Der Stormbringer Jahresrückblick 2016

REDAKTIONSRÜCKBLICK 2016: LUCAS PRIESKE

Mein Jahresrückblick für Stormbringer dürfte wohl mit einer der kürzesten der ganzen Redaktion sein - ich war schließlich nur in der zweiten Hälfte des Jahres Teil des Teams. Also kombinieren wir hier einfach alles innerhalb und außerhalb der Redaktion; vielleicht schaffe ich es ja, einen halbwegs vollständigen chronologischen musikalischen Rückblick zu gestalten. Dabei werde ich mich aber nur auf die absoluten Tops (und Flops) beschränken, am besten ein Highlight pro Monat, es soll ja kein Roman werden. So, dann schwinge ich mal keine großen Reden und lege direkt los:
 

Album (Januar)

Mein persönliches erstes Highlight fand schon am 29.01.16 seinen Weg ins CD-Regal. BURY TOMORROW veröffentlichten mit "Earthbound" ihr drittes und mit Abstand bestes Album. Zwar hatten die Briten mit "Union of Crowns" und "Runes" bisher nichts falsch gemacht, wirklich gepackt hat mich trotz des zunehmenden Hypes allerdings keines der Alben. Erst mit Release Nummer drei haben sich die Jungs auf eine Wellenlänge mit mir gespielt und mich zu diveresen Shows, zu denen ich später noch komme, motiviert. Besonders "Last Light", "The Eternal" und "For Us" werden mich vermutlich nie wieder loslassen.

Liveshow (Februar)

Die gefühlt 500. Show meiner Hardcore-Idole STICK TO YOUR GUNS fand am 25.02.2016 in Saarbrücken statt. Mit meiner besten Freundin im Gepäck ging es also auf ins Saarland, mit der leisen Hoffnung im Hinterkopf, sie zumindest ein wenig zum Hardcore konvertieren zu können. Tatsächlich war ich in diesem Fall mehr gespannt auf die Supports, als auf STICK TO YOUR GUNS selbst: STRAY FROM THE PATH, WOLF DOWN und COUNTERPARTS, was sollte das nur für eine übertriebene Show werden? Es stellte sich heraus, das nur ungefähr 50 Leute früh genug für WOLF DOWN in der Halle waren (was eine absolute Schande war), und COUNTERPARTS ein monotones Set sondergleichen ablieferten. Ein Glück konnten STRAY FROM THE PATH die Stimmung retten und veranstalteten einen Abriss, der seinesgleichen sucht: "Black Friday", "Shots Fired" und "First World Problem Child" sorgten dafür, dass der Putz von den Wänden bröckelte. 

Album (März)

Leider kann ein Jahr nicht nur aus Highlights bestehen, wie CALIBAN eindrucksvoll mit diesem hochwertig produzierten Stück Scheiße bewiesen haben. "Gravity" hat mehr gemein mit einem überproduzierten Hollywood-Actionblockbuster nach Schema Michael Bay  als  mit der selbsternannten Absicht "den Metalcore zu retten". Nachdem ich mir bei dieser Aussage tatsächlich Hoffnungen gemacht habe, CALIBAN könnten mich mit einer Scheibe nach der Art von "Nemesis" zurückgewinnen, und die ersten Singles "Paralyzed" und "Mein schwarzes Herz" gar nicht mal schlecht waren, habe ich beim letztendlichen Gesamtwerk dann doch nur das kalte Kotzen bekommen. Viele Spezialeffekte, keine Seele.

