Interview: Motörhead - Lemmy Kilmister

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„I Know How To Die“, der Text bedeutet mir ungemein viel, aber ich hab es noch nicht ausprobiert

Er ist eine Ikone, von allen geliebt und verehrt, selbst oft zuwider wirkend, aber hinter dieser Fassade steckt eine der witzigsten, intelligentesten und humorvollsten Gestalten des Rock’n’Roll: LEMMY KILMISTER, dem im Alter von (fast) 66 teuflischen Jahren nichts so schnell aus der Fassung bringt. Wir hatten die Ehre, dass uns SIR LEMMY in München Audienz erwies...

Text: Reini
Veröffentlicht am 01.12.2011

Lemmy, ihr seid auf Eurer alljährlichen Gastspielreise in Deutschland – eine Beziehung, deutsche Fans und MOTÖRHEAD, die über Jahrzehnte lang eine sehr enge war. Hast Du eine Erklärung, warum gerade die deutschen Fans Euch schon solange die Treue halten?

Gerade die deutschen Fans goutieren, wenn eine Band lange dabei ist und zeigen das auch. Man kann sagen, dass die deutschen Fans alte Bands mögen und diesen dann auch über viele, viele Jahre hinweg die Treue halten.

Es ist schon eine Zeit her, dass ich MOTÖTHEAD das letzte Mal live gesehen hab. Das war 2007 als Headliner auf dem Masters of Rock Festival in Tschechien.

An den Gig kann ich mich noch gut erinnern.

Damals habt ihr ja, wie auch auf der aktuellen Tour wieder, den „Whorehouse Blues“ akustisch dargeboten. Voriges Jahr gab es für eine Bierwerbung eine Akustikversion Eures Klassikers „Ace of Spades“ – habt ihr in der Band je darüber nachgedacht, ob ihr nicht mal einen kompletten Akustikset spielen könntet, oder ist es für Dich undenkbar, dass die lauteste Rock’n’Roll Band dieses Planeten einen kompletten Gig rein mit Akustikversionen spielt?

Ein ganzes Konzert wäre wohl zu viel Aufwand, aber wir haben schon intern diskutiert, ob wir nicht vielleicht mal eine zweite Nummer akustisch bringen werden. Das wäre auch von der Vorbereitung her noch zu machen, aber ein ganzer Gig nur mit Akustikversionen unserer Songs ist dann doch zu viel von den Proben her, den Arrangements und so.

Du hast ja über all die Jahre hinweg unzählige Lyrics für MOTÖRHEAD geschrieben, gibt es da Songs, die aus Deiner Sicht von der lyrischen Seite her über den anderen zu stellen sind, die Dir persönlich einfach mehr bedeuten?

Von der letzten Platte „I Know How To Die“, der Text bedeutet mir ungemein viel, aber ich hab es noch nicht ausprobiert *har har har*

Du hast ja auch für andere Künstler Texte geschrieben, JOAN JETT, LITA FORD und natürlich für OZZY OSBOURNE, das halbe „No More Tears“ Album 1991. Wie strikt bis Du in der Auswahl für wen Du arbeitest und für wen nicht? Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, dass Du je Texte für MANOWAR schreiben würdest.

Das kann ich mir auch nicht vorstellen *har har har*

Aber sonst bin ich da nicht so strikt. Ich mach das gerne, schreibe auch pausenlos Texte, wenn die wer haben will und das Angebot ist OK, dann mach ich das. Ich hab auch mal zwei Lyrics für die DORO zur Verfügung gestellt. Die lagen bei mir schon sicher fünf Jahre rum, für MOTÖRHEAD hab ich die, aus welchen Gründen auch immer, nie verwendet, dann hab ich sie einfach der DORO überlassen.

Findest Du nicht auch schade, dass 90% der Leute MOTÖRHEAD ausschließlich mit Deiner Person in Verbindung bringen. Ich mein Phil ist jetzt fast 28 Jahre dabei und Mikkey auch schon 20 Jahre und die beiden sind für eine Reihe der neuen MOTÖRHEAD Classics verantwortlich?

Ja natürlich ist es schade, aber andererseits ich bin derjenige in MOTÖRHEAD der von Beginn an dabei ist und ich bin der Sänger. Jeder will immer nur mit dem Sänger reden, auch Du wolltest heute ja mit mir reden. Darum gibt es ja z. B. auch so wenige Interviews mit Keith Richards *har har har* – ihr wollt alle immer nur mit den Sängern reden.

Wenn wir 2011 rückblickend auf Euren Touringplan schauen, kommen MOTÖRHEAD auf 100+ Shows und es ist kein Ende in Sicht. Ende Jänner geht ihr mit MEGADETH auf die 6-Wochen dauernde Gigantour in den Staaten.

Das wird auch bis Weihnachten 2012 so weitergehen.

Wie anstrengend ist es eigentlich heutzutage für Dich auf Tour zu sein, oder ist es immer noch der beste Job on Earth und Du würdest Dich zu Tode langweilen, wenn Du länger zu Hause sein müsstest?

