15 vs. 25 Jahre LORDI - eine Retrospektive

Veröffentlicht am 03.01.2017

Babez For Breakfast - Der Abstieg und ein Hoffnungsschimmer

2010 holten Lordi aufgrund des mäßigen Erfolges des Arockalypse-Nachfolgers zum Gegenschlag aus, und hievten sich für ihr fünftes Studioalbum den renommierten Produzenten Michael Wagener an Bord. Der Plan war, ein für die Band perfektes, Eighties-affines Album aufzunehmen, das das Ruder herumreißen und an die erfolgreiche Arockalypse-Ära anschließen sollte. Mit dem nun seit einigen Jahren stabilen und durch die turbulenten Zeiten zusammengeschweißten Lineup, sollte „Babez For Breakfast“ das perfekte Album werden, das alle Fan-Wünsche erfüllen sollte.

Für die kostenintensiven Aufnahmen verlegte die Band ihr Hauptquartier für einige Wochen in die Staaten, nach Nashville, um dort mit Hochdruck an ihrem neuen Silberling zu arbeiten. Als LORDI voller Stolz den ersten Song präsentierten, war die Welt noch in Ordnung – nachdem man allerdings das komplette Album einige Zeit vor dem Release den Fans zum online-Probehören zur Verfügung stellte, spaltete die Scheibe die Community und ein Schwall an scharfer Kritik brach über LORDI herein. Differenzloser, fast poppiger Sound mit Keyboard-Overkill, in Verbindung mit bunten, teils geradezu kindlich wirkenden Kostümen sorgte für Entrüstung, und das geradezu offensichtliche Anbiedern an die familientaugliche Ära des inzwischen zum Fluch gewordenen Song Contest-Gewinns ließ so manchen, durch die brettharte erste Singleauskopplung „This Is Heavy Metal“ zunächst versöhnten Fan auf die Barrikaden steigen.

Fast als hätte Sony Entertainment, das nach der Schließung des Sublevels GUN Records nun die Distribution von LORDI übernahm, es geahnt, dass der Stern der finnischen Monster im sinken war, wurde das ambitionierte, bislang teuerste Album der Band quasi ohne Werbung zwischen Tür und Angel auf den Markt geworfen. Als dann kurz nach dem Release des Albums auch noch ein Streit innerhalb der Band (über die Teilnahme an der Song Contest-Vorausscheidung des Schlagzeugers Kita mit seiner eigenen Band) im Rauswurf des langjährigen Drummers endete, schien das Schicksal von LORDI besiegelt. Denn nur zwei Monate vor ihrer nächsten Tour standen sie nun ohne Schlagzeuger da...

Tracklist:
1. SCG5: It's A Boy!
2. Babez For Breakfast
3. This Is Heavy Metal
4. Rock Police
5. Discoevil
6. Call Off The Wedding
7. I Am Bigger Than You
8. ZombieRawkMachine
9. Midnite Lover
10. Give Your Life For Rock And Roll
11. Nonstop Nite
12. Amen's Lament To Ra
13. Loud And Loaded
14. Granny's Gone Crazy
15. Devil's Lullaby

Der fünfte Longplayer aus dem Hause LORDI wird mit einem ausgefallenen Cover serviert, dass beinahe der Zensur anheim gefallen wäre. Musikalisch bewegt sich „Babez For Breakfast“ zwischen Licht und Schatten - zwar ist das Songwriting sehr abwechslungsreich, doch der Sound bleibt über weite Strecken flach, mit teilweise zu sehr in den Hintergrund gesetzten Gitarren.

Als Intro des Albums darf man der Geburt eines Monsterbabys beiwohnen, während dem geneigten Hörer sodann als Opener im Uptempo „Babez For Breakfast“ kredenzt werden, mit einer Portion Doublebass als Beilage. Das höhere Tempo steht den Monstern gut zu Gesicht, genau wie die rotzig-derben Klänge, die direkt danach bei dem Stampfer "This Is Heavy Metal"die Wohnungseinrichtung zum Wackeln bringen. Doch dann ist es mit der monströsen Härte auch schon wieder vorbei, es folgt mit „Rock Police“ ein ziemlich weichgespülter Song mit einem karibisch anmutenden Keyboard-Intro. In dieser zuckrig-zahnlosen Tonart geht es auch weiter, einzig das schmissige „Nonstop Nite“ mit seinem Mitgrölrefrain kann sich noch hervortun. Selbst Gaststars wie Bruce Kulick („Call Of The Wedding“) oder Mike Slaughter in einer Sprechrolle bei „Granny's Gone Crazy“  retten das Album nicht mehr davor, trotz an und für sich starker Songs, in soundtechnischer Belanglosigkeit zu versinken. Der Versuch des Anknüpfens an „The Arockalypse“ war gründlich in die Hose gegangen.

Als dann - nach dem bereits erwähnten Rausschmiss von Schlagzeuger Kita - die große Ankündigung eines Boxsets zum Album auch noch in monatelangen Verschiebungen und schlussendlich in einer vollkommen überteuerten, in keiner Relation dazu stehenden Pappbox (!) mit einem Zinn-Anstecker, Riesenposter und Autogrammkarten endete, war die Geduld vieler Fans endgültig erschöpft. LORDI wurden zusehends zerpflückt und der Rückhalt der Fans begann zu schwinden, doch aus dem Nichts nahm sich ein neuer Schlagwerker der inzwischen im Heimatland geschassten Monster an: Otus.

Live-Lineup 2010: Mr. Lordi (Vocals), Amen (Gitarre), Ox (Bass), Awa (Keyboard), Otus (Schlagzeug)


Schlagzeuger Otus in Pirmasens, 2010 (© lordicted.at)

 


 

Einleitung
Bend Over And Pray The Lord - Die Anfänge
Get Heavy - Das Debüt
The Monsterican Dream - Träume eines Monsters
The Monster Show
The Arockalypse und der Eurovision Song Contest
Deadache - Schwierige Zeiten
Zombilation & Dark Floors
Babez For Breakfast - Der Abstieg und ein Hoffnungsschimmer
Scarchives Vol. 1 - Rückblick und ein Neubeginn
To Beast Or Not To Beast - Sein oder Nichtsein?
Scare Force One & Monsterimies
Monstereophonic - Zurück zu den Wurzeln
...und es gibt sie noch immer! - Ein Fazit


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