69 CHAMBERS - Nina Vetterli-Treml

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Es ist wirklich lustig, wie viele Leute CORONER-Einflüsse im Sound zu hören glauben, seit Tommy bei 69 CHAMBERS mitspielt. Das ist Blödsinn.

Wenn man den Gitarristen von CORONER heiratet, dann macht das noch lange keine Band. Anders ist das bei 69 CHAMBERS, denn Frontfrau und Zentralgestirn Nina Vetterli-Treml hat ihren Frischvermählten gleich mal für ihre Combo eingeteilt. Ob das dann zwangsläufig nach CORONER klingt und was sonst noch so hinter dem aktuellen, zweiten Album "Torque" steckt, hat uns die polyglotte Dame per E-Mail erläutert.

Veröffentlicht am 12.06.2012

Nina, was hat euch denn letztendlich zum Line Up-Wechsel bewegt?

Maddy (Madarasz; d.Verf.) musste aus persönlichen Gründen mit dem Musikmachen aufhören. Zunächst hatten wir vor, sie durch einen neuen Bassisten oder eine Bassistin zu ersetzen - ob Mann oder Frau war uns eigentlich egal. Wir hatten ein paar Kandidaten in Aussicht, aber irgendwie hat niemand so richtig gepasst, entweder persönlich oder musikalisch. Als es zeitlich langsam knapp wurde, kam ich auf die Idee, dass wir’s doch als Trio versuchen könnten – diese Band bestand früher schließlich auch nur aus drei Leuten. Wir waren zunächst skeptisch, probierten es dann aber aus und waren auf Anhieb überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war. Wir finden der Sound hat durch nur eine Gitarre nicht weniger „Eier“ als zuvor. Im Gegenteil, er klingt irgendwie roher und Tommy’s Gitarre kommt dadurch viel besser zur Geltung.

War es für dich ein großer Umstieg, statt der Gitarre nun neben den Vocals auch den Bass zu bedienen?

In meiner allerersten Band spielte ich Bass, erst später wechselte ich zur Gitarre, weil sich das Instrument zum Songschreiben einfach besser eignet. Das ist nun auch schon paar Jahre her und brauchte schon etwas Umgewöhnung, aber ich fühl mich eigentlich ziemlich wohl mit nur vier bzw. fünf Saiten.

Wie seid ihr an euren Drummer Diego geraten? Woher kennt ihr ihn?

Ich hatte vor dem Release des ersten Albums laufend andere Schlagzeuger, irgendwie fand ich keinen Drummer, der mir entsprach. Diego lernte ich bei einem Gig in der Schweiz kennen, er war damals Session-Musiker beim Hauptact. Ich hatte schon einiges über ihn gehört und kontaktierte ihn einige Wochen später, fragte ihn, ob er sich vorstellen könnte bei 69 CHAMBERS einzusteigen. Er hat sich zunächst etwas geziert, da ich ihn nicht zu seinen gewohnten Profi-Konditionen anstellen konnte und wollte. Aber glücklicherweise hatte er einen Freund, der ihn kurzerhand anrief und zu ihm sagte „Spinnst du eigentlich? Du musst da einsteigen!“ Kurz darauf wurde er zum festen Mitglied, und ich weiß heut echt nicht mehr, was ich ohne ihn machen würde.

Woher kennst du deinen jetzigen Ehemann Tommy Vetterli denn eigentlich ursprünglich ...?

Ich war im Prinzip Tommy’s Kundin im "New Sound" -Studio während der Aufnahmen zum Debüt-Album "War On The Inside". Man verbringt ja so einige Zeit miteinander im Studio, da haben wir uns besser kennengelernt...

Ist es einfacher oder schwerer mit dem Ehepartner in einer Band zu spielen als "nur" mit einem Freund oder Bekannten?

Ich hätte mir davor niemals vorstellen können, mit jemandem Band und Bett zu teilen. Aber wahrscheinlich gerade weil wir uns bei der Arbeit im Studio kennengelernt haben, können wir Berufliches und Privates gut trennen. Bei 69 CHAMBERS sind wir stinknormale Bandkumpels und ziemlich professionell. Sonst wäre das wohl auch für Diego ein wenig schwierig...

Ist 69 CHAMBERS nun nur ein "Projekt" oder doch mehr "Band" ?

69 CHAMBERS ist auf jeden Fall eine Band, auch wenn die zahlreichen Line-Up-Wechsel der vergangenen Jahre eher ein Projekt dahinter vermuten lassen. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir mit der aktuellen Besetzung so stark sind wie noch nie.

Als was würdet ihr euren Stil denn ungefähr bezeichnen?

