BASANOS - Jochen Hagl

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Mir bringt es nix, wenn die Leute sagen BASANOS haben den schnellsten Gitarristen und den Schlagzeuger mit der schnellsten Doublebass. Das interessiert mich nicht mehr.

Sie sind eine der aufstrebenden Bands aus Österreich und eines der Zugpferde im Stall von Noisehead Records. BASANOS sind scheinbar Arbeitstiere, und trotz ihrer relativen Jugend bereits alte Hasen im Business. "Cracking The Sledge" wird das kommende Album heißen, und Sänger Jochen erzählte mir zuhause auf seiner Couch bei ein paar leckeren Bieren die Einzelheiten. Und noch einiges mehr.

Veröffentlicht am 26.08.2011

Jochen, ihr habt in drei Jahren drei Veröffentlichungen vorzuweisen - euer "Kill The Master" Demo mit eingerechnet. Das ist für heimische Verhältnisse ja relativ viel. Scheinbar sprudelt bei euch momentan die Kreativität nur so ...

J.: Natürlich sind wir kreativ, und wir machen gerne Musik. Wir sind das so gewöhnt, und haben vorher auch alle in diversen anderen Bands gespielt und Erfahrungen sammeln können. Jeder hatte aber irgendwann die Nase voll von seiner alten Band, und schon war ein Haufen Gleichgesinnter beisammen. Gemeinsam wollten wir dann ordentlich aufs Gas steigen, tja, und dann ging's schon dahin...

Die lang ersehnte "Band, wo sich jeder einbringen kann"?

J.: Genau, und das schöne ist, dass wir alle extrem motiviert dabei sind. Es ist immer blöd, wenn du einen hast, der alles macht, und der Rest macht nichts. Okay, Roman und ich machen bei BASANOS verhältnismäßig viel, aber Moritz und Wolf tragen auch ihren Teil bei. Der Wille ist da und keiner "zaht owe" - wie man so schön sagt. Wir haben einfach genug Ideen und wollen diese auch veröffentlichen. Das ist nicht immer leicht und erfordert viel Vorbereitung, aber wenn alle an einem Strang ziehen, dann klappt das auch.

Ich habe bereits drei Songs vom kommenden Album gehört - "Control", "Cracking The Sledge" und "Now" - und für mich pendeln sie irgendwo zwischen Metalcore, Hardcore und Southern Metal. Wo würdest du euch stilistisch in etwa einordnen ?

J.: Hm, ich habe irgendwann aufgegeben, uns einzuordnen. Man muss halt immer etwas dazu sagen, weil die Leute wissen wollen, was sie da eigentlich kaufen. Ich sag mal, wir haben auf jeden Fall ziemlich starke Hardcore-Einflüsse, die kommen von mir und Moritz, weil wir das Zeug auch privat sehr viel hören. Der Roman hat mit Bands wie ZZ TOP Gitarre zu spielen begonnen, deshalb wahrscheinlich der hohe Southern-Rock-Anteil. Er hat diese Spielart ziemlich drauf...

Interessant, denn über ZZ TOP kommen glaub ich die wenigsten zum Gitarre spielen...

J.: Naja, er wurde von seinem Gitarrenlehrer irgendwie in diese Richtung beeinflusst. Irgendwer hat uns mal als "Brutal Crossover" beschrieben. Und mit diesem Attribut kann ich momentan noch am besten leben. Der Begriff "Metalcore" ... nun, das war ja anfangs ein wenig anders als es jetzt ist. Vor ein paar Jahren war's ja noch so: bist du Metalcore, bist du scheiße. Heute ist das etabliert und gehört irgendwie zum guten Ton. Wir haben uns beim neuen Album gesagt: wir analysieren nicht viel herum, wir machen einfach. Und im Gegensatz zur ersten CD, wo wir allein mit dem Songwriting eineinhalb Jahre verbracht haben, haben wir diesmal viel effektiver gearbeitet.

Roman: Hier muss ich einspruch erheben, ich hatte im Prinzip keinen Gitarrenlehrer (bis auf 3 stunden mal, da habe ich aber schon gut 10 Jahre spielen können), aber nen älteren Bruder in ner Rock / Southern Rock - Cover Band, um mal das so richtig zu stellen.

Ich finde es ja auch nicht so toll, wenn Bands von Beginn an in irgendwelche Schubladen gesteckt werden, aus denen sie nie wieder rauskommen. Aber machen wir für euch trotzdem die Schublade "Brutal Crossover" auf.

"Control" klingt für mich extrem nach PANTERA, und ihr habt ja auch Tracks der Texas-Metaller in eurem Live-Set. Wie viel Einfluss kam denn von Bands wie PANTERA oder auch DOWN, vielleicht auch unbewusst...?

J.: Roman und ich haben eine Zeit lang sehr viel PANTERA gehört, zu DOWN bin ich erst bei deren zweiten Album gestoßen. CROWBAR haben wir auch viel gehört. Wir versuchen sicher nicht, PANTERA zu kopieren, aber diese Band ist schon sehr wichtig für uns.

