RHAPSODY - Luca Turilli

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Keiner von uns wollte vom jeweils anderen verlangen, auf den Bandnamen zu verzichten.

Was Luca Turilli im STORMBRINGER-Interview zum Band-Split und vielen anderen interessanten Themen rund ums neue RHAPSODY-Album "Ascending To Infinity" zu sagen hat, das lest ihr hier.

Veröffentlicht am 11.06.2012

Es sorgte schon für Aufregung - und auch etwas Verwirrung - als die Herren LUCA TURILLI und ALEX STAROPOLI im vergangenen Jahr bekanntgaben, nicht mehr länger gemeinsam als RHAPSODY OF FIRE unterwegs sein zu wollen. Verständliche Sorgen der Fans sollten sich aber als unbegründet erweisen, denn es machte nicht nur Signore Staropoli unter dem Banner RHAPSODY OF FIRE gemeinsam mit Ur-Sänger Fabio Lione weiter, sondern auch Signore Turilli blieb dem "Filmscore Metal" treu und veröffentlicht dieser Tage mit "Ascending To Infinity" erneut ein Album als (LUCA TURILLI'S) RHAPSODY. Soweit, so gut. Das Album an sich ist wieder einmal absolute Oberklasse geworden, und dazu wollten wir Luca Turilli auch ein paar Fragen stellen. Was der gute Mann zu sagen hatte, das lest ihr nun im STORMBRINGER-Interview.

SB: Hallo Luca, vielen Dank für den Anruf! Wie läuft's bei dir?

LT: Es läuft fantastisch! Es gibt natürlich viel Promoarbeit zu erledigen, aber darüber freut man sich als Künstler natürlich. Also keine Sorge, langweilig wird's mir nicht, haha.

SB: Nun, das neue Album von RHAPSODY erscheint im Juni; kommen wir doch gleich zu der für Fans wohl interessantesten Frage: Wie kam es zu dem Split zwischen dir und Alex, was sind da die Hintergründe?

LT: Nun ja, das war natürlich keine Entscheidung, die über Nacht getroffen wurde. Du weißt ja, wir haben gemeinsam mit RHAPSODY schon viele sehr schlechte Zeiten durchgemacht, hatten einen Haufen rechtliche Probleme - du kennst ja diese Geschichte mit dem Bandnamen und so weiter. Und ja, das hat letztlich alles dazu beigetragen, dass Alex und ich so vor vier, fünf Jahren erstmals mehr oder weniger ernsthaft darüber nachgedacht haben, so einen Split zu machen.

Du musst bedenken, Alex und ich machen nun schon fünfzehn Jahre gemeinsam Musik, was in der heutigen Zeit ja ohnehin schon fast ein kleiner "Rekord" ist, haha... und da hat sich unser Verhältnis, wenn es um die Arbeit ging, halt ein bisschen verändert. Es machte nicht mehr ganz so viel Spaß wie noch zu Beginn. Aber versteh mich nicht falsch, Alex und ich waren schon Freunde, bevor wir die Band gegründet hatten und sind es noch immer.

Aber die Saga hatten wir gemeinsam 1997 begonnen und wir waren es unseren Fans und letztendlich auch uns selbst aus einer künstlerischen Perspektive schuldig, diese auch zu Ende zu bringen; also haben wir nochmal die verbleibenden Energiereserven angezapft und haben sie nun beendet. Und ja, dann wurde es eben ernster mit dem Thema "Split".

SB: Wie ging's dann weiter?

LT: Naja, letzten Sommer haben wir den Split dann geplant. Zu dem Zeitpunkt wusste ich auch noch gar nicht, was ich weiter machen sollte - ich hatte ein paar Angebote, Filmtrailer und Soundtracks zu komponieren und von unserem Plattenlabel gab's auch kurz die Idee, eine Art Rockoper im Stile von AVANTASIA aufzuziehen. Im Laufe dieser ganzen Überlegungen habe ich mich dann eben dafür entschieden, doch als RHAPSODY weiterzumachen.

Und ich möchte auch, dass die Leute das wissen: Wir hatten ja damals solche Schwierigkeiten, überhaupt den Namen für die Band behalten zu können und sowohl Alex als auch ich haben damals verdammt viel Geld aus unserer eigenen Tasche investiert, um diese rechtlichen Streitigkeiten durchzustehen und Name und Logo behalten zu können... Also wollte eigentlich jetzt auch keiner von uns vom jeweils anderen verlangen, auf den Bandnamen zu verzichten.

Und so haben wir uns dann dafür entscheiden, dass Alex und Fabio als RHAPSODY OF FIRE weitermachen, und ich mit meiner Band als RHAPSODY.

Es lief alles absolut freundschaftlich ab, aber wir wollten eben beiden Bands die gleichen Chancen unter dem gleichen Bandnamen ermöglichen; immerhin hatten wir ja auch die Band gemeinsam 1993 gegründet. Und ich glaube, auf diese Art erreichen wir sowohl unsere alten Fans, als hoffentlich auch viele neue!

