15 vs. 25 Jahre LORDI - eine Retrospektive

Veröffentlicht am 03.01.2017

Deadache - Schwierige Zeiten

Im Jahr 2008 gingen es LORDI an, nach ausufernden Touren, die die Band bis in die Vereinigten Staaten und Japan führten, einen Nachfolger zu ihrem bis dato erfolgreichsten Album einzuspielen. Die vergangenen Jahre waren äußerst stressig und kräftezehrend gewesen und die plötzliche Popularität hatte auch ihre Schattenseiten. Zwar ermöglichte der hohe Bekanntheitsgrad der Band, einige lange in Planung befindlichen Projekte umzusetzen – so veröffentlichten LORDI etwa zu Beginn des Jahres ihren Kinofilm „Dark Floors“ (mehr dazu erfahrt ihr im nächsten Kapitel!) - doch die anfängliche Beliebtheit, vor allem in der Metalszene, wendete sich mit dem einhergehenden kommerziellen Erfolg im Sog des Song Contests schnell ins Gegenteil.

Der versuchte Spagat zwischen Imagepflege im Rock/Metal-Bereich und kommerzieller, gewinnorientierter Ausschlachtung ließ LORDI einerseits zur Persona non grata im metallischen Bereich werden, zum anderen flachte (nicht nur durch marketingtechnische Verfehlungen) der Hype um die Rock-Monster schnell wieder ab. Der Tanz auf zwei Hochzeiten hatte dazu geführt, dass LORDI bereits vor Erscheinen ihres vierten Studioalbums „Deadache“ eine Menge alter Fans verloren hatten und gleichzeitig die in großer Anzahl jäh aufgeploppten Erfolgsfans wiederum nicht halten konnten. So verkam das vierte Album von LORDI, das aufgrund des Splits der Sony/Bertelsmann-Gruppe via Sony-Sublabel GUN Records veröffentlicht wurde, bereits zum Nischenprodukt, bevor es überhaupt den Konsumenten erreichte.

Trackliste:
1. SGC IV (Intro)
2. Girls Go Chopping
3. Bite It Like A Bulldog
4. Monsters Keep Me Company
5. Man Skin Boots
6. Dr. Sin Is In
7. The Ghosts Of The Heceta Head
8. Evilyn
9. The Rebirth Of The Countess
10. Raise Hell In Heaven
11. Deadache
12. The Devil Hides Behind Her Smile
13. Missing Miss Charlene

Für den Nachfolger des erfolgreichen Gute-Laune-Albums „The Arockalypse“ und als Abkehr vom Kuschelmonster-Image stürzten sich LORDI mit „Deadache“ sowohl optisch, als auch textlich und musikalisch in eine deutlich düsterer ausgerichtete Ecke. Die erste Singleauskopplung „Bite It Like A Bulldog“ (samt psychedelischem Video) präsentierte sich für die Verhältnisse der Monster bereits relativ räudig, und ließ schon auf die wieder etwas härtere Produktion schließen, für die sich Nino Laurenne (THUNDERSTONE) verantwortlich zeigte. Trotzdem dem Keyboard im Vergleich zu den Vorgängern mehr Raum gewährt wurde, klingt das Album insgesamt wieder düsterer und mehr dem Horror-Thema der Outfits entsprechend.

Auch vom Songwriting her, machen LORDI auf „Deadache“ einen Schritt nach vorne, gibt es doch nicht nur ohrenschmeichelnde Hymnen wie den Titeltrack oder „Girls Go Chopping“ zu hören, sondern auch Nummern in denen das Tempo ganz ordentlich angezogen wird, wie etwa „Raise Hell In Heaven“, oder vertrackte Groove-Rhythmen wie im fetzigen „Dr. Sin Is In“. Die Quotenballade „Evilyn“ darf genauso wenig fehlen, wie ein Klavier-Instrumental, was LORDI bereits auf dem 2004er-Output gut zu Gesicht gestanden hatte. Nicht zuletzt kann sich die gnadenlose, an das „Phantom der Oper“ erinnernde Keyboard-Hookline von „Devil Hides Behind Her Smile“ hervortun, während in den Lyrics ansprechend Gore-lastig und ganz und gar nicht familientauglich zu Werke gegangen wird.

Gerade durch die enorm starke Produktion und das abwechslungsreiche Songwriting, die eine perfekte Balance zwischen rockiger Verspieltheit und metallischer Härte schaffen, gehört „Deadache“ auch heute noch zu den wahrscheinlich stärksten Alben im Backkatalog der Finnen – auch wenn der Silberling, durch seinen Nimbus als Nachfolger des wohl ewig prägenden Erfolgsalbums „The Arockalypse“ von vielen Seiten unterbewertet wurde. Auch in meiner persönlichen Hitliste rangiert „Deadache“ ziemlich weit oben, denn zumindest eines kann man LORDI nicht vorwerfen: dass sie versucht hätten ein zweites „The Arockalypse“ zu schreiben. Das sollte erst später folgen...


Schlagzeuger Kita beim "Deadache"-Releasegig in Helsinki (© lordicted.at)

 


 

Einleitung
Bend Over And Pray The Lord - Die Anfänge
Get Heavy - Das Debüt
The Monsterican Dream - Träume eines Monsters
The Monster Show
The Arockalypse und der Eurovision Song Contest
Deadache - Schwierige Zeiten
Zombilation & Dark Floors
Babez For Breakfast - Der Abstieg und ein Hoffnungsschimmer
Scarchives Vol. 1 - Rückblick und ein Neubeginn
To Beast Or Not To Beast - Sein oder Nichtsein?
Scare Force One & Monsterimies
Monstereophonic - Zurück zu den Wurzeln
...und es gibt sie noch immer! - Ein Fazit


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