OPETH - Der "Sorceress"-Gangbang

Wie geht man damit um, wenn ein Gutteil der Kollegenschaft sich restlos begeistert von einem Album zeigt, und man selbst rein gar nichts davon nachvollziehen kann? Resignieren, brav nicken und in den Chor der Jubelstürme einstimmen? Den Kopf in den Sand stecken, und sich einfach ganz still verhalten? Oder einfach einmal Mut zur Lücke zu beweisen, gegen den Strom zu rudern und einfach zu gestehen, dass man etwas ganz fürchterlich findet? Nun, des Stormbringers peitschenschwingende Anstandsdame war noch nie dafür bekannt sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen, so fiel die Entscheidung leichten Herzens auf letztere Variante. Denn das neueste Opfer der vergewaltigungswütigen Stormbringer-Redakteure, OPETH's „Sorceress“ sorgte im schummrigen Hobbykeller der Mistress für deutlich mehr Stirnrunzeln denn Jubel.

Dazu darf erwähnt werden, dass die letzte Begegnung mit OPETH bereits einige Zeit zurück liegt, und die damaligen durchaus wegweisenden, immer von großer Eigenständigkeit geprägten todesmetallisch-progressiven Klangwelten abschnittsweise sehr gerngesehene Gäste im heimischen CD-Schacht waren. Mit der Neuausrichtung der Band in Richtung Prog-Rock der verkopfteren Sorte, verlor sich die Band irgendwie aus dem persönlichen Radar, um nun im Zuge dieser Gruppenbesprechung wieder auf dem Schirm aufzutauchen. Mit einem wunderbaren, geradezu großartigen Artwork, das großes Interesse auf die Platte schürte. Welches aber bereits nach kürzester Zeit wieder herb ernüchtert wurde; von den einstigen Markenzeichen ist logischerweise nichts mehr übrig, dafür ringen OPETH nun darum, sich neue Erkennungszeichen zuzulegen.

Anstatt in den Keller gestimmte Gitarren (nun gut, zumindest im Titeltrack rifft man noch im unteren Tonleiterbereich) regieren nun Akustikgeklimper und bisweilen sogar orientalische Anleihen, und statt Todesgebrüll zeigen sich sanft schmeichelnde Gesangsharmonien. Irgendwie wird man aber das Gefühl nicht los, dass man all das, was OPETH in „Sorceress“ packen, auf die eine oder andere Weise schon einmal gehört hat – und zwar nicht irgendwo, sondern von den ganz Großen ihres Faches. Prinzipiell, vor allem in Zeiten in denen der verkopfte Stoff der 70er gerade eine Renaissance erlebt, keine schlechte Wahl – doch im direkten Vergleich mit früheren Glanztaten bleibt dann doch irgendwie ein schaler Beigeschmack.

Ja, klar, technisch gesehen ist das Alles wirklich brillant vorgetragen und auch die organische Produktion gibt zu keinem Zeitpunkt Anlass daran herumzumäkeln – dennoch kann die ganze zur Schau getragene technische Perfektion nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Songwriting dann doch eher mau ist. Obwohl die Mistress Ritchie Blackmore's BLACKMORE'S NIGHT liebt, bei DEEP PURPLE sabbern könnte und sich gelegentlich in den Klangwelten von PINK FLOYD verliert, lässt sie OPETH einfach nur ratlos zurück. „Sorceress“ rauscht ziellos an den Geräuschempfängern vorbei, wie Fahrstuhlmusik im Aufzug – zwar präsent und am Rande wahrgenommen, doch nicht wirklich fähig die Aufmerksamkeit zu fesseln. Am ehesten bleibt noch das überlange „Strange Brew“ mit seiner Hammond-Ejakulation in Erinnerung, welches kurzerhand von der von diesem Album gelangweilten Redaktionsdomina als Motto des Albums zweckentfremdet wird: Eine echt seltsame Mischkulanz ist das.

Es bleibt die Erkenntnis: Was von Vielen hoch gelobt wird, kann sich auch für den persönlichen Geschmack als absolut überzogen herausstellen. OPETH mögen ihren neuen Stil gefunden haben und diesen auch, was ihnen gegönnt sei, genauso mit Herzblut zelebrieren – dennoch wirkt „Sorceress“ unterm Strich zu sprunghaft und ziellos um den Hype der Kollegen zu rechtfertigen. Auch wenn man damit jetzt auf verlorenem Posten steht: OPETH sind überbewertet.

Bewertung: 2.5 / 5.0 - Anthalerero

 


 

Einleitung
Captain Critical
Lucas Prieske
Mike Seidinger
Manuel Ennser
Christian Wilsberg
Florian Dammasch
Anthalerero
Phillipp Annerer
Sonata


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