SB: Alles klar! Das neue Album "Ascending To Infinity" klingt für mich natürlich noch immer eindeutig nach RHAPSODY, allerdings bemerke ich schon auch viele Elemente, die ich sonst eher von deinen Solo-Alben kenne. Kann man das so sagen, dass die "neuen" RHAPSODY eine Mischung als RHAPSODY OF FIRE und LUCA TURILLI-Solo ist?

LT: Also einerseits ist dieses bombastische, Soundtrack-mäßige Element immer noch da. Es waren ja auch immer diese orchestralen Arrangements, die ich machen wollte - ich war immer ein riesiger Fan von Film-Soundtracks. Also egal, was für eine Art von Metal oder Rock ich auch immer machen würde, er würde wohl stets von diesem Soundtrack-Element durchzogen sein!

Ich sehe mich ja auch selbst eher als Komponist... oder sogar als Keyboard-Spieler, haha... denn als Gitarrist.

Aber "Ascending To Infinity" ist sicher kein Soloalbum; ich verstehe es schon als das "elfte Album von RHAPSODY". Die Musik von RHAPSODY war natürlich für mich immer ein bisschen einschränkend, da wir uns der Erzählung unserer Fantasy-Saga verpflichtet sahen. Ich machte daher auch einige andere Sachen, wie eben meine Soloalben oder DREAMQUEST. Jetzt aber, wo die Saga abgeschlossen ist, gibt es diese Einschränkung für mich nicht mehr, daher bin ich auch nicht auf Solo- oder Nebenprojekte angewiesen, sondern kann das Material auch mit RHAPSODY veröffentlichen.

SB: Also gibt's diesmal keine Geschichte, die alle Songs zusammenhält?

LT: Nein, grundsätzlich sind die Songs schon als "Stand Alone"-Tracks konzipiert. Aber ich mag es natürlich immer noch sehr gerne, wenn es gewisse wiederkehrende Themen gibt, die die einzelnen Stücke zu einem Ganzen zusammenziehen. Auf dem neuen Album sind das etwa das Intro, "Ascending To Infinity", "Dark Fate Of Atlantis" und der Abschlusstrack "Of Michael The Archangel And Lucifer's Fall". Diese Songs basieren inhaltlich für mich auf ähnlichen Motiven, wie beispielsweise Multiversums-Theorien, aber auch vielen biblischen Themen... ich mag einfach gern diese Art von Symbolismus. Den hatten wir auch immer schon in unserer Musik, aber es war vielleicht manchmal einfach versteckter.

Wie zum Beispiel beim Song "Emerald Sword" - da glauben natürlich auch viele Hörer, dass damit wirklich ein Schwert aus Smaragd gemeint ist, was aber in unserer Vorstellung überhaupt nicht der Fall war, haha...

Letztlich geht's auch in den neuen Songs im gewisse Themen, die mich interessieren, aber ich kann mit dem neuen Material auf andere, modernere Art darüber sprechen.

SB: Einer der wichtigsten Punkte für viele Fans von RHAPSODY war sicherlich die Sängerfrage. Fabio Lione ist ja ein erstklassiger Sänger, da war die Sorge sicher groß, dass der neue Mann bei deinen RHAPSODY da vielleicht nicht mithalten kann. Aber mit Alessandro Conti hast du einen wirklich hervorragenden Mann gefunden, der auch auf dem Album eine brillante Performance abgeliefert hat. Wie bist du auf ihn aufmerksam geworden?

LT: Ja das ist eine witzige Geschichte. Ich habe zu dem Zeitpunkt, als ich Alessandro kennenlernte, gar keinen Sänger für "RHAPSODY" gesucht. Es stand zu dem Zeitpunkt eben dieses mögliche Rockopern-Projekt im Raum, und da wollte ich mich zunächst nach einem Sänger umsehen, den ich dafür als "Haupt-Sänger" einsetzen könnte.

Es war dann Fabio selbst der zu mir gesagt hat: "Hey, ich kenn da einen Typen, kontaktier den mal..." - und das habe ich dann auch getan. Denn Fabio wusste genau, wonach ich suchte: Ich war und bin immer noch ein großer Fan von Michael Kiske und den alten HELLOWEEN-Scheiben; die beiden "Keepers"-Alben waren damals auch die ersten Platten die ich mir jemals gekauft hatte und die waren irre wichtig für meine musikalische Entwicklung. Also suchte ich jemanden, der auch diese extremen Höhen kraftvoll singen kann.

Ich habe Alessandro dann kontaktiert und ihn gebeten, viele verschiedene Sachen für mich zu singen - und da ging's nicht nur um Metal oder alte RHAPSODY Sachen, sondern wirklich um ALLES: Er hat mir über Rock, Pop bis hin zu Sachen wie CELINE DION alles mögliche eingesungen und dann stellte sich auch noch heraus, dass er an der selben Musikhochschule Gesang studiert hat wie der legendäre Pavarotti, wo ein sehr lyrischer Stil gelehrt wird. Also hatte er genau diesen opernhaften Zugang zur Musik, nach dem ich suchte - und das passte einfach perfekt für meine Vorstellungen.

