Das Flusensieb - 10 übersehene Platten

Text: Jazz
Veröffentlicht am 01.02.2017

 

Willkommen im Flusensieb des Stormbringers. Hier soll noch ein schneller Blick auf die hässlichsten der Entlein geworfen werden, bevor sie gänzlich ungehört in die dunkle Kanalisation schwimmen, um als Ratten- oder Krokodilfutter zu enden. Ein kurzes Wühlen im Kompost, in dem die missverstandenen Pflänzchen landeten, deren Wert von den fleißigen Gärtnern übersehen wurde.

 

 

Das rückwärts auf halber Geschwindigkeit abgespielte Gurgeln von Napalm würzt die MOLOCH-LETALIS-Suppe, die zwar mit allen Zutaten aufwarten kann, die für Extrem-Metal nötig sind, in der trotzdem das eine, interessante – sicher 100% letale – Gewürz fehlt, um morgen bei fahlem Mondeslicht nicht einfach ein anderes polnisches Wald-Restaurant zu besuchen. So reicht es bei „Arkana Chaosu“ nur für 665 rußige Sargnägeln im Auge einer bleichen Jungfrau.

 

Unverstanden vom Rest der Welt, widmete sich ein koprophiler Wissenschaftler in einer verlassenen Rasenmäherfabrik unweit vom westrumänischen Timisoara der Entwicklung eines Killerroboters. Um diesen zu testen, ließ er das klingenreiche Ungetüm im Stall eines benachbarten Schweinebauers wüten. Tonnenweise Hackfleisch und ganz zufällig auch ein Tonband waren alles, was übrig blieb. Ersteres gibt’s aktuell besonders Günstig beim Discounter ihres Vertrauens, letzteres vertreiben BLUTRINA unter dem Namen „Looney Fuckin' Grind“.

 

DETHBEDS entführen mit „Dungeon Scum“ in die mattblau gekachelte Badezimmerromantik einer psychiatrischen Verwahranstalt, bei deren Schließung ein letzter Patient zurückblieb, dessen Pillen natürlich längst ihre Wirkung verloren haben und der nun durch die modernde Klinik tobt. Anarchistisch punkig, roh brutal hardcorig und metallig getrieben erklingt vom Wahnsinn und der Einsamkeit erfüllt seine hysterisch aggressive Verzweiflung ungehört durch die leeren Gänge.

 

Abgekämpft, müde und mit einem beißenden, vernichtenden Horror in den Augen fällt ein gequälter Feuerzauberer auf die Knie, während sich hinter ihm ein Portal schließt. Gerade erst zurückgekehrt aus einem chaotisch-hektischen Höllenkreis, in dem das Bad im Rasierklingenbecken noch als liebevolle Wellnessbehandlung gilt, dröhnen unruhig tiefschwarze Todesklänge in ihm nach. Nur dreizehn Minuten dauerte der Folter-Trip, aber der PYROMANCER ist während „Demo MMXV“ um Jahre gealtert.

 

Eine große, schnörkellose Walze rollt zur Tea Time durch mittlere britische Ortschaften. Sie macht platt, was ihr in die Quere kommt. Das ist nicht viel. Oben auf der Maschine sitzen die „Masters of Absurdity“, wie sie sich eher zu alten Grindzeiten als jetzt im straight-monotonen Trve-Death hätten bezeichnen können. Hart und unbarmherzig wird alles in den Asphalt gepresst, aber mehr als Drüberwegrollen tun FOETAL JUICE dann nicht – für die Handlung eines abendfüllenden Spielfilms nicht ausreichend.

 

Eine Stimme wie die eines ADHS-Kindes auf Zuckerflash, das gerade in hysterischer Aggression seinen Game-Controller in den Flachbildschirm geschmissen hat und seine entsetzte Mutter mit leeren Energydrink-Dosen bewirft, faucht den geneigten Masochisten an, während mal mehr mal weniger einfallsreicher, eher roher, punkiger Rock in sehr kurzen Songs erklingt. „The Dancer“ von COCAINE PISS mag eine gitarrenmusikalische Antwort auf allzu whacken Cloud Rap oder ein progressives Statement gegen gefallsüchtige Vokalisten sein, jedenfalls versinken die verrückten Belgier nicht lautlos im Treibsand der Unauffälligkeit.

 

 

Wer bei dem Gedanken an eine in die Wasserrutsche eingelassene Käsereibe vor Ekel beschließt, diesen Absatz nicht weiterzulesen, braucht sich auch nicht mit dem Album „Frozen Moon of Erebath“ zu beschäftigen. Das ist natürlich eine abstruse These, die aufgrund der doomigen Atmosphärik und der beeindruckenden musikalischen Präzision der Kanadier nicht haltbar ist, aber an dieser Stelle gerne ein bisschen Aufmerksamkeit auf die Extremmetaller von CELL lenken darf.

 

Kinder strenger Mütter kennen vielleicht die Androhung, dass alles Spielzeug in einen Müllsack wandert, wenn das Zimmer nicht endlich aufgeräumt wird. Nach wahrgemachter Drohung wurden einige solcher Müllsack an den Rotor eines Helikopters gebunden, der dann beim Überfliegen eines Kriegsgebietes den Inhalt wieder verliert. Zack, fertig: „Crocopter“ von GROSSTY – chaotisch-wahlloses Grindcore-Durcheinander ohne spürbaren Sinn oder erkennbaren Verstand.

 

Du wachst auf hartem Boden auf und weißt nicht, wo du bist, aber spürst ganz sicher: An diesem Ort sind Menschen gestorben … worden. IRONHAND sperren dich mit „Hello, Operator“ in ein obskures Gebäude aus Horror, Industrial, EBM und Metal. Atmosphärisch, bedrohlich, eingängig. Wie ein Room-Escape-Game im Torture-Horror-Setting, das du nur verlieren kannst. Weine, bete, schließe deinen Frieden, falls du kannst, denn „You Will Be Dead Soon“!

 

Auf dem Feld steht einsam ein letzter Soldat und sieht Tod um sich herum. dabei springt er immer wieder in seine Erinnerungen von der vergangenen Schlacht. Verzweiflung, Brutalität, seine Seele ist gestorben. Doom, Death, Doom, Death, Death, Death. Was die Polen von KINGDOM sich da mit der Platte „Sepulchral Psalms From The Abyss Of Torment“ zusammengekloppt haben, verdient wenigstens für den Titel Respekt. Möge der tragische letzte Krieger beim Geschmack seines eigenen Stahls vergessen dürfen!

 


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