Interview: Meshuggah - Mårten Hagström

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Wir sind einfach ein paar schwedische Jungs die Musik machen die sie selber cool finden. Und wenn es da draußen Leute gibt, die das auch cool finden, dann sind wir zufrieden.

MESHUGGAH haben mit ihrem aktuellen Album "Koloss" wieder einmal eindrucksvoll bewiesen, dass sie im Extrem Metal eine schwer zu biegende Konstante darstellen. Wir unterhielten uns mit Gitarrist Mårten Hagström.

Text: Reini
Veröffentlicht am 12.03.2012

Hi Marten! Es kommt ja selten vor, dass ein Albumtitel derart passend für ein Album ist, aber um ehrlich zu sein, ich könnte mir keinen besseren Titel für Eure 10 neuen Songs vorstellen als KOLOSS!

Ha Ha! Das ist cool, denn genau so dachten wir auch.

War es für Euch schwierig den Titel zu finden, oder ist das schon relativ früh während der Produktion festgestanden?

Also zuerst dachten wir ja, der Albumtitel würde mit irgendwelchen Lyrics auf dem Album zusammenhängen. Aber je mehr über dieses Thema nachdachten, desto mehr kamen wir zur Überzeugung, dass wir etwas anderes haben wollen, wir wussten in diesem Stadium der Albumarbeiten aber noch nicht was. Ich weiß jetzt gar nicht mehr wann es dann war, aber wir saßen so in der Runde und diskutierten, dass das Album derart heavy, organisch, dunkel, ja richtiggehend speziell sei und dann kamen die Lyrics des Openers „I Am Colossus“ am Tisch. Wir sahen uns nur an und meinten „Damn that’s just perfect – that’s the way it sound!“.

Bei Euren vorangegangen Alben habt ihr Euch ja ein wenig wegentwickelt von der – sagen wir – Bandarbeit. Jeder von Euch hat meist alleine aufgenommen usw. Jetzt bei „Koloss“ wurde das aber wieder geändert. Ihr wart gemeinsam im Studio. War das wichtig, damit „Koloss“ dieser 54 Minuten dauernde metallicious treat wurde?

Ja davon bin ich zu 100% überzeugt. Wir haben zwar in der Vergangenheit schon zusammen an Alben gearbeitet, aber noch nie derart intensiv wie bei „Koloss“. Diesmal haben wir während des Songwritings eine Tour eingeschoben und als wir danach zurückkamen und wieder mit dem Ausarbeiten unserer Ideen begannen, waren alle in der Band zu 100% involviert. Früher hat jeder seine Ideen alleine ausgearbeitet und die dann an die restlichen Mitglieder verteilt, jeder konnte noch seine Ideen dazu fügen usw.

Diesmal war es wirkliches Teamwork. Sogar Songs, die ich z.B. ganz alleine komponiert habe, da waren die Jungs von der allerersten Idee bis zum fertigen Track immer involviert, dadurch konnte auch jeder schon relativ früh seinen Input und seine Idee geltend machen. Und genau das war meiner Meinung nach immens wichtig für das gesamte Album und hat „Koloss“ ziemlich geprägt.

Ihr seid ja – zumindest für den Album Mix – wieder zu Daniel Bergstrand zurückgekehrt. Die letzten gemeinsamen Arbeiten zwischen Daniel und Euch waren ja „Destroy Erase Improve“ (1995) and „Chaosphere“ (1998). Ist das vielleicht einer der Gründe warum „Koloss“ doch um einiges organischer klingt als z.B. „ObZen“?

Ja das glaube ich schon, nein ich würde sogar sagen, dass das ein Faktum ist. Wir haben solange unsere Alben selber produziert usw. und wollten diesmal nicht wieder das komplette Engineering auf Fredrik's (Thordendal – Guitar) Schultern abladen. Das war in der Vergangenheit, gerade in den letzten Wochen der Produktion(en) doch eine gewaltige Belastung. Was uns aber vielleicht noch wichtiger war, dass wir einen Kerl im Studio hatten, den wir vertrauen konnten, den wir bereits aus vergangenen Arbeiten kannten und der es immer wieder fertig brachte und auch diesmal fertig gebracht hat, Sounds aus uns heraus zu kitzeln, auf die wir alleine nie gekommen wären.

Ein paar Songs würde ich gerne mit Dir diskutieren…

Zuerst „The Hurt That Finds You First” – nicht nur, weil er der schnellste Track des Albums ist, nein auch wegen des atmosphärischen Teils nach ca. vier Minuten, dieses Fade-Out, welches ihr da auffährt. So etwas wie die Relaxing Zone des Kolosses…

Wir wollten ein paar Gegensätze auf das Album packen und „The Hurt…“ ist eine verdammt gute Referenz hierfür. Dieser intensive Beginn und dann das epische, gänzlich ruhige Ende des Songs. Normalerweise ist es im Metal ja genau umgekehrt, du fängst ruhig und episch an und steigerst dich dann in ein gewaltiges Torso. Das wollten wir auf jeden Fall vermeiden. Da passt dann auch der letzte Track „The Last Vigil“, denn der ist für das Album quasi das, was der letzte Teil von „The Hurt…“ für den Song ist.