Ich hab ihn dann angerufen und ihm gesagt: "Hey, du wirst der neue Sänger bei RHAPSODY!" Das war natürlich auch für ihn erstmal schwer zu verdauen und zugleich auch eine große Chance, haha.

Aber für mich ist es fantastisch, da ich nun endlich diese hohen Stimmen komponieren kann, von denen ich immer geträumt habe; außerdem ist Alessandro Italiener, das war für mich auch wichtig, da ich immer wieder gerne Songs in italienischer Sprache schreibe. Und mit Alessandro habe ich da einfach alle Möglichkeiten.

SB: Ja, in dem einen Trailer zum Album gab's ja auch kurz ein Cover von HELLOWEENs "March Of Time" zu hören, hat es das nicht mehr aufs Album geschafft?

LT: Oh doch! Das ist allerdings nur auf der Limited Edition als Bonustrack drauf. Schade, dass es für die Promos noch nicht verfügbar war... Ich finde nämlich, dass mir auf Grund der ungewöhnlichen Orchestrierung für diese Nummer die vielleicht beste Coverversion dieses Songs überhaupt gelungen ist, haha.

Aber es wird wie gesagt auf der Special Edition enthalten sein, die erscheint mit CD, DVD und auch als Vinyl! Ich empfehle daher dringend, diese Ausgabe zu kaufen... da bekommt man echt viel für sein Geld, haha.

SB: Wunderbar! Wie sieht's denn mit einer Tour zum neuen Album aus?

LT: Da sind wir schon am Planen! Wir arbeiten jetzt ja auch mit Rock The Nation für Europa zusammen, werden daher auch im November und Dezember in Europa auf Tour sein... danach kommt dann der Rest der Welt dran, haha.

Ich lebe ja selbst sehr nahe an der Grenze zu Österreich, und da Rock The Nation auch eine Firma von hier ist, hoffe ich doch, dass wir auch bei euch in Österreich auftreten werden!

Wir wollen auf der Tour auch nicht nur eine einfache, reguläre Show bieten, denn mit Alessandro können wir sehr viele verschiedene Möglichkeiten nutzen. Da können wir zum Beispiel einige der sehr hohen Songs der frühen RHAPSODY-Alben bringen, dann natürlich das neue Material und auch ein bisschen was von meinen Soloalben... von allem ein bisschen!

Wir möchten auch mehr Gewicht auf den visuellen Aspekt legen; früher war es für uns natürlich schwer, gute Videos zu machen, weil wir nicht das Budget von "Herr der Ringe" hatten, haha... Aber jetzt klappt das besser und wir haben nun auch eine Kooperation mit Owe Lingvall begonnen, der schon das tolle Video zu KAMELOTs "The Great Pandemonium" gemacht hat. Ich fand das total klasse und er hat jetzt auch schon das Video zu "Dark Fate Of Atlantis" gemacht. Aber keine Sorge - da kommt noch mehr! Diese erste Single ist erst der Anfang, haha.

SB: Ach ja, wie ist nun eigentlich der korrekte Name der Band? Ist es LUCA TURILLI'S RHAPSODY? Oder nur "RHAPSODY"?

LT: Haha, also für unser Label ist es nur RHAPSODY. Und auch für mich ist und war es immer RHAPSODY. Für das Logo haben wir aber eben meinen Namen als Zusatz davorgestellt, um irgendwelche rechtlichen Probleme zu vermeiden.

Aber wie gesagt, ich sehe auch das neue Album schlichtweg als das elfte RHAPSODY-Album, auch wenn sich für dieses Album viel geändert hat: Ich habe mein Team nach zehn Jahren fast komplett umgestellt, habe diesmal auch nicht bei Sascha Paeth in den Gate-Studios aufgenommen - obwohl Sascha und ich immer noch gute Freunde sind, haha. Aber ich wollte einfach mal was anderes probieren und mir wurde dann Sebastian Roeder empfohlen, der schon den Toursound für KREATOR gemacht hat und wir haben dann bei ihm in Kempten aufgenommen.

Und mit ihm hat auch alles hervorragend geklappt! Wir haben auch die gleiche Lieblingsband - NIGHTWISH - und so verstanden wir einander fast blind. Aber es war für mich die wohl härteste Produktion seit "Symphony Of Enchanted Lands", wir waren vier Monate im Studio und in den letzten drei Tagen vor der Deadline zur Album-Abgabe ans Label, haben wir nicht mal mehr geschlafen, haha. Es war echt ein Erlebnis, aber wir sind mit dem Ergebnis absolut zufrieden.

SB: Dem ist nichts hinzuzufügen! Ein Klasse Album, vielen Dank für das Interview, und man sieht sich auf Tour! Ciao!

LT: Ciao!


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