 

Liveshow (April)

Und natürlich fällt der Vorsatz, mich auf einen Eintrag pro Monat zu beschränken, schon im April ins Wasser. Aber es geht eben nicht, ohne dass ich ein paar Worte über die "Never Say Die - Open Air" in Trier am 24.04.2016 verliere. Mal abgesehen von dem verrücktesten Wetter, das jemals auf einem Festival geherrscht hat (während eines 30-minütigen Auftritts von CHELSEA GRIN hat es offiziell geregnet, geschneit, gehagelt und 25 Grad Sonneschein gegeben), konnte ich eine der ersten EMMURE Shows mit neuem Band-Lineup genießen. Und tatsächlich war ich überzeugt: Die Mitglieder fügten sich reibungslos zusammen und spielten ein ungewöhnliches Set, in dem sie 90% aller bekannten Songs einfach ausließen und durch Nieschentracks wie "Drug Dealer Friend" oder "4 Poisons 3 Words" ersetzten. Auch war dieses Festival meine erste Gelegenheit, das von mir seit Januar bereits ins Herz geschlossene "Earthbound" von BURY TOMORROW zu erleben, das live sogar noch wesentlich besser ist als auf der Platte. Ach und habe ich erwähnt, dass DESPISED ICON ihr Comeback gefeiert haben? 

Liveshow (April)

Dieser Auftritt am 28.04.2016 wird mir auf Ewig als kleine Perle im Gedächtnis bleiben. Teif unter der Erde in einem winzigen Kellergewölbe mitten in Köln, genannt MTC versammelte sich eine kleine Schaar aufgeregter Fans aus aller Welt (sogar eine Gruppe aus Russland ist angereist, weil die Band in Russland Showverbot hat) der Noise-Punk-Alternativerocker LETLIVE, um sich von einigen neuen Songs des bald erscheinenden Albums "If I'm The Devil" überraschen zu lassen. Was folgte war die intensivste Show, die ich bis dato jemals erleben durfte: Es gab keinen Unterschied zwischen Bühne und Crowd, es regnete wortwörtlich Crowdsurfer und Stagediver bei einer Deckenhöhe von 2,50m und die Temperatur des Raums unterschritt vom ersten Takt an nicht mehr 38 Grad. Schweißgebadet, halbtaub und glücklich stolperte ich 90 Minuten später wieder auf die Kölner Straßen; sicher, dass ich so etwas so schnell kein zweites Mal erleben würde.

Album (Mai)

Das wohl wichtigste Album des gesamten Jahres erschien am 27.05.2016. "All Our Gods Have Abandoned Us" der britischen ARCHITECTS hätte für wesentlich mehr Aufsehen sorgen sollen, als es ohnehin schon hat. Die tiefe Verbitterung einer Generation, die nichts mehr hat, außer der Angst vor der Zukunft und dem tiefen Wunsch, etwas verändern zu können, vertont in einem brachialen Gesamtkunstwerk, das dem Hörer sprichwörtlich den Boden unter den Füßen entreißt; das ist, wofür das Album steht. Das Gitarrist und Mastermind Tom Searle im Laufe des Jahres versterben würde, konnte zum Zeitpunkt des Releases noch niemand ahnen, allerdings hinterlässt dieser Fakt im Nachinein einen bitteren Beigeschmack zu beispielweise "Gone With The Wind" oder "Memento Mori", welche beide aus seiner Feder stammen.

 

Festival (Juni)

Oh Rock am Ring, was soll ich zu dir nur sagen? Ich muss sagen, dass ich nach wie vor zwiegespalten bin, was meine Erfahrung auf dem diesjährigen AAA-Festival angeht. Auf der einen Seite könnte ich natürlich wie alle anderen darüber abkotzen, dass das Festival frühzeitig abgesagt wurde, und mich über die mangelnde Vorbereitung auf schlechtes Wetter seitens des Veranstalters beschweren. Auf der anderen Seite war das, was tatsächlich stattgefunden hat, absolute Oberklasse. Die Auftritte der RED HOT CHILI PEPPERS, von TENACIOUS D, DISTURBED, BULLET FOR MY VALENTINE, BILLY TALENT, ARCHITECTS, OF MICE & MEN, KILLSWITCH ENGAGE oder AUGUST BURNS RED zeigten, was das Rock am Ring 2016 hätte werden können. Jegliche Eskalation inklusive Müllpool, Schlammschalchten und Bierrutschencontest innerhalb des Camps einmal ausgenommen versteht sich. 

