuklingeln und A&R-Chef Thomas ein paar Statements zum Wiegenfest und anderen interessanten Dingen zu entlocken...

 

Thomas, wie habt ihr Beiden eigentlich zusammengefunden?

 

Ich lernte Torsten Hartmann über Jörg Hacker von der Intercord kennen.  Wir suchten ein Label für unser erstes BAPHOMET-Album und Torsten beschloss, das Album zu produzieren und ein Label zu gründen, Intercord übernahm dann den Vertrieb

 

Das war also das ausschlaggebende Moment wo ihr wusstet: ok, jetzt gründen wir mal ein Label...?

 

Ja. Eigentlich hatten wir das Album produziert, hatten einen Vertrieb nur eben kein Label. An einem bierseligen Abend entstand dann der Name, die anderen BAPHOMET-Musiker waren damals auch dabei.

 

Was verbindet euch? Außer dem Musikgeschmack natürlich. Habt ihr überhaupt den selben?

 

Eine Menge, sonst hätten wir es wohl kaum 25 Jahre zusammen ausgehalten. Bei uns in der Firma ergänzen sich alle hervorragend, unsere jüngsten Neuzugänge sind „erst“ 18 Jahre dabei, das sagt alles denke ich.

 

Ihr deckt ja stilmäßig so ziemlich alles vom AOR bis zum Black Metal ab. Was bedeutet Schubladendenken bezüglich der Genres für euch?

 

Metal ist Metal, ob AOR oder Black Metal, steht er doch immer für ein bestimmtes Lebensgefühl, und man sieht auf den Festivals, dass es hier auch keine Reibungspunkte gibt. Schubladendenken muss wohl sein, da bei den vielen Bands und Alben irgend eine Orientierung da sein muss.

 

Habt ihr von Beginn weg auf Stilvielfalt gesetzt oder hat sich das im Laufe der Zeit  ergeben?

 

Da hat sich so ergeben. Aber es war eigentlich von Anfang an so, wir haben uns eben auch immer getraut, mal was anderes zu machen, solange es nicht gänzlich weg vom Metal ging.

 

Was waren die größten Flops in der Firmengeschichte? Könnt ihr da heute drüber lachen?

 

Zum Glück hatten wir keine richtig großen Flops, das können wir uns auch gar nicht leisten. Es gab natürlich im Laufe der Jahre jede Menge Alben, die die Erwartungen aus irgendwelchen Gründen nicht erfüllt haben, aber in diesem Business ist das eben so.

 

Was war/ist euer erfolgreichstes Pferd im Stall bislang?

 

Von den einzelnen verkauften Alben ohne Zweifel THEATRE OF TRAGEDY, von der Gesamtmenge an Alben sind das unsere treuen Thüringer Freunde von EISREGEN.

 

 

Thomas Hertler ((c)Massacre Records)

 

Was war das denkwürdigste Ereignis im letzten Vierteljahrhundert, im positiven Sinne jetzt ?

 

Da gab es einige. Unseren ersten Chart Entry, diverse Signings wie KING DIAMOND, EXCITER oder ähnliches, für die man schon seit Jugendzeiten schwärmte. Aber ein konkretes Highlight kann ich jetzt gar nicht benennen...

 

Was für Anekdoten fallen euch spontan ein, wenn es um so richtig "Rock'n Roll-Lifestyle" geht ...?

 

Ja, ähm…. keine! Wir sind immer mit Arbeiten beschäftigt hahaha! [laaaaangweiliiiig! d.Verf.]

 

Gab es mal eine Band oder Bands, wo ihr gesagt habt "nee, bitte nicht", zum Beispiel aus ideologischen Gründen ?

 

Ja, alles was ganz klar aus der rechten Ecke kommt. Und damit meine ich keine Bands denen die Presse irgend was „nachsagt“.

 

Pflegt ihr zu euren Künstlern ein enges Verhältnis, oder seid ihr eher die ominösen grauen Eminenzen im Hintergrund?

 

Also ich kann hier nur für mich sprechen und ich zähle vieler unserer Musiker inzwischen zu meinen Freunden, es gibt ja auch genug Bands die auch schon ewig da sind, wie CATAMENIA, EISREGEN oder MYSTIC PROPHECY. Ohne sich zu mögen und gegenseitig zu respektieren geht das Ganze nicht so lange gut.

 

"Carrycoal" ist eure ... ja was eigentlich genau ?

 

Carrycoal ist eine eigenständige Promo Agency die für uns in Europa die Promotion macht.

 

Was war wichtig als ihr begonnen habt ? Und wo sind heute die Prioritäten ?

 

Dasselbe wie heute: wir wollen gute und qualitativ ansprechende Alben veröffentlichen und mit einwandfreiem Wirtschaften solide arbeiten.

