Das Metalmuseum: CHILDREN OF BODOM - Hatebreeder

Veröffentlicht am 23.12.2016

"From now on we are enemies, You and I."

Diesen Satz von Salieri aus dem Film "Amadeus" von 1984 wird wohl niemand vergessen. Niemand, der den Film gesehen hat, aber auch niemand, der den CHILDREN OF BODOM Zweitling "Hatebreeder" sein Eigen nennt, der so charakteristisch mit "Warheart" beginnt.

Es war eine der ersten Berührungen, die ich vor rund zehn oder elf Jahren mit der Musik hatte, von der ich mich heute überhaupt nicht mehr trennen kann. Witzige Anekdote dazu: Eigentlich war ich damals auf eBay nur auf der Suche nach einem neuen Geldbeutel, den dann meine Mutter später für mich erstehen sollte und wenn ich mich richtig entsinne, war es auch nur reiner Zufall, dass sich dabei ein Merchartikel der Finnen unter die Suchergebnisse schlich. Der düstere Reaper, der ja stets die Artworks der Bodomkinder ziert, war im Nachhinein wohl wirklich überzeugend. Tja... so ist man damals - endlich darf ich mich auch mal alt fühlen! - eben noch auf Bands gestoßen, so ganz ohne Facebook, Bandcamp und Konsorten.

Tatsächlich war dann auch "Warheart" (zusammen mit "Follow The Reaper", glaube ich) einer der ersten Songs, die ich auf YouTube entdeckt habe und die dann letzten Endes dazu geführt haben, dass ich mich dort dann auch intensiver mit den Jungs auseinandergesetzt habe. Für einen nicht allzu wohlhabenden Schüler wie mich war das natürlich ein echter Segen, denn da steckte das Copyright-Thema noch - wenn überhaupt - in seinen Kinderschuhen. Zu meinem Glück fand sich im Freundeskreis aber auch noch eine Person, die das Album auf CD besaß und diese bereitwillig zur Verfügung stellte (ich hoffe, das ist verjährt: damals hat man noch gebrannt, Freunde!) - und zum Unglück meiner Familie natürlich.

Ich will ehrlich sein: Ich kann euch gar nicht genau sagen, was seinerzeit die Faszination an diesem Album ausgemacht hatte. Bis dahin hatte ich lediglich Kontakt zu Bands wie LINKIN PARK oder auch KORN, die ja aus einer gänzlich anderen Sparte kamen und längst nicht so einen extremen Musikstil wie die Finnen pflegten. Was ich aber definitiv sagen kann, ist, dass mich schon zu dieser Zeit die verspielte Gangart und die düstere Atmosphäre fasziniert haben, was in der heutigen Nachbetrachtung halt auch einfach daran liegt, dass "Hatebreeder" ein Album voller Ohrwürmer und ohne jegliche Schwäche ist. Das zeigt sich bei mir schon alleine daran, dass es nicht die "Rebellion eines Teenagers in der Blüte seiner Adoleszenz" sein sollte, wie manch ein Erzeuger es gerne mal zu sagen pflegt (der ein oder andere von euch kennt das sicherlich), sondern ich "Hatebreeder" eben auch heute noch - von Gänsehaut übersät! - begeistert suchte und dabei immer noch keinerlei Abnutzungserscheinungen feststellen kann.

Butter bei die Fische: "Hatebreeder" ist ein Metalklassiker. Ein moderner Metalklassiker, wenn ihr es so wollt. Ein zeitloses Meisterwerk einer Band, die sich schon mit dem Debüt "Something Wild" ein eigenes Denkmal und ein komplett eigenes Genre erbaut hat. Eine Errungenschaft, die nur wenigen Interpreten zuteil wird. Das fängt bei der grummelnden Bassline des Openers an und hört bei den überragenden Ohrwurmmelodien des Closers "Downfall" auf. Und wenn ein Werk von solch einer Qualität durchsetzt ist, ist es völlig nebensächlich, mit welchem Alter man sich heranwagt: Man wird davon erschlagen. Die Mixtur aus neoklassischem, aber nie dem Selbstzweck dienendem Gefrickel, den vielen Tempowechseln, den unterschiedlichen Genre-Einflüssen, den fantastischen Melodiebögen und Alexis charakteristischem Gesang bleibt einfach unerreicht. Ich meine, hallo? Schonmal "Silent Night, Bodom Night" (die Lyrics hier stammen übrigens von Alexis Ex-Frau Kimberly Goss) gehört? Spätestens bei dessen Break zur gehauchten Zeile "Call the reaper once more" ist bei mir Feierabend, Schicht im Schacht - oder einfach Sense, hehe. Das Solo wird mir nie mehr aus dem Kopf gehen, das sei an dieser Stelle versichert.

Aber "Hatebreeder" ist nicht nur ein Album mit vielen Einzelkönnern, sondern auch ein grandioses Gesamtkunstwerk, das unterstreicht, mit was für einem unfassbaren Songwritingtalent CHILDREN OF BODOM schon in verdammt jungen Jahren ausgestattet waren. Jeder Song erzählt seine eigene Geschichte und dennoch hat man stets das Gefühl, dass dieses Werk mit einem roten Faden 38 Minuten und 10 Sekunden Spielzeit führt, dass die Finnen ein Leitmotiv ausgegeben haben, das auch mit dem Frontcover wunderbar eingefangen wurde. Hier muss man natürlich auch Janne Warman hervorheben, der für sein prägendes Keyboardspiel wohl bekannt wie nur wenige andere in der Metalszene ist und beispielsweise nicht nur in "Bed Of Razors" oder dem bereits anzitierten "Downfall" für sich in den Gehörgang fräsende Earcatcher sorgen konnte, sondern, stets songdienlich, auch immer wusste, in welchen Momenten die Songs lediglich einen atmosphärischen Background benötigen würden und sich dementsprechend in Szene setzte. Unvergessen bleiben aber natürlich auch dessen Solo-Duelle mit seinem Pendant an der Gitarre, von denen mir auf "Hatebreeder" besonders "Towards Dead End" in Erinnerung geblieben ist.

Die Palette von CHILDREN OF BODOM ist und war damals schon reich an Kontrasten und vermutlich ist genau das der Grund, warum diese Band den Erfolg erlangt hat, den sie nunmal zweifelsfrei erlangt hat. Zurecht erlangt hat. Egal ob Gangshouts ("Black Widow") oder Thrash ("Wrath Within"), ob ein Bastard aus Power Metal und Black Metal ("Children Of Bodom") oder detailverliebt verzierter Death Metal ("Hatebreeder"), die Kinder des Bodomsees schreckten vor nichts zurück und haben sich mit dieser Herangehensweise einen eigenen Kosmos erstellt, dessen Spannweite auch heute noch mindblowing ist. Hier trifft die technische Finesse aller Akteure auf ein ganz besonderes Gespür für ganz besondere Momente und daraus entsprungen ist nicht nur eines meiner unanfechtbaren Lieblingsalben überhaupt, sondern ein zeitloses Prunkstück der Metalhistorie.


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