Cannibal Corpse - Alex Webster

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Ich sehe es gerne, wie sich die jungen Death Metal Bands gegenseitig pushen, weil das der ganzen Szene hilft.

Eigentlich war mit den kultigen Oberkannibalen ja ein Liveinterview bei der FULL OF HATE-Tour in Wien geplant. Nachdem der Abend aber aus Pleiten, Pech und Pannen bestand, hat sich Bandboss und Bassist Alex Webster Zeit an seinem Rechner genommen.

Veröffentlicht am 02.03.2012

Hey Alex, bei der FOH-Tourstation in Wien gab es gewaltige Probleme, die halben Bands mussten ihren Auftritt sogar canceln. Was war da los mit dem Bus und hat sich dann wieder alles eingerenkt?

Ich glaube, dass beim Bus von LEGION OF THE DAMNED, SUICIDAL ANGELS und NEXUS INFERIS die Wasserpumpe gebrochen ist. Das Probleme wurde tatsächlich schnell gelöst und der Rest der Tour funktionierte einwandfrei.

Gab es spektakuläre Momente während des Tourtrotts? Oder seid ihr abends doch eher müde ins Bett gefallen?

Natürlich gibt es dort und da mal kleine Highlights, aber im Großen und Ganzen verlaufen die einzelnen Tage ziemlich ähnlich. Wir haben bislang ausschließlich tolle Shows gespielt und die Auftritte sind auch die klaren Highlights eines Tages. Ansonsten wartet man doch nur aufs Essen, versucht sich auszuruhen, zu duschen - also eher fades, alltägliches Zeug. Ich persönlich halte eigentlich nicht viel von großen Partys, aber natürlich sind einige der Jungs gern am Trinken und haben am nächsten Tag einen dementsprechenden Kater. Solang die Show dadurch nicht belastet wird, ist das ja auch voll ok.

Wie hart ist es, die Tour zu headlinen und täglich eine Stunde derbsten Death Metal ins Rondeau zu werfen?

Die Zeit ist kein Problem. Bei einer normalen Headliner-Tour spielen wir 75 oder oft sogar 90 Minuten pro Abend. Allerdings kann es schon sehr hart, nach fünf absoluten Killerbands aufzutreten, weil die Leute dann doch oft schon müde sind. Wir mussen also hart daran arbeiten, sie wieder fit zu kriegen.

Unlängst wart ihr auch Bestandteil der 70.000 Tons Of Metal-Kreuzfahrt. Was war das für eine Erfahrung?

Großartig! Wir hatten eine tolle Zeit auf der Bühne, aber die anderen Bands als Zuseher zu sehen, war natürlich noch toller. Es war einfach der Hammer und ich kann es nur jedem Metalfan empfehlen, einmal daran teilzunehmen.

In einer Woche erscheint euer zwölftes Studioalbum "Torture". Wie viel Zeit hat das Songwriting diesmal in Anspruch genommen?

Am Songwriting haben wir etwa sieben oder acht Monate gefeilt und als wir im September 2011 ins Studio gingen, hatten wir praktisch zwölf Songs am Start. Mir ist es wichtig, die Musik vor dem Studioaufenthalt komplett fertig zu schreiben, denn im Studio noch daran herumzubasteln kommt uns viel zu teuer.

"Torture" ist ja wirklich ein massives Todmetall-Statement und in gewissen Teilen des Albums geht ihr tatsächlich zurück zu den alten "Tomb Of The Mutilated"-Tagen. Aus welchen Gründen ist das passiert?

Schwer zu sagen. Jeder Song ist völlig individuell entstanden, somit wussten wir nie, wie sich das Album eigentlich bis zum Ende hin anhören wird. Aus irgendwelchen Gründen klingt das Album aber tatsächlich mehr nach Old-School als die anderen, ich kann aber nicht sagen, warum das so ist.

"Das neue Album ist das beste, das wir je gemacht" ist die beliebteste Musikerfloskel. Mit "Torture" dürft ihr das eigentlich sogar behaupten. Wie waren denn die ersten Reaktionen auf die Songs?

Danke Mann, freut mich, dass dir das Album so gut gefällt. Nur wenige Leute haben das Album bislang gehört, doch deren Reaktionen waren durch die Bank gut. Wir versuchen immer, unser bestes Album zu schreiben. Ob wir das erfolgreich schaffen oder nicht, kann ich dir natürlich nicht sagen. Ich denke aber, dass "Torture" unseren Fans gefallen wird - es ist verdammt brutal und sehr variabel ausgefallen.

Ihr habt tonnenweise brutales Material darauf integriert. Vom schnellen "Followed Home Then Killed" bis zum groovigen Schädelspalter "Scourge Of Iron". Ist dir die Vielseitigkeit wichtig? Und wie kann man nach 24 Jahre noch immer derart knallharte Musik und Texte auf den Tisch hauen?

Ja, die Vielseitigkeit ist uns sehr wichtig. Jeder Song soll seinen individuellen Charakter haben und trotzdem verdammt hart klingen. Diese Vielseitigkeit macht das Album meiner Meinung nach auch so interessant. Zu meinen absoluten Favoriten zählt etwa "Sarcophagic Frenzy". Ich denken, wir können deswegen noch immer solche Musik schreiben, weil wir diese Art von Musik einfach lieben. Es wäre viel viel schwerer Musik zu schreiben, die uns nicht so zusagen würde.

Nicht ganz so brutal ist dafür das Coverartwork von Vincent Locke ausgefallen. Wie ist die Musik mit dem Artwork verbunden?

