Leviathan - Tobias

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Ich habe oft das Gefühl das viele Bands im Bereich Melodic Death Metal eher versuchen unerwartetes zu vermeiden und da wollen wir uns halt keine Grenzen auferlegen...

Mit "Beyond The Gates Of Imagination - Part 1" haben LEVIATHAN aus Deutschland ein gelungenes Debüt im Melodic Death Metal abgeliefert. Gitarrist Tobias beschreibt den Entstehungsprozeß des Albums, das Konzept dahinter und wie sich Mittelalter-Einflüsse einschleichen können...

Text: Luka
Veröffentlicht am 12.09.2011

Hallo, erstmal danke dass ihr euch Zeit für ein Gespräch nehmt. Bitte stellt kurz LEVIATHAN vor.

Leviathan besteht aus fünf Musikern, Jonas Reisenauer (Vocals, Gitarre), Tom Heinz (Bass), Fabian Gocht (Keyboards), Tobias Parke (Drums) und mir (Tobias Dahs) an der Gitarre. Wir sind alle Anfang 20 und kommen aus der Nähe der ehemaligen deutschen Hauptstadt Bonn. Gegründet wurde die Band in einem Zeitraum zwischen 2007 und Ende 2008, ein genaues Datum gibt es da eigentlich da, wir uns nach und nach zum Musik machen zusammengefunden haben. Der Gedanke das wir das ganze ernsthaft als Band betreiben wollen entstand Mitte 2008, etwa zur gleichen Zeit als wir mit Fabian einen passenden Keyboarder gefunden haben.

Gratulation zu „Beyond The Gates Of Imagination - Part 1" – ein starkes Album, vor allem wenn man bedenkt, dass es eure Debüt-CD ist. Wie lange macht ihr schon Musik?

Vielen Dank für das Lob, wir sind auch sehr glücklich mit dem Album. Also wirklich angefangen eigene Songs zu schreiben haben wir etwa Anfang 2008. Damals sind 11 Songs entstanden, wovon wir später vor den Aufnahmen zu unserer Debüt-EP dann doch das Gefühl hatten, dass die Songs eher nach Heldenverehrung als nach eigenständigen Songs klangen. Nur zwei der Songs haben es dann 2010 auf die EP geschafft und zwar „When Only Despair Remains“ und „Towards The Storm“.

Was beim Hören der CD auffällt, ist die Vielfalt an Einflüssen (Prog, Powermetal, Mittelalter) abgesehen von der Hauptzutat Death Metal. Ist das Ergebnis eurer Hörgewohnheiten?

Das ist auf jeden Fall Ergebnis unserer Hörgewohnheiten. Wir haben da alle doch einen weit gefächerten Musikgeschmack, neben Death Metal und Melodic Death Metal hören wir auch die verschiedensten Sachen, von Klassik über folkige Sachen bis hin zu Jazz findet man viele auch eher „unübliche“ Stile auf unseren MP3-Playern. Es ist aber nicht so das wir versuchen maximal viele Einflüsse irgendwie in unserer Musik unter zubringen. Die Stil-Elemente die wir aufgreifen sollen einfach die textliche Story des Songs unterstützen.
Ich habe oft das Gefühl das viele Bands im Bereich Melodic Death Metal eher versuchen unerwartetes zu vermeiden und da wollen wir uns halt keine Grenzen auferlegen, um so auch unseren eigenen Stil zu finden und uns von anderen Bands abzuheben.

Vor allem die Mittelalter-Parts (wie z.B. das Outro von „About Fangs And Feathers“) sind im Kontext des restlichen Materials doch recht überraschend. War das ein geplanter Effekt?

Diese Mittelalter-Einschübe waren nicht als Überraschungseffekt geplant, sie haben sich eher einfach im Prozess des Sonwritings ergeben.
Bei „About Fangs And Feathers“ war es so, dass Jonas diesen Pagan-lastigen Chorus geschrieben hatte und er mit dieser majestätischen Stimmung super in den Song passte. Im Outro wollten wir dann einfach einen anderen Weg gehen einen Song zu beenden und haben uns entschlossen bei der zweiten Wiederholung des Refrains zum Ende hin die Band und die Screams rauszunehmen und nur die klaren Backing-Vocals alleine stehen zu lassen.
Der zweite sehr mittelalterliche Part ist im Intro von „Servants of the Nonexistent“ zu finden.
In dem Fall war es eher so das wir uns zu diesem folk-lastigen Part auf Grund des textlichen Themas des Songs entschlossen haben. In „Servants ..“ geht es um die Wandlung der Religion von einer moralischen Instanz hin zu einem Mittel um Menschen zu kontrollieren. Und da ein großer Teil dieser Wandlung im Mittelalter geschah, fanden wir es sehr passend den Song mit einem mittelalterlichen Thema zu beginnen. Im Intro besingen die „Barden“ die Ursprünge der Religion, um so den Hörer in die Geschichte des Songs einführen.