Das ist kein Job für mich, das ist mein Leben. Wenn Du heute hier rausgehst, dann hast Du Deinen Job hinter Dich gebracht und gehst zurück zu Deiner Familie und in Dein Leben, aber ich, ich bleibe Lemmy. Natürlich hat man Tage wo es einem besser geht und dann wieder welche wo es nicht so gut läuft, aber ich komme damit zu Recht und schau, das ist mein Leben, ich kenne ja gar nichts anderes. Ich hab ja auch keine Familie, ich bin Single, bei Phil und Mikkey sieht das anders aus, aber wenn ich nach Hause muss, sitz ich dann in Hollywood und geht halt ins Rainbow.

Die Gigantour hab ich ja schon erwähnt, weil auf dieser Tour habt ihr immer zwei Gigs hintereinander und dann einen Tag frei - auf der Gigantour nächstes Jahr sind es aber manchmal fünf, oder gar sechs ohne Day-Off.

Ja, aber dafür spielen wir dort nur eine Stunde, also gleicht sich das wieder aus, das bekomm ich schon hin.

Wie schwierig ist es eigentlich für Euch Drei so eine passende Setlist zu finden, wenn wir jetzt diese Tour zum Beispiel hernehmen?

Ach wir streiten uns zusammen. Schau, die Classics müssen wir ohnehin spielen, ob wir wollen oder nicht, dann mindestens zwei Nummern von der aktuellen Scheibe und sonst mischen wir halt immer ein bisschen. Ich hab zum Beispiel jetzt zwei Mal versucht „The One To Sing the Blues“ unterzubringen, jedes Mal hat Mikkey abgelehnt. Diesmal ist er damit angekommen, dass wir doch endlich wieder mal „The One To Sing the Blues“ in die Setliste aufnehmen müssen.. Ja so läuft das bei uns *har har har*

Der „Cult of Personality“, der Dich mittlerweile umgibt, es gibt eine Action Figur von Dir…

Ja, die ist witzig!

… letztens in der Harald Schmidt Show hast Du das Dekoltee eines weiblichen Fans signiert, die sich Deine Unterschrift dann als Tattoo machen lassen will…

Yeah, crazy isn’t it?

… meine Lebensgefährtin und Ich, wir haben unseren jetzt 20-Monate alten Sohn Aron Lemmy getauft…

Really? Thank You!
Ich kenn ein deutsches Pärchen, die haben ihre Tochter Lemmy getauft, eigentlich hätte das ja ein Junge werden sollen und die wollten dann den Namen nicht mehr ändern. Die muss aber jetzt auch schon dem Schulalter entwachsen sein.

Es soll ja ein MOTÖRHEAD Coveralbum in Planung sein, kannst Du uns da vielleicht schon etwas verraten?

Wir haben darüber schon gesprochen, aber das wird kein leichtes Unterfangen werden. Mikkey ist ja ein riesiger AOR Fan und will natürlich, dass wir was von JOURNEY oder so covern...

So hoch kannst Du ja gar nicht singen oder?

Nein, sicher nicht *har har har*
Ja und Phil will natürlich, dass wir irgendeine obskure NWOBHM Band covern, aber Covers haben wir immer schon gerne gemacht. Das „Cat Scratch Fever“ Cover zum Beispiel finde ich nach wie vor grandios.

Ihr habt ja auch die RAMONES gecovert…

Das war kein Cover, das war ein Tribute Song. Aber wir haben mal einen RAMONES Track gecovert, den aber nie offiziell veröffentlicht.

Dein Soloalbum soll ja auch 2012 – endlich – erscheinen oder?

Ja die Never Ending Story. Zehn Songs sind mal fertig, erst letztens haben wir einen Song mit JOAN JETT abgeschlossen.

Produziert hat ja Jim von SKEW SISKIN, richtig?

Ja Jim Voxx hat die Sache produziert.

SKEW SISKIN sind übrigens eine sträflich unterbewerte Band wie ich meine…

Das sind sie tatsächlich. Ich verstehe bis heute nicht, warum die nie den Erfolg gehabt haben, den sie mit dieser Musik eigentlich verdient hätten.

Vielleicht sollten sie es so machen wie Du. Du bist aus England ausgewandert und seitdem hast Du in Deiner Heimat einen ganz anderen Status, SKEW SISKIN sollten womöglich auch Deutschland verlassen.

Das könnte gut sein, dass ihnen das was bringen könnte, aber man weiß ja nie, weißt Du.

Du behauptest ja irrsinnig oft, dass LITTLE RICHARD der größte Rock’n’Roller der Welt sei. Da wirft sich bei mir die Frage auf, was hat LITTLE RICHARD, was ein LEMMY KILMISTER nicht hat?

Der LITTLE RICHARD hatte eine weit schlimmere Kindheit als ich. Aber seine Stimme, dazu das Piano, das ist pure Magie, für mich ist LITTLE RICHARD einfach der Beste Rock’n’Roll Sänger ever! Wobei jetzt ist er natürlich auch schon alt und tritt kaum mehr auf, dafür verteilt er Bibeln an die Leute, das ist wie bei STRYPER, i mean fucking STRYPER *har har har* Ich mein, ich bin auch gut, aber der LITTLE RICHARD ist einfach unglaublich..

Und wie Du gut bist Mr. Kilmister, Danke für das Gespräch es war mir wirklich eine verdammte Ehre!


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