Dann hätte ich noch dieses Double Pack „Break Those Bones Whose Sinews Gave It Motion” und „Swarm”, die beiden Sledgehammer des Albums wenn wir so wollen. Langsam, böse, irgendwie der perfekte Weg um zu zeigen, dass Brutalität in der Musik nicht zwingend auf Geschwindigkeit aufgebaut sein muss.

Das freut mich, dass Du die Sache so siehst, denn nach Fertigstellung von „Koloss“ haben wir genau dieses Thema diskutiert. Wir sprachen auch warum gerade diverse Alben, bzw. die enthaltenen Songs darauf, diese Alben so speziell machen. Zum Beispiel kam die Sprache auf „Master of Puppets“. Jeder erwähnt „Battery“, „Damage Inc.“, wirklich coole, intensive und vor allem schnelle Songs, aber für uns – und da sind wir Fünf uns alle einig – ist der brutalste Track auf dem ganzen Album „The Thing That Should Not Be“. Und in diese Kerbe schlagen für mich auch die beiden von Dir erwähnten Songs, die haben diese Unbarmherzigkeit wie sie „The Thing That Should Not Be“ auch hat. Und ich muss Dir auch zustimmen, einige der brutalsten Songs die ich je gehört habe, die waren alle nicht wirklich schnell, die waren brutal!

Das wirklich atemberaubende Artwork von luminokaya.com, dieses 3D Cover. Wird das Album mit 3D Brillen ausgeliefert werden, oder ist das eher unmöglich?

*lacht* Hey das ist mal eine coole Idee, aber eine 3D Brille wird nicht mitgeliefert. Was ich aber weiß, dass die Vinyl Edition das komplette Artwork als Foldout haben wird. Wir sind aber auch am überlegen, ob wir diese 3D Sache nicht doch weiterspinnen wollen. Sei es jetzt in einem Video, oder woanders, das wissen wir noch nicht, aber diskutiert haben wir das Thema schon.

Das Bild ist sowieso completely stunning. Tomas (Haake, Drums) hat das im Internet gefunden und es passte irgendwie perfekt. Es ist multi-layered und somit die ideale Brücke zu unserer Musik. Dazu kam noch, dass das Bild noch nicht verwendet wurde und der Künstler (Keerych) sein OK gab, dass wir es als Cover verwenden dürfen.

Es ist ja nicht nur eure Plattenfirma, auch diverse Medien wollen euch ja gerne das Label der Math-Metal Pioniere oder Ikonen umhängen, wir happy seid ihr mit solchen Statements?

Also sehr happy sind wir damit nicht. Es ist jetzt nicht so, dass wir diese Umschreibung hassen… Von einer Seite betrachtet ist es natürlich schmeichelnd, weil es ja beinhaltet, dass die Leute Probleme haben unsere Musik zu charakterisieren, das heißt wir müssen an sich ja etwas „anderes“ machen.

Andererseits hab ich keine Ahnung was Math Metal bedeuten soll? Sitzt da jemand mit einem Taschenrechner da, wenn er Musik komponiert? Ich habe diese Umschreibung eigentlich noch nie richtig verstanden. Ich kann mich jetzt auch gar nicht mehr erinnern, wann ich Math Metal das erste Mal gehört hatte, da muss so Ende der 90iger gewesen sein. Übrigens: Es ist immer witzig, wenn mich Leute fragen wie wir diesen „neuen Stil“ kreiert hätten und ich weiß nicht einmal was das jetzt genau bedeutet.

Würdest Du soweit gehen und MESHUGGAH eine „love them or hate them“ Band?

Das könnte man so sehen ja. Ich vermeide ja darüber nachzudenken was Außenstehende von der Band halten, weil das in gewissem Maße nicht zweckdienlich wäre. Wir sind einfach ein paar schwedische Jungs die Musik machen die sie selber cool finden. Und wenn es da draußen Leute gibt, die das auch cool finden, dann sind wir zufrieden.

Es ist aber immer wieder interessant Reaktionen auf unsere Musik zu bekommen und ich persönlich z.B. bekomme sehr viel davon. Aber ich habe selten jemanden der einfach nur meint „Ja ihr seid ok“. Ich höre entweder „that’s so fucking great what you are doing“ oder „i don’t understand what you guys are doing, that’s horrorable“. Auf Grund dieser Erfahrungen würde ich schon sagen, dass wir eine love/hate Band sind!

Aber es ist doch cool wenn man polarisiert oder?

Ja natürlich! Mir ist es lieber ich hätte einen Haufen Leute die wirklich und ernst meinen sie hassen unsere Arbeit, als Leute die uns einfach nur OK finden.

Mårten ich bedanke mich für Deine Zeit!


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