Das Metalmuseum: MÅNEGARM - Vredens tid

Veröffentlicht am 17.02.2017

Vi som här sitta höjer våra horn
Till de som sitter vid Allfaderns bord
Tillsammans dricker vi segerns full
Till enöga vis

 

Wir, die wir hier sitzen heben unsere Hörner

für die, die nun am Tisch des Allvaters sitzen

Zusammen trinken wir auf den Sieg
und den Weisen mit dem einen Auge

 

MÅNEGARM – Segervisa (2005)

 

 

Ja, die guten alten Zeiten...damals, als die Welt noch einfach war. Damals, als die Menschen noch ohne Autos, Handy und Internet auskommen mussten. Damals, als die Könige der Nordmänner noch aus den Schädeln ihre Feinde tranken, hach ja, es waren schöne Zeiten. Aber sind wir uns ehrlich, damals war auch nicht alles rosig, nicht jedermann war voller Heldenmut und Ehre. Nein, das Leben im alten Skandinavien konnte damals auch durchaus hart und grausam sein. Als dann auch noch Dinge wie die nicht ganz freiwillige Bekehrung zum Christentum dazu kamen, baute sich bei Vielen ohne Zweifel großer Unmut auf. Ja, ein „Zeitalter des Zorns“ war geboren. Diesem Zeitalter nahmen sich im Jahre 2005 die Wölfe von MÅNEGARM in ihrem eben nach diesem Zeitalter benannten Album „Vredens tid“ an, ein Album, dessen Hauptthema wie Wut selbst sein sollte. Zusätzlich hat die Band unter Anderem mit diesem Album einen festen Platz im Olymp, oder in diesem Falle im Walhalla des Viking- beziehungsweise Folk Metal für sich beansprucht. Grund genug also, sich auf eine Zeitreise zu begeben und „Vredens tid“ noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen!

 

Im Jahre 2004 begann sich im Leben der Band um die Herren Grawsiö, Andé, Almquist und Wilhelmsson so einiges zu ändern: Es war nicht zu bestreiten, dass sich MÅNEGARM langsam aber sicher von einem nationalen Geheimtipp zu einem auch in anderen Ländern begehrten Act zu entwickeln begann, war das Quartett zu Beginn (mit Ausnahme einiger früher Gigs) doch eine "fast" reine Studio-Band. Dies änderte sich nach einem Aufritt auf einem „größeren“ Festival, der den Schweden direkt einen Platz am Ragnarök Festival 2 einbrachte. Von da an ging alles sehr schnell: Janne Liljekvist, der sich bis dato eher als Gast im Studio einbrachte, wurde direkt ein vollwertiges Mitglied der Band, und nun standen alle Tore offen für den Release des bis dahin vierten Full-Lenght Albums der bis dahin „fast“ reinen Studio-Band - und was für ein Album das werden sollte. Bereits einige Monate vor alledem begann die Band mit den Aufnahmen für „Vredens tid“, allerdings sollte nicht alles glatt laufen, musste sich das wölfische Sprachrohr von MÅNEGARM, Erik Grawsiö, nach 4 aufgenommenen Songs schweren Stimmproblemen geschlagen geben, was das Anbrechen des „Zeitalter des Zorns“ einige Monate nach hinten verschieben sollte. Nichtsdestotrotz gab die Band nicht auf, außerdem sollte sich die zusätzliche Zeit, die in das Album gesteckt werden musste, doch vielleicht sogar auszahlen, ihm vielleicht eine gewisse „Reife“ geben, wenn man denn so will. Dann, am 28. September 2005, erschien „Vredens tid“ endlich bei Black Lodge Records, und damit auch einer der bekanntesten und beliebtesten Meilensteine der Band.

 