Album + Liveshow  (Juni)

Und schon wiede ein Monat mit mehr als einem Eintrag. Aber auch diese hier muss sein, denn das Album "Aggressive" der Senkrechtstarter BEARTOOTH samt zugehöriger Liveshow in Trier bildeten meinen Einstieg in die Stormbringer Redaktion. Was soll ich ansonsten groß sagen? Ein wichtiger Schritt für mich und vermutlich auch für BEARTOOTH, die ihren Sound hoffentlich noch bis ins Unendliche perfektionieren und auch in Zukunft Abrissshows, wie ich sie erleben durfte, geben werden. Hier die zugehörigen Artikel für alle, die es wirklich interessiert: BEARTOOTH - Aggressive - Review + BEARTOOTH - Livereport Trier

 

Festival (Juli)

Das Vainstream Rockfest in Münster ist jedes Jahr ein kleines Highlight, so auch 2016. Von KIZ bis HEAVEN SHALL BURN war absolut alles vertreten, was auch nur im Entferntesten mit dem Genre zu tun hat, um bei einer Mischung aus dem besten und schlechtesten Wetter, das Wetsfalen zu bieten hat tausende Fans zu bespielen. Besondere Highlights war hier die kostenlose Pre-Party am Abend zuvor, bei der sich unter anderem ANY GIVEN DAY und BURY TOMORROW die Ehre gaben, im Skaters Palace eine kleine und intime Show zu spielen. Auf dem Festival selbst sorgten vor allem auf der linken Bühne so einige Kracher, darunter DEEZ NUTS, STICK TO YOUR GUNS, KIZ und ANTI FLAG für Stimmung. Nicht unerwähnt sollte auch die ausgelassene Stimmung während des Auftritts der Irenrocker FLOGGING MOLLY bleiben, bei vermutlich auf den Tischen getanzt worde wäre - wenn es Tische gegeben hätte. 

Festival (August)

HEEELGAAAAAA!!! Ein Jahr ohne W:O:A ist kein gutes Jahr - so würde mancher Dauerbesucher sicherlich sagen. Ich als persönlicher Heavy-Metal Skeptiker gönne mir dieses Szenespektakel nur alle paar Jahre, habe aber immer wieder Spaß. Ob nun headbangend bei TWISTED SISTER, im Circle Pit von THE BLACK DAHLIA MURDER, sturztrunken auf einer Bierbank während MAMBO KURT "The Final Countdown" zum Besten gibt oder mitten im Geschehen bei CALLEJON - das W.O:A war auch trotz 90% Schlamm und überteuerter Fressbuden wieder ein voller Erfolg. Um mir kurz noch ein paar Feinde zu machen: Der Auftritt von IRON MAIDEN gehörte mit zu dem langweiligsten, unspektakulärsten, abgestorbensten und enttäuschendsten, was mir JEMALS auf einem Festival zugemutet wurde.

 

Album (September)

Oh geliebtes "Sorceress"! Seit "Still Life" habe ich kein Album von OPETH mehr so sehr genossen wie dieses hier. Die düstere Romantik dieses mehr als epischen Konzeptalbums zieht mich mit jedem Durchlauf wieder in ihren Bann und hat sich bereits seinen Weg in meine all-time-favorites erspielt. Zudem gibt es keine Stimmung, auf die der Sound dieser Platte nicht passen würde: Es macht dich glücklich, traurig, wütend, nachdenklich oder was auch immer du aus den süßen Klängen der Schweden ziehen willst. Zudem darf ich behaupten, dass OPETH mit diesem Album verantwortklich für meinen ersten Gangbang war. (Die jugendfreie Version in Textform gibt es hier)

 

Album (Oktober)

"Lifelines" musste hier einfach aufgenommen werden, allein aus dem Grund, dass es das Element der Überraschung auf seiner Seite hatte. Ich (und zumindest niemand den ich kannte) hatten I PREVAIL vor ihrem Debütalbum auf dem Schirm, und dann kommen diese rotzfrechen Amis einfach an und erdreisten sich, aus dem Stehgreif im selben Genre ein um Längen besseres Album abzuliefern als die alteingesessenen A DAY TO REMEMBER? Wahnsinn. I PREVAIL haben mit "Lifelines" mal ganz locker die komplette Szene zerstört und aus dem Stand ein Release auf allerhöchstem Niveau abzuliefern. Meinen Respekt dazu.