 

Die Medienlandschaft hat sich grundlegend geändert. Ist der Spruch "früher war alles besser" für euch ein Credo, so wie für viele andere auch, oder nehmt ihr die Veränderungen positiv und setzt sie für euch um ?

 

Klar war früher - vor allem was die Verkaufszahlen angeht - alles besser, aber darüber ewig zu lamentieren, das haben wir schon lange eingestellt. Heute geht auch vieles einfacher und direkter im digitalen Zeitalter, und man ist viel näher dran an den Fans und Kunden "draußen".

 

Wie kann man sich euch als Chefs vorstellen ? Eher locker oder regiert ihr eher mit strenger Hand ?

 

Also, erst mal bin ich kein Chef sondern "International A & R", der Chef hier ist der Torsten.  Wir arbeiten hier alle zusammen, bei unserem kleinen Label gibt es so ein Denken nicht.

 

Wie kombiniert ihr den Beruf mit dem Privatleben ? Hängt ihr in klassischer Manier auf Konzerten rum und haltet Ausschau nach neuen Talenten, oder geht's nach dem Büro heim zu Frau & Kind ?

 

Zu den Konzerten der Massacre-Bands in der Umgebung gehe ich natürlich, aber gewiss nicht mehr zu jedem Konzert in der Gegend. Das geht auch gar nicht mit Familie. Da muss man eben eine gesunde Mischung finden.

 

Ihr könnt euch selbst mit Recht noch als "Independent"-Label bezeichnen...

 

Natürlich! Im Gegensatz zu vielen anderen Labels können wir unsere Entscheidungen noch selbst treffen.

 

Wie denkt ihr über die Tatsache, dass in der Branche immer mehr Giganten von anderen Giganten geschluckt werden (Stichwort Time-Warner oder Bertelsmann bzw. Sony) ?

 

Wir haben bei der Intercord gesehen wohin das führt. Ein Riesen Laden und ein paar Monate später war nichts mehr übrig und die Highlights wie PUR waren bei der EMI, so wie einige ausgewählte Mitarbeiter. Da wird man sehr, sehr vorsichtig.

 

Wie könnte man diesem "Trend" denn entgegenwirken ?

 

Ohje, also ich fürchte, das ist nicht aufzuhalten heute im globalen Handel.

 

Was würdest du Leuten heutzutage raten, die ein Label "gründen" wollen ?

 

Finger weg! Hahaha! Nein, aber mal ehrlich, man kann auch etwas Leichteres machen um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten...

 

Also, man muss schon ein wenig ein Spinner oder zumindest ein kleiner Nerd sein, um den Job 25 Jahre durchzustehen ?

 

Doch. Ohne dass man die Musik und die Szene liebt geht das gar nicht.

 

Wie seht ihr die Kooperationen mit Magazinen, Online oder Print, zum Beispiel mit Stormbringer? Wie wichtig sind diese Kooperationen für ein Label wie euch?

 

Natürlich weiterhin sehr wichtig. Die Presse und die Labels sorgen dafür, dass die Leute informiert sind was es gerade Neues gibt und sich ein Bild machen können. Entscheiden tun sie dann selbst, da sind die Metal Fans gottseidank äußerst mündig.

 

Habt ihr noch Wunschkandidaten, oder habt ihr schon alle eure persönlichen Faves unter Vertrag ?

 

Wenn ich hier alle Wunschkandidaten aufzählen würde dann bräuchtet ihr zehn Seiten Platz, hahaha!  Aber es gibt natürlich immer Bands wie SABATON, PRIMAL FEAR oder AMON AMARTH, die man selber klasse findet und die man natürlich gerne hätte.

 

 Thomas Hertler und Torsten Hartmann ((c) Massacre Records)

 

Ist es denkt ihr besser, eine Band unter Vertrag zu nehmen, von der man selber Fan ist, oder ist man da dann voreingenommener ?

 

Das spielt keine Rolle, man muss so oder so kalkulieren und sich nach dem Markt richten.

 

Was denkt ihr über Klon-Bands wie BEYOND THE BLACK, die im Studio nicht mal selbst ihre Instrumente einspielen, und den ganzen Casting-Wahn rund um uns herum ?

 

Wenn’s funktioniert? Wir haben so was zwar noch nie gemacht aber in der Pop-Szene gibt es das doch schon seit Jahrhunderten und keiner regt sich drüber auf. Die ganzen Casting-Shows sind natürlich der Untergang des Abendlandes, aber die Leute schauen es sich an, also wird es produziert.

 

Verrate mir am Ende noch deine Top Drei Bands, Label-übergreifend natürlich!

 

Meine drei Lieblings-Bands wären RUSH und bei Massacre SAVIOUR MACHINE und EISREGEN.

 

Irgendwas noch zu sagen, Botschaften für unser Stormbringer-Leser ?

 

Bleibt der Szene treu, unterstützt die Bands indem ihr die Produkte kauft, die Alben, Tourneen und Releases verdienen euren Support!


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