Ich denke, die Frage danach ist für euch auch schon eher mühsam, oder?

J.: Naja, viele Bands gehen ja momentan in diese Southern Metal-Richtung. Bei uns war's aber immer so, dass wir PANTERA einfach geil fanden - und auch ein paar Tracks gecovert haben wie "Walk" oder "Fucking Hostile". Aber wir haben genauso Sachen von SEPULTURA oder SLAYER gespielt, das war dann eher wieder der Einfluss von unserem Bassisten Wolf.

Na, ist doch eh optimal, wenn jeder ein wenig mit seinen Einflüssen zum Gesamtprodukt beiträgt...

J.: Es war nie so, dass wir Nummern geschrieben haben nach dem Schema "das muss mehr in die PANTERA-Richtung gehen". "Control" ist irgendwie gar nicht so beabsichtigt gewesen, zu Beginn war die Nummer total soft, fast schon rockig. Dann ist das ganze gewachsen, wir haben den Refrain ein wenig bearbeitet, und dann ist das Ganze unbewusst ein wenig in diese Ecke abgedriftet. Wir kriegen ja das Moderne auch nicht aus unseren Songs raus, weil wir alle mit der Musik der Neunziger Jahre aufgewachsen sind. Wir haben quasi den New Metal auch noch mitgefressen, wenn man so will, SLIPKOT und so Sachen.

Der Retro-Thrash-Markt ist momentan eh gesättigt, da darf's ja ruhig auch ein wenig "modern" sein...

J.: Ja, und wir könnten diesen Oldschool-Metal auch gar nicht spielen, selbst wenn wir wollten. Wir haben das ja selber nicht miterlebt im Gegensatz zu Bands, die ein wenig älter sind als wir.

Aber Bands wie MUNICIPAL WASTE sind nicht wirklich älter als ihr. Ich finde es hängt nicht davon ab, ob man damit aufgewachsen ist, sondern ob einem halt die Musik gefällt.

J.: Schon, aber ich kann auch andersrum keine Nummern am Reißbrett entwerfen, weil immer unbewusst Sachen einfließen, die das Endresultat verwässern.

Beim Song "Now" wird mal amtlich Gas gegeben, aber insgesamt glaub ich, dass ihr euch eher im Midtempo-Bereich wohlfühlt, wo man auch ordentlich Druck machen kann...

J.: Ja, Midtempo ist schon auch unser Zuhause. Aber bei einer der neuen Nummern haben wir sogar mal einen Blastbeat drin, was eigentlich ungewohnt für uns ist. "Now" haben wir ziemlich am Schluss geschrieben, die Arbeiten sind eigentlich mit dem Refrain losgegangen. Dann haben wir einfach dieses coole Riff runtergeholzt, das nicht wirklich kompliziert ist.

Kompliziert nicht, aber eingängig. Und beim Refrain kann man schön mitgröhlen...

J.: Genau, jetzt ist es eben diese coole Nummer, zu der wir sogar ein Video gedreht haben. Am Anfang waren wir aber eher skeptisch, ob "Now" funktioniert. Aber wir haben einfach gesagt "scheiß drauf - wir nehmen, was kommt". Die Nummer hat alles drin und macht auch irre Spaß, wenn wir sie spielen. Der Hintergrund zu dem Track war diese ganze Fukushima-Geschichte, und der Text hat dadurch auch eine konkrete Aussage. Wie geht der Mensch mit der Welt um? Was sollte man mal überdenken? Man wird im Video dann auch sehen, dass wir damit ein klares Statement machen wollten. "Now" war somit auch für die Thematik des ganzen Albums wichtig. Auf "Instincts" war das etwas anders, da stand jede Nummer irgendwie für sich. Die restliche Band hat mir dann freundlicherweise freie Hand gegeben, das Video gemeinsam mit dem David Hofer zu konzipieren.

Nun, Hardcore oder auch Punk waren ja immer schon Musikstile, wo eine eindeutige Message dahinter stand.

J.: Eigentlich schon, das ist mir anfangs bei BASANOS gar nicht so bewusst gewesen, weil da eher die Technik von den Musikern im Vordergrund stand.

Also die übliche Frickel-Frickel-Geschichte...?

J.: Richtig. Ich war ja selber so drauf, hab mir gedacht "scheiße, der kann aber geile Soli spielen" und so weiter. Wenn man sich dann länger damit befasst, dann ändert sich diese Sichtweise.
Als damals unser zweiter Gitarrist Martin die Band verlassen hat, haben wir gesagt: ok, wir machen jetzt mit einem Gitarristen weiter, gehen von diesem technischen, hochmelodischen Zeug weg in eine andere Richtung - und es war gut so. Man hat einfach mehr Platz für Statements, wenn man sich nicht rein durch sein Können promotet. Mir bringt es nix, wenn die Leute sagen "BASANOS haben den schnellsten Gitarristen und den Schlagzeuger mit der schnellsten Doublebass". Das interessiert mich nicht mehr.

