15 vs. 25 Jahre LORDI - eine Retrospektive

Veröffentlicht am 03.01.2017

To Beast Or Not To Beast - Sein, oder Nichtsein?

Ob und wie es mit LORDI weitergehen konnte, das sollte sich schließlich 2013 zeigen. Zwischenzeitlich hatte sich ja das deutsche Label AFM Records des schlingernden finnischen Monsterschiffes angenommen, und war bereit die inzwischen aus Mr. Lordi (Vocals), Amen (Gitarre), Ox (Bass), Hella (Keyboard) und Mana (Schlagzeug) bestehende Band wieder zurück auf Kurs zu bringen.

Mit dem Anfang 2013 erschienenen „To Beast Or Not To Beast“ (beknackter Titel, ich weiß!), zeigten LORDI nicht nur, dass sie das Vermächtnis ihres im Vorjahr verstorbenen Schlagzeugers Otus hoch hielten, sondern dass sich auch die beiden neuen Mitglieder Hella und Mana perfekt ins Bandgefüge eingegliedert hatten. Mana böllerte auf dem Album die bis dato härtesten von Lordi gehörten Drumparts hinaus und Hella machte mit dem Image der grauen Keyboard-Maus kurzen Prozess. Einige selbstbewusste Soundexperimente ließen aufhorchen und zugunsten eines endlich wieder monsterhaften Images, wurden auch ein paar veraltete Prinzipien über Bord geworfen. Als Fan sah man der neuen Ära von LORDI, die auch wieder mit ansprechend gruftigen Kostümen eingeläutet wurde, voll der Hoffnung entgegen. Und man wurde nicht enttäuscht – wenn es auch einen kleinen Schönheitsfehler gab.

Trackliste:
1. We’re Not Bad For The Kids (We’re Worse)
2. I Luv Ugly
3. The Riff
4. Something Wicked This Way Comes
5. I’m The Best
6. Horrifiction
7. Happy New Fear
8. Schizo Doll
9. Candy For The Cannibal
10. Sincerely With Love
11. SCG6: Otus’ Butcher Clinic

Brave Kuschelmonster waren gestern – mit „To Beast Or Not To Beast“ kommt die biestige, aggressive Seite von Lordi nun endgültig zum Vorschein. „We're Not Bad For The Kids, We're Worse“ rumpelt gleich im fast thrashigen Uptempo los, dann groovt es mit „I Luv Ugly“ so richtig, ehe „The Riff“ mit knackig-prägnanter Keyboard-Linie zu überraschen weiß. Dass die Powerballade „Something Wicked This Way Comes“ bereits zu Zeiten eines „The Monsterican Dream“ entstand, überrascht angesichts der sägenden Gitarren nicht, und sowohl das vertrackte „Schizo Doll“ (ja, hier hat man gleich einmal Neu-Keyboarderin Hella verewigt) als auch das mit witzigem Refrain ausgestattete „Candy For The Cannibal“ bringen ordentlich Abwechslung ins Songgefüge im Hause LORDI.

Ein paar alte Prizipien haben die Monster, passend zum endgültigen Abschluss mit der nicht immer positiven Vergangenheit, über Bord geworfen – so ist zum Beispiel das Intro „SCG 6“ ans Ende der Scheibe gerutscht, und fungiert als Hommage an den verstorbenen Otus, handelt es sich hierbei doch um ein von ihm höchstselbst aufgenommenes Live-Drumsolo der einzigen Tour die er mit LORDI bestritt. Spätestens wenn einem aber ein herzhaftes „Fuck You, Asshole!“ entgegenschallt, weiß man, dass die Monster nun wirklich Ernst machen, wenn sie bei „Sincerely With Love“ den ganzen Frust in die Welt hinausschreien und lyrisch mit den ganzen Besserwissern abrechnen. Da sei ihnen auch die wenig ernstzunehmende Selbstbeweihräucherung „I'm The Best“ verziehen.

Hell Yeah! Als LORDI-Fan hat man doch insgeheim auf ein Album wie dieses gehofft, in dem die Monster befreit und ohne Zwänge aufspielen können, ohne sich großartig Gedanken machen zu müssen, ob sie wohl jemandem auf die Zehen treten könnten. Der einzige kleine Wermutstropfen bleibt der Sound von Michael Wagener, der zwar deutlich druckvoller und klarer einher kommt, als auf dem vorhergehenden „Babez For Breakfast“, aber gerade die schnellen Drum-Passagen viel zu sehr verwässert. Doch damit kann man im Endeffekt, angesichts des überraschend starken Albums, das für mich zu LORDIs Besten gehört, ganz gut leben. Für mich war jedenfalls „To Beast Or Not To Beast“ das Album der Trendwende, das meine fast schon erloschene Liebe zu den Finnen wieder neu zu entzünden vermochte.


Mr. Lordi und Amen in Dornbirn, 2013

 


 

Einleitung
Bend Over And Pray The Lord - Die Anfänge
Get Heavy - Das Debüt
The Monsterican Dream - Träume eines Monsters
The Monster Show
The Arockalypse und der Eurovision Song Contest
Deadache - Schwierige Zeiten
Zombilation & Dark Floors
Babez For Breakfast - Der Abstieg und ein Hoffnungsschimmer
Scarchives Vol. 1 - Rückblick und ein Neubeginn
To Beast Or Not To Beast - Sein oder Nichtsein?
Scare Force One & Monsterimies
Monstereophonic - Zurück zu den Wurzeln
...und es gibt sie noch immer! - Ein Fazit


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