Das frag ich mich leider auch immer wieder. Und ich hab bislang noch keine Kritik gelesen, die unseren Stil auf den Punkt gebracht hätte. Ganz grob gesagt machen wir Metal-Rock mit Frauengesang. Wer’s spezifischer will, muss selber einen Stil erfinden, hahaha.

Welche Inspirationen, musikalisch und lyrisch, lässt ihr in das Material einfließen?

Ich schreibe zunächst alle Songs selber und dabei fließt beim Text das ein, was mich gerade so bewegt. Und musikalisch, was mir halt gerade so in den Sinn kommt. Das klingt profan, aber ich denke ich habe über die letzten Jahre meinen eigenen Stil gefunden, der sicher davon beeinflusst ist, was ich gerne höre: Von Doom über Thrash bis hin zu Blues oder sogar Pop.

Welches Publikum wird "Torque" in erster Linie ansprechen denkst du ?

Genauso wenig wie bei uns sehe ich beim Publikum irgendwelche „Schubladen“. Ich denke, es sind entweder Leute, die auf Metal stehen und auch für weichere Klänge offen sind, oder Leute, die auf Rock/Pop stehen und sich auch mal für Härteres begeistern können.

Denkst du, durch Tommy ist ein wenig von CORONER unbewusst bei 69 CHAMBERS mit eingeflossen?

Es ist wirklich lustig, wie viele Leute CORONER-Einflüsse im Sound zu hören glauben seit Tommy bei 69 CHAMBERS mitspielt. Das ist Blödsinn. Auch wenn ich CORONER wirklich mag, so muss ich ehrlich zugeben, dass ich mich mit deren Sound nie wirklich auseinandergesetzt hatte. Die Songs werden von mir geschrieben und auch die Rhythmusgitarren auf der Platte habe ich eingespielt - damals glaubten wir ja noch, dass ich weiterhin Gitarre in der Band spielen würde - während Tommy die Solos und Leads beigesteuert hat. Tommy's Rolle in der Band war vor allem die eines Produzenten: Er hatte einen großen Einfluss auf die Arrangements, auf die Details, aber CORONER-Ideen wurden auf der Platte sicher keine umgesetzt.

Sowohl der Bandname als auch eure Bühnenpräsentation und das Plattencover haben eine doch etwas erotisch angehauchte Aura - ist das beabsichtigt?

Du meinst im Sinne von ‚Sex Sells’? Nein, dahinter steckt kein Kalkül, das hat sich einfach so ergeben.

Steckt hinter 69 CHAMBERS ein Grundgedanke, ein Konzept?

Es gibt kein Konzept, das künstlich erarbeitet wurde. Ich bin die einzige Konstante in dieser Band. Diejenige, die alle Songs schreibt, also bin ich zwangsläufig auch das Aushängeschild. Und das, was ich in der Band und auf der Bühne bin, bin ich auch im Alltag. Im Rahmen von 69 CHAMBERS wird dies wohl einfach ein wenig plakativer rübergebracht.

Und wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen?

Ich habe diese Band vor gefühlten 150 Jahren mit zwei Jungs gegründet – zunächst als Hobbytruppe und wir hatten damals keine Ahnung, dass wir den Namen jemals in einem Interview erklären müssten. Ich muss das leider so stehenlassen, hahaha.

Gibt es einen roten Faden, der sich durch eure Songs zieht?

Der rote Faden ist mein Songwriting und meine Stimme. Durch Diego und Tommy habe ich endlich Bandmitglieder gefunden, die ihre eigene Handschrift reinbringen. "Torque" ist das Resultat dieses Teamworks.

Wo fühlst du dich daheim? Du hast ja schon unter anderem in Asien gelebt... oder siehst du dich mehr als Weltenbummlerin?

Dass ich erst mit 16 Jahren in die Schweiz gekommen bin, hat mich sicher geprägt. Ich fühle mich mit meiner Heimat sicher nicht so verbunden wie jemand, der hier aufgewachsen ist. Insofern hätte ich kein Problem morgen in ein anderes Land zu ziehen, egal in welches. Aber durch meinen Job als Auto-Journalistin reise ich fast jede Woche in ein anderes Land – da ist es auch mal schön, daheim „anzukommen“.

Ihr tretet nun, zumindest auf Promo-Bildern, offiziell als Trio auf. Wer verstärkt denn das Line-Up bei Liveauftritten?

Niemand. Wir sind auch live zu dritt.

Wird man euch demnächst auch in Österreich live erleben können?

Ich hoffe, ja! Bislang ist noch nichts definitiv, aber mal schauen, was der Herbst und Winter bringt. Danke jedenfalls fürs Interview, und liebe Grüße an die Stormbringer-Leser!


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