Leider machen aber viele Bands den Fehler, ausschließlich durch ihr Können punkten zu wollen, und die Musik geht aber dann nicht ins Herz, sondern überfordert eigentlich nur das Gehirn.

J.: Das Gesamtpaket muss halt stimmen. Und beim neuen Album ist alles so geworden, wie wir uns das gewünscht haben: die Musik, die Produktion, die Statements - das gesamte Package passt einfach perfekt.

Und von der Studiotechnik her habt ihr es möglichst nah am Instrument gehalten, dass es natürlich klingt?

J.: Genau. das war auch der Fehler, den wir anfangs gemacht haben. Dass wir gesagt haben "das und das können wir alles machen" - es war so diese erste Studio-Euphorie. Da steht so viel Technik rum, und wir müssen das jetzt alles irgendwie verwenden. Und die Produktion muss natürlich erste Wahl sein, damit du mit den anderen auch mithalten kannst. Aber die Platten, die ich persönlich am geilsten finde, haben nicht mal so einen guten Sound oder eine Top-Produktion.
Für "Cracking The Sledge" haben wir einfach weniger Equpiment verwendet, und auch im Mix haben wir nicht mehr so viel verändert. Mit dem Zeug, mit dem wir auch im Proberaum stehen, haben wir uns hingestellt, eingestöpselt, und einfach drauf los gemacht. Am Ende war alles aufs Wesentliche reduziert. Ich hab vor kurzem das Mix-Tape gehört - und muss sagen: genau so gefällt mir das. Es ist geil, es schnalzt, es macht Spaß beim Anhören, und es sind keine Sachen dabei, die ich im Nachhinein noch bemängeln könnte. Alles ist in sich stimmig, und wir sind jetzt echt schon gespannt auf den fertigen Mix.

Jetzt hast du wenigstens schon ein wenig Abstand zu dem Zeug...

J.: Stimmt, denn wenn du aus dem Studio kommst, kannst du die meisten Songs nicht mehr hören. Aber jetzt, nach ein paar Wochen ist die Vorfreude wieder da, und ich kann's kaum erwarten mir die Songs reinzuziehen!

Ihr seid ja schon mit einigen bekannten Bands aufgetreten, DEBAUCHERY, CROWBAR, LIFE OF AGONY, wart sogar auf einer kleinen Europa-Tour mit EKTOMORF. Habt ihr irgendeinen besonderen Wunsch, wen ihr gern mal supporten würdet? Außer PANTERA und DOWN halt...

J.: Eigentlich nicht. Aber wenn mir eine Fee jetzt einen Wunsch diesbezüglich erfüllen würde, dann würde ich mit METALLICA spielen wollen. Die sind halt einfach die Größten, und das würde sicher riesig Spaß machen. Aber wenn wir wieder Angebote diesbezüglich bekommen, sind wir da nicht so wählerisch. Es sollte halt in etwa zusammenpassen mit dem, was wir spielen. KORZUS aus Brasilien waren übrigens auch der Hammer. Überhaupt war diese Tour allerfeinstens organisiert, da hat einfach alles gepasst, jeder hat seine Arbeit erledigt und wir haben gesehen, wie es gehen kann, wenn man will. Ist halt schade, wenn man dann wieder irgendwo daheim spielt wo die Sache oftmals ganz anders aussieht...

Naja, es gibt gute Clubs und schlechte Clubs...

J.: Ja, eh. Aber ich versuch zum Beispiel auch bei meinen eigenen Veranstaltungen, wie dem "Feel The Fire" etwa, dass alles reibungslos abläuft. Weil ich weiß, dass die Bands das zu schätzen wissen. Natürlich kommt es bei so etwas auch auf die Bands selber an, aber wenn die Leute zumindest ein Minimum an Erfahrung und Hausverstand mitbringen, und nicht irgendwelche Exzentriker dabei sind, dann lässt sich sowas echt leicht handhaben. Man muss solche Events oder Touren halt planen, es steckt eine Menge Arbeit im Vorfeld dahinter.

Aber wenn jeder sein Scherflein dazu beiträgt, dann funktioniert das Ganze auch.

J.: Eben. Und was zu trinken gibt's dann halt erst nachher, hahaha.

Aber dann reichlich! Hast du noch ein paar Worte für unsere Stormbringer-Leserschaft parat?

J.: Natürlich! Ich sag echt nochmal danke dafür, dass ihr uns 2010 zur Underground-Band des Jahres gewählt habt! Sehr geile Sache! Und ich lese euch ja auch privat gerne, also danke an Jeden der sich da engagiert und das Ganze am Laufen hält! [Machen wir doch gerne! d.Verf.]
Ach ja, checkt das neue Album aus und kommt zur Release-Party am 15.10. im Wiener Viper-Room! Das wird Hammer, und man kann sogar was gewinnen!

Also, nix wie hin! Danke Jochen für das ausführliche Gespräch.


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