Ich habe das Gefühl, dass du das Artwork als gesamtes noch nicht gesehen hast. Es ist verdammt brutal, ähnlich wie das von "Butchered At Birth". Metal Blade hat bislang nur das Slip-Cover präsentiert, was anscheinend für viel Verwirrung sorgt. Vincent Locke ist ein großartiger Künstler und sein dunkles, zerstörendes Artwork passt perfekt zum Sound des Albums.

Ihr habt das Album erneut mit Erik Rutan in seinen Mana Recording Studios produziert. Der Sound killt wirklich! War es eine logische Schlussfolgerung, dass ihr wieder in der gewohnten Umgebung aufnehmt und wie ging's dort voran?

In dem Fall haben wir die erste Hälfte des Albums in Texas in den Sonic Ranch Studios aufgenommen und nur die zweite Hälfte bei Erik. Produziert hat er aber in beiden Studios. Bei den Produzenten sind wir immer sehr genau und vorsichtig - sie werden speziell von uns gewählt. Die Aufnahmen zu "Torture" waren nicht immer einfach, weil wir öfters Probleme mit dem Equipment hatten, aber insgesamt war es eine tolle Zeit und ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat.

Seit Rob Barrett 2005 in die Band zurückgekehrt ist, hat CANNIBAL CORPSE ein stabiles Line-Up, was du auch gerne als Grund für die starken letzten Alben anführst. Läuft es bei euch denn demokratisch ab?

Ja, jeder der Ideen hat, kann sich kreativ einbringen. Rob, Pat, Paul und ich arbeiten wirklich sehr hart über Monate hinweg, um die Musik und die Lyrics zusammen zu tragen. Mehrere Songwriter sorgen auch für mehr Vielseitigkeit und lassen ein Album spannender klingen, finde ich.

Viele eurer Alben - wie zB "Evisceration Plague" - stehen in Deutschland auf dem Index. Wie sieht es da mit "Torture" aus und wie stark müsst ihr denn die Setlist für die diversen Konzerte verändern?

Mittlerweile müssen wir unsere Setlist für Deutschland-Konzerte gar nicht mehr verändern, aber gewisse Alben dürfen nur von Leuten gekauft werden, die mindestens 18 Jahre alt sind. Wie das bei "Torture" aussehen wird, wissen wir noch nicht genau.

Death Metal hat sich über die Jahre ja stark gewandelt. Viele sehen es als essenziell an, möglichst viel zu frickeln oder technisch aufzufallen. Ihr habt bei diesem Trend nie so wirklich mitgemacht. Hörst du dir junge Death Metal Bands an und wie stehst du zur Entwicklung der Szene?

Ich sehe es gerne, wie sich die jungen Death Metal Bands gegenseitig pushen, weil das der ganzen Szene hilft. Das ist nötig, um die Szene und Bands frisch zu halten. Solange die Bands nicht die Traditionen von Death Metal vergessen, sehe ich kein Problem bei den verschiedenen Entwicklungen. Ich liebe Old-School-Bands, aber nach vorne zu blicken ist auch sehr wichtig. So schnell und brutal wie möglich zu sein, war doch immer das Grundcredo von Death Metal und wird es unverändert auch in Zukunft sein.

Hast du dir eigentlich jemals gedacht "Oh Mann, langsam fühle ich mich zu alt nackenzerbestende Musik zu schreiben und permanent durch die Welt zu tingeln"? Was motiviert dich denn noch immer und hast du auch schon mal daran gedacht, ein Side-Project in einem völlig anderen Genre - zB Country - zu starten?

Tja, so wie alle werden natürlich auch wir mit der Zeit immer älter, was vor allem das Touren natürlich nicht einfacher macht. Aber achten auf Tour wirklich stark auf unsere Gesundheit, damit wir bei den Shows auch wirklich Vollgas geben können. Death Metal ist eine athletische Musik und so müssen wir auch ziemlich athletisch sein, um das Programm durchzuhalten. Wir halten uns fit und proben wirklich sehr hart, bevor wir auf Tour gehen. Bei einer Tour selbst schauen wir, dass wir uns möglichst gesund ernähren und sie viel Zeit wie möglich zur Entspannung haben. Wenn wir uns an dieses Programm halten, werden wir sicher noch viele Jahre durch die Welt touren können.
Es ist nicht schwer uns zu motivieren, schließlich lieben wir Death Metal und verdanken CANNIBAL CORPSE unser Leben. Alle Bandmitglieder dürfen so viele Side-Projects starten, wie sie wollen. Ich zum Beispiel liebe technische Musik über alles und deswegen spiele ich in der Tech-Metal Band BLOTTED SCIENCE.

1993 wart ihr im Jim Carrey-Film "Ace Ventura" zu sehen, wo er sich im bunten Hemd bei "Hammer Smashed Face" durch die Crowd tanzt. Ziemlich kurios eigentlich.

Das war wirklich unvergesslich und ich danke Jim Carrey hiermit nochmals, dass er uns damals für den Film gewählt hat.

Bereits im Juni seid ihr wieder in Österreich, wenn ihr die Premiere des neu gegründeten Extreme Fest headlined. Hattet ihr eigentlich überhaupt schon einmal Zeit, euch etwas in diesem Land anzusehen?

Wir alle mögen Österreich wirklich gerne, ein wunderschönes Land. In Salzburg waren bislang auch alle Konzerte und das Publikum großartig. Außerdem werden wir wieder das Schloss neben diesem Klub besuchen. Euer Land hat eine große und lange Geschichte und wir verbringen wirklich sehr gerne Zeit in eurem Land.

Also wird es bis eurer Pension auch noch unzählige CANNIBAL CORPSE-Alben geben?

Ich denke, da wird es noch einige Alben in der Zukunft geben. So alt sind wir ja auch noch nicht, haha.


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