Doch was macht denn nun gerade dieses Album so besonders? Nun ja, um es möglichst einfach zu erklären: MÅNEGARM entführt einen mit diesem Album regelrecht in ein Szenario, das dem, was das Coverbild des Albums zeigt, alle Ehre macht. Damit ist allerdings nicht gemeint, dass das gesamte Album ausschließlich davon handelt, dass sich die Wesen aus den uralten nordischen Legenden gegen ihre Verbannung in das Reich der Märchen zu wehren beginnen und das Christentum aus ihren ureigenen Gefilden vertreiben wollen. Worum es eher geht ist, dass die Band durch den Einsatz von vielen immersionserzeugenden Geräuschen eine sehr fantasieanregende Atmosphäre erzeugt, die zum Mitfiebern anregt. Viele Songs scheinen zusammen kleinere Geschichten zu erzählen, und auch wenn man der schwedischen Sprache nicht mächtig ist, kann man durch verschiedene Hinweise, wie die Geräusche von Schwertern, die gezogen werden, dem Krächzen von Raben, oder Vögeln, die aufgescheucht werden, erahnen, wovon die Songs auf dem Album handeln. Ein gutes Beispiel wäre die Überleitung von „Skymningsresa“ zu „Kolöga trolland“: Ganz plötzlich endet jedes Instrumental, alles was man hört ist das Läuten von Kirchenglocken, begleitet von einem unheilvollen, immer lauter werdenden Knurren. Man fragt sich, was wohl als Nächstes passieren wird. Dann erinnert man sich an das Coverbild des Albums, das man kurz davor noch gesehen hatte, und während „Kolöga trolland“ bereits mitten im Laufen ist, beginnt sich im Kopf des Hörers bereits ein Szenario zu entwickeln.

 

Ähnliches passiert bei fast allen Songs auf „Vredens tid“. Was die Stimmung des Albums aber neben den erwähnten Geräuschen so fesselnd macht, ist auch der sehr schön gelungene Spagat zwischen den Genres, den die Band seit Jahren aufrecht erhält. Die Musik der Schweden lässt sich im weitesten Sinne als Viking Metal bezeichnen, was den Sound der Band allerdings wirklich ausmacht ist, dass einem großen Teil ihrer Instrumentallandschaften durch sehr gelungenes Streicherspiel Leben eingehaucht wird, während auf „Vredens tid“ gleichzeitig auch noch Einflüsse des Black Metal spürbar sind, etwas, das auf neueren Werken der Band zwar teils noch vertreten ist, jedoch in einem wesentlich gerineren Maße. Neben ihrem unverkenntlichen Stil lassen es sich die Schweden jedoch auch nicht nehmen, ihre Talente auf dem Gebiet des Folk zu zeigen. So enthält „Vredens tid“ auch sehr ruhige, andächtige Songs, wie das Lied „Segervisa“, einer Ode an das Vermächtnis Derjeniger, die im Kampf gefallen sind und als Einherjer ihren Weg nach Walhalla finden sollten. Untermalt wird all dies zusätzlich noch von der mehr als vielfältigen Stimme eines Erik Grawsiö, die seit der Jahrtausendwende ein Markenzeichen der Band geworden ist. Von tiefem Growlen, über high-pitched Screams bis hin zu zarten Klargesang wird hier alles geboten, was das Herz begehrt.

 

Es war eine Kombination von alledem, die das wohl bekannteste und am meisten angepriesene Lied in der Bandgeschichte MÅNEGARMs hervorgebracht hat: „Hemfärd“, was so viel wie „Heimreise“ bedeutet. Hier wird alles Erwähnte was das Album ausmacht, von der fesselnden Stimmung, über die Kombination von eingeschwärzten Gitarren und folkigem Geigenspiel, bis hin zum mächtigen Organ von Erik Grawsiö in einem überragenden musikalischem Meisterwerk zusammengefasst, bei dem es nicht verwunderlich wäre, wenn es als ein, wenn nicht DAS Referenzwerk hergenommen werden würde, wollte man jemanden in die Welt des Viking oder Pagan Metal entführen. Kein Wunder also, dass „Hemfärd“ seit seiner Veröffentlichung bei jedem Konzert der Band ein MUSS ist, dass die sonst so männlichen, mit Trinkhörnern bewaffneten Besucher, wie kreischenden Fangirls reihenweise in Ohnmacht fallen lässt.

 

Was lässt sich also zum Abschluss über „Vredens tid“, das „Zeitalter des Zorns“ sagen? Den findigen Hörer erwartet hier ein Meisterwerk des Viking Metal, das den Schweden zweiffellos ein Sprungbrett war und vielen Hörern rund um den Globus große Freude bereitet hat, und das durch die feste Einbindung auf Live-Shows wohl immernoch tut. Die Band selbst bezeichnet „Vredens tid“ selbst als eines ihrer besten Alben, und das zu recht. Wer sich also für Musik aus der Sparte Viking und Folk Metal begeistern kann, der kommt um dieses Werk aus dem Jahre 2005 schlichtweg nicht herum.

 

 


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