Tokyo - Robby Musenbichler

Artikel-Bild

Die goldene Zeit für Studiomusiker ist vorbei, seit Downloadpiraterie und Castingshows. Die Bühne gehört heute zum Großteil den Nichtmusikern.

Ein nachdenklicher Robby Musenbichler plaudert über alte TOKYO-Zeiten, und darüber dass früher (für Studiomusiker) vieles besser war.

Text: Sandy
Veröffentlicht am 04.05.2012

Robby, wenn man sich deine Karriere so anschaut, sind gewisse Parallelen mit Steve Lukather feststellbar. Auch du bist Studio-Tausendsassa an der E-Gitarre und mit TOKYO hattest auch du ein eigenes Baby in Sachen AOR/ Melodic Rock am Start. Würdest du diesen Vergleich so unterschreiben?

Das stimmt, Steve und ich haben diese Parallele - ich habe an über 1000 Produktionen mitgewirkt - in dieser Zeit haben wir uns in Frankfurt kennen gelernt. Die goldene Zeit für Studiomusiker ist vorbei, seit Downloadpiraterie und Castingshows. Die Bühne gehört heute zum Großteil den Nichtmusikern.

Erzähl uns bitte, wie du die Siebziger Jahre als Teil der jungen österreichischen Rock-Szene empfunden hast. Gab es dazumal so etwas wie eine gewisse Aufbruchsstimmung im Land?

Man hatte zu dieser Zeit sicherlich mehr Perspektive wenn man Talent hatte. Es gab auch mehr Plattform für gute Musiker. Viele haben davon geträumt, es im Ausland zu schaffen bzw. Konzerte außerhalb von Österreich zu machen - was auch einigen Leuten gelungen ist.

Dein damaliger Weggefährten bei MAGIC, Günter Timischl wurde später als Teil von S.T.S. "weltberühmt in Österreich". Dich hat es nach Deutschland gezogen. Warum war es dir wichtiger internationale Luft zu schnuppern, anstatt dem Austropop zu frönen?

Mit Magic produzierten wir unsere Alben zuerst in München und dann in Frankfurt. Der Unterschied der Professionalität in den Studios bzw. des Musikbusiness in Deutschland war damals klar und sichtbar. Dann bekam ich ein tolles Angebot bei der Michael Wynn Band ( eine damals internationale Band, die in Amerika Platten produzierte und in Frankfurt ansässig war). Das eröffnete mir neben einem professionellem Management auch den Zugang in die Studios als Studiomusiker (Frankfurt und München war zu dieser Zeit die Produktionsstätte vieler erfolgreicher Acts). Die Möglichkeit an internationalen Produktionen mit zu wirken war in Österreich nicht gegeben.

Man liest auf Wikipedia, dass du seit deiner Rückkehr nach Österreich wieder in Graz lebst. Einmal Steirer-Bua, immer Steirer-Bua? Was macht die Sankt Eiermark für dich als Heimat aus?

Es ist ein sicheres, wunderschönes Land mit sympathischen Menschen. Ich fühle mich sehr wohl hier.

Abgesehen von deinem Engagement bei REINHARD FENDRICH: Fühlst du dich der österreichischen Studiomusiker-Szene verbunden?

Die Studioszene hat sich seit der Krise in der Musikbranche sehr verändert. Viele Plattenfirmen gibt es in Österreich nicht mehr - es wird weniger produziert - vieles kommt aus der Konserve (Stichwort „Virtual Guitarist“) bzw. in den Homerecording-Studios wird selber gebastelt. Der kleine österreichische Markt ist ein Handicap für Musikschaffende geworden.

Denkst du, dass Österreich auch heute noch so starke Musiker wie deinen leider viel zu früh verstorbener Freund Fritz Matzka (u. a. Drummer von TOKYO) hervorbringt?

Es gibt trotz dieser schlechten Situation für österreichische Musiker immer wieder Talente. Ich kenne sehr viele gute Drummer, mein Sohn Benny z.B. studiert jetzt in Hamburg. Leider beenden oft viele Musiker zu früh ihren Traum.

Ihr wart in den 80ern Teil mit TOKYO eines Major-Labels (RCA, Anm. d. Verf.). Die Wiederveröffentlichungen der TOKYO-Alben läuft über die Indie-Plattenfirma Yesterrock. Bitte beschreibe/vergleiche das Musikgeschäft und die Labelarbeit von damals und heute?

Damals hat man noch Platten verkauft - heute ist dieses Geschäft zum Schaden des Musikers kaputt. Folglich gibt es auch kein Geld mehr für Produktionen. Das heißt der Musiker/Künstler muß sich seine Werke Großteils selber finanzieren. Yesterrock stillt das Bedürfnis einiger Sammler und Musikliebhaber, die noch nicht von ständigen Radiogehirnwäsche & Marktdiktat beeinflusst worden sind.

Wie seid ihr eigentlich auf den Bandnamen TOKYO gekommen. Seid ihr jemals in Japan gewesen, bzw. habt ihr eine besondere Beziehung zu Nippon?

Wir hatten zuerst den Titel "Tokyo" , der gleich unsere erste Single-Auskoppelung wurde. Das Sounddesign der Keyboards war auch teilweise fernöstlich - und so war es dann klar mit dem Singlerelease sich nach dieser Stadt zu benennen.

Auch TOKYO-Sänger/Gitarrist Klaus Luley ist seit kurzem wieder Solo (Produziert von Michael Voss, Anm. d. Verf.) aktiv. Man munkelt auch, dass es zu einer Wiedervereinigung TOKYOs kommen könnte. Was sagst du dazu?

Es gibt Interesse diese Band wieder live sehen zu wollen. Es liegt an uns dies zu realisieren. Die Zukunft wird es zeigen ob wir es schaffen. Ich wäre bereit!

Bitte um eine Grußbotschaft an die STORMBRNGER-Leserschaft!

Allen Freunden guter Rockmusik wünsche ich viel Spass mit Stormbringer und unserer Musik - keep on rockin!


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Benediction - Scriptures
ANZEIGE