Steht hinter dem Album ein Konzept? Was verbirgt sich hinter der Aufteilung des Albums in 3 „Akte“?

Das Album ist kein Konzept-Album im klassischen Sinne wie z.b „The Wall“ von Pink Floyd. Allerdings steckt hinter dem Album ein textliches Konzept. Die Aufteilung in die Akte „Conduct“ (Was tun wir?), „Essence“ (Was sind wir?) und „Ambition“ (Wonach streben wir?) gliedert dabei die textlichen Inhalte in einzelne Abschnitte.
Das gesamte textliche Konzept ist dann die surreale Reise eines Ich-Erzähler der in verschiedenen Szenen Missstände der Menschheit erfährt. Manchmal mit eher allgemeinen Themen (Streben nach Macht, Religion) und manchmal mit sehr aktuellen Bezügen. „Beneath A Blackened Sky“ z.B. bezieht sich direkt auf die Öl-Pest im Golf von Mexiko im letzten Jahr.

Nachdem das Album „Beyond… - Part 1“ heißt, nehme ich an, es sind noch Fortsetzungen geplant. Habt ihr euch da auch schon was überlegt?

Eigentlich war es geplant das textliche Konzept auf einem Album umzusetzen. Aber umso mehr wir daran arbeiteten um so länger wurde die CD. Am Ende kamen wir an die Spielzeit-Grenzen einer CD und auch an die Grenzen unserer Möglichkeiten, weil es einfach zu viel war innerhalb von 12 Monaten 75 Minuten Musik zu schreiben, inklusive Orchestrationen. Deshalb haben wir uns im Studio entschlossen das Konzept auf zwei CDs aufzuteilen.
Ein Großteil der Musik für Part 2 ist schon fertig, einige Schlagzeug- und Bass-Tracks sind sogar schon fertig eingespielt. Und unser Plan ist es innerhalb eines Jahres ins Studio zurück zugehen und Part 2 fertig zustellen

Wie läuft das Songwriting bei euch ab, und was sind eure musikalischen Vorbilder?

Also generell haben wir zwei grundlegende Methoden um Songs zu schreiben. Entweder wir schreiben zuerst die Musik und danach schreibt Jonas einen Text passend zur Stimmung die die Musik vermittelt, oder wir beginnen mit einer Story oder einem Thema und schreiben dann passend zur Geschichte des Songs die Musik. Ein gutes Beispiel für die zweite Methode ist z.B „Where Light and Death Unite“. Bei diesem Song hatten wir von Anfang an das Thema Krieg im Hinterkopf und das hat die Musik beeinflusst. Vom Death Metal lastigen Sound des Songs, über die vielen Breaks und Dive-Bombs, die das heulen von z.B. Mörser-Feuer nachstellen sollen, bis hin zum Gitarren-Solo das eher ein Duell zwischen Jonas und mir darstellt, ist alles an das Thema des Songs angelehnt.
Ein Beispiel für die erste Methode wäre z.B. „About Fangs And Feathers“, zu diesem Song entstand die Musik eigenständig, lange bevor Jonas den Text schrieb.
Was die musikalischen Vorbilder angeht, ist es schwer etwas genaues zu sagen. Da gibt ebenso viele wie musikalische Einflüsse. Man wird sicher an vielen Stellen der Platte mal den Einfluss eines musikalischen Idols raus hören, aber generell versuchen wir uns möglichst wenig an Idolen zu orientieren um so auch nicht zu sehr nach einer anderen Band zu klingen bzw. deren Sound zu kopieren.

Was sind eure kurz- und langfristigen Pläne?

Also kurzfristig steht für uns erstmal der Release des Albums am 16.09.2011 und die am gleichen Tag stattfindende Release-Party im Kulturcafé Siegburg an. Danach werden wir mit dem Album live unterwegs sein und so viele Shows wie möglich bis zum Ende des nächsten Festivalsommers mitnehmen, eine kleine Tour durch Deutschland im März 2012 ist auch momentan in der Planung. Außerdem wollen wir, wie gesagt, Anfang Sommer 2012 zurück ins Studio um Part 2 fertig zustellen, das dann hoffentlich in gut einem Jahr auf den Markt kommen wird.
Langfristige Pläne gibt’s bei uns bisher nicht wirklich, wir versuchen uns immer auf die nächste anstehende Aufgabe zu konzentrieren. Was nach Part 2 kommt sehen wir sobald es soweit ist. :)


Danke für die Zeit und eure ausführlichen Antworten. Habt ihr noch eine Botschaft an unsere Leser?

Erstmal vielen Dank für das Interview und vielen Dank an die Leser für euer Interesse. Hört doch auf unserer Myspace-Seite einfach mal in das neue Album rein, oder ladet euch direkt unsere kostenlose Web-EP mit der ersten Single des Albums runter. Und ansonsten sehen wir uns hoffentlich im kommenden Jahr auf einer unserer Shows.


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