 

 

Liveshow (November)

Meine erste Show der ARCHITECTS nach dem vorzeitigen Ableben von Gitarrist Tom Searle fand in Luxemburg am 09.11.2016 statt. Einmal abgesehen von den absolut wahnsinnigen Supports, die sich die Band für die Europatour gesichert hatten (niemand geringeres als BURY TOMORROW und STICK TO YOUR GUNS), war sowohl die Show als auch die gesamte Tour dem verstorbenen Bandmitglied gewidmet. Die Bitterkeit der übrigen Mitglieder war hier deutlich zu spüren: Im Vergleich zur letzten Show (Rock am Ring) lag so viel mehr Wut und Trauer in jedem Wort und in jeder Bewegung, dass sich die Halle in eine Therapiesitzung aus Schweiß, Tränen und blauen Flecken verwandelte.

 

Album (November)

Das vermutlich letzte wichtige und auch mit beste Release, das 2016 zu bieten hat: "Battles" von IN FLAMES geht neue Wege, ohne alte Pfade zu verlassen. Das klingt erst einmal widersprüchlich, aber gemeint ist, dass die Band das Beste aus vergangenen Alben kombiniert und damit in der IN FLAMES-typischen Weiterentwicklung einen neuen Sound erschafft, der ungwohnt ist, aber trotzdem nostalgische Töne anschlägt. Für mich das beste Album der Schweden seit "A Sense Of Purpose", das mir endlich das IN FLAMES wiedergegeben hat, nach dem ich mich seitdem gesehnt habe. 

 

 

Ja das war er, mein persönlicher kleiner Jahresrückblick. Beim Schreiben ist mir selbst erst aufgefallen, wie oft ich allein STICK TO YOUR GUNS erwähnen muss, was entweder daran liegt, dass ich instinktiv zu jeder Show im Umkreis von 500km aufbreche oder dass sie so oft zufällig auch dort waren. Naja, wenn wir ehrlich sind: Vermutlich doch ersteres. Insgesamt war 2016 ein musikalisch diverses Jahr, das besonders für mich unglaublich viel zu bieten hatte. Neben diversen Auflösungen, die ich mir jetzt bewusst gespart habe, war der Output enorm - sowohl qualitativ als auch quantitativ. Falls wir 2017 noch erleben dürfen, bin ich gespannt, was dort auf uns zukommt. Falls wir es nicht mehr erleben: Danke Trump!

 

 



Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Jahresrückblick der Stormbringer-Leser
Seite 3: Redaktionsrückblick: Anthalerero
Seite 4: Redaktionsrückblick: Bender
Seite 5: Redaktionsrückblick: Brigitte Simon
Seite 6: Redaktionsrückblick: Captain Critical
Seite 7: Redaktionsrückblick: Christian Wiederwald
Seite 8: Redaktionsrückblick: Christian Wilsberg
Seite 9: Redaktionsrückblick: Daniel Csencsics
Seite 10: Redaktionsrückblick: El Greco
Seite 11: Redaktionsrückblick: Florian Rosenberger
Seite 12: Redaktionsrückblick: Inhonorus
Seite 13: Redaktionsrückblick: Jazz
Seite 14: Redaktionsrückblick: Joxe Schäfer
Seite 15: Redaktionsrückblick: Kalti
Seite 16: Redaktionsrückblick: Laichster
Seite 17: Redaktionsrückblick: Lisi Ruetz
Seite 18: Redaktionsrückblick: Lucas Prieske
Seite 19: Redaktionsrückblick: Luka
Seite 20: Redaktionsrückblick: Manfred
Seite 21: Redaktionsrückblick: Manuel Ennser
Seite 22: Redaktionsrückblick: Mike Seidinger
Seite 23: Redaktionsrückblick: Pascal Staub
Seite 24: Redaktionsrückblick: Thomas Patsch


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